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Full text of "Staat und Kirche"

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§taai un5 J^ix(^c. 



^orlefitngeit 



an hn Winibzxüiäi ^n §<rlin ^tJ^ulitn 



t)on 



0mxb ^elTer. 



2fuc8'8 SJetlog 



(B. BeUUtt). 

1873. 









Porwort 



^ie nad^fie SScranlaffuna jur SlbfafTung bcr üorlicflenbcn 
©d&rift gab eine öffentliche SSorlefurtg über ba5 SSerl^dftniß 
bcS.^taat^ unb ber Äird^e, bie i^ im legten SBinter an 
ber l&iefigen Uniüerfität l^ielt. Site (Srunblage für biefe 
aSorlefung würben bie Slbl^anblunger niebergefd^rieben, 
tt)el(§e i(| l^ier ber Deffentlid^feit übergebe. 3lnn werben 
aßerbing« freie, auf beftimmte ^nfj'öxex unb eine abge= 
meffenc 3^itbauer bered^nete SBorträge fid^ immer t)on 
fd^riftlid^en ©arfieHun^en unterfd^eiben, weld^e nid^t in 
bemfelben aWafe an bief e . SRüdffid^ten gebuhben ftnb. ®a 
aber biefe ©d^rift ben wefentlid^en Snl^alt'" meiner 3Sor= 
lefung bod^ unüerfürjt unb nur in einigen äbfd^nitten eU 
XKMx^ weiter auiggefül^rt miebergiebt, unb ba il^re ganje ipat 
tung burd^ il^ren urfprüngli^en Qweä mitbefiimmt ifi, 
f d^ien e5 mir angemeff en , bief en Qn^ammm^atiQ aud^ in 
il^rem S^itel anjubeuten. gür bie SSal^I be§ 2;^ema'jS, mit 
bem meine SBorlefung fid^ befd^äftigte, mar ber Umfianb 
entfd^eibenb, bafe e^ eben jefet bie bringenbfte Slufgabe ber 
beutfd^en ©efefegebuna ifi, bie Stellung ber Äird^en im 
©taate auf neuer ©runblage }u orbnen. Slber wie id^ 
über bie fragen, um bie e§ jid^ l^iebei l^anbelt, fd^on 
lange vox ber ©ntftel^ung be^ gegenmörtiaen Äonfliftö nad^= 
gebadet, gelefen unb 'aefd^rieben l^atte, foJmoHte id^ mid^ 
aud^ ie|t in il^rer Sefpred^ung nid^t auf bie @rforbemiffe 
ber augenblidflid^en Sage unb auf bie SSerl^ältniffe eine^ 
einjelnen Sanbeö befd^ränf en ; mein Slbfel^en gieng t)ielmel6r 
gerabe bal^in, mi* mit berfelben über bie engere ©pl^äre be« 
unmittelbaren SSeSürfniffeS ju einer umfaffenben princi- 






IV «Bortoorl. 



pieHcn S3etrad^turtg ju erl^cben. SBSaS id^ ^cben wiH, ift 
nid^t eine pofitit) juriftifd^c ober praftifd^*poIttifd^e, fonbem 
eine rcd^töp]^iIofop|ifd^e Unterfud^ung ; td^ will mi^ roeber mit 
unfern Äird^enre(|tötel^rern nod^ mit unfern ©taatömännem 
uno ®efe|gebern in einen äßettftreit auf il^rem ©ebiet 
einladen, ber nur ju meinem SRad^tl^eil ausfallen fönnte ; 
fonbem idö möd^te, ol^ne ber praftif(^en ©ntfdpeibung t)er- 
ttjidfelter ^Probleme üorjugreif en , bie ®runbfä|e erörtern, 
auf roeld^e alle bef onberen (Sinrii^tungen unb ©efefee immer 
mieber jurüdEfiil^ren, bie affgemeinen ®eftd^t3punfte, t)on 
bereu SRid^tigteit il^re fittlid^e Sered^tigung unb i^r bauern= 
ber SBertl^ ebenfo abpngt, mie anbererfeitS i^re praftifd^e 
S3raud^barfeit t)on ber ©efc^idflid^feit unb ber Umjid^t ab* 
pngig ift, mit ber jene ©efid^tSpunfte auf bie Sebingum 
gen beS gegebenen gaffet angeroenbet meroen. Qn biefen 
©rörterungen l^abe id^ mid^ oemül^t, eine gemeinüerftönb- 
lid^e S)arfteffung mit ber ©enauigfeit ber miffenfd^aftli^en 
Unterfud^ung ju t)erbinben ; unb t)ieffeid^t barf id^ aM bie= 
fem GJrunb l^offen, baß baS, was id^ l^ier biete, aud^ an= 
beren aU ben ©elel^rten unb $]^iIofop]^en vom%a^e nid^t 
unwifffommcn fein werbe. 35aS freilid^ fonnte id^ mir 
nid^t t)erbergen, bafe ber ©egenfianb t)iel jU reid^ ift, um 
fid^ auf wenigen Sogen erfd^öpfen ju laffen; unb ebenfo bin 
id^ weit entfernt von ber aWeinung, aU fönnten tl^eoretifd^e 
SluSeinanberfefeungen jur ^erbeifül^rung einer 3?erftänbi= 
gung auSreid^en, wo ber ©treit fo laut tobt, unb wo biefer 
©treit nid^t bloS auf bem ®egenfd| ber Slnfid^ten, fonbern 
nod^ vid urfprünglid^er auf bem ber Qntereffen unb ber 
SilbungSformen berul^t. Slber fann au^ bie wiffenfd^aft^ 
Kd^e SBetrad^tung ni(|t affeS affein auSrid^ten, fo ift fie 
barum bod^ nidpt überflüffig unb barf fid^ ber Slufgabe 
nid^t entjie^en, in il^rem S^l^eil an ber Slärung ber gragen 
mitjuarbeiten, beren rid^tige Söfung für bie S^tfunft unf ereS 
Staates unb Kulturlebens von fo l^eroorragenber 2Bid^tig= 
feit ift. Slfö einen Seitrag bieju möge man aud^ ben 
gegenwärtigen SSerfud^ wol^Iwouenb aufnel^men. 

»erlin, 28. 3Wärj 1873. 



3nt)aUö-tJM:?jld)m^. 



r 



(Seit« 



1. ©itrUitung: Sntercffe beö ©egenilanbc^. ^lufgabc b« üor* 
liegenbcn Unterfu^ung. 2)ie principicKcn Unlerfcl)icbc bcr fircfcen» 
politifcfecn @t)jieme '. i 

2. 55ie9Cf*i*tH(3^e(5ntit)irfIun9be«35ei1)ältmffe«t)on®taat 
unb ^ix^t im Slltert^um, im ÜÄittelaltcr unb in ber neueren 
3eit 8 

3. ^ie^inl^eitbe^^taatd unbbei5tiid^e. SSoiau^fe^ungen 
tiefet @^(lemö; SSeri^ältnig beffelben ju ben 3upänben unb ben 
?lnforbcrun0en ber Gegenwart lo 

4. S)ic X^totxatit, 3&te ^Seßtünbung. ©ebingunöen il;rcr 3u^ 
Idfjtateit. Ob jte fic^ auf ben Urfprung unb bie 'Kufgabe bcr 
Äirc^e grunben lagt? 2f)xt SBirfungen für bie (Xin^elnen? ben 
«Staat unb bie Äir^e 25 

ö. 5Daö ©taatöfir(^ent^um. ©eine SBirfung. €eine SSegrun« 
bung 42 

6. 2)ie Slrennungt)on@taat unb^irj^c; unter tt)cl(ften 93or* 
auöfe^ungen fie ftd) empfte^lt? ob biefe Sorau^fe^ungen bei 
unö üor^anben finb? 57 

7. 2)rei $auptformen ber ©ejellfc&aft: reine $rit>atgefeös 
f(6aften, öom @taat anerfonnte ^rivatgefeüfc^aften , öffentli(!^e 
Korporationen 66 

8. 3u welcher t)on biefen Älaffcn geboren bieilircfeen? 75 

9. ©(ftlugergebnig: bie Äir^en alö relatiü felbjlänbige ©efett* 
!" fc^aften im Staate. S)ie fpecieüeren Jragen, »el^e auö biefem 

1 ®eft(^töpun!t gu be^anbetn fmb 84 

! 10. SDie Äir^enlebre: Unabl&ängigfeit berfelben t)om Staat; 

©renjen biefer Unabbängigfeit 86 

i 11. SDer Äulluö; Äultudfrei^eit unb Staatöauffict)t 98 

i 12. 3)ic Kir^enöerfaffung: baö Selbflbeflimmung^recbt ber 
i Äir^e unb bie lÄec^^te beö Staat« 103 

[ 13. S>ie Äir^cnleitung. üJlittet gum S(!)U^ gegen fir^licfte 

' Uebergriffe: bad ?Jlacet; bie appellatio ab abusu. Silötl^ige 

SWagregeltt 108 

l 14. S)ie5^ir4enju(f)t; i^re ©ere^tigung, i^re ©rengen unb i^re 
©eauffid^tigung bur^ ben ®taat. ^raftif^e gotgerungen 
^ierau«. ilö 



eeite 

15. 2)ie®eifl(i*feit. 2)er2lttfpru* einer primleöirteti ©tcHüng 
für biefelbe. Olecftte be^ @taatö Wnft^tü* ijrer ©Übung unb 
^InpeUung. SWagregeln ju il^rem ©ftu^e. 130 

16. 2>iegeiflIi*enDrben. S)ie SJereindfreil^eit unb i^re ©renjen. 
©taatögefcl^rli^e Drben. S)aö Orbenöroefen im attöemeinen. 147 

17* SDaöÄir^enüermögen. 2lufj!^t^rec&t beö @taat« über feine 
Serwoltung unb öeriDenbunö- S)ie ©tiftungen, bie (Siöen* 
t^ümer i^re^ 93crmögen^, bie re^tlic^e ©egrünbung feiner Un* 
ücräugerlicftfeit. Mbere 93e|!immun9 be^ PaatUc^en 5luffi(fetds 
red^tö über bie ©erwenbung ber tirftlic^en ©infünfte, ben 93er» 
möQen^crmerb ber Äirc&en mih religiöfen ©enoffenfc^often , bie 
(Jr^altung beö Äir^enüermögenö für feinen piftung^mdgigen 
3tt)e(f unb feine re^tmägigen (Sigent^ümer; mie in biefer Se« 
jic^ung bei- Spaltungen in einer Äirc^e ju »erfahren ijl 169 

18. UnabHngigfeit ber lmrgerli(^en Otec^te üon fircftlicöen 
93ebingungen. S)ie Drbnung ber perfönli^enfiebenöüer» 
l^ältniffe. 2)ie Jamilie. 5Die 6^e. (Simlefee. ©ebeutung 
ber Trauung. (S^itjiürauung. SRot^menbigeit, fte obligatorifcft gu 
moc^ett 198 

19. SDie @*ule. 5lnt&eil beö Staate an ber ßrgiel^ung. 2(nfi)rü$e 
ber Äirfte unb beö Staate auf t>it 8cl)ule. 0aritätifc^e S(ä6ulen. 

2)er a^leligionöunterri^t 227 

20. 2)ie 5lrmenpf leg e 246 



H 



33eri(Stigungen. 

@. 91 3. 1 ü. u. liatt ,,für fe|e" l. fe^e für. 

97 ,, 15 f. jl. „@out)eränedt" unb,, erobtcrnbe"l.@out)erän etat 

erobernbe. 
121 „ - 6. fl. „^tik'' I. @eite. 
131 „ 11 ü. u. (l. „5U ficben" l. guiie^en. 
192 „ 12 t). u. fl. ,/Äbn)cict)ungen" l. 5lbhoei(ä^ung. 



ff 



-<I>-®^B>«>-<J>- 



^^-^^^am 



1. 

^er l^eutjutagc in ©cutf^fanb mit ä)iffcnf(i^aftrtd^en SJo?^ 
trügen über ba^ Serl^äftni^ ber Stixdft jum ®taat auftritt, 
^er l^at bcn a5orö>urf nici^t ju bcforgen, mit bent man fonft 
oft gegen bic ^^iIofo))]^ie freigebig genug ift, bag er fidjf mit 
unt^raf tifd^en / ber SBirftid^feit unb il^rcn Onteteffen ferntie^ 
flcnben I)lngen befd^äfttgc. Unter ben bieten unb toid^tigen 
fjrageu/ toeld^c jur ^tit bie 5lufmerffamfeit unfere^ SSolfe« 
4inb feiner ©taat^männer in Slnfprud^ nei^men, ift feine, be* 
Ten (Sriebigung bringenber, beren (Sntfd^ibung bon burd^^^ 
greifcnberer öebeutung für unfer ganjed ©toatd- unb Äuttur* 
leben tpäre, aU biefe. 92äl^r (iegt bte entgegengefe^te @e« 
fal^r: baf bie Unbefangenl^eit ber miffenfd^aftlid^en Setrad^^ 
tung burd^ bie l^erborragenbe pxattVidft )Bid^tigfeit i^e^ 
^egenflanbed getrübt merbe, ba§ ftatt einer aUgemeingüUigen 
<Entfd^eibung nad^ unberünberltd^en @runbfä^en eine einfeitige, 
<iuf bie borübergel^enben ^ebürfniffe eined einjetnen ^atU^, 
einer beftimmten ))0(itifd^en Sage bered^nete SDoctrin gefud^t 
iinb gegeben k^erbe. (Sinen ®dfn^ gegen biefe ©efal^r mirb 
und ^un&d^ft fd^on bie genauere ^eftimmung unfered Z^^ma^^, 
^ie ®efinnung über bad ^iti unb bie 5lufgabe ber undbor^ 
tiegenben Unterfud^ung geioä^ren. (Sd i^anbelt fid^ für und 
rttid^t barum, u>te bad äSerl^ältni^ bbn <Staat unb ^ird^e ifi 



2 <5inlfitun0. 

hrgenb cteem Bcfonbcren gafie, M bicfem SBoH, in bicfcr 
3elt, unter bicfen Umftänben, fonbern »ie cd übcrl^att^)! 
ju beftimmen ift: nici^t um eine pxatA^äf poM^äft, fonbern 
um eine re(i^td)>]^i{ofo))]^if(i^e Unterfud^ung SSJenn id^ 
i^om SBerl^ältni^ ber ftird^e jum ©taat rebe, fo iott\ttf)t iäf 
unter ber fitrd^e nid^t b(od bad^ tpad biefer ^udbrud aQer^ 
bingd feiner ^erfunft nod^ aOein bebeuten toürbe, bie d^rift^ 
lid^e Sird^e, unb nod^ tDeniger blod eine t>on ben religiöfen 
Oemcinfd^dften , ble fid^ innerl^alb ber d^riftlid^en ©elt in 
fo großer ^nioSfi gebifbet l^aben, nti^gen aud^ etngelne unter 
il^nen ben. Spanten ber Äird^e fld^ aBein borbel^aften. iCiefer 
9iame foQ und t>ie(nte]^r iebe nad^ au^en l^in abgegrenzte 
unb nad^ innen organifirte 9leßgiondgefe0fd^aft bejeid^nen/ 
fo ba§ bemnad^ unfere (Sri^rterung bad SSerl^ättnig ber ^e^ 
Hgiondgefeüfd^aften ju bem bürgerlid^en (Semeintoefen ganj 
aUgentein. unb ol^ne bie Sefd^rSnlung auf eingetne iRetigiond« 
formen, betrifft 5)lefe« »er^ttniß fofl aber in grunbfS|= 
fidler, angemeingülttger Sßeife beftimmt u>erben. Sd finb 
nid^t bie Seigren ober bie änfj)rüd^e einer gegebenen {Retigiond^^ 
gefeUfd^aft, nid^t bie ®efe^e eined beftimmten ®taaM, bie 
Sinrid^tungen unb B^f^^"^^ ^^^^^ einjelnen S3oßed, n)eld^ 
ben aWaßftab für unfer Urtl^eit abgeben bürfen; fonbern e« 
foö unterfud^t »erben, toeld^e Stnfid^t unb Drbnung bed S5cr« 
l^aitniffed ))on <Staat unb ßird^e fid^ aud ber 9latur beffd^ 
Ben unb aud ben aOgemeinen ^ebingungen ergiebt^ an toeld^e 
bad 3uf<^i^in^>tf^in ^in^^ religiöfen unb eined )>oIitifd^en (Stt* 
welntoefcn« überall gefnüjjft ift, ®ieg ift e« gerabe, too^ 
burd^ fid^ bie red^td))]^itofo))]^ifd^e i93etrad^tung einer f$rage 
Don ber pofitib j[uriftifd^en unb ber ))raltifd^ ^oßtifd^en unter« 
fd^eibet, bag jene auf bie allgemeinen ©rfinbe ber red^tlid^n 
Orbnnngen^ auf bie 9{ed^td^rinctf)ien ate fotd^e jurfidgel^t^ 
tofi^renb für biefe tl^eSd bie beftel^enben ®efe^e t^itt bie 



Q^e^enjlanlb unb ^ufgobe. 3 

t^dtffid^Iici^en Bebflrfniffe einer gegebenen ®efe0f(j^aft eine 

(e^e nnb feiner koeiteren Segränbnng bebfirftige dnfianj 

fint>. üDamit ift iebod^ burd^au^ nici^t gefagt, bag ber ¥^i' 

lofo))]^ nid^td toeiter }n tl^un l^abe^ aU oud bem begriff bed 

Seben^gebieted ^ ba^ er unterfud^t^ biejienige f$orm beffeCben 

dbyaUittn, toetd^e feiner Snfid^t nad^ biefem Segriff am DoK^ 

fommenfien tni^pxidft, bag feine 9[ufgabe mit ber %ufftettmig 

eined red^tßd^en ober ))o(itifd^en dbeate erfd^ö))ft fei S)enn 

fo getDig aud^ bie red^tlid^en nnb poM^äftn ©rnnbfä^e 

flberaO nnb unter aQen UmftSnben bie gleid^en finb nnb fein 

muffen / fo berfd^ieben flnb nctl^toenbig bie S in rid^ tu n^" 

gen^ miöft aM biefen ®runbf$^n l^erborgel^en ; benn fie 

finb nid^t Med burd^ bie ^rindpien bebingt, and beren %nn>en- 

bnng fie fid^ ergeben^ fonbern }ug(etd^ nnb gteid^ fel^r and^ 

burd^ bie Serl^ältniffe, auf toeld^, nnb bie äJ^enfd^en^ bon 

)oeId^en iene $rinci))ien angen>anbt toerben. Sd ift ein fa(« 

fd^er 3bea(idmud, n)enn man meint, ee (äffen fid^ ol^ne SRüdt 

fld^t auf btefe JBebingungen Sinrid^tungen audbenfen, toeld^ 

ald bie abfotut beften, bom Segriff ber <Sad^e geforbertea, 

fiberattl^in ))affen, unb biefem DoUtommenen gegenüber fei aUt9 

anbere ein unbered^ttgted unb berfel^Ited. S93a9 finb bemt 

We bfirgerlid^en , polittfd^en nnb lird^ßd^en (Einrid^tungen ? 

^od^ immer nur f^ormen, in benen #ad geben eined ©taa^^ 

M, einer ftird^e, einer bfirgerHd^en @efeDfd^aft fid^ bekoegt^ 

i^r SBiQe fid^ audf))rid^t unb bet^Sttgt. iRun finb biefe ^ot^ 

men freilid^ für ba^ Seben ber ©efeKfd^aft feine^megd 

gletd^gfitttg : ed {ann burd^ fie in feiner gefunben Sekoegnng 

gefarbert ober gel^emmt, in l^eilfame Salinen geleitet ober 

bon il^nen abgebrfingt n>erben. Slber nur um fo mel^r f ommt 

barauf m, ba§ biefelben ber tl^atfäd^ßd^en Sefd^affenl^eit ber 

eefeafd^aft angepaßt feien, für bie fte beftimmt finb, bag il^r 

bnrd^ biefelben leine Aufgaben, benen fie nid^t getoad^fen ift^ 

1* 



4 ^mUittmg. 

aiifgeWlrbet, bie STOütet jur «efricbtguiig i^tcc reafett ®e* 
bärfniffe nid^ berfagt toeiten. @o toentg e« ein ftfeibungd« 
ftUd geben fann^ bad auf (eben Selb pü^i, ebenfolDenig gid^t 
e« (Sinrtd^tungen, bie f ör jebe ®efellf(i^aft gleid^ gut ju brau^ 
d^en finb ; unb tote man xdäft ben Seib nad^ bem 9iod \<Sft{ü? 
bei, fonbern ben Stod nod^ bem Selbe, fo koirb ftd^ nid^t 
bie (StefeQfd^aft ber S3erfaf[ung ju bequemen l^aben, mit ber 
man fie beglüden möd^te/ fonbern bie SBerfaffung ben 3** 
ftänben ber ©efeDfd^aft. 

S)er äßertl^unterfd^ieb ber gefedfd^aftlid^en (Sinrid^tung^ 
U)irb baburd^ ntd^t aufgehoben, aber ed toirb fär feine $lb^ 
meffung ein anberer SWagftab berlangt, aW berjentge, »cC^^ 
d^cn ein abftrafter Sbeaüemu« aüetn fennt. So mu§ ber* 
langt u>erben, bat ^^t bto^ ber abfolute, fonbern aud^ ber 
relatioe SBertl^ jicber ßinrid^tung in SßOtaäft gejogen toerbe ; 
bä§ nid^t b(od gefragt totxbt, ob eine Sinrid^tung mit unfe^ 
rem toiffenfd^aftltd^en ober t)oIitifd^en 3bea( übereinftimmt, 
fonbern andf, ob fie mit ber ©cfd^affenl^eit unb ben Scbürf« 
niffen ber ®efeöfd^aft übercinftimmt , bie fid^ i^rer bebienwi 
foQ. Dber um bie^ ettoad genauer au^iubrüden: älQe (Sin- 
rld^tungen unb ©efe^e foücn baju bienen, bie eioigen ©runb^ 
f&^e bed »ed^td, ber ©tttlid^feit, ber JRetigion in einem U^ 
ftimmten 3^ei(e ber senfd^Ud^en ^efeilfd^aft ^u oertoirKid^en. 
3e öoUftänbiger fie bieg leiften, um fo größer ift il^r XBert^. 
9[ber ob unb toie n>eit unb toie fie ed teiften, bieg l^&ngt 
toefentlid^ bon il^rem SBeri^äßnig ju ber Sifbungdftufe unb 
ben 3uf^^ttben ber SJtenfd^n ah, unter toetd^en unb burd^ 
tßüdft iene ©r^tnbfS^e bertoirUid^t toerben foKen. (Sine (Sin^ 
rtd^tung miki^te an fid^ felb^ nod^ f o bortrefflid^ fein : toenn 
ttiemanb l^a tft, um fte rid^üg unb i^rer urf))rttngltd^en W)^ 
}lDeditng entf^red^enb ju l^bl^ben, f o ftiftet fie me^r üb(ed 
.4fö gute^, unb ftel^t in i^rer Sßirlung hinter foU^en jurftd. 



VufgaBe unb Serfa^en. b 

Me t)tellei^t i»on )oentger reinen ^Begriffen ou^gel^en/ toenige^ 
l^ol^e Biete im Singe l^ben^ oBer baföt bad, tx>a^ fie iDotten, 
kDirRid^ erreid^n. !Dad gleid^e nm$ and& bon ben Seftint« 
mnngen aber ba« Serl^filtnt^ ber fttrd^e unb be« @tam 
gelten. @e fann fld^ bei benfe(ben nid^t blo« barum ^an^ 
beöt, toeld^e Orbnung biefe« Serl^ättniffe« un« an unb für 
jtd^ afö bie Befte unb tofinfd^ndtDertl^efte erfd^etnen iDftrbe;. 
fonbern e9 ntng aud^ gefragt toerben, unter toetd^en SSorani^^ 
fe^nngcn jebe berartlge Drbnung angemejfen unb jtoedtmäSig 
ifL !X)er Wta^^ah fär i^re ^enrtl^eilung liegt mit (Sinem 
JBort, u>ic Bei aßen öffentlid^en Sinrid^tungen, in i^rer ®ir?= 
fung; unb biefe rid^tet ftd^ nid^t ilo^ mäf bem S^tde, ber 
betfolgt toirb, fonbcm aud^ nad^ ben Umftänben, unter be- 
nm, unb ben SRitteln, mit benen er berfolgt toitb. 

üDurd^ biefe SriDfigung ift nun oud^ unferer 3)arfteOung 
i^r ®ottg unb SSerfol^ren borgejeid^net. @ie toirb fid^ nid^t 
bamit Begnügen biirfen^ bon bem Segriff bed ©taated unb 
ber Strd^e au« aßgemeine, mit bem ?lnf<)rud^ auf aBfoIutC; 
Rettung anftretenbe Sefttmmungen fiBer i^r 93er]^ältnig in 
fnd^n ; fonbem fie mu| bie berfd^iebcncn formen, bie ed an* 
nel^men lann, unterfd^eiben, bie äScrau^fe^ngen, unter benen 
bie eine ober bie anbere pd^ erjcugt unb ber ©ad^lage ent^ 
ftjrld^t, unterfnd^en, bie SBirfungen jebe« fird^en))oIitifd^n 
®^ftem« an'« Sid^t fteüen, feine Sered^tigung prüfen unb 
nnd fo in ben @tanb fe^n^ üBer ba«, toa« für un« unb 
nnfere 3uftänbe pa^t, un« ein Urtl^eit a» ^^tben. @« ift 
ttid^ bie 9u«ftt]^rung eine« Iird^ent)oIitifd&en 3beal«, fonbem 
bie IDarfteKung, Sergteld^ung unb Prüfung ber berfd^iebenen 
an fld^ möglid^n Sinrid^tungen, bie un« obliegt 

8Ble biefe Cinrid^tungen laffen fid^ nun, fo toeit fie ba« 
Serl^äTtnifi ber ftird^ jum ©taate Betreffen, auf brei ^pU 
f^fteme jurüdCfül^ren , bie aber natürlid^ ioieber ber berfd^ie« 



6 (Sinlettung. 

benften näheren a^obiftcaHonen fä^ig finb, nttb tl^atfüd^Ii^ 
nid^t fetten ol^ne prengerc golgerici^tigfclt ber!nü})ft nnb ber* 
mifd^t toerbcn. Wlan tann für biefeI6en enttoebet bon ber 
aSoraudfe^ung au^gel^ett, ba^ @taat iinb fttrd^e tot^entüäf 
jufanttnenfaßcn ; ober bon ber entgegcnflefefeten, baf fteburd^* 
aM getrennt feien unb Innerfid^ nid^td mit einanber gemein 
l^aben; ober ntan fann enbUci^ neben tl^eiftoetfcm SlnÄeinanber* 
faQen tl^rer Aufgaben nnb ©ebiete ingleid^ auci^ ein tf)üL- 
toeife« ^n^ammm^aUm berfelben annel^men. 3tt bem erften 
goß-tolrb man berlongen muffen, bat @t«öt unbftlrd^c, ba 
fle ll^rem fflefen nad^ Sind flnb, bieg aud^ in il^rer ©er^ 
faffung feien, bag ed Sine unb btefetbe $anb fei, in toeld^e 
bie oberfte ©eioaft über beibe gelegt ift, bag bie flrd^lidje 
unb bie bürgerlid^e (S)efe^gebung, bie @taatdregierung unb 
bad Sird^enregiment, ba fie fld^ auf bie Seitung bed glei^ 
d^en Iird^I!d^'t)otttifd^en ©emeintoefend bejiei^en, fid^ ent« 
loeber gar nid^t, ober bod^ l^öd^ftend nur toie {toei 3'^^ 
etner unb berfelben SC^ättgleit unterfd^eiben. ©ofern aber 
bod^ immer nod^ toenigftend ein begrlfftid^er Unterfd^ieb jtot« 
fd^cn il^nen ftattflnbet, erl^ebt fid^ aföbalb bie r^rage, toeld^em 
bon beiben Steilen bie ^ö^ere Urf<>rflnglid^feit jufommt: ob 
bie bürgerlid^e (S^etoatt atö ein Hudflut ^^^ lird^tid^en, ober 
bie lird^lid^e ald ein HudfCut ber bürgerttd^en }U betrad^en 
ift; unb jie nad^bem biefe grage beantwortet toirb, erhalten 
toir bie entgegen gefegten @taiib))untte ber SC^eofrdtie unb bed 
(Säfaro))a))idmud, bed ^rd^enftaatd unb ber ®taatd{ird^e; to)obei 
e« für bie borticgenbe Unterfud^ung gtoar })raf tifd^ nid^t gleid^= 
gültig ift, aber ^rinci>telt bod^ erft in itoelter 9iei^e in ®e^ 
trad^t lommt, toie bie Sird^e unb ber ©taat felbft in il^rer 
inneren SSerfaffung organiftrt finb: ob in jener ein Ober* 
^riefter, ober eine J>riefterlid^e Slriftofratie ober bie ganjc 
®emeinbe , in bief em ein 9Ronard^, ober eine Oligard^ie ober 



dreierlei 6tettttii(|m M &aM aut Jtirtfte. 7 

bie (^fammtl^eit bie l^öd^fte ®ett>aU in ^nben l^t ober 06 
otbttd^ unb itt tpetd^et Sßetfe biefe berfd^iebenen SSerfaffuttgd^ 
formen mit eitumber berbunben finb« 

Segt man anbererfettd ben JiBeftimmungen über bad 
SeY]^&Itni§ bed @taat9 unb ber Sird^e bie Sorau9fe|ung )tt 
<Srunbe, bag t^re beiberfeitigen Gebiete unb Aufgaben gSn)^ 
iU^ oudeinonberf aden / fo. maäft fic^ fcie <Ba<fyt im $dnci)> 
fel^r einfad^: Streike unb @taat finb boQftänbig )tt trennen/ 
ieber bon betben 2:i^eUen orbnet feine Sngetegenl^eiten burd^« 
qM felbftänbtg unb unabl^ängig bon bem anbern^ unb toenn 
ed i^nen aud^ felbftberftänbttd^ nid^t bermel^rt ift, ftber 
^nniU, in benen il^re dntereffen fid^ berühren, fid^ mit ein« 
anber iu berft&nbigen , fo mu§ bieg bod^ bem beiberfeitigen 
freien Srmeffen anl^eimgefteQt bleiben; an fid^ l^at koeber 
ber ©toat einen 9ted^t9anf))rud^ auf bie 3)ienfte ber Aird^^ 
nod^ l^at bie Sird^e einen f otd^en auf bie SDienfte bed &taaM, 
unb anbererfeit^ barf fid^ bie Stixdft in bie bürgerlid^en SUt" 
getegenl^eiten ebenfotoenig einmifd^en^ ate ber ^taat in bie 
{ird^ßd^en. 

aSerkoidetter geftaltet fid^ unfere i^rage^ loenn man an^ 
nimmt, ba9 ftaatßd^e unb hai fird^Hd^e Gebiet faQen koeber 
gang {ufammen, nod^ ganj audeinanber, i^re Slufgaben unb 
Sirtung^feeife feien nur in gemiffen JBejie^ungen berfd^ieben, 
in anbern bagegen gemeinfam. ^enn in biefem ^tt t&§t 
fid^ aber il^r 93er]^ältni§ nid^t einfad^ nad^ einem aQgemeinen 
1ßrinci)> entfd^eiben. SD2an tann tool^I bertangen, bag ieber 
Streit bie ^(ngelegenl^eiten, koeld^e il^m au^fd^Ue^d^ jngel^i^ren/ 
felbftSnbig orbne, in betreff bereu, tooxin er fid^ mit bem 
anbern berührt, mit biefem iufammentoitle. Slber bamit 
biefe 9lege( ankoenbbar fei, müt im einseinen unterf ud^t tott^ 
ben, teeld^e 3(ngetegen^etten einerfeit^ ber Sird^e anbererfeit* 
bem ®taat eigent|äm(id^ , no^iäft beiben gemein finb; iViie 



tt>eit feiger in bem folteren %att bie ^meittfimtleit fld^ ev»^ 
ftre(ft> kDo fle atifSttgt tttib m^f)M; toie enbtici^ in bev ^8te» 
l^anblttng btefed ©emeinfamen )u berfal^ten 1% tt>e{d^e Sted^e 
auf ba{feI6e febem S^l^eit juftel^en, unb )9er im (SoQifiendfall 
b^ entfd^dbenbe ®0rt )» ^pttäftn ffat Se t&|t fici^ n\dft 
berfettttetty bag bie Slufgabe unferer Unterfud^itng unter ber 
ißoYoudfe^ung biefe^ gemifd^ten ®^ftemd biet }ttfantmengefe^ter< 
unb fd^^teriger n>irb, oM ti>enn koir mit einem ber rei« 
nett bie firii^Iid^en Xngetegenl^eiten einfa<^ bem ©taate obet> 
bie bfirgertid^ ber $ird^e juioeifen, ober- anbererfeitd ieXbt 
(S^biete fd^ted^ttueg trennen. @oQte ed fid^ aber geigen, bat 
bon biefen fürgeren Siegen feiner jnm 3^^^^ f^^t ^ber ba§ 
tbenigften^ unter getoiffen Untftänben n>eber ber eine nod^ ber* 
anbere fid^ em^flel^It, fo bliebe bod^ nur ber mittlere übrige, 
gefe^ aud^ er mfire fd^erer ju finben, unb e^ n>firen^ koenn 
man i^ betritt, gleid^faß« mand^e Unebenl^citen )U ükt- 
binben« 



2. 

. 5Die gefd^id^tttd^e (Entn>idelung be» SSer^fittniffed , mit 
bem t9ix nn^ befd^äftigen, }eigt einen attmäi^ßd^en f^ortgang 
bon ber anfSngfid^n Sin^eit ber ^rd^ unb bed @taated^. 
)tt il^rer fd^ärferen Unterfd^eibung unb Z^rennung. 3n ber 
erften unb äfteften f^orm bed menfd^tid^n (S(emein(eben6, in 
ber tS^milie^ liegt ber Seim, aM bem ebenfo bie reßgli^fr 
u»ie bie bärgerßd^ (S^efeQfd^aft ^xtottondfi. £)ergamitoi^ 
botev mx urft>rünglid^ (voit tx>ix bie| i, Sd. bei ben jiübifd^ 
Vatriord^n finben) }ug(eid^ ber 9iegent unb ber ^riefte« fd# 
iM^ ^otiffd; er fd^ßd^tete bie ®treitig{eiten, orbm^ bie ge» 



meittfmttf n abt^efagotl^Ucn, ffi^tte bie peinigen im ftantH^ 
U)anbte f^ für fie mit Gebeten lutb C)))fern an bie ®0tt^ 
ffdL Sbtd^ KDenn fi^ eine f^amUie jum @tamm auMtettete^ 
ober eine Stejol^t benachbarter f$amllien f^ )u einer ®e« 
meinbe bereinigte, blieben o^ne B^^if^t itt ber 9tegel biefe 
berfd^iebenen Snnltionen t)erbnnben: ba9 @tamme^oberl^au))t 
ober bie ^amUien&Iteften ftanben an ber Splitt be^ religidfen 
n)ie bed )>oIitif(i^en ©emeintoefend* @o tft e« }. f6. nod^ 
bei ^omer* 3>te ftänige, bie l^eerfül^rer, bie ^auÄöäter^ 
ot>fem l^icr für ^äf unb bie Sl^rigen: einen befonberen 
f riefterftanb gtebt e« noci^ ni^t, koenn aud^ fold^e ftnltttd^ 
l^anblmtgen, für toeld^e eine eigentl^ümlici^e Begabung erfor^ 
berßd^ ift, toie bie SBeiffagnng unb bie l^utung ))on SSor^ 
ieid^en, einjetnen l^iefür befonberd befäl^igten ^erfonen über- 
tragen n>erben. ^k ürd^ttd^e nnb bie bürgerfid^e ^emetnbe 
faOen l^er eben tl^äd^üd^ nod^ {ufammen, unb man ^at^ 
leine Serantoffung , bie Leitung berfetben an ))erfd^iebene 
Organe ju üerti^eilen* 

3e loeiter tnbeffen einerfeit« ba« religiöfe anbererfett^ 
ba^ ftaatlif^e Seben ftd^ entn^ideUe, um fo me^r mu^e fid^ 
biefe« 9ebiirfni§ l^eraudfteUen. S« mu^te fid^ {eigen, ba§ 
bie reltgiSfe (Sinn)irlung auf ba« 2$ott bie SSermittlnng. 
feine« SSertel^r« mit ber ©ottl^eit, eine S^l^ätigteit (tnberer 
Hxt fei unb anbere Sigenfd^aften erforbere, at« bie ^ieg^ 
fi^rung ober bie Sertoaltung ber bürgerlid^en ©efd^äfte» 
2Da« retigiöfe unb ba« 4}oIitifd^e @emeinioefen n)urben beB^ 
l^alb nod^ nid^t getrennt ; aber innerl^atb ber gleid^en @ef eQ« 
fd^ft lom bie religiöfe unb bie |>oIitifd^e, in«befonbere bie 
Iriegerifd^ 2:i^ätigfeit an )>erfd^iebene ^erfonen: e« bi(bete 
fid^ ein eigener ^riefterftanb, bem anbererfeit« nid^t feiten 
ein Ariegerabel gegenöbertrat ; bie beiben ® tänbe erl^ietten ifytt^ 
eigent^ümßd^e Organifation, nnb tt)enn bie B^ge^örigfeit }u 



10 ®ef4i(^t(iAe (Sttttoicftund. 

)>enfeI6en ttnabfinberlici^ an bie ®thwct gelnit)>ft iDUtH ^^- 
feftigten fie fid^ p Saften; bie @))i|e be« einen biCbete ein 
Dbet|)riefter^ he» anbem tin ftdnig; nnb e« erl^oB fid^ nnn 
bie ^age, in n>eld^em S3er^&(tnit biefe Beiben SKäd^te tu 
einanber ftel^en foBcn: ob bie Äönige unb bcr Äriegerabel 
bcr ^ricfterfci^aft nntcrgeorbnet fein fotten, ober bie ^tiefter^ 
fd^ft il^nen, ober ob nnb nitter toeld^en ©ebingnngen pd^ belbe 
in bie ^errfd^aft ju tl^eiten l^aben. 35iefe grage »nrbe nun 
bei ben orlentaßfd^en SBöHern, mit ©nfd^fag ber 3uben, in 
ber JRcgrf bal^in entfd^icbcn, baf bie })rlcfterßd^e unb bie 
fftrftttd^e ®ttoaÜ mit gef onberten ©efugniffen neben einanber 
ftanben; biefef Serl^äftni^ n>ar aber natftrlid^ eine OneQe 
forttoä^renbcr ©reniftrcitigfeiten jtoifd^en beibcn, nnb e«tt)ar 
nid^t aöein bei öcrfd^icbenen SBiJttem berfd^ieben georbnet^ 
fonbem aud^ bei Sinent nnb bemfelben Spotte toar bie 9ßad^t 
nnb ber Sinfln^ ber ?rieftcrfd^aft balb größer balb geringer, 
je nad^bem bie Umftänbe nnb ber S^aralter ber {Regicrnn^^ 
gen il^re änf})rild^e begünftigtcn ober einfd^ränften, »ei ben 
#ried^en bagegen ift oon Slnfang an ber t)otitifd^e @inn biet 
}tt ftart aW bat [xäf neben ben bürgertid^en Oetoaftcn eine 
^ierard^ie mit anerfannter fetbftänbiger ©teßung im Staat 
bllbcn fonnte; nnb fo gro§ aud^ ber Sinflut anf bie öffent^ 
fidlen Slngelegenl^eiten toar, beffen bie ^riefter in einjelnen 
<Stüattn fid^ erfreuten, unb gu bem indbefonbere bad große 
9iationalorafet jn T>üp^ bcr bortigcn ^rlefterfd^aft ben S33eg 
bal^nte, fo tnt^pxiäft eö bod^ in ber ^au^jtfad^e bcr gried^i- 
fd^en !Denfn>eife unb ben gried^tfd^en (Sinrid^tungen burd^aud, 
tocnn ?Iato au^fü^rt'): »ie üid fid^ immer bie ^eftcr ttnb 
SflSal&rfager auf il^re Sürbe einbltbcn mögen, fo feien pe bod^ 
in äßal^rl^eit nid^t mcl^r, *ai» ÜMencr bed Staaten. %ud^ in 



1) ?Jolit. 290, 0. f. 



9lom Derl^eft ed fU^ bamit nid^t anber^. ^x Stuitn^ tt>ar 
bort nod^ bie( unmittelbarer unb umfaffenber mit bem @taat9^ 
tiefen berflod^ten, ate Ibei ben ^ried^en, ebenbegtoegen kourbe 
aUx anäf bie Steligion in nod^ n>eit ^öl^erem ®rabe, att bei 
biefen, in ben IDienft ber ^olitil unb ber )>o(itif(^en ^ar^ 
tl^eien gejogen. ^Der®runbfa^ ber ©taat^reltgion galt gerabe 
hei ben 9tömem in boQer Strenge; an eine 2^rennung, ober 
Qnöf nur an eine Unterfd^eibung bed reßgiöfen unb bed ))o- 
litifd^n ®emein)oefend n>irb l^ier nid^t gebadet 

Wtan fönnte nun glauben, biefe Unterfd^eibung l^Stte 
^df \>cäf a\i(St fd^on im ^(tertl^um ti^emgftend ba aufbr&ngen 
mfiffen, ido berfd^iebene 9iationa(itäten, unb ba^er aud^ ber- 
fd^iebene ^Religionen /. in Sinem 9ieid^e beifammen tDaren, 
ba |a in biefem t^aUe bie (StaatdgefeQfd^aft unb bie 9ie{igiottd^ 
gefedfd^aft tl^atfäd^tid^ audeinanbergefaQen feien. älDein bem 
kDar bod^ nid^t fo. 9(IIe iene Settreid^e be^ ^(tertl^ume, 
ba9 affl^rifd^e, mebifd^e, ))erfifd^, macebonifd^e unb römtfd^e, 
tt>aren leine ftreng einl^eitßd^en ©taaten; il^re ^ekool^ner toa^ 
ren nid^t }u (Sinem 93oHe mit gleid^en Siedeten unb ^fUd^ten 
bereinigt, fonbem ein l^errfd^enbed SSoH l^atte fid^ eine größere 
ober tteincre änjal^I anberer SSöIfer unterworfen, ol^ne bie^ 
f clben in bie ©emeinf d^af t , feine« nationalen unb |>ofitifd^n 
geben« aufjunel^men* di^re @itten unb Sinrid^tungen mur^ 
ben il^nen belaffen, fo toeit fie ftd^ mit ter Oberl^errfd^aft 
be« @ieger« bertrugen. ^n biefen gebulbeten Sigentl^ümlid^:: 
leiten ber untermorfenen aSölfer gel^örtc nun audf^ il^re ®iU 
terberel^rung, unbbiegtoarum fo unbebenflid^er, baber^oli?* 
tl^ei^mn« feinen ^efennem ertaubte, neben ben eigenen 
Vettern aud^ frembe aU toirfßd^e ©ottl^etten aniuerfennen, 
bie in il^rem ®ebiet eine Wladfi l^aben unb auf SSerel^rung 
"Hn^pxndf maöftn lönnen. @o ergab fid^ tool^I ber Untere 
fd^ieb jtoifd^cn ber {Religion be« i^errfd^enben SSofte« unb 



n 



®efi6i^tli^ (Stttmitflüng. 



betten ber 9el^errf d^ten ; iene iDar bte etgentßd^e ©taatd« 
ttItgiDn , biejietiige, bon xotld^tt bad ^efammttDpl^I bed ^tiäfi^ 
olbj^ättgig gebadet tourbe, biefe looren gefe^ßd^ gebufbete 9te? 
(igionen, toeld^e nur in einzelnen Steilen bed 9letd^ed öffent^ 
(id^e ®e(tnng nnb nur für biefe 2:i^eile ^ebentung l^atten.. 
Xber 9{ationa{re(igionen toaren bie einen n)ie bie onbern; 
bie @ötterbere]^tung toar ein ^eftanbtl^ett ber öffentßd^en 
dnftitutionen , bei ben ^ntermorfenen 93ö(tem fo gut, ioie 
bei beut l^errfd^enben : eine bon ber bärgerd^en ©efeUfd^aft 
berfd^iebene 9?e(igion«gefetffd^aft gab e« toeber bei biefen nod^ 
bei jenem, 

3u biefer Unterfd^eibung lonnte ed äber]^au)>t erft bantt 
Ummtn, toenn Steligionen auftraten ;. toe(d^e bad 93er]^ä(tni§ 
bed aßenfd^en jur ©ottl^eit auf eine anbere ©runblage fteK^ 
Un, ato bte Sl^eUnal^me an bem nationalen stauben unb 
&aita^. Sine fold^e 9{eIigion toar nun bad (Sl^riftentl^unt^ 
feit ed fid^ bom dubentl^unt emanci|>irt i^atte, unb im gleid^ 
mäßigen ©egenfa^ gegen bie ifibifd^ unb bie l^eibnifd^e 
®IaubendU)eife fld^ feiner uniberfeQen ^eftimmung bekDugt 
geiDorben u>ar. Unb fo feigen koir benn aud^ U)irtlid^ bie 
d^rtftlid^e Sird^e fid^ dal^rl^unberte tang in boHer ©eCbftän^ 
bigfeit unb au^er aQem ^n^ammtn^ani mit ber fle umge^ 
benben ©taatdgefeQfd^aft enttoideln. 3lber eine gefepd^e 
Orbnung biefed SSerl^ättniffe« koar im rdmifd^en iReid^e, fo 
(ange biefed feiner aittn ©taat^reUgion treu blieb, nid^t 
möglid^. ^Qe öffentlid^en Siurid^tnngen toaren l^ier mit ber 
Serel^rung ber ©taatdgi^tter feft bertoad^fen; eben biefe 
®i)tter l^ielt aber bie d^riftUd^e ftird^e balb ffir ®efd^:|sfe 
ber Sinbilbung ba(b für unreine ®eifter, fle erKärte bie 
S^erel^rung berfelben für bie fd^U)erfte @ttnbe, fie gieng offen 
barauf oud, in bem ©i^tterglauben eine bon ben tiefften 
(Stotnblagen bed bidl^erigen ©taat^ioefend }u serftSren. @ine 



^od ^^ihnt^um im rdmifi^n 9Dei^. . 13 

htifye SteHgion^gefillfd^aft lonnte ber römifd^e Staat y^Ürn^ 
toetfe ignoriren, abtt er fottnte fie nic^t anerfennen, er lotmte 
Don i^r }tt '{einem anberen ^^^^^^ ^^^4 nehmen, atö nm 
fie mit aüen SDItttefo, bie in feiner ^a(fyt lagen, }n bet^ 
ttid^ten. 9{a(^bem anbererfeit^ ba^ S^riftentl^nm in ber 
Ti^mifd^'gried^ifd^en SBelt jnr {)errf($aft gelangt toax, n>nrbe 
bad alte $rinct:|) ber @taatdre(igion fofott auf bie neue 
<^auBendU)eife übertragen; nnb biefe neue ©taotdreligion 
n)ar um fo au^fd^Uegenber unb nnbntbfanter, je mentger ber 
tOlonot^ei^mud bem S^t>i\fÜ)ü^mM bie gleid^e ®ere<i^tt^ 
^ung jugeftel^en fonnte, bie eine )>ot^t^eiftifd^e Sietigion ein^ 
^anbern einräumen burfte,«i>]^ne fid^ felbft etn>ad }u bergeben. 
®o lange il^r ©taube gebrüdt unb berf c(gt tourbe , tparen bie 
^rifttid^en X))oIcgeten fihr bad 9ied^t ber 9teIigiond^ unb 
^etoiff^ndfreil^eit nad^brücSid^ in bie ©d^ranfen getreten; in 
bemfelben Slugenbtidt, in bem er auf ben Zi)xon ftieg, tt>a^ 
Tcn biefe ®mnbfaftc boöpänbig bergeffen. SDaö ^eibentl^nm 
tmtbc je^t bon bem d^riftlic^ ge^Dorbenen ©taate mit ber^^ 
felben ®eti)aUfamfeit unterbrüdtt, mit ber frfll^cr ber ]^ib=^ 
•nifd^c @taat ba^ (S^riftentl^um ju unterbrüdfen i)erfttd^t l^atte. 
©elbft über bie @treitig{eiten innerl^alb ber d^rifttid^en Slird^ 
:entfd^ieb*feit Sonftantin bie ©taot^regierung; ^ärettfer unb 
@d^i«mati!er tourben mit Slmt^entfe^ung, SSerbannung unb 
ruberen Bürgerlidj^n ©trafen, fogar mit ber JCobedftrafe be= 
legt ; je naäf ber ^artl^eipeöung ber ftaifer unb i^rer ®ünft= 
littge tourbe baib bie ariantfd^e baCb bie atl^anafianifd^c Seigre, 
talb bie iSinl^eit batb bie 3u>ei^eit ber Staturen in Sl^riftu^ 
:ium ©taatdbogma erl^oben, unb ba9 nicänifd^e ^etenntnif, 
tiefer ©rünbftein ber fird^tid^en Drt^obojie, ift nid^t öon 
^ äßel^ri^eit ber ©ifd&öfe, fonbcm bon Sonftantin, totläfex 
^amatt nod^ nid^t einmal getauft mar, a(fo formett bon 
Einern nid^td^iftlid^en fiaif er, jum ^rd^engefe^ gemad^t n>orben. 



14 ®ef4i<6tU(^e dnttoidlm^. 

(SBenfo lag aud^ in aOen anbeten fird^Hd^en flngelegenl^en: 
bfc Ie|tc Sntfd^eibung in bcr $>anb be« Äaifet«; fo biete 
Stü(ffid^ten imnter^in bie t^a^äd^Iid^en aRad^tberisitniffe 
auferlegten, unb fo oft in ben ©treitigfeiten , an benen t^ 
bcr 9?atnr bet ©ad^e nad^ nld^t feilten lonnte, bie SRegierung 
gegen bie fiird^e ober gegen einjetne Rrd^Iid^e ^artl^eiett 
ben Itirjeren joj. 

92id^t anberd ftanb ed nod^ (öngere 3^it <tud^ in ben 
<Bta<iten, toeld^e im Slbenbfanb an« ben ©türmen ber S5öt 
Icrtoanberüng l^erborgiengen , unb namenttid^ in bem 9ieid^^ 
ba« fie aü^ überragte, bem abenbtSnbifd^en ^aiferreid^. !Die 
ftrd^tld^en SBürbenträger unb bie geiftlid^en Äör^jerfd^aften 
f)attzn l^ier einerfeit«, il^rem Sinflu^ unb i^ren ©efi^berl^älfc^ 
ttiffcn entf<)red^enb, fel^r toid^tige ^)oIitifd^e Siedete; anberer^ 
feit« U)aren fie aber ebenboburd^ in ba« ©taat«toefen afe 
SEl^eite beffefben berflod^ten , unb fo gro§ aud^ bie ©etbftän* 
biglelt ber Slrd^e in bcr Drbnung il^rer innern Slngelegcn- 
leiten bamaJ« fd^on toat, fo bietfad^ fie aud^ in bürgerfid^e 
5)inge eingriff unb il^rerfeit« fld^ unb il^ren ^Dienern fettft in 
fofd^en eine ^jriöifegirte ©teßung ju berfd^affen n>ufte, fiy 
toaren bod^ bie ©ifd^iJfe bem ©taot^oberl^au^jt nod^ nnter* 
geotbnct, fie tourben bon il^m ernannt unb l^atten il^m ben 
8e^en«eib ju leiften, unb fogar ^&p^U ftnb bi« um bie a^^itte 
be« Uten Oal^rl^unbert« bon ben Äaifern nid^t fetten ein* 
unb abgefegt loorben. 

3n ber fjolge gelang e« nun freiöd^ ber ftird^e, ba^ 
entgegengcfe^te ©Jjftem jur fierrfd^aft ju bringen, ©ie 
U>u|te feit ®regor VII nid^t Bio« fid^ felbft in il^ren innereti 
unb fingeren Slngelegen^eiten faft ganj unabl^fingig bom 
©taate }u mad^en, fonbem fie nal^m aud^ ffir fid^ eine Ober« 
^errfd^aft fiber bie ©taaten in Sinfprud^, burd^ toeld^e bie 
mltlidftn Surften unb Obrigleiten )u unfelbftfinbigen 3)ie* 



l 



S)od aRtthlalter utib bet 9cotc{kantidmud. 1& 

nem ber fttni^ unb bet oBerften fitrd^ettgetoatt gelootben 
\oSxm. ik^ fi(^ cmd^ biefer %x^ptuöf in feinem boKen Um^ 
fang ttid^t butd^fe|en^ fo toar bod^ bie kix(fyt im 13* dal^t^ 
^nnbert auf bem lüften S93ege }u feiner SBemirnid^ung ; unb 
fo fd^toer bie ^Keberlagen loaren^ ti>el(i^e bie rüdfid^tötofe 
8n#bentung il^rer ©teCnng unb bet innere SSerfaQ bed Sk^^ 
m« nnb be« SßWf^fffVim^ int 14ten unb 15ten dal^rl^ünbert 
% iiQogen^ fo ffat fie boci^ gmnbfä^ßci^ nie auf benfelben 
berstd^t 

Um fo nötl^iger fd^ten e« ben Stiftern bed ^roteftau:? 
ti^ntu^, bie (SeifiUd^Ieit n)ieber ftreng auf i^ren reßgiöfen 
©ernf, bie Seigre unb ©eelforge, ju Befd^ränfcn, unb nur in 
beut jCffttt ber refomtirten ^ixäft, ki)e((^er feine 9iiäftmt% 
koefentttd^ burd^ (Satoin erl^iett, gab il^r bie dnftitution bed 
fitrd^enbanned ©elegenl^ett ^ fid^ eine poütt'\äft ©teOung in 
f^ofratifd^ent ®inn ju erringen, toäl^rtnb i^r in ber In^ 
t^erifd^en unb ber beutfd^^^reformlrten Sird^e bie @inntifd^ung 
in bie bürgerlid^en 3(nge(egenl^eiten intmer nur borübergel^enb 
gelang, ol^ne fid^ auf ein anerlannte^ SRed^t ju ftä|en. jök 
Folgerung aber, ba^ biefer Sntanci^ation be^ ©taat« bon 
ber ^rd^e andf eine @ntanci)mtton ber ftird^e )>ont ®taat 
Sur @eite gelten ntfigte, )Durbe l^ier nid^t gebogen. !7)ie San:: 
be^l^errn foBten jtoor nad^ gütiger'« äbfid^t junäd^ft nur alt 
„Wotl^Wfd^öfe", fo lange bie B^^^ißpänbe bieg erforbem,. 
bad Strd^nregintent öbernel^nten ; aber in ber SßirHid^Ieit 
Äurbc biefe ^nrobiforifd^e (Sinrid^tung jur bcflnitii?en : e^ 
tourbe il^nen i^atfäd^Iid^ bie SteQung bon Sanbeebifd^dfen 
perlannt, toie man biefe nun aud^ in ber SEl^eorie formu^» 
fiten unb begrfinben mod^te, unb in !Detttfd^(anb gieng man 
fo toett, bag bem dürften gerabeju bad Siedet eingeräumt 
Jöurbe, bie Confeffion feiner Untertl^anen ju beftlmmen, ba| 
ber @a| : cuius regio, dus religio, ein anertannted ftaat^^^ 



«16 ©eWAtUd^e (Stttwicflung. 

^eä^Üiäf^ ^rtnci^} tourbe. 3lcd^ ftrcnget? toorbc bcr ©toöb* 
^unft bed ©taatdtird^entl^um^ in ber ang(tfanif<i^en Sätäft 
butd^gefttl^rt , tt)e(^e atö nationale dnftitutbn mit ben mo:: 
natd^lfd^cn nnb arlftcfratifil^cn Sinric^tungen il^reö Sanbc« 
auf« engfte ucmad^fen ift. Ä6cr aud^ bcr fct^oKfd^en Sird^ 
gicng feit bcnt 16ten3a]^rl^unbcrt nid^t aöein bon il&rer ^crr^ 
fd^aft Aber ben @taat^ fonbem auc^ bon il^ret fird^Ild^ 
©ettftänbigfeit ntel^r unb ntcl^r an bie ategierungcn beriorcn^ 
beten ^aäft aud^ in aKen übrigen Gebieten bed öffentttd^ 
Seben« eine imntcr l^öl^erc unb fd^ranlenlofcre tourbc, bie an 
bem traurigen B^P^^^b ber ftird^e eine bringenbc Slufforbc^ 
Tung inm ©infd^reitetl fanben> unb auf beren Unterftö|unig 
bie Sird^e felbft fid^ beut ^roteftantidmu«, bann beut ouf^ 
Kärerifd^cn 3^i^9^if^ gegenüber gebieterifd^ angetoicfen fal^-; 
unb nur bem Singreifen ber ©taaten l^atte fie c« ju bcr- 
t>anlen^ toenn fie tiu« bem SSerfaß, in toctd^en ba« fitd^Ud^ 
Seben unb bie fird^üd^en Drbnungen gerat^en toarcn, im 
erften S)rittl^e{I be« gcgentoärtigen 3al^r]^unbertd fid^ n>eit 
rafd^er toicber erlaub, atö fie bieg an^ eigener Sraft irgenb 
:bermod^t l^ätte. 

3nbeffen (ag ba« ©taat^Krd^entl^um mit ber S^^eofratie 
"ooäf nur über bie grage im@treite, ub-bicÄird^e über ben 
^aat JU l^errfd^en l^abe, ober ber ®taai über bie Äird^e ; in 
^er aßgemeinen SSorauöfe^ung bagcgen^ bag ba« retigiöfe nnb 
ba« <)otitifd^e ®emeinti)efen jufammenf aßen , ftimmte e« mit 
if)x überein. 5lnbcre rid^tetcn i^re Singriffe gegen blefe ge* 
meinfame Orunblage ber beiben ©^fteme, um ftatt il^rer eine 
:burd^gefül^rte unb bottftänbige ©d^eibung bc« |)oIitifd^cn nnb 
bed religiafen ©ebiet« unb bal^er aud^ eine boKftänbige Xxtti- 
nung be« @taatd ntib ber ßird^e ju ber langen. @d marcn 
Weg im aßgemeinen ieberjeit biejcnigen, tocld^e unter bem 
^errfd^enben <Sl;ftem ju leiben litten; kDcgen Gftt^ rriigi&fen 



! 

I 2)ie neuere 3<it. 17 

^elennhtiffed gebrü({t unb berfo(gt tourben : im a(trSmifd^en 
Steige bte Sl^tiften^ in ber ci^rtftUd^en 8Be(t bie 3uben unb 
bi^jenigen (j^riftlici^en ^ortl^eten, benen ti^egen i^rer SlbtoeU 
(i^ung bon ber ^Dogmatil ober ben $u(tud^ unb 93erfaffungd« 
formen ber ©taatdlird^e bte freie atcßgion^ü&ung bcrfagt, 
bie äßcnfd^ens unb Sürgerred^te öerfümmert tourben. 9lkr 
in ber JReget tourbe jene S^rcnnung ber Äird^e bom ©taat 
nur fo lange geforbert, ate man üfxtx für ftd^ felbft be^ 
bnrf te ; f obalb man bagegen in ber Sage toar^ bte ^oUt bed 
SSerfoIgten mit ber be^ SScrfoIgerd ju oertaufd^en, feierte man 
bereittDiOig ju ben @^ftemen {urüd^ gegen bie man fid^ 
fourn erft auf'd öugerfte gefträubt l^atte. 3^ ^^^ toenigen^ 
miäft mit ber greil^eit beö religiiJfen gebend unb mit ber 
©d^eibung jtpifd^en ©taat unb Sird^e Srnft mad^ten, ge]^ö== 
ren bie engUfd^en 3nbe))enbenten unb bie mit il^nen im 
3ufammenl^ng ftel^enbe @efte ber Gu&Ier. '^wcäf SDtit^ 
glieber biefer ^artl^eien tourben in bad engfifd^c Siorb- 
amerila bie ^nfid^ten ber:|)flanit ^ toe(d^e unter ben eigene 
tl^ümßd^en SSerl^ältniffen ber bortigen ^olonieen nad^ ii^rer 
Sodreigung bom 3ßutterlanbe ju bem tird^en^oUtifd^en ®\)^ 
ftem filierten/ bad in ber norbamerilanifd^en Union l^eute 
nod^ in Straft ift ^enn ed aud^ im einjelnen nid^t burd^auft 
folgerid^tig burd^gefül^rt tourbe. 5Kad^ bicfem Softem fott 
ber ©taot bie Sird^en atö bloße -^ribatgef eflfd^aften , bie 
Religion alö eine ^ribatfad^e ber Sinjelnen betrad^ten; 
er foö fid^ bal^er einerfeit« aßer Singriffe in lirdbttd^e %n^. 
getegenl^eiten, ebenfo aber aud^ aßer gürforge für bie SRe^^ 
Uglondgefeüfd^aften, ben JReügiondunterrid^t, ben Suftu« ent^ 
l^attcn, anbercrfcit« ber Sird^e auf bie öffentüd^en 5lnge^ 
(egen^eiten, bem SScrl^äftnit, in toeld^em bie ©njetnen jut 
Sird^e unb SReligion ftel^en, auf il^re ftaatdbürgerlid^en Jße^tc 
unb ^flid^ten {einerlei einfluf geftatten. 5«ur ^infi^ttid^ 

2 



48 ®mmiiit Qnttoimm%. 

ti^rc^ ©ep^cd unb tl^rcr Sermögcn^JjemaÜUttg finb be« 
Stixiftn, ate Sebtngung für bie (Srtangung UxpotaÜott 
Stcd^te, gctolffc ©efd^ränfungcn aufcriegt, bcnen aber gcrabe 
bt e Sixä)t, bei bcr fic om nötl^igftcn tt>8rctt, bie fatl^olifd^e, 
fid^ tl^atfäd^Iid^ ju cntjiel^en getou^t l^at 3n bcr neueren 
3cit ifat biefc« ©i^ftcm aud^ in ©uro^^a unb nantentltd^ 
in ®eut[d^lanb jal^Ireid^e Slnl^änger gctoonnen. JlDie Unab^ 
l^änglgtclt ber reügiöfen ©cfeflfd^aften bom ©toate l^ot l^ler 
fett 1848 naäf bem SSorgang bcr .^beutfd^cn ©runbred^te" 
aud^ in ber ©cfcfegcbung (Singang gef unben ; bon bcn ?Rcd^^ 
ten, iDcId^e bie Staaten unb itjre Siegicrungen frül^cr ben 
ftird^en gegenüber in ?fnf))rud^ nal^men, unb bie il^nen fetbft 
bon JRom au« längere 3cit nid^t bcftritten tourben, finb 
ntand^e, unb nid^t bie untoid^tigften, balb tl^atfäd^tlc^ balb 
aud^ gefe^Kd^ aufgegeben toorben, unb unter ben übrigen 
ift faum irgenb eine«, ba« ber heutige fatl^olifd^e Äteru« 
. mit ber greil^ett ber Äird^e, fo ti>ie er biefc auflegt, nod^ 
berträglid^ fänbe. @o ift aßentl^alben an bie (Staaten, unb 
bor aöcm an ba« Junge beutfd^e JRetd^ bie Slotl^toenbigfeit 
. l^erangetreten , i^r SSer^ättniß jur .Sird^e neu ju orbnen, 
unb ernftlid^ in (Srtoägung ju jlc^en, tok tozit bie biöl^erige 
©efeftgebung über biefen (Segenftanb beibel^aften »erben 
lann, in »eld^en fünften fte bagegen ber SBerbefferung 
unb ergänjung bebarf. Unb e« ift ja aud^ gur (grte^ 
bigung biefer grage fett einer JReil^e üon Oal^ren in Sba-^ 
ben, neueften« aud^ im SReid^ unb in ^reu|en burd^ eingrei^ 
fenbe ©efefee ber Anfang gemad^t toorben. S« ift aber 
cbenbamit aud^ ber fflSiffenfd^aft eine bringenbe »eranraffun^ 
gegeben, biefe« aSer^örtniß toieber^olt ju unterfud^en, bie 
©ered^tigung ber ©runbfäfee, toeld^c für feine Drbnung 
befolgt, ben SBertl^ ber ÜWagregeln, mläft ^iefür in ^n^ 
»enbung gebrad^t toerben fönnen, ju t)rüf en, bie ©ebingungen. 



dinktit i9on 8taat unb ittr^e. 19 

unter betten bae eine ober bad anbere Iird^ent)onttf(l^ @^« 
ftem ottgescigt ift, jn ermitteln, feine golgen für ba« rell* 
fli&fe, bad politifd^e, bad tt)irt]^fd^aft(td^e nnb ba« Kulturleben 
2u beredten. 



S 

Unter bcn bcrfd^icbcnen ©eftaltcn, tt>e(d^c ba« S5er^ält= 
niB bcr fiird^e unb bc« ©taatc«, ber retigiöfen unb ber bür=^ 
gerufen (Sefeßfd^aft, im Saufe ber ^üt angenommen ^at, 
ift, tote toir gefeiten l^aben, biejcnige bie ättefte unb aud^ 
jc^jt nod^ bie berbreitetfte , toeld^c auf ber SSorau^fe^}ung 
%er toefentlid^cn 3bentttät berul^t; mag nun ba^ ftaatlid^e 
Seben öon bem reUgiöfen ©cmeintoefen unb feinen ßeitern^ 
ober baö religiöfe toon ber ©taat^getoalt bel^errfd^t toerben. 
®ci^on biefer Umftanb fe^t e« nuit au^er B^^^f^^/ ^^6 i^"^ 
^int^eit bon ©taat unb Kird^e unter getoiffen SSorau^fefenui^ 
gen bered^tigt unb naturgemäß ift. SBo bie S!u(tu§gemeinbe 
mit ber ^)olitifci^en, ba« refigiöfe Selenntniß mit ber 5)?atio^ 
naiität ti^atfäd^Iid^ jufammenfäüt, ba l^at man feinen Slnlag, 
in ben SSerfaffung^einrid^tungen jloifd^en beiben ju untere 
treiben, bie 9?ed^te beö ®taat§ gegen bie ^ird^e unb bie 
tRed^tc ber tird^e gegen bcn ©taat fd^ärfer abjugren^ 
jctt, bie Ie(jte Sntfd^eibung ber fird^Iid^en Slngetegentjeiten 
in anbere ^änbe ju legen, afö bie ber ^)oIitifd^en. !J)a 
e§ in biefem Satt bie gteid^en ^erfonen finb, hjetd^e bad 
botitifd^e unb retigiöfe ®emeintt>efen bifben, fo bejeid^nen 
„tird^e" unb ,,@taat" nid^t jtoei tjerfd^iebene törj)erfd^aften, 
fonbern 6ine unb biefetbe, nur üon berfd^iebenen ©eiten be? 
trad^tet: ba^ cinemaf nad^ ber ®eite i^re^ retigiöfen, ba^ 

2* 



■JL 



20 (Sinl^eit t>on @taat itnb jtir^e. 

«tibcremal naäf bcr i^re« bürgcrüd^cn gebend- 3ft nmt 
m^ itnmerl^in itt>if (^en bief cn bcibeti Sebcn^bcjfel^ttngen eüt 
U«ter[(i^tcb, unb fötmcn infofern au^ unter biefer SBorau«* 
feftung für bie SSornai^me ber Sultuei^anblungen unb über* 
1)anpt aüer bie {Religion betrcffenben öffentfid^en r^unftionen 
anbere Organe beftetlt toerben, al« j. Sd. für bie Sriegfüi^^ 
rung ober ba« 9ieci^tfi)reci^en , fo ift bod^ ber S^räger ber 
®enteinj>erfönlid^!eit, ber ©ouberän, im ©taat unb in ber 
Sird&e ber gleid^e, e« ift Sin unb baffelbe SSofl, beffen re^ 
Hgiöfe« Seben in ber Sird^e, beffen 5Red^t«Ieben im ©taate 
ftd^ organifirt l^at; unb fefbft toenn jtoifd^en ber {Regierung; 
unb ber ^riefterfd^aft ein ©treit au^brid^t, ift bieß, ftreng^ 
genommen, nid^t ein Äonflüt jtoifd^en <Stciat unb fiird^c,- 
fonbem nur ein ©treit unter ben berfd^iebenen S^l^eilen be^ 
Sinen f ird^Iid^ = ^)otitif d^en ©anjen. SBenn in einem SSoIf 
afle bemfelben ©fauben unb berfelben ©ottei^berel^mng an^ 
.l^ängen, unb toenn anbererfeit« biefe ©tauben«- unb ^ttn^^ 
form auf ba« Sine iBoÜ befd^ränft ift, fo toirb niemanb^ 
auf ben ©ebanfen fommen, bie Sird^e bom ®tacit ober ben: 
©taat bon ber Sird^e !ünfttid^ ju trennen, toäl^renb bod^ 
in ber SBirflid^feit toeber jener nod^ biefe ein gefonberte* 
©afein l^at, fonbem beibe il^rem Umfang nad^ fid^ botßoms^ 
mtn bedten. 

ätttein jene SSorau^fe^ung trifft nid^t iiberaK ju; unb' 
tt>ie fel^r man bie^ aud^ beftagen, toie ib^ttlfd^ man fid^ bie 
3uftänbe eine« SSotte« ausmalen mag, ba« burd^ !eine con^^ 
feffioncfien ©egenfä^e gefj>alten, fein religiöfe« toie fein fitt^ 
tid^e« geben irt einem unb bemfelben Drgatii^mu«, einem 
nationalen <S>taat unb einer nationalen Sird^e barftefie: bie 
©efd^id^te betel^rt un«, bag biefe unmittelbare Sinl^eit be^ 
xetigiöfen unb be« ^jolitifd^en ©emeintoefen« immer nur ba 
jnögtid^ toar, too enttoeber bie SReligion ober ba« <Sta(d^^ 



Soroudfe^ungen becfeiben. 21 

Jel&en, ober aitd^ l&cibc, auf einer niebrigercn ©tofe ftel^an 
Micfeett, ba§ fie fid^ bagegen fofort auflöfte, toeim blefelbeti 
jit einer l^öl^eren unb felbftänbigereh (gnttotdfung gelangten. 
S5er Orient fcnnte ti^eolratifd^^eSinrid^tungen ertragen, toeif 
bae Öebfirfttll einer freien Drbnung be« ©taatömefctt^, bad 
:©ebürfni6 ber ^)otitifd^en Slutonomie, in [einen bef^)otifd^ be^ 
l^crrfd^ten ©täntmen unb SSöIfermaffen in \6ftt>adf toax, um 
fic bie Slbl^ängigfeit bon einem fremben, angeblid^ göttlid^en 
SBifien afö einen unteibßd^en üDrud emj>finben ju laffen. 
1!Dcr gried^ifd^e unb römifd^c ^ol^tl^eiömu« tonnte ftd^ in 
t>en SDienft be« ©taat« fteüen, »eit ba« retigiöfe ©etougt^ 
fein l^ier nod^ nid^t bie Jiefe unb bie äßgemeinl^eit getoon- 
iten tiattz, nm ba« SSerl^ättnig be« 3»enfd^cn pr ©ottl^eit 
Don ben äußeren Scbingungen ber ©eburt, ber 5RationaIität, 
be^ SBol^nfifeeö unabl^ängig gu toiffen; »eit ba^ Sntereffc 
ber aWenfd^en jtoifd^en ber ©orge um il^r ©eelenl^eit unb 
ber ©orge um ba^ ©taat^tool^I nod^ nid^t getl^eilt, biefe 
burd^ jene nod^ nid^t in bie jtoeitc {Reil^e jurüdfgebrängt 
tüar; toeil bie ®ötter atö Sanbe«^ unb aSoIf^gottl^eiten fid^ 
junäd^ft nur il^rer ©d^u^befol^fenen anjunel^men l^atten, unb 
i^rem SSerel^rer nid^t jürnten, »enn er nid^t^ l^öl^ere« bon 
il^nen ju erflel^en, nid^t^ anbcre^ bon il^nen ju erwarten 
toujte, atö bag fie il^re ganje 5IRad^t für fein 8anb einfefeen. 
©clbft ber jübifd^e 3Äonotl^ei^mu^ entjog fid^ biefer SSer^^ 
fd^metjung mit ber ^otitif nid^t; benn menn aud^ Sel^obal^ 
ber einjige h>a^re ®ott fein foßte, bcffen ^errfd^aft fid^über 
bie ganje SBeft erftredfte, fo ^atU er bod^ feine gö^rforge 
nur bem Sinen auöertoäl^Iten 35oIf jugetoenbet, unb cö toar 
ganj in ber Drbnung, »enn er blefe^ SSoIf, in bem eö ol^ne« 
bem. nie jur ^eil^eit unb ©elbftänbigfeit be« ^)oIitifd^en 8e* 
benö gefommen ift, aU ba« einjige il^m jugel^örige in ieber 
Äcjiel^ung, unb bal^er aud^ in feinen bürgerlidj^en Slngelegen- 



22 ^inl^eit wn €taat nnb Stirbt 

ffAUn, pei^Ml^ regierte. 5)tc SRetigton toax immer nod^ 
Solf^rcfiglon, benn aitger btefem S5ottc foöte e6 nur ©ö^cti* 
bienft, feine SReßgion geben. J)a^ Sl^riftentl^wm l^at biefe 
©efd^ränluttg bei JReKgion auf Sin SoH unb ©taat^toefen 
grunbfä^fid^ unmöglid^ gemad^t; inbem e« a(« SBetoelts 
gion auftrat, fteöte e^ fid^ aüen ben 8ebcn«formen, bie 
auf ©n S5ott bef darauf t finb, al« eine umfaffenbere gegen- 
Aber/ inbem e6 fid^ bie etoige ©eltgfcit jum 3^^^ f^^^^ 
brüdfte e« gegen biefe l^öc^fte unb unbebingte Slufgate ben 
SBertl^ be6 ^taat^Uitn^ l^erab, unb e« fonnte an bie 
Unterorbnnng ber Sird^e unter bie ©taatögetoatt unb bie 
®taat6jti)e<fe folgerid^tig aud^ bann nid^t mcl^r gebadet toer=^ 
ben, ate bie töbtßd^c t^cinbfd^aft jtoifd^en bem neuen 
®Iauben unb bem l^eibnifd^en ©taat burd^ bie ß^riftiani- 
ftrung be« römifd^en JReid^e^ befeitigt toar. 3[nbererfeit^ 
aber l^at aud^ bie ffiefd^ränfung beö <BtaM auf eine einjige 
{Religion aufgel^ört. Unter ben fämmtfid^en Sutturftaaten 
unferer 3^'* ift nid^t Siner, in bem ntd^t Sl^riften unb Sn- 
ben, Äatl^oltten unb ?5roteftanten gemifd^t n)ären; felbft 
ttjenn ti>ir öon ber SSöfler^ unb SReligion^mifd^ung im ruffi^ 
fd^en Slflen, in Oftinbien unb in ber grof en tranöattantifd^en: 
5Re^)ublif abfeilen. Unb unter aßen jienen JReßgion^gefefl^ 
fd^aften ift ebenfafi« !eine, bie nid^t in il^rem 3nnern toie^^ 
ber burd^ ©eften unb ^artl^eien gef^)alten toäre; unb mdf^ 
too e« gelang, biefe ^artl^eien in Siner fird^ßd^en ©emein^ 
fd^aft äugerßd^ xufammenjul^altett , jiel^t fid^ bod^ ber innere 
®cgenfa^ ber ^iU unb Sßeugläubigen, ber äufgeMärten unb' 
ber Drtl^oboyen, in ben berfd^iebenflen Äbftufungen unb SWo^ 
biflMonen burd^ fie aöc ^inburd^. ©o bteibt ba bie gin^ 
l^ett bc« ®taat« unb ber ftird^e, too bie SWögßd^feit einer 
SSerfaffung, U)e(d^e aße bie au^einanberftrebenben unb fid^ 
gegenfeittg befämpfenbcn Confeffioncn ju Sinem tlxäjüif^po» 



3^rc UnmddU(^feit fut unfcre 3ett. 23 

lUtfc^en fangen k)erlnü))fte, ade bie untDerfaltftifd^en, ä6er bie 
©rcnjcn bcr Sänbcr unb SSölfer übcrgrcifenbcn, SBcIt^crr:* 
fd^aft anftrebenben Streiken in Sin nationale^ ©enteintoefen 
aufnäl^mc nnb einfc^ränftc ? Unfcre JRetigioncn finb nun 
einmal üiat^üäfü^ niäft ntel^r national, unfere Staaten finb 
nid^t ntel^r confcffioncß ; toad fann e^ ba nod^ l^elfen, für 
bie (gin^eit be« ©taatö nnb ber fitrd^e, b. 1^. für bie m^ 
tionak Sirci^e unb ben confeffioncßen ©taat p fdj^toärmen? 
SBäre aber bcr SCl^atbcftanb aud^ ein anberer, fänbefid^ 
jufööig irgenbtoo ein 35oIf, in b^nt nicntanb bon ber l^err- 
fd^enbcn Stdigion abtoid^c, fo toürbc c^ toäf bcnt ®cift un- 
fcrer ^eit, ben 3lnforbernngen ber l^eutigen ©ilbnng, bem 
SSefen be^ ntobcrnen ®taat^ unbcbingt toiberftreiten, toenn 
biefe^ SScIf fid^ confeffioneß abfd^lic^eu/ »enn cd nur ben 
aDKtgliebcrn einer beftimntten SRcItgiondgefeüfd^aft bad <BtaM^ 
bürgerred^t, ober »enigftend baö öoüe unb unbcrfümmerte 
®ärgerred&t getoäl^ren, toenn cd feinen Slngel^örigcn eine 
Slenberung il^rer ßonfeffion, einen 3ludtritt and ber Sanbe^i: 
lird^c berbieten tooütc; unb fo toeit bie§ in einzelnen 8än= 
bern nod^ gefd^iel^t, fann nur gefagt »erben, bicfe Sänber 
unb il^re Sinrid^tungen feien nac^ tiefer ©eite l^inter ber 
©itbung unfered Sal^rl^unbcrtd jurüd gebfieben , fie beflnben 
fid^, tijenn aud^ in anberem nod^ fo »eit borgefd^ritten, 
in biefer ©ejiel^ung nod^ in einem barbavifd^en 3^P^w^- 
Unfere ^tit erträgt cd fd^fedbtcrbingd nid^t mel^r, ba§ 
gegen bie retigiöfe Uebericugung ein 3^^w9 i^g^tib einer 
Art ausgeübt toerbe; bag irgenb jemanb, nid&t n?egen einet 
SBerlelung ober ©efäl^rbung ber $Re(^td^ unb ©taatdorbnung, 
fonbern tebiglld^ beg^atb, toeil er getoiffe bogmatifd^e ©S^e 
glaubt ober nid&t glaubt, getoiffe gottedbienftlid^e ^anblnngen 
begebt ober unterläßt, bom ®taat audgefd^loffen, in feinen 
bfirgertid^en unb ^)otitifd^en JRcd^ten gelränit, gegen anbere 



24. (SinBeit ^on @taat unb jtir^e. 

©taat^bürgcr gurüdgefetjt ober gar bcftraft »erbe. Unb 
bod^ niug bic^ gcfd^cl^cn, tocnn bcr ©taat fid^ mit einer 
Äird^c ibcntiflcirt , tocnn er eine SReligion für bie ©taat«^ 
reßgion erHfirt; nnb ebenfo niu^ ber ®taat unter biefer 
S5orau6fefeung anä) in aßen anbern ©ejiel^ungen be« öffent* 
Ild^en Seben« auf bie Sird^e JRüdfid^t nel^men, i^ren Seigren, 
il^ren Drbnungen, il^ren Sfntercffen einen Sinftug auf feine 
©efc^e unb Sinrid^tungen einräumen- 3lud^ biefe^ berträgt 
fid^ aber nid^t mel^r mit unfern 53egriffen bon ber Aufgabe 
be« ©taat« unb ben ^flid^ten ber ©taat^bertoaltung. SQSir 
berlangen, bag ber (Staat in feinem ©ebiete autonom fei, 
ba§ für bie Drbnung unb Leitung be« SSoIföIcbenö feine 
anbcre JRüdtfid^t, aW ba« 5Red^t unb ba« öffentfid^e ^o% 
ma^gebenb fein bürfe. 3cne Sinl^eit beö :j)oIitifd^en unb re^^ 
tigiöfen ©emeintoefenö, toeld^e im Slltertl^um aüerblng« in 
ber 5Ratur bcr üDinge begrünbet toar unb bem aKgcmeinen 
©itbung^juftanb zntfipxaäf, ift ^eutjutage ttjeber mit ben tl^at=^ 
fäd^Iid^en SSer^ältniffen nod^ mit bem ®eift ber ^^it bcrein^ 
bar; feit e« ein ßl^riftentl^um giebt, gel^t bie Sird^e nid^t 
mel^r im ©taat auf, feit cd eine ©ctoiffenöfreil^eit unb einen 
mobernen <Staat giebt, !ann ber <Staat nxäft rntf^x in ber 
tird^e aufgellen: ber ®ang bcr ®efd^id&te, bcr i^ortfd^ritt 
ber Sitbung l^at il^rc urf^)rüngtid^e Sinl^cit aufgetöft, unb 
feine fünftlid^en SWittcI fönncn fie toiebcrl^erfteKcn. 

2Bir n)erbcn und babon nod^ bottftänbigcr übcrjeugen, 
loenn voix bie fird^en:t3oIitifd^cn ©^ftcmc, tocld^c fid^ and ber 
SSoraudfefeung ber Sinl^cit bon ©taat unb Sird^e ergeben, 
bie ^zottatk unb ba« ©taatdf ird^entl^um , im einjelnen 
näl^er betrad^ten. 



2;^eofratte. 25 



4. 



ÜDcr ®runbgcbanle ber Zfttotxaüt Ücgt in ber ©c^ 
ffanptmi, ba§ blc gcttung bc« bürgerlic^ctt cbcnfo, tote bie 
bc« rettgiöfcn gebend ber ftird^c unb ben mit ber Äird^en* 
Icitnng beauftragten ?erfonen iuftel^c; unb nur ein untere 
gcorbneter, für biefcn ©runbfat} felbft unerl^ebfidber Unter* 
fdf^ieb ift ed, ob biefe "ißerfonen bie {Regierung be« ©taatd 
unmittelbar ausüben, ober ob fie biefetbe burcb toeltlid^e 
f^ürften unb Dbrtgfeiten ausüben taffen, bie il^rer Dberauf* 
fic^t unterworfen finb, bie bon i^nen geleitet toerben, unb 
im ^aü be« Unge^orfam« gegen bie Sircbc bon i^r abgefegt 
»erben fönnen. 

3ut ©egrünbung biefe« ©Aftern« bejruft man fie^ nun 
auf ben ©orjug, toeld^er ber Sirene bor bem ^tciatt fotool^t 
naci^ ii^rem Urf^)mng ate nad^ il^rem SBefen unb i^rer Slb* 
jtocdung juftel^e. 35ie flird^e, fagt man, ift göttüd^er, ber 
®taat ift blo« menfd^Iid^er äbfunft; iene ift bon ber ©ott- 
l^ett geftif tet, um il^re Offenbarung ju betoal^ren, ii^ren 
aSißcn JU oerftinben; bie toeltlid^en ©taaten unb9?eid^e ba* 
gegen finb bon SDIenfd^en, oft burd^ fel^r unfittlid^e unb 
berabfd^euungötoürbige SWittel, gegrünbet; fie finb, loie fd^on 
@regor VII. ben i^ürften feiner 3eit ju ©ernüt^ führte, 
ba« SSSerl bon JRäubern unb SIKörbern, bon Ärieg unb @r= 
oberung; ober toie bie§ bie :>)otitifd^en 5i:i^eoreti!er be« 3es 
fuitenorben«, ein Settarmin unb SWariana, moberner aud= 
fül^ren: oütn loettlid^en Dbrigfeiten ift i^re (Setoalt bon 
bem SSolfc, bem aßeinigen urfjjrünglid^en 3n^a6er berfelben, 
tibertragen, unb fie fann il^nen, toenn fie fie migbraud^en, 
Don bem SJoIfe aud^ lieber genommen »erben; bie Äird^e 
aöeln l^at eine l^öl^ere, bon bem toanbelbaren SBiöen ber 
ffficn^äftn unab^ngigc SRiffion: fie berbanft %c ©eioaft 



26 X^tßhatit. 

bcm ffiitfctt unb Auftrag bcr ©ottl^eit fic l^anbctt in aücnt^ 
tt)ad fic tl^ut, fraft flöttlid^cr SSoflmad^t, afö ©tcfibcrtretcrm 
®otte«, unb fo fange bicfer il^rStiftcr Jene ^oümaä^t ni(Sft 
gurüdjiel^t, toa« er nie tl^un toirb, !ann fie il^ burd^ fein 
menfd^Iid^ed ®efefe unb feinen menfd^tid^en ©efel^f entjogcn 
ober befd^ränft tperben. Unb bicfcnt l^öl^eren Urf^)rung ber 
ftird^c entf))rid^t aud^ i^r ^md unb ßl^arafter. ©er ©taat 
i^at e« nur ntit irbifd^en üDingen ju tl^un, bic Ätrd^c aßein 
ntit ben l^tmmlifci^en ; jener forgt für bie äußere ©id^erl^eit 
be« Öekn« unb Slgent^unt^, biefe für bie etoige ©eligfett; 
jicncr berl^äft fid^ bal^er ju biefer, ü)ie ba« äleußerc jum 
3nnern, bie Srfd^einung jum SBefen, ber 8eib ju ber @eele. 
Senn bieg toirftid^ ba^ SSerl^öItniß ber Sird^e jum (Staat 
ift, fo lägt fid^ aüerbing« ben f^ofgerungen fd^toer aM^ 
toeid^en*, toetd^e bie t^eofratifd(^e ^olitif ntit rüdffid^tdfofcr 
ßonfequenj au« il^ren SSorau«fe<jungen abgeleitet l^at. 3ln 
beut $ei( unferer ©eete ntug un« mel^r liegen, ate an aßen 
irbifd^en fingen; atfo mug und ba« ©cbeil^en ber Äird^e 
töid^tiger fein, afö bad bed ©taateö» üDcr ©eefe ftel^t bie 
§crrfd^aft über ben Seit ju; alfo gebührt ber ^ird^e bie 
^errfd^aft über bie Staaten. S5or beut göttlid^en SBißen 
mug- fid^ ieber ntenfd^Iid^e beugen ; toenn bie Äird^e ettoad 
im SJamen unb Sluftrag ber (Sottl^eit befleiß — unb fie 
beflel^It nie anberd — fo l^aben bie SRegierungen toie bic 
aSößer JU gel^ord^en. Sine ®e»)a(t, bie bon SlÄenfd^en 
übertragen ift, fann bon SWenf d^en aud^ tt>ieber cntjogcn 
»erben; eine fotd^e bie bon (Sott ftammt, nur bon bcr 
©ottl^eit. 5)ie SRed^te ber 8ird(^e finb bal^er unantaftbar; 
bie ber Staaten unb ber {Regierungen l^aben eine i^öl^crc 
©ci^e nur bann, toenn bie ftird^e fie il^nen crtl^citt, unb 
nur fo lange, äW bie Äird^e il^re änerfcnnung nid^t jurüdf^ 
jiel^t; an fid^ felbft ift tebe ^oßtifd&e @ett>a(t eine blo« 



3(te IBegränbung. 27 

tnenfd^Hcl^e Snftitution, bic abßeänbert mib aufgcl^oBctt totx^ 
bcn fantt, tele fic cntftanbcti Ift, unb »cnn fid^ bicfc ®c^ 
toalt ßcgcn bic Älrd^c, alfo gegen btc ©cttl^cit fel^rt^ ftnb^ 
alte il^re Weci^tc bcrtoirft. Wtan »irb jugeben muffen, ba§ 
ffitt ba^ le^tc mit bem erften in einem -Karert unb ftrengen 
3iifammenl^ang fielet, unb baß e6 nic^td ^ifft, fid^ gegen bie 
t^ofgerungen ju fträubcn, tüenn mon bie SSorau^fe^ungen 
jugiebt. !t)iefe S3orau^fe^ungen toerben e« ballet mäf fein^ 
bic toir öor allem in'« SKuge ju faffen l^aben. 

ffi« fotl nun nid^t Dcrfannt toerben, baß a\x6f biefe« 
©Aftern unter Umftänben feine ©ered^tigung l^aben fann. 
fBenn bie «ifbung eine« aSoIfe« fo tief fielet, baß fid^ i^m 
bie red^tlid^en unb fittlid^en 5(nfcrberungen nur unter ber 
Sorm göttlid^er ®ebote unb biefe nur unter ber^^orm pxk^ 
ftcrlid^er ©a^ungen jum ©etoußtfein bringen taffen, baß 
fl(^ bic ^Befolgung berfetbett nur burd^ bie religiöfen, tikU 
leidet aud^ abergfäubifd^en SBetoeggrünbe crreid^en faßt, auf 
toefd^e fid^ bie fird^ttd^e «uftorität ftü^t, toenn bie ffiltbl^cit 
unb yio^txt ber SWenfd^en auf feinem anberen SBege ge^ 
bänbigt toerben fann, ober toenn eine ^riefterfd^aft an Sin^ 
fid^t unb SBiffen über aKe anbern fo l^ertoorragt, baß bie 
öffenttid^en Slngetegenl^eiten in il^ren Rauben am beften be* 
forgt finb, bann toirb eine t^cofratifd^e SSerfaffung m^ bcn 
3uftönbcn ber (Sefeßfd^aft nid^t allein naturgemäß l^eröor^ 
gelten, fonbern fie n)irb aud^, fo tauge biefe ©ebingungen 
fortbauern, für bic fo bcfd^affenc ©efeßfd^aft bic l^eitfamfte^ 
bic il^rem ©cbfirfniß angemeffenfte fein. Mein bic S^l^corie^ 
mit ber toir e« ju tl^un l^aben, begnügt fid^ nid^t mit bicfcr 
bcbingtcn Sncrlennung ; fic bel^au^jtet ii^re ©ered^tigung 
nid^t Mo« für gcmiffc gefeüfd^aftlid^c 3uftänbc, fonbern 
fd^Ied^tl^in : fie totfl bic cinjige fein, bic ber 5Ratur ber 
6ad^c cntfprcd^c unb auf einer rid^tigen Äuffaffung bc^ 



28 



2:|eofratie. 



IBcrl^ättftiffc^ t>on @taat unb Ältd^e UxvXft. ©lefcr 8to^ 
^pxn^ geigt fid^ glci(i{^ unhaltbar, ob man nun auf blc Sbe- 
igrünbung ober auf bie SBitfungen be« ©Aftern« fel^, ba« 
t^tt erl^ebt» 

gür feine ©egrünbung ftü^t ntan fld^, ti>ie bemerft^ 
<iuf ben l^öi^eren Urf^)run8 unb ßl^rafter, toeld^er bcr 
Äivd^e im SSergfeid^ mit bcm ®taat jutomme. aber tote 
toiü man bie Söal^rl^eit btef er SSorau^f e^ung betoeif en ? (Sine 
ftire^e behauptet, fie fei öon ®ott geftif tet, ber mUt ber 
^ott^eit fei il^r geoffenbart, fie allein fönne bem ÜÄenfd^en 
fagen, toaö er gu feiner ©etigfeit jn tl^un J^abe, il^r muffe 
«r^ba^er aud^ in aUcn toetttid^en nnb bürgerlid^en 33ingen 
folgen. 9lber anbere Äird^en beftreiten biefen Änf^)rud^: 
fie i>erfid^ern, fie feien im ©efi^ ber reineren Seigre, ber 
urf:t3rtingUd^eren Offenbarung. SBer fott nun entfd^eiben, 
toefd^er S^l^eil 5Red^t l^at? ©egeben ift junäd^ft nur bie 
2^l^atfad^e, ba^ eine Sird^e fid^ für bie ©etoal^rerin ber 
götttid^en Offenbarung auögiebt, Dießeid^t aud^, baß fie 
felbft fid^ baftir l^äft; aber barau^ folgt bod^ nod^ lange 
nid^t, baß fie eö aud^ ift ®oü nun ber ®tacit beß^atb^ 
toeil getoiffe ^erfonen im 9?amen ber (Sottl^eit.-ju reben be^ 
]^au:>)ten, biefen ^erfonen unbebingt gel^ord^en, el^e er bie 
SBal^rl^eit il^rer Sötf)an^tvmQ and) nur unterfud^t l^at? 33ieS 
fann man il^m bod^ tool^I bernünftigcr SBeife nid^t jumutl^e«. 
Aber tt)cnn er fie unterfud^t, toie fann er fid^ toon il^r über^^ 
jeugen? Di eine S^ird^e bon (Sott ober bon aWenfd(|Ctt ge* 
ftiftet ift, ob il^re Seigren auf göttüd^er Offenbarung ober 
auf menfd^tid^er @rfinbung berul^en, bieg ift eine tl^otogifd^e 
?^rage, ju bereu ßntfd^eibung ber (Staat toeber bie Organe 
nod^ bie SWittel bejt^t, bon ber er aber beßl^alb aud^ fein 
SBerl^atten in feinen toid^tigften Seben^bejiel^ungen unmöglich 
abl^ängig mad^en fann. gär ii^n e^iftirt bie Äird^e nur afe 



3$te 93egrönbung: Urftnrung ber JMrc^e. 29 

cme ©cfcßfd^aft öon SWenfd^en, »cld^c bic Oottl^tt auf 
etm beftunmte Seife bereisten unb übet bte ®ottf)tii tinb 
bad 93et]^ältni§ bed äßenfc^en }ur ©ottl^ett gemiffe gemein^' 
fante Ueberjeugungen l^abcn. ©enn baju aud^ ber ©toube 
an il^re eigene l^öl^ere aWlfflon gel^ört, fo ift bte§ gteid^fatt^ 
nur bie Ueberjeugung biefer SWenfd^cn; auf ©eltung im 
Staate l^at biefe Ueberjeugung nid^t ntel^r "än^pxnäf, ate bie 
cntgegengef elfte Ueberieugung berienigen, toeld^e ber ftird^e 
il^re göttlid&e ©enbung bcftreiten. S35itt man aber auf bie 
^age felbft näl^er eintraten, toiü man ftd^ über bie götttid^ 
©tiftung unb ©oKmad^t, toeld^e bie Äird^e für fid^ in «n* 
f^>i*ud^ nimmt, ein iXxtffül bilben, fo fann biefe« nur gegen 
fie au6fafien. Ob bie Äetigion über]^auj>t auf einer gött^ 
ßd^en Offenbarung berul^t, unb ob bieg l^infid^tlid^ einer 
fecftimmten {Religion, toie ettoa ber d^rifttid^en ober ber 
iübifd^en, ber %aU ift, fann l^ier ununterfud^t bleiben; ba 
an« ber götttid^en Offenbarung einer {Religion nod^ 
bnrd^aud nid^t folgen toürbe, bag aud^ einer beftimmten 
Äird^e bad ämt übertragen fei, biefe Offenbarung ju be^e 
»al^ren, fie au^julegen, bie ©treitigfeiten, ju benen fie än^ 
fag geben !ann, }u entfd^eiben, aUtn iffxtn SJlitgHebern mit 
nnfe^tbarer, feinen ®iberf)3rud{> bulbenber Sluftorität }u 
gebieten, toad fie glauben unb iifnn foüen. SBir l^aben e^ 
nur mit ber Sird^e ju tl^un, loeld^e auf ®runb biefe« an^ 
gebüd^en götttid^en Sluftrag« bie ^errfd^aft* im ^taatt 
beanf^)rud^t; unb je f darauf enlof er biefer älnf:>)rud^ nun ift^ 
nm fo mel^r muffen toir berlangen, bag bie 2^atfad^e, auf 
bie er geftü^t toirb, über jeben Steifet erl^oben toerbe. 
SWan fagt un«, ber Äird^e fei J>on ber ©ott^cit bie SSoü^:^ 
ma^t crt^cift, fie auf Srben ju bertreten, in oßem, toa« 
ben ©tauben unb ba« ©eetenl^eit angelet — unb loa« 
gienge fie nid^t an? — im Siamen ber ©ottl^eit ju ent^ 



30 Zktott^vt. 

td^eib»!. %6er U>o ift bie Urtunbe für biefe SSoUmcui^t? 
IS&o ift ber ^etDetö, bag fte irgenb einer ftirdtfe ert^itt 
^urbe? !X)ie römifd^^lotl^olifci^e ftird^ berfidf^ert, fie fei i^r 
•etti^eilt toorben. %6er bieg ift eben nur ii^re Sbt\taaptm%* 
Xlnfere neuteftamentltd^en ©d^riften miffen babon nid^t ba^ 
igertngfte ; benn bie SBiOtftl^r, mit ber man einjelnen ®tüim 
haxin biefen ®inn aufbringen kooQte, bebarf l^eutjutage faum 
n0d^ ber 993iber(egung. &>tn fo toenig toeig bie ®e[d^id^te, 
fofem man nid^t bie Segenbe mit ber ©efd^id^te bertoed^eft, 
bon ber a))oftolifd^en (Sinfe^ung unb ber a))ofto(ifd^en ®uc^ 
ccffiott ber oberften Sircfeenbcamten , bev ©ifd^öfe. SBcnn 
«nblid^ bie ganje ®ttx>aU ber ^i^i^e in bem $a))fte jur 
€in]^eit iufammengefagt n>irb, unb tomn fid^ bie $a|>ftmad^t 
in bem neueften 2)ögma ber rijmifd^en Äird^e boücnb^ aßer 
©d^ranfen entlebigt l^at, fo betel^rt und bie ®efd(^id^te, ba§ 
l>iefe Madft \idf niäft nur fe^r aUm&l^Iid^, im Saufe bieler 
dal^rl^unbcrte, gebilbet l^at, fonbem baß ed babei aud^ fel^r 
menfd^tid^ iugegangen ift; unb ed ift nid^t b(od bie fpätere 
3eit, in toeld^er bie »eitgreifenben 3[nft)rüdS^e ber $äj>fte 
auf gabeln, ßrbid^tungen , Untcrfd^iebungen tiKcr %xt 
geftü^t tourben, fonbern fd^on bie erfte angeblid^e 8?ed^td* 
grunblage biefer 9lnf)>rüd^e ift eine ßrbid^tung. 3)er 
Primat über bie Sird^e foü fid^ bon bem 9lj)ofteIfürften 
<iuf feine 5Kad^fotger, bie römifd^en ©ifdj^öfe, bererbt l^aben. 
Slßein bie toirfCid^e, an^ einer rid^tigen Sluffaffung ber 
Tieuteftamenttid^en Urfunbcn gefd^ö^fte ®efd^idbte fagt nid^td 
babon, bag bem ^etrud ein fotd^er Primat übertragen tourbe, 
unb tt)cnn bieg aud^ gcfdbel^en toäre^ fönnte er fid^ bod^ lei^ 
nenfattd bon i^m auf bie römifdj^en SSife^öfe bererbt l^aben; 
benn ^ctrud felbft toar gar nid^t römifd^er SSifd^of, Ja er 
^at 9iom — toenn irgenb nod^ über gefd^id^tßd^e fragen ein 
Urti^eil mögtid^ ift — nie gefeiten: bie ganje 2:rabltion, 



3ire 'B^d^<^n^^ni- Urfprung bei JtiK^e. 3t 

n>el^ blc ?8»)fte gu ^«ad^fülflern bc« «))ofteIfüTften mad^t, 
ift ente ^itüon, bie ßette, burd^ toeld^e bad l^euttge ^ct^ft^: 
tl^iini unb feine Snfjjrüd^e mit ber Stiftung ber d^riftlid^cn 
Siräft berfni4)ft toerben foöcn, ^at niäft cttoa nur einjetne 
fij^abl^fte @teüen, fonbern c« ift fein ©lieb barin, ba6 nid^t 
Jbrüd^lg, ja ba« nid^t bon ber l^iftcrifd^en ftritil boBftänbig 
^erftört toSre. ^Rid^t anbcre ber^äft c« fid^ aber mit aütn 
t>en Uebcrlieferungen , auf. toeld^e fid^ einjetne &ixd)ti\ unb 
^riefterf duften berufen l^afeen unb berufen, um bie götttid^e 
Äuftorität für fid^ ju gewinnen, bie il^nen jur Sel^errfd^ung 
ber Staaten unb bed bürgertid^en gebend ein SRed^t geben 
f oH. ©obatb man biefe Ueberlief erungen genauer unterf ud^t, 
Jöfen fic fid^ in 5Eäufd^ung ober ©etrug auf , unb aU ber 
toa^rc ®runb jener Sluftoritöt ertoeift fid^ ber ©laube ber 
SWenfd^en, ber eben nur fo lange bercd^tigt ift, unb nur fc 
lauge fortbauert, atö il^re eigene Unmünbigfeit il^nen bie 
tvcäfüäfe geitung jum Sebürfni^ mad^t 

&ä|t fid^ aber anäf ba« ^tdft ber Äird^e jur ©el^errs 
fd^ung be« ©taate« nid^t auf il^ren Urf^jrung unb auf einen 
tl^r jutl^ilgetoorbenen Sluftrag ber ©ottl^eit grünben: folgt 
e« nid^t Dießeid^t nod^ unmittelbarer au« il^rem inneren 
SBefen unb au« ber 3lufgabe, ju bereu Srfüßimg fie berufen 
ift? ©er tird^e, fagt man, mu^ über aöe«, loa« ba« SScr^ 
l^aften be« STOenfd^en gegen bie ©ottl^eit angelet, über ba« 
gcfammte reßgiöfe geben be« SWenfd&en, bie oberfte @ntfd^ei= 
bung guftel^en; fie l^at bal^er nid^t Mo« ba« Seben ber Sin* 
jctnen, fonbern aud^ ba« (Semeinfeben, ber religio) en 3bee 
^tttf)>red^enb ju teiten, bem einen loie bem anbem feine ^itU 
unb feine SRid^tung au« bem @tanb^)unlt be« ©tauben« ju 
beftimmen. 5Rutt giebt e« aber nid^t« in ber SBett, ba« fid^ 
nid^t unter biefen ®efid^t«j)unft ftelten tiege, lein meufd^tid^e« 
Rubeln, burd^ ba« nic^t ber götttid^e SBiße eifüöt ober 



32 X^eodatie. 

wckl^t, eine ©üttbe begangen ober ein Scrbienfi crtoorbeit 
tocrben Knnte. Sllfo fbnnen toir un«, ^ä^tint e«, aud^ ber 
Folgerung ntd^t entjiei^en, baS alle« %f)\m bet SBlenfd^en^ 
ttttb ballet aud^ ba« bcr menfd^ßd^cn ©cfcßfd^aft unb ber 
einjetnen gefettfd^aftltci^en Drgant^men, in lefetcr ©egiel^ung 
bon ber ^ixäft bcl^errfd^t toerben muffe, bag bie ©taaten 
loie bie Sinjelnen in il^rem S3er]^a(ten il^rer JBelel^rung ju 
folgen, il^rer rid^terlid^en Sntfd^eibung bad Urtl^eil über feine 
3uläffig!eit ober SSertocrftid^feit jn überlaffen l^aben. 

®e^en toir, toic e« fid^ mit ber Siid^tigfeit biefee ©d^Iuffe« 
berl^ält 

!Dad l^abe id^ nun bereit« jugegeben, ba^ fid^ gegen feine 
golgerid^tigleit nid^td erl^ebtid^c« eintocnben laffe, baf toir 
ben ©d^Iu^fa^ nid^t ffiglid^ beftreiten fönnen, toenn tolr bie 
^rämiffen eint:änmen, 6« fragt fid^ mitl^in nur, loie c« 
mit biefen bejießt ift. 3ft e« rid^tig, ba§ bie geitung bc« 
retigiöfen 8eben«, feinem ganjen Umfang nad^ unb in Jeber 
©ejiel^ung, ber fiird^e juftel^t? unb ift e« richtig, bag ba« 
ganje Seben ber ÜÄenfd^en, aß il^r ^un unb ßaffen, ot« 
ein ©eftanbtl^eW il^re« religiöfen Seb^n« gu betrad^ten ift? 

Sdf beginne mit ber jtoeiten bon biefen ^agen. ©ir 
»erben nun einräumen muffen : je tiefer unb innerOd^er ber 
SKenfd^ fein 95er]^ältni§ jur ©ottl^elt begreift, um fo toeniger 
»)irb er biefe« S5erl^ältni§ auf einjelne ^tittn, ^anblungen 
unb 8eben«bcjie]^ungen befd^ränten, um fo mel^r »irb er 
barauf auögel^en, feine ganje "ißcrfönfid^feit mit bem ®e* 
banfcn ber ©ottl^eit ju erfüßen, in feinem ganjen Serl^alten 
bie i^römmigf eit , bie i^n befeelt, jüm älu^brudt ju bringen, 
fein ganje« geben ber religiöfen 3fbcc, bem göttßd^en SBißen, 
gemä^ ju geftalten. .9lber folgt barau«, bag nun aße« S^l^un 
ber 5IRenfd^n in ber religiöfen S^l^ätigf eit, ober gar im ©ienft 
einer gefd^id^ttid^ beftimmten, })ofitiben ^Religion aufgel^? 



3(re IBegrunbung : IBebeutung ber dteligion. 33 

3a ift bief aud^ nur nt5g{id^? 9am bie 9{e{igton un^ bad 
SSerfol^rctt borjeid^ncn^ beffcn toir un^ Bei bcr tcd^nifd^en 
Bearbeitung bcr @toffc, ober bei einer fünfttcrtfd^cn !Dar^ 
fteüung ober einer toiffenfd^aftlid^en Unterfuci^ung ju bebic^ 
nen, ba^ Srgebni^, ba^ toir mit benfelben ju erretd^en l^a^ 
ben ? Äann ber SDJed^anif er über ben Sau einer 3Wafd^ine, 
ober ber äWatl^entatifer über bie Diff erentiatred^nung , ober 
ber STOufifer über ben ©eneralba^, ober ber Srjt über bie 
Äel^anblung einer Äranfl^eit, ober ber i^elbl^err über feinen 
Ärieg«j>Iatt bie ©ibel unb ben Sated^iöntu^, ba« ftird^enred^t 
unb bie Dogmatil ju SRatl^e jiel^en? Unb bod^ müßte bieg 
ber galt fein, tocnn bie gorberung, ba| bie SReligion unfer 
gan}ed 8eben burd^brlnge unb leite, ben ©inn ^üt, ben 
man il^r geben mvi% um barin eine@tü^e für ben 9lnf))rud^ 
auf eine ^errfd^aft ber Äird^e über ben <Siaat gu flnben. 
fCber fd^on biefe toenigen 3eif^ie(e fönnen m^ geigen, um 
load ed fid^ bei jener f^orberung in Sßal^rl^eit aUein l^anbeln 
fann* &9 giebt aQerbingiS feine menfd^fid^e S^^tigleit, bie 
ttid^t ebenfotool^I in frommem ate in unfrommem ®inne be* 
trieben »erben Wnnte. S« giebt leine, bie nid^t au« ber 
<Srinnerung an ben etoigen ®runb aßed @eind unb an bie 
getftige JBegiel^ung bed SDZenfd^en gu bemfelben fitt(id^e ßraft 
fd^öi>fen, bie nid^t burd^ fie gereinigt unb oercbeft toerben 
Idnnte. 9(ber ed giebt aud^ leine, in toeld^er bie re(igi5fen 
®ebanlcn unb ©efül^te bie Äenntniß unb bie äntoenbung 
ber il^r eigentl^fimlid^en ©efe^e unb Sunftregeln erfe^en 
Knuten* SJic {Religion lann gtoar bie fubjeftiben ©etoeg^ 
grünbe ber menfd^Kd^cn 33^8tigleit berftfirlen, bertiefen unb 
ISutern; aber fie fann berfetben nid^t t^re objiettiben ©efefee 
borfd^reiben , fonbem biefe muffen bcr Statur il^re« ©egcn^^ 
ftanbed entnommen, burd^ feine (Srf orfd^ung gcfunben toerben. 
Slttd^ mit ber )>oUtifd^cn Sil^Stiglcit ocrl^filt cd fid^ nid^t 

3 



M 2:^eottatie. 

attberd. SBte eine falfd^e uttb berlel^rte^ eine befd^äntte uitb 
fonittifci^e grömmtgtett ba^ ©taatöleben bertoirrt uub ber^ 
giftet, fö toitb eine ädftt unb gefunbe aieligiofität ba« SSoB 
unb feine %ü^xtx mit ber uneigennüfeigen $)ingebuttg an ba« 
®emeintoefen, mit bem ©tauben an ben enblid^en ®ieg ber 
guten @ad^e, mit ber au^baucrnben, bor feinem ^inbeml^ 
jurüÄtöeid^enben, in feiner 3loÜ) berjagenben Äraft erfMcn, 
toeld^e eine tjon ben erften ©ebingungen be« Srfolg« ift* 
aber toeld^e }>r(rftifd^en S>^tlt bie ©taatdiettung ftd^ ju fteden, 
öjctd^c SDWttel fie anjutoenben, toie fie bie öffentlici^en 3[nge== 
legcnl^eiten ju bel^anbeln l^at, barüber ertl^eift bie ^Religion 
ate fold^c gerabe fo toenig eine Selel^rung, aW über bie 
^eilmittet gegen eine Sranfl^eit ober über bie (Som^)ofitiütt 
einer Opzx. ®ie fann nur ben allgemeinen Sntfd^Iu^ jur 
geöjiffenl^aften unb :|)fKd^tmä5igen Sel^anblung ber :(}oKtifd^ctt 
Aufgaben l^crbormfcn ober berftärfen, aber fie l^at toeber 
ben Seruf nod^ bie SDiittel, um über bie 2lrt il^rer göfung 
SSorfd^riften px geben- 

@(i^on au« biefen Sttoägungen toirb nun erließen, ba§ 
bie Äird^e an^ ber fittlid^en Sebeutung ber 9leKgion eine 
©efugni^ jur Sel^errfd^ung ber ©tdaten felbft bann nid^t 
ableiten fönnte, toenn toir il^r ben "än^pxnäf auf bie Seitung 
be« religio fen Seben« ate fold^en unbebingt unb im toei^ 
teftcn Umfang einräumen tooöten. 3lber mit meld^em Siedet 
erl^cbt bie tird^e biefen 3lnf^)rud^? SQSa« ift benn bie Sird^e 
unb an^ toem befielet fie? (Sine ^rd^e ift nid^td anbere«, 
afö eine ©efeüf d^aft bon 2Benf d^en, toeld^e auf ber ®emein= 
famfcit il^reö ©teubenö berul^t, unb gemeinf ame ©otte^ber^^ 
el^rung, ober aud^ überl^aupt bie görberung unb Srl^altung 
bee religiöfen gebend i\m ^\x>tA l^at. SBenn ein Sll^eil 
biefcr iJerfonen bel^au^jtct, er l^abc bon (Sott ben Auftrag 
vfitl^atten, ben (glauben unb ba^ geben aöer anbem 



3^Te 93e(|Tünbung : Me Sleiigion unb bie Jtir^e. $5 

im SRamctt bcr ©ottl^clt mit unBcbtitgtcr SluftorftSt |u 
leiten, fi> ift \>k% tele toir gefeiten ^ben, eine boKfomntett 
unertoei^üd^e 58e]^au^)tung , toeld^c an6f hahnxäf, bag jene 
^erfonen felbft [ie für toal^r Italien, nod^ lange nici^t toal^ 
toirb. SBenn bie übrigen fid^ il^rer Settung überlaffen, mtb 
an il^re l^öl^cre SWiffion glauben, fo fann bieg bem Silbung^« 
panb unb Sebürfnig biefer beftimmten ©efetlfc^aft entfpreci^en ; 
aber barau^ folgt nid^t, bag eö in jeber SReltgionögefeBfd^aft 
fo fein ntug, bag bie Äird^c überl^auj^t, il^rem äBefen unb 
S3cgriff nad^, ben ©tauben unb bie ijrbntmigleit tl^rer elii^ 
jelnen SWitglieber ju bel^errfd^cn ba« JRed^t l^at» '2)cr ^ro^ 
teftontiömu^ fd^reibt il^r befanntlid^ biefc« 9ted^t nid^t in, 
unb aud^ toir toerben und bamit nur einberftanben erflärcn 
fönnen. 5)enn feine Ueberjeugung lann jeber nur ftd^ felbft 
bilben, nid^t bie eined anbern, toer ed aud^ fei, auf Streu 
unb (Stauben annel^men; über bad, tt)ad er ju tl^un l^at 
unb toaö er getl^an l^at, fann er bie lefete @ntfd^eibung nur 
feinem eigenen ©etoiffen, nid^t ein^ fremben Urtl^eif anl^eim- 
fteöen. 2Ber e« anber« mad^t, ber berjid^tet bamtt ntd^ 
blo« auf ein unberäugerlid^ed unb unberjäl^rbare« SReufd^en^ 
red^t, fonbern er entjiel^t fid^ aud^ einer unbebingten unb 
unabweisbaren ^flid^t: ber ?fHd^t, nad^ beftem SBiffen 
itnb ©etoiffen gu l^anbeln, bad, toa« il^m atö SBal^rl^eit ge= 
boten toirb, unb tt)a3 für fein ijanje« gciftige« unb ftttttd^d 
?eben bon ber l^öd^ften SBid^tigfeit ift, nid^t ungc|>rüft anju^ 
nel^men, [xäf aK freiet bernünftigeS SSSefen nad^ S5ernunft^ 
grünben felbft ju beftimmen. S5on biefer ^flid^t tarnt 
ben SKenfd^en lein Sinjetner unb feine (Sefeüfd^aft, feine 
^ird^e unb fein ^a^)ft entbinben; in biefeö JRed^t barf feine 
utenfd^Iid^c §anb eingreifen; unb toenn eine Sird^e benno^ 
auf ®runb il^rer angcbfid^ götttid^en ©enbung barein ein:= 
greift, fo betoeift bieg nur, bag fid^ l^ier menfd^tid^e Slu* 

3* 



1 



36 Zitohaüt. 

mafuttg unb ^crrfd^fud^t lerntet bem Slamen ber (BotÜftit 
bcrpccft. I)ctttt e« gicbt nidft^ göttltd^erc« im SWcnfci^cn, 
öW feine S5ernunft, unb lein urf:(}rüngfid^ereö SRed^t, aU 
ba« ated^t bc^ (Setoiffenö; eine Sird^e, bie ba« ©etoiffcn in 
geffeln fd^tägt unb bie SSemunft in ben Sann tf)nt, toirb 
in biefcm il^rent SBerfal^ren für aöeö anbete cl^er gelten lön- 
ncn, afö für eine ©teüijertreterin ber ©ottl^eit. ^at aBer 
bie Äird^e nid^t bie Sefugnig, bie ®ett)iffen ju Beljerrfd^en^. 
fo ^at fie aud^ nid^t bie SBefugnig, burd^ bie ©etoiffen be«^ 
SSoIIö unb ber gürften ben ©taat ju bel^errfd^en. 35ie 
Xfjtoftaixt liegt ganj folgerid^tig auf beut 2Beg einer Äird^e^ 
ober rid^tiger einer ^ierard^ie, toeld^e baö Oetoiffen be^ 
aKenfd^en in ben ^riefter terlegt unb ber SSernunft gegen 
ba« ©ogma fein ®inf))rud^^red^t einräumt; fobalb bagcgen 
in einer ®efeßfd^aft ba« SRed^t be^ freien !J)enIen« unb bie 
^flid^t ber fittlid^en ©cI6ftbeftimmung iur Slnerfennung ge^ 
langt ift, ^at fie in berfelben il^ren SBoben berloren. 

2ln biefem @rgebni§ ^toürbe aud^ bann nid^t« geänbert, 
toenn ftd^ ertoeifen liege, ba§ bie ^riefterl^errfd^aft ben SBöI- 
fern mand^e SSortl^eile gcbrad^t l^abe, unb Dießeid^t ba unb 
bort nod^ bringe. üDie Sinber bebürfen einci^ SJormunb«, 
unb fetbft ein l^arter unb eigentoiöiger SJormunb fann fid^ 
um il^re Srjiel^ung SSerbienftc ertoerben. 35arauö folgt aber 
nid^t, ba§ fie i^r geben lang unter S5ormunbfd^aft ju l^alten 
finb. SDic ©Haberei fann für einjetne Snbibibuen, unb 
mögfid^ertoeife für ganje SSoIf^ftämme, l^eilfamcr fein afö 
bie fjreil^eit. S)e§l^a(b fann man aber bod^ nid^t aögemein 
fagen, bie* ©flaöerei fei eine nüfelid^e «nb red^tmägige Sin- 
rid^tung, ©obalb man e« mit einem SSoIfe gu tl^un ^t^ 
toeld^e« in feiner ©nttoidtlung über bie aßererften anfangt' 
grünbe ber <>oIitifd^en unb aßgemein menfd^tid^en Silbunft 
JfimvL^ ift, fo ift bie IB^cofratie eine SBerfaffung, toetd^e fid^ 



36re SOitfungen auf bie (Sin^elnen. 37 

mit bcr grcil^cit bcr Cin jelncn [o tocnl^ »erträgt , tote mit 
t>cn {Relikten bcr ©efamtntl^ctt , unb bcr öctftlgcn ©Übung 
leine germgeren ^tnbemiffe in ben SBeg legt, ald bem ©e- 
beiden bcr ©taaten. S)ie {Religion afö fold^c ift ©ad^c bcr 
freien Ueber jeugung ; tt)ie bie Silbung be^ Sinjelnen fort^ 
fd^reitet, feine SBcttlenntniß fid^ erweitert, feine fittlid^en 
begriffe fid^ läutern unb bertiefen, toerben aud^ feine reli^ 
giöfen änfd^auungen unb ©efül^Ie fid^ bcränbern, faß« biefer 
?5roce| nid^t burd^ ba^ Singreifen einer fremben @etoalt 
ober äultorität gel^cmmt tt)irb. Slber toenn bie SRcIigion 
fid^ in einer fird^Iid^cn ©emeinfd^aft objieftibirt, toirb pe an 
^ofitibe üDogmen, fiultudformen unb SSerfaffungen gebunben; 
uttb bieienigen, toeld^e bie Seitung einer Sird^e in bcr ^anb 
l^oben, toerben int großen unb ganjen genommen immer 
barauf auögel^cn, biefe« pofttibe, bie®runblage il^rcr eigenen 
©teßung, in etl^alten, ober l^öd^ften^ fold^e SSeränberungen 
baran jujulaffen, bie fo, toie ba« neuefle römifd^e SDogma, 
i^rer 5D?ad^t unb il^rem SSortl^eil -jugutelommen. @ie tocr^^ 
ben bie^ um fo mel^r tl^un, je unbebingter fie felbft bon 
bcr SBal^rl^eit unb UnantaftBarleit il^rer ©ogmen überjeugt 
fmb, je entfd^lebener fie il^re a[nf))rüd^e auf Jöel^errfd^ung 
beö ©taat« unb bcr ftird^e mit bem SBißen ber ®ottl^eit, 
bereu Drgane fie fein tt)oHen, mit ber 9luftorität ber Dffen:^ 
Sarung begrünben, bie il^nen jur Setoal^rung unb Anlegung 
anbertraut fein foß. ffiirb. bal^er ber Sird^e unb ber 
Äird^enleitung bie "^aäft be« @taat« jur SSerfügung gefteßt, 
fo lann e« nid^t ausbleiben, bag jebe Slbloeid^ung bon ben 
©ogmen unb SuItuSformen ber l^errfd^enben Sürd^e, j[ebcr 
3Biberf^)rud^ gegen bie ®ebote ber ^ierard^ie, iebcr^JBcrfud^ 
einer retigibfen SReform ober eines tl^eologifd^en ^^ortfd^ritts 
mit aüm ben SWittetn unterbrüdtt toirb, toeld^e ber ©taat 
antpenbet, um 3Serbred^en ju beftrafen unb 8teboIutionen ju 



3^ Z^ohaüt. 

lÄi^J^inbern. Ob bicf in tollerer ober in ntilbcrer SBctfe 
gef{d^ie]§4; oB man fid^ mit ^nrü^e^vatitn, Slmt^entfe^uugen^ 
Äe^au^elBungcn begnügt, ober ju Scibcös unb Seben^^. 
ftrafen fwtgel^t, ob man [eine SKa^egetn anf ßinjelne U^ 
fjj^ränlt, ober anf größere SKaffen, anf ganje Älrd^en nnb 
8JeUgioni^:|)art]^eten an^bel^nt, bief tt)irb in jebem gegebenen 
goß bon ben Umftänben nnb ^^tpäi^^^«/ bon bem, tsxi^ bie 
Söitgl^eit gebietet nnb bie 3citbUbnng erlanbt, abl^ängen. 333ie 
v^t man anf biefem SBege fommen fann, geigen bicrjolter- 
fammern ber Snqnifitlon, bie ©d^eiterl^anfen eine« S3rnno nnb 
(gerbet, bie fd^anbererregenbe ^infii^Iad^tnng nnb 3Ri§]^anbInng 
bon S^anfenben nnb 3c^tttanfenben in ben SReligionöfriegcn nnb 
ateilgionöberf otgnngen ber d^riftlid^en tt)ie ber . angerd^rtftöci^en 
Sßdt. 9lbcr im ©mnbfa^ ift jtoifd^en biefen Barbareien 
ttttb jtoifd^en ben SÄltteln, bnrd^ bie man bi« in nnfere 
^gc l^eretn baö iCenfen jn feffetn, bie änfere ©inl^eit be6- 
©cfenntniff^d lünftfid^ jn erl^atten, bie nnbebingte Unter- 
to^rfnng nnter bie Äird^engeioaft gn ergtoingen berfu(3^t ^at^ 
tm Untcrfd^ieb; bie SSerl^äftniffe nnb bie Silbnng unfern 
3a]^r]§nnbertd erlauben nnr nid^t mel^r, toa« in einer rolleren 
SSorgcit gefd^el^en lonnte, nnb bieöeid^t toieber gefd^el^en toürbe^ 
loenn c^ erft anf bem gefinberen SBege gelnngen toäre^ 
m^ jtt bem @tanb:|)nntt be« SÜKttelalter« gurüdgufül^rett. 

Unb fo toenig bie Sil^eofratie bem Singeinen für 
fein geiftige« nnb religiöfe« geben eine Steilheit nnb ®elb* 
ft&ibigleit lägt, ebenfotoenig bntbet fie auä) bie i^reil^eit nnb 
<5cttftänbig!eit be« ©taat^teben«. Senn ber Staat bon 
ber Äird^e bel^errfd^t toirb, fo ijerftel^t e« fid^ bon felbft, ba§ 
biefe ^rrfd^aft junäd^ft im 3ntereffe ber Sird^e an^gebcntct 
t^irb; baf aöe SSegiel^nngen beö öffentlid^en 8eben« bom 
lirid^d^en ®efid^i«:)}nn{t au« betrad^tet nnb bel^onbelt, bea 
fir^lfid^ien m(Sf i^rard^ifd^en 3^^ bienftbar gemad^t 



3^ce 9ßii!ungm anf hai @taatdleben. 39 

)9erben. !Der autottcme @toat, ber peM^d^t ober 9ied^d=^ 
ftaot, ff(d feinen 3koed in fid^ feI6fl: er tDtO nici^tö anbete« 
fein, at« eineänftaft jumöeften be« Sottet, ba« in biefcm 
®taate px einem gefe^tici^ georbneten ©enteintDefen berbnnben 
ift ; ouf biefen ^toed toirb lebe öffentßd^e Zfßti^teit l^ejogen, 
iJ^m allein ^ot fie jn bienen. Siegt bagegen bie Seitnng bed 
Staate« mittelbar ober unmittelbar in ben $änben ber 
Ätrd^e, fo toirb biefe il^re eigenen ^totät notl^toenbig für 
l^bl^er unb toi<j^tiger Italien, ate bie be« ©taate«; ber Staat 
unb feine XifM^Mt toixb in il^ren ängcn feinen felfeftänbi^^ 
gen SQBerti^ unb leine felbftänbige ©ered^tigung l^aben; fie 
toirb il^n cfte tin bIo§eö äRittet für il^re eigene SKad^t unb 
aSBol^tfal^rt bel^onbeln, fie toirb toenigften« überaß, »o ba« 
3ntereffe be« ©taat« mit il^rem eigenen in ©treit gerStl^, 
baö erftere bem tefetem unbebingt untcrorbnen* S« toirb 
il^r mel^r baran liegen, ba§ ba« SSdI! fird^lid^ unb gläubig, 
afö ba§ e6 toci^C^abenb, mäd^tig unb anfgef färt ift ; fie »irb 
eine Sttocid^ung bon bem überlieferten 5)ogma, einen B^^if^ 
an ber :|)ricfteriid^en äuftorität für ein größere« UngÜld 
l^alten, aW eine ©nbuge an ^)oIitifd^cm 6inf][tt§, eine äb> 
nal^me be« SSDlf^bermögcn« , ein ^nxiXAbUiim l^inter ber 
3eitbitbttng. S« lann bie| fd^on be^att laum anbcrö fein, 
toeit biejicnigen, toeld^e bie Seitung ber Sird^e in ber $)anb 
l^aben, il^re ©tettung bod^ in erfter SReil^e nid^t benjenigen 
Sigenfd^aften ju berbanfen }>f(egen, bon t»eld^en bie ©efäl^i^ 
gung ^r fieltung eine« @taat« ober ju feiner Sßertl^eibigung 
gegen äußere geinbe ab^ngt ; loeit i>a]^er in einer S^l^eolratie 
bie le^te Sntfd^eibung über bie f^ragcn be« ©taatöteben^ in 
ber JRegel ^erfonen fiberlaffen ift, bie fid^ nad^ il^ren An- 
lagen, il^ren 8eben«anfd^anungen unb il^rer ©ilbung loeit 
me^r für bie fird^Iid^e afö für bie ^)oatifd^e SEl^Stigfeit eignen. 
VioüU man anbererfeitd biefem SDZif ftanbe baburd^ entgelten 



40 Zf^tottatit. 

ba§ man bei ber Sudtoal^I ber SOf^ünner, bie an bie ®^t^e 
be« Htäfiiäf ^ potit\^ä)tn ©cmeintocfcn^ gcftcöt Serben/ mcl^r 
bie ftaatöntSnnifci^^n atö bie tl^ecbgifd^en unb reßgiöfen 
Sigenfd^aften berüdfid^tigte, fo ixüäfk man bie Äird^e in 
(Siefal^r, nad^ unürd^lid^en ®efid^t^|>unften bel^anbelt unb in 
ben SDienft bon 3nterefjen, bie il^r fremb jinb, mo^tn p 
toerben: um bem ®taatt bie greil^eit feiner S5etoegung ju^ 
rfi(!ftngeben, n&l^me man ber Äird^e bie ber il^rigen. 

6« giebt ja anc^ toirflid^ fein Äeifpicl eine« ©taote«, 
toeld^er unter ber ^errfc^aft ber ^riefter jur SSt&Üft gc* 
lommen toäre, ben biefe ^errfd^aft bei längerer SDauer nid^t 
gtt ®runbe gerid^tct l^ätte. @erabe an bem @taat, tteld^er un« 
gur SSergleid^ung junäd^ft liegt, an bem römifd^en Sird^en- 
ftaat, jeigt fid^ bieg am greüften. ^aäf ber' uttramontanen 
Stl^eorie l^ätte biefer ©taat ber »al^re SÄufterftaat fein muffen, 
ba er ja bon bem ©tattl^alter (Sl^rifti unmittelbar unb unbe:= 
fd^rÄnlt regiert, bon ben ]^i5d^ften 3Bürbenträgern ber fatl^o- 
(ifd^en Sird^e bertoaltet tourbe 3n ber SBirHid^feit gab ed 
laum einen itoeiten, in bem aKe 3^^i8^ ^^^ @taat«bert»at 
tung fo berrottetunb bernad^Iäffigt, bie toirtl^fd^aftßd^en unb 
moraßfd^en 3wftänbe fo berfommen getoefen mären, bie 
ginanjen fo ungeorbnet, bie ©eamten fo befted^Iid^, bie 
JRid^ter fo ^jartl^eiifd^, bie SBege unb Drtfd^aften fo unfid^er, 
bie Scbötlerung fo untoiffenb unb abergtöubifd^, bem S3ettel 
unb STOügiggang fo ergeben, toie in biefem tl^eolratifd^en 
Obcalftaat. äel^nßd^e folgen toerben aber au« äl^nlid^en 
SSorau«fefeungen immer l^erborgel^en. IDft ©taat mn^ $err 
in feinem Gebiet fein ; toer ii^n einer fremben ©etoatt untere 
toirft, unb mag biefe aud^ im 3?amen ber ©ottl^eit geübt 
it)erben, ber mad^t il^m bie Söfung feiner eigentl^timtid^cn 
Slufgabe unmögßd^. 

Da« gteid^e ©eif^)iel lann un« aber aud^ jeigen, toie 



r 



36te SBirfungen auf H9 religiofe QeBen. 41 

nadfätm^ bie {^errfci^aft im Staate für bte Sird^e felSft tft. 
S)ic »cfthnmutig ber ftird^c ift bic Pflege bc« rcfigtöfcn 
Scbcttd. 35iefcm il^rcm l^öd^ftcn unb ctnjigcn Scruf tolrb 
ftc in bemfetten SWa^ untreu, in bcuf fic ftd^ in potiti!\äft 
©cfij^äftc bcrtoitfett, fid^ bcn t)oIitif(i^cn SRüdfid^tcn unb Sn^^ 
tcrcffcn abl^ängig maäft S» ift bei biefer SBerutifd^ung 
berf(i^iebenartiger aufgaben gar nid^t ju bernteiben, ba§ 
eincrfeitö bie änderen SÄad^tmittel in Äetoegung gefegt tt)er» 
bcn, um ba^ gu erreid^en, toaö nur bnrd^ moralifd^e ^In^ 
toirfung errcid^t »erben barf, unb nur burd^ freie lieber? 
jeugung erreid^t toerben f a n n ; ba^ anbercrf eit« bie {Retigion 
jum aRittct-für bie ^otitif l^erabgetofirbigt »irb, bie 3»ad|?t 
ber Sird^e fid^ frentbartigen, mit bem religiöfen Seben in 
fciuem 3wf«rtmenl^ang ftel^cnben 3ö>cdten bicnftbar mad^t. 
3n »etd^em ®rab aber baburd^ bie äd^te t^tömmigfeit er* 
tobtet, bie ^eud^etei unb f^ribolität bcförbert toirb; »ie ba« 
SScrberben juerft bie f^ierard^ie felbft ergreift, bie il^rem 
religiöfen Seruf untreu toirb, unb bie il^r anbertrauten gei* 
ftigen ®üter für ben f^nöben ?rei« ber »)oIitifd^en SKad^t 
rnb bed äußeren S5efl^e^ berfd^Ieubcrt; u>ie ed fid^ bon ba 
aud immer tDeiter im 93ott ausbreitet, unb toie enblid^ bie 
entartete Sird^e mit il^rem ®Iauben an fid^ felbft unb mit 
bem (Stauben ber STOenfd^en an il^re göttlid^e SÄifflon ben 
©oben unter ben Süßen berfiert, baS bejeugt bie ©efd^id^te 
fo taut, baß iebeS leitete ©ort barüber entbel^rlid^ ift. 

Slüe biefe Uebetftänbe mad^en fid^ min bo^))}eIt unb 
brcifad^ fül^tbar, menn in einem ©taate berfd^iebene 9tefi' 
gionen, Sonfeffionen unb fird^Iid^e ^artl^eien beifammen 
finb. 3n biefem %aU bebeutet bie ^errfd^aft einer Sird^e 
über ben ©taat nichts anbereö, atö ba« JRed^t biefer Sird^e, 
aüe anbern Äird^en unb aBe i^ mißliebigen 9iid^tungen in 
il^rem eigenen ©d^oße ju bebrüden unb ju berfolgen. VSSf)^ 



42 @taat^Y(^ettt^m. 

renb ein paxitM^cSfex ©täat hnxdfy feine ${Hd^t unb hnxä^ 
fein 3ntcreffc gcbicterlfd^ batauf angctoicfcn ift, attcn feinen 
^ärgern gtetd^ed 9ied^t jn getpäl^ren/ unb iaffet leine &>n:s 
feffion bor ber anbem in fie^orjugen^ maäft xifta feine W>^ 
^ängigfeit t)on ber Sird^e bieg nnmöglid^. SSetd^e t^otgen 
bieg aber für bie Sinielnen »ie für ben ©taat Ijat, in toeU 
d^er 93erte^ung ber natürlid^ften 'Sttäftt, }u metci^er SSt^ 
brildnng ber @$en)if{en^ loeld^er B^nriUtung bed @$emeinn)efen^ 
e^ fül^rt, Brand^e id^ l^ier ,nid^t toeitcr jn erörtern. ®ie 
^totvaüt ift unter aßen Umftänben eine untjoüfornmene, 
mit ber freien @ntU)i(IIung ber dnbibibue^t unb ber ®taatm 
unberträglid^e SSerfaffung; aber in ^zittn unb bei SSöttern^ 
beren retigiöfed geben fo öielgeftaöig unb burd^ fo tiefe ®t^ 
genfä^e gef^Qen ift, koie bad unfrige, ift fie einfad^ nn^ 
ntögtid^. 



6. 

ÜDad ®egenftäd( ber 2:^eoIratie 4ft bad ©taat^tird^en:' 
ti^unt. Sbenbegl^alb aber ftel^t ed mit il^r auf bem gleid^en 
iSobeU/ unb tJoSffxtxü) beibe mit einanber in unt)erföl^nUd^em 
©treit liegen, fommen fie fid^ bcd^ in i^en SSorau^fe^ungen 
n)ie in il^ren SSirbtngen nal^e genug. 

SBenn ba« ti^eolratifd^e ®^ftem bie ^errfd^aft ber 
^rd^e über bie ©taaten begl^atb verlangte;, U)ei( bie reltgföfe 
Sluftorität unb aufgäbe ber Äird^e fid^ aufäße meufd^ßd^en 
Seben^tl^ätigteiten erftredte, fo gel^t bad entgegengefe^te ©^flern 
)>on einer ebenfo l^ol^en iBorfteßung über bie Xuttorit4it unb 
X»fgabe bed ©taatd aud. !Der ©taot, foigt nmi und^ iffc 



r 



©eine JBtgriinbunö. 43 

bod ©attje^ tottdfi^ ade leiten unb ^eiiel^ung^n bed 93oßd^ 
fekn« itt \iäf befaßt, aud beut fte aKc il^tc Slai^rung iiei^cn^ 
Don bem fic aüe bel^errfd^t fein tooKen; toae immer für 
bctt 3«P<w^^ ^taed. aSoHeö Sebeutung l^at, bem mn% er ferne 
©orgfaü jutoenbcn. @r ift bieg bem 3Soffe fd^ulbig, toetd^e« 
btc öefriebigung aller feiner Sebürfniffe, bie geitung feinet 
ganjen ©emeinlebenö bon i^m ertoartet; er ift eö aber aud^ 
fid^ felbft fd^ulbig, benu er mu§ aöe Äräfte be« ©emcin- 
toefen« für fid^ benü^cn unb auf feine ^toeie l^inlenlen; 
er barf ftd^ nid^t ber ©efal^r au^fefeen, baß ba« S5<)ß6leben 
in to)efentlid&en unb einftußretd^en Sejiel^ungen burd^ SSer« 
nad^fäf igung notl^feibe ober eine Jjerlel^rte unb ftaat^fetnbtid^e 
SRid^tung einfd^Iage. SBle fönnte er aber bann bie SRefigion 
unb bie Äird^c fid^ fetbft überlaffen, ein Äulturgebiet Don 
fo unbered^enbarer SBid^tigfeit bon feiner 5$ürforge au«^ 
fd^tiefen, einen fo toirifamen §ebet ber SIBad^t, be^ tief? 
greif enbften Sinfluffe^ auf ba^ 35oIf, aud ber ^anb geben? 
®enn fein ©taat im ©taate fein foü, fo barf aud^ bie 
Älrd^e nur eine ®taat«anftalt fein; unb toenn ber Staat 
gegen ba« SSott in ieber Sejiei^ung feine ^flid^t ti^un toiü^ 
fo barf er fid^ nid^t für religioni^Iod erlfären, er muß bad 
retigiöfc Seben nid^t bloö unter feinen ©d^ufe nel^men, fon^ 
bern er muß e^ aud^ leiten unb mit feiner überlegenen 
©nfld^t bel^errfd^en. 

(ge ift nun freilid^ nid^t fd^toer ju bemerlen, unb menn 
toir e^ je überfä^en, toürbe nn^ bie ©efd^id^te laut genug 
baran erinnern, baß biefe6 ©taat^fird^entl^um in bieten Se* 
jiel^ttngen ju äl^nlid^en Uebelftänben unb ©efal^ren fül^rt^ 
toie bie 2^!^eofratie* 2Öenn bie (entere auf bem religiöfen 
Ocbiete leine feibftänbige (£ntU)id£Iung ber Sinjelnen', feine 
©tauben«:^ unb ©etoiffeuÄfrell^eit butben fann, fo fann e^ 
eine ©taat^ftrd^c, ober ein ©taat, ber pgleid^ Äird^e fein 



44 



etaatdftr^enr^um. 



feiö, cbenfotoemg. ©cnn ber Staat bte 5)ogmctt unb bte 
ftultudformen beftlmutt, ober bic einer beftel^enben KeUgion^' 
flefeßfd^aft ftd^ aneignet, fo finb biefe Seigren unb ®ebräu(i^e 
©taat^gcfcfee; gegen feine ®efe^e fann nnb barf akr bcr 
@taat leinen SBiberf^jrud^ geftatten, er mu§ berlangen, ba§ 
li^nen atte gel^ord^en, er ntng biefen ©el^orfam nöti^igenfatt^ 
burd^ ©trafen eritoingen; nnb toirb berfelbe bel^arrlid^ bcr^ 
toeigert, fo toirb er fd^on nm feiner äuftorität toitten aud^ 
bor ben änßerften SÄagregeln nid^t jurttdffd^reden bürfen. 
!J)iefe Sonfeqneng ift nod^ üfceraü jnm S3orfd^ein gefommen, 
tt>o ber @taat fid^ bered^tigt geglaubt l^at, bie Stefigion ju 
be^errfd^en. 3n ben ©taaten be« Sütertl^um« tritt fie nur 
beßl^alb im aßgemeinen weniger greK l^erbor, toeil e« feinen 
JReligionen mel^r um bie gotte^bienftlid^en ^anblnngen, ate 
um ben ©(auben unb bie lieber jeugung, ju tl^un mar; ioell 
bal^er l^ier aud^ ber ©taat feine SSer^)fßd^tung , bie 3Soß«=^ 
rcligion ju befd^ü^en, in erfter JReil^e auf ben fiultu^, nld^t 
auf bie Seigre, bejog. Sluf biefem ®tanb^)unlt fonnte ber 
SBiffenfd^aft, fetbft toenn fie mit bem ©tauben ber aWel^rjal^I 
im SBiberfprud^ ftanb, eine oft loeitgel^enbe r^ei^eit gefoffen 
toerben, fo tauge fie fid^ nur ber Singriffe gegen bie öffent^ 
tid^e SRetigion^übung entl^ieft; eine SJerfotgung toegen tl^eolo^ 
gifd^er 5lnfid^ten fommt bal^er l^ier nur bereinjett bor, toic 
bei änajragora«, ^rotagoraö, ©olrate«, Slriftotetc«. 333ic 
toenig aber bic retigiöfe i^eil^eit bamit toirlfid^ anerfannt 
unb gefd^üfet toar, jeigte fid^ fofort, al« ein (Staube auftrat^ 
toetd^er fid^ nid^t auf bie ©deuten ber ^l^itofo^)]^en unb bic 
Sreife ber Oebifbeten befd^ränfte unb fid^ nid^t bamit be- 
gnügte, bie Slufgeftärten ben SSoIfögöttcm ju cntfremben^ 
ol^ne bod^ bie aSerel^rung biefer ©lütter ju berbieten ; toetd^cr 
bielmel^r bie aSotförefigion unb ben beftel^enben Äuttu« im 
ganjen grunbfäfelic^ beläm))fte, um ftd^ fetbft an feine 



@eine folgen für bie Glau^nd« unb ©emifTen^frei^eit. 45 

@telle ju fe^en. (Sinen fo tfefgel^enben Angriff <mf bie 
@taatdre(tgion lonnte ber anttte ©taat n^t ertragen; bie 
Unterbrttdung be^ ßl^rlftentl^um« toar für il^n' eine grage 
ber ©elbfterl^attung ; unb fl« tourbe befl^alb, abgefel^en bon 
9?ero (beffen Sl^riftenberfolgung nid^t äu^flug eine« poütu 
fd^en ©Aftern«, fonbern eine bcn graufamen Steigungen 
be« ©cfpoten entf<)red^enbe äudfunft au« einer augenblid^ 
ßd^en SScrlegenl^eit toar), nid^t bon ben fd^Ied^tcften, fonbern 
bon ben beftcn unb fr&ftigften, mit attrömifd^er @taat«ge^ 
flnnung am lebenbigften erfüßten ßäfaren am naii^brütfs^ 
Kd^ften betrieben. S)iefe Scfd^ränfung ber SRefigicn^frcil^eit 
l^örte aber in bem d^riftlid^en @taat, ber an bie (Steüe be« 
^eibnifd^cn trat, fo t»enig auf, ba§ fie bietmel^r jefet erft 
in ber cnH)finbtid^ften SBeifc bon bem Äultuö auf bie Seigre 
unb ben (Stauben auögebel^nt tourbe. 3m SWittelalter ol^nc^^ 
bent wetteiferten bie toettlid^en Dbrigfeiten mit ben geiftlid^cn 
in ber unmenfd^Iid^ften 3SerfoIgung ber Äefeer; unb man 
tonn niäft immer fagen, ba$ fie bte§ nur geitoungen getl^n 
Ratten, fo getoig aud^ bieÄird^e, toetd^e fie jubiefer getoaft^ 
famen ©efd^üfeung il^rer Dogmen mit aßen SWitteln anl^ieft 
unb antrieb, bie $auj)tfd^ulb trifft. Slber aud^ in ber neueren 
3eit l^at fid^ ber ©runbfafe ber 9teIigion«freii^eit befanntfid^ 
nur fel^r langfam jur <)ra!tifd^en ©ettung gebrad^t. !Daö 
16. Sal^rl^unbert fal^ nid^t nur in Säubern unter fatl^olifd^en 
giteften, fonbern aud^ in bem (gnglanb ^einrid^'ö VIII, 
maffentoeife ^inrid^tungen bon fiebern unb ©d^i^matifern, 
felbft in bem cabinifd^en ©enf ben ©d^elterl^aufen ©erbet*« j 
ba« 17. nod^ in feinen legten Sal^rjel^enben bie S5ragonaben 
unb $ugenottcnau«tt>anberungen unter ßubtoig XIV, ba« 
18. bie Vertreibung ber ebangclifd^cn ©aljburger. 5)a^ ?re^ 
biger abgefegt ober be« Sanbe« berU)iefen U)urben, toeil fie 
fd^ toeigerten einen Sonfeffion^ioed^fet i^red Sanbe«l^errn 



1 



46 ©taat«fit(S^ettt^um. 

tttitinutad^ett, ober eine ton il^m Jjorgefd^rtcbenc ©lauBcttS^ 
fottncl ju befd^tolJrcn, tpar bei ben bcutfd^cn ^roteftantcti 
bi§ in'« 17. 3a]^ri^ttnbert l^tnctn <tn ber S^agc^orbttung ; bte 
boöe SEl^eilnal^jnc an ben [taat^bürgerltd^en Siedeten tftfürbie 
%oteftanten in latl^oßfd^en, für bie Äatl^oßf en in pxok^ian- 
tifd^en, für bie 3uben in d^riftlid^en ©taaten grof entl^ettö i>on 
fel^r iungem SDatnm; ja fie tt)irb l^ente noäf nid^t übetaO 
getoäl^rt, nnb nod^ l^äuflger finb bie SSceinträd^tignngen, 
benen fid^ fold^e SUHtglieber einer anerlannten 5ReIigton«ge« 
feflfd^aft, bie mit il^rem Äird^enregiment ntel^r ober toenigcr 
gerfaüen finb, forttoäl^renb in bieten Sänbern be^l^atb au^ge* 
f e^t feigen, toeit bie ©efe^gebung bürgerfid^e Slngelegenl^citen, 
iDie bie geitnng ber ©deuten, bie ©d^lie^nng ber Sl^en, bie 
^ül^rung ber ®tanbe«büd&er , bie Seerbignng ber 2;obten, 
t>er Sird^e üb jirf äffen, bürgerlid^e ^edfU an Ürd^Iid^e ®e= 
bingungen gefnü^)ft l^at. 3D?ögen toir aber fold^e Sinrid^^ 
tnngen nnb ^i^f^änbe nod^ fo entfd^leben ntipiöigen, nti^gen 
la>rx un^ bnrd^ fie nod^ fo tief in nnferent ©efül^I unb un^ 
ferent $Red^t«betonf tf ein berieft flnben : baö bürfen toir bod^ 
nie bergeffen, baf fie burd^an6 in ber Sonfequenj be« ftaat^^ 
fird^Iid^en @^ftem§ liegen, nnb ba| ein©taat, toenn er ein* 
imal eine tird^e ate ©taat^anftaft, il^re Seigren nnb ©a^nngen 
<tfö ©taat^gefe^c anerlannt l^at, ebenbamit and^ bie 35er* 
^flid^tung übernimmt, biefe Seigren nnb ©a^nngen mit atfen 
ben SWittefn aufredet jn erl^alten, bie er jnm ©d^n^ feiner 
^efe^e nnb Drbnnngen anjunjenben ber^jfßd^tet ift SBögcn 
biefe 3Äittet nod^ fo getoaltfamer 3Crt fein : toenn ber S^ei 
fid^ mit leinen getinbern erreid^en lägt, fo Mage man ba« 
©^ftem an, toetd^e^ bem ©taate biefe SSer)}fIid^tung auferlegt ; 
aber man berlange nid^t ba^ unmögtid^e: eine ©taat^^ 
reßgion nnb eine ©taat^ürd^e , tocld^e bie religiöfe ©efbft* 
bc^immnng * ber Sinicfnen nid^t beetnträd^tigt, nnb anbeten 



©eine Joldeit föt ha^ religiöfe SeBen. 47 

Äcllfliondgcfettf d^en , au^ct ber ©taat^ftrd^c , bcn {Raum, 
beffctt ftc bcbürf en, frei lägt 

6« ftnb it\>0^ niä)t aMn bicfc, bcrcn SRcd^tc unb beten 
i^etl^eit burd^ ba^ ©taatdlird^entl^um gefd^miUert, utib loenn 
man nttt ti^m bnrd^aud (Svnft ntad^t^ berntd^tet t^erben; 
fonbern aud^ bie l^errfd^enbe Äird^e ntng bic Unterftüfeung, 
bic üft ber ©taot teilet, bie ©teünng, bic er il^r gctofil^rt, 
mit einer Slbl^ängiglett erlaufen, burd^ bie fic in ber 8ö== 
fung ll^rer eigentfid^en aufgäbe auf« fttl^ttarfte gel^emmt 
nnb geftört, in il^rem innerften SBefen gefd^äbigt ioirb. ®ie 
Äird^e ift baö religiöf e ©emeintoef en : in ber (Srl^aÖung unb 
t^örberung bed reßgiöfen Seben« gel^t il^re ©eftintmung auf. 
^ie 9teßgion gebeil^t aber nur in ber Seben^Iuft ber f^ei« 
]^eü: ein S3e!enntni§, ba« nid^t meine eigene Ueberjeugung 
oudbrüdtt, eine Äultu^l^anblung, bie meinem eigenen ©efül^I 
unb SSebttrfnif nid^t ent^pxiäft, ein fird^ßd^cr Slft, ber nid^t 
au« meinem freien (gntfd^lug l^erborgel^t , ift bom rcßgiöfen 
®tanb:|)ttnft au« angefel^cn nid^t etoa nur toertl^Io«, fonbem 
^jpfitlb unerlaubt iCenn ein fold^er ä!t ift untoal^r, er 
ftel^t im SBiberf^)rud^ mit ber tpirfßd^en ©eflnnung, er ift 
ein 3[ft ber ^eud^elei. 3!)aju barf bic ftird^e toeber fid^ 
fefbft l^ergeben, nod^ barf fie anbere baju berantaffcn. ®ie 
borf e« nid^t bulben, baf il^re Sinrid^tungen unb i^re 2^8^ 
tigleit ju 3RitteIn für anbere aW reßgiöfe ^tDtdz gemad^t 
töerben; fie barf aber il^rerfeit« aud^ für i^re S^totde 
feine anbern a(« reßgiöfe SWittel antoenben. aber baburd^, 
bog fie @taat«anftaft ift, tt)irb il^r unbermeibßd^ biefc« 
teie Jene« aufgebrungen. SBenn e« fid^ bie Äird^e ge^ 
falten tagt, bag il^re Seigren unb 5lnorbnungen tt)ic @taat«:= 
gcfe|e bel^anbelt Joerben, bag ber ©el^orfam gegen biefelben 
burd^ ©jtrafen etgtoungen toirb, ba| m ba« ©ürgerred^ in 
ber Äird^e poütV\6ft ^iaifU unb SSortl^eite gefntt|>ft »erben. 



1 



48 @taatö((t^nt&um 

»cnn fic fid^ in btcfcr SBeifc auf ben ©taot fta|t, utib bic 
^taatmaäft für ftd^ bcnüfet, fo gckaud^t fie SRittd, tocld^c 
mit ber JRcItgton afö fold^cr md^tö ju tl^un l^atcn unb un^ 
möglid^ eine retiglöfe ©irfung l^aben Knnen. ©ie l^üft in 
Herein "S^dU baju, baß ba^ religtöfe Seben burd^ unreine 
SWotibe bcrborben toirb, ba§ an bie ©teKe ber »irllid^en 
i^römmigfeit eine innerltd^ untoal^re, blo^ auf bie andere 
Seiftung unb ben äußeren ©d^ein au^gel^enbe Äird^ßd^feit 
tritt. @ic fonn fid^ bann aber aud^ nid^t befd^toeren, toemi 
oKe biejenigen, bereu religiöfeö Oefül^I'unb beren S5enlcn 
einem borgefd^riebenen unb erjtoungenen Glauben toiber- 
ftrebt, fid^ gegen fie em^)i5ren unb in il^r nur nod^ eine 
©egnerin ber S5ernunft unb ber toal^ren Stömmigleit ju fel&en 
toiffen. SBenn anbererfeiti^ ber ©taat bie Sird^e bel^errfd^t, 
toirb er fie aud^ benü^en. (Sr u>irb bieg felbft bann tl^un, 
tocnn i^nt ba« rdigiöfe ßeben be^ aSotte« toirfßd^ am ^crjen 
tiegt 2)enn bie ©taat^getoaft toirb biefen ^ül x^xtx Sluf^ 
gäbe bod^ immer nur aud il^rem ©tanb<)unft, »etd^er ti>e^ 
fcntßd^ ber ^)ofitifd^e, nid^t ber lird^Iid^e unb religiöfe i% 
bel^anbetn; fie wirb j. S. eine religiijfe Setoegung, toeld^c 
tl^r bie Leitung be« ©taat^toefend in erfd^toeren, ben rul^igen 
®ang beffelben ju ftören brcH ju unterbrüden unb ju ber* 
l^inbern geneigt fein, fottte anäf an fid^ fetbft nod^ fo bicl 
für fie f|)red^en; fie toirb bon ben flrd^tid^en, toie bonaKen 
anbern ©taatdbel^iJrben berlangen, baß biefetben il^rc potu 
tifd^en 3^^*^ förbcrn, für fie ^artl^ei ncl^men; unb fie ift 
bamit, \ok \iäf nxäft Ifiugnen t&^t, in il^rem formeQen 9{ed^t, 
U)enn bie ftird^e )])irt(id^ nur ein S^eit be^ ©tatdorganidmud 
ift $aben boQenbd bieienigen, in beren ^änben bie ©taatd« 
gctoatt liegt, lein fetbftfinbige^ reßglBfcö 3ntereffe, fo giebt 
ll^ncn eine ®erfaffung, toeld^e ber Sird^e leine freie ®e* 



Seine Solgcn für jtir^e titib Staat. 4^ 

ttregnttg t^erftattet itnb feinen i^t eigentl^ütnßd^en , t>on htm 
ftaatlid^en Gebiete (efiimntt unterfd^tebenen Sirtung^fretö 
imüft, bie SRtttel nnb bte ®e(egenl^eit, bie fttrd^e jur 
tDtttentofen S)tenerin ber @taatdma(i^t, bie 9ieHgion }unt SSkxh 
jeug ber ^oKtif l^erabjufe^en. Unb cd ift Ja belannt, toie 
oft «nb in toeld^cnt Umfang bieg in ben berfci^icbcnften 
8änbem unb mit ben berfd^iebenften SRetigionen gefd^el^en ift ; 
toie ober burd^ bicfed SBerfal^ren aud^ immer bo« religiöfe geben 
ottf « tiefftc gefd^äbigt «nb nid^t fetten faft erftidft tourbe. 

%udf bem ©taate bringt aber bie Slbl^ängigfeit, in 
toeld^er bje ftird^e tjon il^m gei^aftcn loirb, feinen ®ett>inn. 
®ie ift unfd^äblid^, fo lange fie naturgemäß . ift ; b. 1^. fo 
lange in einem SSoIfe ber ©egenfafe ber religiöfen lieber^ 
ieugnngen unb ba« ©ebürfnit be« religiöfen ^ortfd^rittd 
no4 ^^^ f ö ftört ift ^<^ß ^^ ^^^ ^i" 5)ru(f unb atö eine Sdt- 
fd^ränfung ber ®Iaubends^ unb 35enffrei]^eit em^)funben toirb, 
toenn ber Staat bie überlieferte gorm bed ©tauben« unb 
ber ®otte«berel^rung für atte ©taatdangel^örigen jum ®efefe 
tnad^t ©obalb pd^ bagegen biefe« änbert, mad^en fid^ bie 
fiBeln Sötgen be« JRetigiondbrudtc« fofort aud^ für ben ^iaat 
fapar. eine«t^eit6 erftidft biefer S)ru(J in benen, bie fid^ 
i|m fügen, bie ©al^rl^eitdtiebe unb ba« ©etoiffen, unb er 
Beraubt baburd^ ben ®taai ber fid^erften ©ürgfd^aft feine« 
©ebeil^en«. Slnbererfeit« trifft ber 9tüdCfd^tag, ben jeber 
(Stottben^itoang l^ertjorruft , mit ber Äird^e, bie il^n ausübt, 
aud^ ben ®taat, toetd^er i^r baju feinen Slrm teilet (Sinen 
auffaöenben ©eteg l^iefür bietet in ber atten ®efd^id^te ba« 
röniifd^e JReid^, beffen Untergang nid^t am toenigften baburd^ 
beförbert tourbe, baß bie SSerel^rung ber atten ©ötter burd^ 
il^re ©crftcd&tung mit bem ©taatdtoefen fid^ äußertid^ er* 
^iett, toSi^renb bod^ alte ®ebif beten bon bem ® tauben an 
biefetben innertid^ abgefommen toaren; ba| anbererfeit« bie* 

4 



50 



^taatltir^entl^um. 



jcttiflctt, in beneti ba« frSftigfte utib frud^tbarfte rcUgÖfe 
gel&cn toar, bic Si^riftcn, eben baburd^ jur ©leid^giUtlBfeit 
unb t$einbf(ä^aft gegen ben &taat gebrängt »urben. ^oäf 
tontet j'})ri(ä^t in ber neneren 3^i* ^^^ Sei^iel gronfrcid^«. 
9Rit ben ^ngenottcn, mit ben 3anfeni[ten l^at ba^ fran* 
jöfifd^e SSotf fein ©etoiffen bertrieben unb berläugnet; biefe 
JReligion^öerfoIgungen pnb eine bon ben toefentßc^ften Ur* 
fad^en jener Unrul^e, ble fid^ feinet ))otitifd^en gebend be« 
mäd^tigt i)<it, Jene^ fieberl^aften ä^ftanbed, toetd^er biefed 
Sßott feit einem Sa^rl^unbcrt in ^>Iö^Iid^en, unbered^enbaren 
3ndtungen batb ber Slnard^ie, balb ber 2;^rannid in bie 
arme toirft. 35ie Unterftüfeung , toeld^c einer bertoeftfid^ten 
^ierard^ie bon beft)oti|d^en unb fittenlofen JRegierungen ge* 
tt)ä]^rt tourbe, toax einer ber entfd&eibenbften bon ben ©rün- 
ben, n>eld^e bem beftel^enben ©taat^toefen 2Ug(eid^ mit ber 
Äird^e bei aßen Slufgeffärten bie S5erad^tung unb ben $a§ 
iujogen, ber fid^ in ber 9?eboIution über beibe in ber^ 
l^eercnben ©türmen entlub. — SWag ferner bie^ird^e nod^ fo 
<ib]^ängig bom <Staat fein, fo toirb fie bod^ immer für bie 
J)ienfte, bie fie il^m teiftet, oon feiner ©eite ©egenbienfte 
oerlangen, unb fie »irb aud^ immer in ber Sage fein, biefem 
SSertangen 92ad^bru(I geben ju fi^nnen,. fo (ange bie 9ie(igion 
unb bie fiird^e für ein S5oIf überl^au^jt nod^ ettoad ju be* 
beuten tfat 3a ber ©taat felbft ift genötl^igt, fie in biefe 
Sage JU berfe^en. S)enn um im SSoIfe für ben ©taot unb 
bic ©taatöjtocdfe ju toirfen, mu^ fie für ba^felbe eine Auf* 
torität fein; in bemfelben 9Äa§ aber, toie fie bieg ift, toirb 
fie aud^ auf ben ©taat unb bie ©taat^teitung Sinfluf ge:^ 
toinnen : tl^eifö burd^ bie IDrol^ung, il^re SUiad^t gegen bie dit^ 
gierung ju gebraud^cn, t^eifö taburd^, bag bie Snl&aber ber 
©tacrt^getoalt, bie i^ürften, bie S3eamten, bie SBal^Iför^jer unb 
bie SJKitgßcber ber gefe^jgebenben aSerfammlungcn, felbft unter 



Seine ^oi^tn für ba^ 8taatdUben. 51 

t>cm Sann il^rcr Sluftorttät [teilen unb il^rett ffiinlcn gcl^ord^cn. 
@o t)crtoanbclt fid^ bic fd^einbarc Untertoürflgfeit ber Ä.rd^c 
gcgcit ben ©taat unbcrfcl^cn« in eine ^crrfd^aft über ben* 
, fclben. @tc gel^ord^t ber JRegterung unb berbürgt itfi ben 
' '^cl^orfam be^ 3SoIIcö, aber bie {Regierenben fclbft gd^ord^en 
j il^ren ©eid^töätern ; fie ^>rebigt bie äd^tung bor bem ®cfefe, aber 
ftc toci^ bafür ju forgcn, baß feine ©efefte gegeben toerben, 
t)ie üfv 3ntereffe beriefen. ©oUte bieg aber bod^ ber %atl 
\ fein, foHten bie f^ürften unb bie ©taatömänner, bie SBöIjIer« 
fd^aften unb bie Äammecn fld^ il^rer mütterlid^en Dbl^ut ent^ 
jiel^en: bann erinnert fie fid^ ^jß^fid^ beö ®pxviä)e^, man 
muffe (Sott mel^r gcl^ord^cn, afö ben 2Kenfd^en; unb ba ber 
SBiöe ®otte« natürlid^ t^r aüein aut^entifd^ befannt ift, fo 
^eigt bieg: man ntüffe ber Sird^e ntel^r gcl^ord^en, aW bem 
<Staate. 3e^t erfennen bie {Regierungen mit ©d^rcdfen^ 
toeld^en ©egner fie felbft fid^ in i^rer S5erb(enbung grogge* 
jogcn l^aben, toie bie SBaffe, bie fie ber ßird^e in bie^)anb 
gaben, fid^ gegen fie felbft feiert, unb fie f önnen fid^ glüdfid^ 
fd^äfeen, tuenn eö il^nen gelingt, unter SWül^e unb Ääm^)fen 
ben ©d^aben tpieber gut ju mad^en, ber mit größerer Um- 
pd^t unb freieren ©runbfä^jen fid^ bon Slnfang an l^ätte 
üermeiben laffcn. 

aae« biefe« betrifft inbeffen erft bie Sirlungen be^ 
©^ftcmö, mit bem n)ir. eö ju tl^un l^aben. SBie ftel^t ed 
nun aber mit feiner Segrünbung? Der ©taat, fagt man, 
fei ba« fitttid^c ®anic, bie ftttlid^e ©ubftanj ; er muffe ba^er 
atte ©ebiete be« fittlid^en Seben«, unb fomit aud^ bie {Re- 
ligion, in feinen Drgani^muö aufnehmen unb leiten. Slber 
fo fd^einbar bieg aud^ tautet, fo berfd^toinbet bod^ biefcr 
iSd^ein alöbalb, tocnn toir ba« SSäefen unb bie Slufgabe be« 
©taate« ettoaö genauer beftimmen. gür'ö erfte nämlid(^ ift 
e« nid^t ba« fittlid^e geben über]^auj)t, fonbern nur ba^ 

4^ 



1 



51 ^taat^fir^ent^om. 

2tJ>tn rtnc« beftlutmtcn S5oßc6, ba^ fid^ im ©taate ju einem: 
gcorbncten ®anjen iufamntcnfagt ; unb fd^an begl^alb !ann 
ei;je {Religion, töeld^c i^rem Umfang unb il^rer S^cnbcnj nacj^- 
über bie ©reiijen eineö einicincn SSotfe« l^inau^gvelft , nid^t 
^,taatdreIigion fein. ®anj angenfd^einlid^ ift bie§^ töenn 
eine fold^e SRcügion fo, tüte ber Äatl^olici^mu« , 9lnge]^örigc 
ber berfd^iebenften 3SöIfer in Siner Sird^e bereinigt aber 
b<^^ gleid^e^gilt aud& bom ^roteftantt^mu«. %näf in il^m 
fallen bie Orcnjen ber einjetnen Sird^en mit ben Sanbe«« 
gr?njen nid^t jufammen, unb felbft toenn bie§ tl^otfäd^lid^ 
ber gatt fein foöte, fo ift bod^ il^r^rinii^) ein anbere«, aU 
ba^ be« ©taatölebenö : e« finb nid^t t)oIitifd^e, fonbern rc- 
ligiöfe SSorau^fe^ungen, bon benen fie au^gel^en, e^ iftnid^t 
eine S'iationatreligion , fonbern ba^ reine ßl^riftent^nm , um 
ba« e« il^nen ju tl^un ift. 'änäf ba« Seben eine« SSoKe« 
gel^t aber ntd^t bottftänbig im ©taat auf unb ftel^t nid^t 
in^ ieber Sejiel^ung unter feiner Leitung ; fo toenig ed aud^ 
irgenb eine ©eite beöfelben giebt, bie für ben Staat gleid&- 
gültig toäre, ober il^rerfeit« bon feinen 3iipänben nid^t be* 
rül^rt »ürbe. 3Der ©taat ift freilid^ nod^ etloa« anbere«^ 
aö. eine bIo§e SRed^t^anftalt; ber 5Rcd^töfd^ut? ift nur ®ine 
üon ben ^flid^ten, bie i^m in ber inneren ©taatöbertoaltung 
tDie in feiner auf ba« SJerl^ältniß ju anberen Staaten be- 
jüglid^en S^ätigfeit obliegen; neben il^m nel^men bie ma^ 
terieüen Sntereffen unb bie toirt^fd^aftlid^e arbeit be« SSoffe«^ 
unb anbererfeitö bie Pflege be« Unterrid^t«, ber ©ittUd^Iett 
unb ber ®ilbung feine gürforge in gleid^em SJRage in Sin« 
f^jjmd^. üDer ©taat l^at überl^au^jt bie Aufgabe, ba« ganje 
©emeinleben be^SSoffe« gu orbnen, für aöe ©ebürfniff e unb 
3ntereffcn bee 9So««ganjen mit ben 2RitteIn unb Gräften ber 
©cfammtl^eit ju forgen. äberbiefe auf gäbe bejiel^t fid^ unmit^ 
telbar nur auf bie Sebürfniffe unb 3ntereffen be« ©anjen*^ 



r 



©eine aSegrünbung. ?3 

für tTie Sntcrcff cn ber einjcfncn 3nbtoibuen bagcgcn uttb ür 
Bcfoiibercn gefcüfd^aftlid^en Ärcifc l^at ber ©taat nur tnfl* 
fem ju forgen, aU [ie felbft an bem SBoPeflnben vH 
1Boff6ganjen ti^eilnel^men ober btcfe« burd^ ba^ il^rige Bebingt 
ift SDie gürforge bc« ©taat« für bie einjetnen ^erfiftin 
imb bie einjclnen Steife ber ©taatögcfeflfd^aft ift bai^er dift- 
t)crer Slrt, afö feine r^ürforge für baö ®anje» SDae lefetfete 
ift ber unntitteifcare (Segenftanb ber ©taat^tl^ötigfett : 
tDa^ bie ©efammtl^eit al^ fold^e angelet (ti)ie bie ^txiffix^ 
bigung be^ 8anbe6 unb S5oI!e^ gegen äußere g^inbfe, Ke 
9?cd^t^^)flege , bie aßgemeine ^ofijei, bie ©orge für ben 
öffentlid^en Unterrid^t, für mand^e S^l^eile ber 2lrmen})ftegc, 
für bie unentbe^rlid^en SSerlel^r^toege unb aSerfe^röntlttel)/ 
ba0 ffat ber Staat, faß« nid^t auc^ ^ier bie ^ribatt^ätiglcit 
fein Eingreifen in ber einen ober ber anberen Sejiei^iiftg 
entbel^rlid^ mad^t, burd^ feine Organe ut^ feine SKittel ju 
befd^affen; ba^ toirb er bal^er aud^ ntit boöer ©elbftätibtg^ 
leit burd^ feine ©efefee orbnen. SBa^ bagegen junäd^ft nÜr 
für einjelne Staatsbürger ober für Heinere 2^^eile l^^r 
©taatSgefeöfd^aft ein Sntereffe "fjat, (toie bie Srjiel^ung ber 
Äinber in ben ?5amilien, bie SSertoaltung ber (Sin^efg^^ 
mcinben, bie inbuftrieBe ST^tigteit bon ßinjelnen unb ®e= 
feUfd^aftett) ba« ift nur ein mittelbare« Objieft ber 
©taatöf ürforge : ber Staat fd^ü^t bie ©njelnen, bie SSereifie 

'.■V 

unb Sor|>orationen in il^ren {Redeten, er getoäl^rt il^nert ÜviSf 
tool^I eine ^jofitibe Unterftü^ung , inbcm er bie aügemeincn 
©ebingungen il^rer S^ätigfeit ^erftettt^ ben S5oben, auf beut 
fie fid^ betoegt, fid^ert ; aber biefe I^ätiftf eit f elbft Überlast 
<r il^nen, unb l^ält e« nid^t für feine ©ad^e, blefetbe bürä^ 
feine Organe ju öoßjiel^en, ober citor«, ate jüm Sd^u^ 
ber aögcmeinen {Red^t^otbnuttg , te fie einjugreif eh ; aufer 
fofem zttoa ba« öffentCid^e 3tttcw|fe in götten, in benen 



. 54 ftaat^f irc^ent^um. 

He ^tiDattl^attalett bent »ebfitfm§ ntd^t genügt, fein fu^^ 
pbiSrc« (gintreten bcrlangt. ÜDer ©taat giebt j. So. ®e^ 
toerbcgefe^e; er unterftü^t bte ©etocrbtl^ätigfeit burd^ @r^ 
Banung bon ©trafen unb Kanälen, burd^ itDecfmügige Sin» 
rid^tung be« Sidcgraj)]^en= unb ^ofttoefcn«, burd^ ^anbeW* 
berträge unb anbcrc 2RitteI; aber er bctrad^tet e^ in ber 
SRegct ntd^t ate feine aufgäbe, bie ©etoerbe f elbft ju treiben. 
S)er ©taat grünbet Unterrid^tdanftalten , er getoäl^rt benen, 
toeld^e fie benüfeen, getoiffc 3Sortl^eiIe, er berlangt bon feinen 
' ©eamten ein beftimmte^ SUia^ toif[enfd^aftlid^er. Silbung, er 
unterftü^t toiffenf d^af tlid^e arbeiten ; aber bie toiffenfd^aftfid^e 
gorfd^ung felbft übertt;ägt er nid^t feinen Beamten, fonbcm 
er überlägt fie ben ©elel^rten, benen er toeber il^r SSer^^ 
fal^ren nod^ il^re (grgebniffe borfd^reibt (Sd ift mit ©nem 
SBort nid^t bie ganje Sl^ätigfeit be« SSoüeö unniittetbar 
an^ eine S^ätigfeit be^ @taat6; bie (entere umfagt biet^ 
mel^r blo^ benjenigen S^i^eil ber 3SoIf «tl^ätlgleit, bei toeld&em 
ba^ öffentfid^e 3ntereffe nur burd^ bie Organe unb bie SWittet 
be9 ©anjen audreid^enb getoal^rt, nur burd^ fie einem afi^ 
gemeinen ©ebürfniß in genügenber SBeife abgel^olfen toerben 
!ann; für aQe übrigen älngetegenl^eiten bagegen lägt ber 
Staat Sinjelne unb ganje SSereine fclbft forgen unb begnügt 
fld^ feinerfeit«, biefe ^ribattl^ätigleit ju befd^üfeen, ju über^ 
tcad^en, unb fo toeit fte e« bebarf unb ba« aQgemeine ^' 
tereffe c« forbert, ju unterftüften. 

3u »eld^cr bon biefen beiben Ätaffen gcl^ört mn bie Äe« 
ßgion? 9(ud aCen unfern bidl^erigen Erörterungen ergiebt 
fid^, bag {!d^ biefe f^age nid^t allgemeingültig, toeber nad^ ber 
einen nod^ nad^ ber anbern ©eite, beantworten Iä§t. Sd ^t 
©taoten gegeben, unb ed giebt bereu ie^t nodb, in benen ba^ 
ganje SoR bemfelben religt&fen ^etenntnig angel^ört 3n fo(^ 
^en Staaten ift bie 9ieIigion tl^atfädj^lid^ eine Xngelegeni^eit 



r 



^ine Segränbuitd. 55 

ber @efammill^ett unb ed (iegt tein @tunb bor, toxitunt ntd^t bie 
@efammt]^eit tt>ie fie {!(j^ im ®taat otsaniftrt l^at, bie Seitung 
biefer, tt)ie aUer attbem gemeinfanten tbtgelegenl^eitett in bie $attb 
nel^mcn fottte. 2teer tocttn Jene Sorauöfe^ung niäfi jutrifft, 
»enn mcl^rere (5onf efftotteti unb Jltetigionen in Sincm @taat«s 
»efen bereinigt finb , toenn [xäf in einem S^l^ei^ feiner Wx- 
gcl^örigen ba^ J8ebftrfni§ regt, in il^rem ©lauten unb il^rer 
®ottedbere]^rttng i^ren eigenen ffieg ju gelten, tomn^tjoü^ü 
an ber ©al^rl^eit bed aSoII^glaufcen« fid^ berbreiten, bann 
ift bie SReligion nid^t mel^r eine gemeinfame ängctegenl^eit 
bc^ ganjen SSoHed, fie fann unb barf bal^er aud^ nid^t mel^r ate 
fold^e bei^anbelt nid^t bom@taate bel^errfd^t unb bon feinen 
Organen geleitet »erben. ®e(bft tt>enn niemanb im 85clf 
fein foBtc, ber gar feine {Religion l^at, fo l^aben bod^ nid^t 
mel^r aöe biefelbe JReligion; fetbft toenn ber ©taat fid^ be* 
red^tigt glaubte, ju beriangen, ba^ {cber feiner Sürger einer 
fiird^e angel^^re (tDoju er in SSal^rl^eit anäf tein 9itäft ffat), 
fo ßnntc er bod^ feinem borfd^reiben, »eld^er Äird^e er an- 
gel^ören, unb u>ie er fid^ in feinem Glauben unb feinem 
. Serl^aften ju biefer ftird^e fteöen foöe. dien bte§ mfi^te 
er aber «^un, toenn bie Äird^e ate ©taat^anftalt, a(« ©taat«= 
fird^ bel^nbeft toerben foßte. ffienn bie Äird^e @taat«ird^e 
ift, fo toirb ii^r ®iauit, il^re SBerfaffung, ii)t Äuftu« burd^ 
©taatdgefe^ beftimmt, ii^re SertoaCtung bon ©taatdbel^örben 
gefeitet» SBie ift bieg aber mögüd^, toenn in einem ©taate 
mei^rere bon ii^m anerfannte Äird^en beifammen finb? 2>iefe 
Äird^en mögen in nod^ . fo bieten *?Junf ten übereinftimmen : 
in anberen unterfd^eiben fie fid^ bod^ immer unb »iberf^)red(^en 
fld^; unb biefe Unterfd^iebe erfd^einen il^nen felbft toid^tig 
genug, um ii^re SSereinigung }U Siner Sird^e unmöglid^ ju 
mad^en. Sßie foQ fid^ nun ber ©taat baju berl^alten? 
©eine (Sefe^e mttffen bod^ allgemein unb fttr aQe feine 



96 @taoi$f it^entl^mn. 

s 

' Untertanen gleid^fel^r getten ; er lann nid^t einem Stilett 
feiner ängel^örigen gebieten, Sl^riftu« fite ben @ol^n#üttc0, 
eiman anbem , i^n für einen fatfd^en Sßxopiittm in Italien ; 
er fann ni^t bie einen Beftrafen ober in ii^ren Wlrgerftd^en 
9ieäften beeinträchtigen, n>ei( fie nid^t an bie p&p^Üiäft Mn- 
fel^lbarlcit ober bie S^ran^fubftantiation glauben, unb btc oxi^ 
bem, tocil fie bon ben atten ^)rotejiantifd^en öcfenntniffen 
abtoeid^n, in benen ber ^aj>ft ber äntid^rift itnb bie ÜÄcffe 
eine berntatebeite 9lbg5tterei genannt toirb. Sine ©taat^f ird^e 
fann immer nur eine cinjige für ben ganjen ©taot fem ; 
ift aber ©ine ©taatölird^e borl^anben, fo ftel^n alle anbem, 
fo toeit fie bon il^r abtocicben, in SBiberft)ru(^ mit ben 
@taat^gefe|en ; fie loerben bal^er unbermeiblid^ gebrfidt unb 
bcnad^ti^eiligt , unb toenn man confequent feiti toofite ober 
fönnte, müften fie mit aüen SRitteln, bie ber ©taotögckooft 
jtt ©ebote ftel^en, unterbrü(ft loerben $at fid^ bal^cr cln^ 
mal bie (Sinl^eit bed ©tauben« m einem 3Soß aufgeWft, fo 
ift ebenbamit aud^ ber (Sinl^eit be« @taatd unb ber Streif 
ber iöoben entjogen: il^re Trennung ift burd^ bie tl^atfäd^^ 
tid^en SSerl^ältniffe geforbert, unb bie gragc fann nur nod^ 
bie fein, ob biefe S:rennung eine bottftänbige ober eine blo« 
t^e«tt>eife fein fott, ob bie boBfommene ©tcid^güttigfeit bc« 
©taiited gegen bie Ätrd^e ober eine fotd^e aScrbinbung bei- 
ber ba« rid^tige ©i^ftem ift, bei toeld^er bie Äird^e itoar in 
geteiffen öejiel^ungen unabi^ängig bom ©taat, in anbem ba*= 
gegen an feine äCßitnnrfung unb 3#tomung gebunben i^. 



Zxtm\m% tf^ii ^taett snb fttt^e. 57 



Raffen tobe nun imi&ci^ft bod erfle Don btefen @i^ftemen 

m'dSluge, tceld^ed bie )>0li[ft&nbise Slrennung ber Sird^e botn 

©taat forbcrt, fo fd^clnt [id^ bicfed fd^on burd^ fcitic aufcr* 

-orbentfid^e (|btfac^]^ett gu em))fe]^Un* ^Dsr ©taat foQ ftd^ 

tl^itt jufotge um bic JRcltgion aW fofd^c fibcr]^am)t nid^t U-- 

t&mmtxn, et fod biefetbe ntd^t atö eine öffentßd^e 9(nge{egen- 

l^tt^ fonbem audfd^(ie$(id(^ ate eine ^ribatfad^e ber dlnitU 

nm be^anbeln^ in bte er auf feine SEeife eingreift, ber er 

abex au^ leinen ßinfln^ auf fein SJerl^ßen unb feine 6in- 

rid^tnngcn geftottet. (gr foö bon feinen Sürgern nid^t »er^ 

langen, ba^ fic einer beftimmten Äird^e ober über]^au^)t einer 

9?f ligionögefcßfd^aft angel^ören ; er foß fein bürgcrüd^d Siedet 

irgenb einer 9lrt bon bem reßgiöfcn JSÖefenntnlg - abi^ängig 

ntad^en, nienutnb megen bedSRange^, ben er in feiner ^rd^e 

eimtintmt, eine Beborjngte bürgerüd^e ©teönng ober fonft 

einen SBortl^eU geioäl^ren, nlemanb begtoegcn, toeil feine Älrd^e 

.i^ii beftraft ober bon fid^ an«fd^öe§t, in feinen Bürger (id^cn 

unh ^olitif d^en 9ied^ten eine (Sinbu^e erleiben (äffen. €r 

foß fid^ ftld^e (Sinrid^tnngen geben, baf bie bürgerßd^en 

Serl^ältniffe bon il^m aKein georbnet »erben, bie ©ejicl^nn- 

gen be^ Sinielnen ju bem ©taat unb ber . bfirgerüd^en ®e= 

feUfd^aft coi f einerlei fird^iid^e Sebingungen gefnüfjft finb; 

er foß bte S^efd^tiegung ju einem rein bürgertid^en Slft 

mad^en, bei ber @i^egefe^gebung auf bie ^rd^ feim ^M^ 

fld^t nel^men, ben 9ieUgiondunterrid^t bon ber ©d^ufe, bie 

©cifßid^feit bon ber Seitung be« Unterrid^tdtoefcn* au^fd^lie= 

§en, bie gül^rung ber ©tanbedbüdj^r , bte @orge för bte 

SBeerbigung ber ©eftorbenen, bie öffentüd^e älrmcn« unb 

tr(ai{ent>ffege bürgerlid^en SbOfi^ttfm flbertrageit. ir foß 

ibafür abtr au# fid^ ftCbft ieber (Sintstifd^ting in tird^tid^ 



58 Xrettnun^ wn €toat unb StixSit. 

S(nge(egen]^eiten etitl^alten; er foQ ieber Steligiondgefefffd^aft^ 
fo lange fie nur bte aQgemeinen ©taatdgefe^e niäft ^erle^t, 
bie ttnl&efd^rSnlte i^reil^ett laffen, über tl^re Seigre, il^re &oU 
tedberel&rung ^ il^re Serfaffung, tl^r SScrmögen nad& eigenem 
(Smteffen {u berfägen, in tl^re ©emetnfd^aft aufjunel^nten \ 
ober bon berfelben au^jufci^neten, toen fie to\ü, bie lird^ßd^e 
Trauung, bie ZS)ülmf)mt am ©otte^bienft, bie ätu^übung 
tird^Iici^er Siedete an jiebe beliebige ^ebingung ju tnüp^vur 
auf iebed beliebige @(aubendbe!enntni§ in ber))flid^ten ^ il^re 
5)i«ci^)(in in jeber SBeife^ bie il^re SKitglieber fid^ gcfaßc« 
laffen unb bad @trafgefe^ nid^t berbietet, ju l^anbl^aben. 
(Er foQ mit Sinem 3Bürt bie {Religion unb bie Steligiond^ 
gefeKfd^aften, fofern fie nidfft mit feinen ©trafgefe^en in 
(SoQifion tommen, burd^aud ignoriren; er foQ jiebem ^n^ 
fammenfto^ )to)if($en ®taat unb ftird^e burd^ bie gän^ßd^e 
@dl^ibung il^rer (Gebiete in ber einfad^ften Seife borbeugen. 
SÄan l&at nun biefem @^flem nid^t feiten ben SSortourf 
gemad^t ba§ ed ben @taat re(igiond(od mad^e, unb baburd^ 
bie ^Religion fetbft, unb mittelbar aud^ bie @ittlid^leit, 
auf^ l^öd^fte gefäl^rbe. «ßein biefer SSonrurf ift, fo attge^ 
mein au^gef))rod^en, nid^t ftid^l^attig* SBenn manrieben ®taat 
religiondlod nennen toid, ber !eine @taat9religion unb feine 
©toat^Iird^e l^t, bann berftel^t ed fid^ freiUd^ bon felbft tag 
bie 2;rennung bed ®taatö unb ber Aird^e )ur Steligiondloftg^ 
feit be« <Btaat^ ffi^rt. 3(ber retigiondtod in biefem @tnn 
mu^ ieber ^Staat fein, ber mel^rere Sird^en unb religüSfe 
^artl^eien in fid^ bereinigt ; benn er lann unmiiglid^ bie Sel^^ 
ren unb Sebendborfd^riften einer bon il^nen }u feinem @efe| 
mad^en, ol^ne aQe anbern ju ber(e^n« 3n biefem @inn 
ift bal^r jene JSe^att))tttng }toar rid^tig, aber fie entl^äft lei^ 
nen SSortourf. SBerftei^t man bagegen unter einem retigion^^ 
tofen ®taat einen fo(d^, beffen ^bi^IIerung o^ne SteOgton 



r 



^ 



Ob fit htm &aat tegiennigdM ma<i6t? 59 

tft , ober ber in feinen Sbtri<i^titngen barauf au^el^t , bte 
Stettgton ju Befettigen ^ fo iDürbe bte Sei^aui^tung , bag ber 
®taat burd^ feine 2;rennung t^on ber Sird^e reIigiond(o^ 
n)erbe, aüerblngd einen SSortourf entl^aCten, aber fie toäre 
nid^t rid^tig* 3ene 2:rennung lann au9 (Sleid^gültigteit ge^ 
gen bte Steligion unb bte ^rd^e l^erborgel^en ; fte tann aber 
ebenfogut aud^ au« ber Ueberjeugung entfj>rungen fein, ba§ 
bie ^rd^e ber ftoatlid^en Unterftä^ung ntd^t b(o« nid^t bebürfe, 
fonbem fid^ ol^ne btefe(be unb ol^ne bie mit il^r berbunbene 
Äbl^ättgigfeit bont <Staat beffcr beflnbe; nnb U)ie e« fid^ 
l^ientit berl^ält, bieg tt>itb gaui unb gar bon beut re(igi5fen 
3ttftanb ber ®eb5(Ierung abl^ängen. !Cer d^rift(id^en ^ird^e 
ftanb ber @taat in ben erften brei dal^rl^unberten il^rer ©efd^id^te 
nid^t a0ein gleid^gü(tig, fonbern fogar feinbfelig gegenüber; 
unb bennod^ toar il^r religiöfe« geben in biefer ^eriobc toeit 
reiner unb fräftiger, <jte f^)äter jur ^üt il^rer ^errfd^aft im 
rämifd^en 9?eid^e. 3n ber norbamerifanifd^en Union ift bie 
ftird^e bom ©taate grunbfä^Iid^ ))o((ftänbig getrennt; aber 
fo biete aud^ bie f^eil^eit, bte ii^nen ber ®taat in t^olge ba^^ 
bon Iä§t, baju benähen, fiäf auger ieber tird^Iid^en Vernein« 
fd^aft iVL Italien, fo tann man bod^ bem amerilanifd^en S3otfe 
im gangen 3ßangel an religiafem unb lird^Iid^em ®inn fo 
toenig bortoerfen, bag ba« religii^e Seben bort bie(mel^r ge^: 
rabe in feiner Unabl^ängigleit bom ®iaai fid^ fel^r fräftig 
entU)ideIt unb eine auf erorbent(id^e SOtannigfaltigteit religiöfer 
ft((r)>erfd^aften l^erborgebrad^t l^at 

Snbererfeitd ift e« aber aud^ eine S^Sufd^ung^. toennman 
meint, in ber SIrennung ber Slrd^e bom ®taate bie ^avAev^ 
formel )u befi^en, mit ber fid^ aQe @d^tt)ierigteiten biefe« 
$er]^ä{tnif[ed o^ne äßü^e befeitigen laffen. @« nimmt fid^ 
freiKdl^ ungemein (eid^t unb einfad^ au^, totm man bem 
@taat unb ber fiird^e ben VtüQj giebt: ba fie fid^ mit ein- 



60 2:tetmimg Don @taat unb Stilist 

anbct nutt toäf einmal nid^t »ertragen, fo fotten pe il^re 
®erMnbung lieber ganj anflöfen. S^ ift gerabc fo einfad^, 
tote toenn man ftreitenben Sl^eleutcn anrätl^, tl^ren 35iffc^ 
rcnjcn bnrd^ Sl^efd^eibung ein Snbe ju mad^en. Sfcer tote 
totr in bem (efetercn gaöe bod^ erft fragen toerben^ i>fe bie 
SRi^berftänbniffe fid^ auf letnem anbern SSäege lieben laffcn, 
ob ferner jtoifd^en ben ftreitenben S^^eilen nid^t bod^ bicl= 
teid^t ein fefterer innerer ^n^ammm^axti beftel^t, aK c^ ben 
änfd^ein l^atte, ob enblid^ bic @d{>eibung nid^t in betreff 
mand^er fünfte, toie ber Äinber unb il^rer (Srjiel^ung, bc« 
gemeinfd^afttid^en 3Sermögen^ u. f. tx>., p neuea fd^limmercn 
ffiertoidttnngen ftii^ren totirbe, fo lönnen toir un^ and^ ifin- 
fid^tüd^ be« SSerptniffeö bon ®taat nnb Äird^e ä^nlid^en 
Srtoägnngen nid^t entjid^en. @inb bie ©ebiete unb bie 
?[ufgaben biefer beiben ©emeinfd^aften toirllid^ fo burd^au^ 
berf d^ieben , bag il^re boöftänbigc S^rernung julfi^ig unb gc^ 
böten erfd^eint? 3ft bie {Religion il^rem SBefen unb ©cgrtff 
nad^ eine blo^e ^rioatfad^e ber ginjclnen, bie Äird^e eine 
blogc ^rioatgefefifd^aft? SBirb bal^er bie ©efe^gebung, toenn 
fie biefelben al« fold^e bel^anbelt, toeber il^nen felbftp nal^e 
treten, nod^ ben ®taat ©efal^ren unb Siad^tl^eilen au^fefeen? 
Stuf biefe f^rage läft fid^ nun toeber toieber mit einem 
einfad^en 3a nod^ mit einem einfad^en 5Rcin anttoorten. G^ 
ift an fic^ nid^t unbenfbar , ba§ bie {Religion unb ba^ reßgiöfe 
©emeinicben .in einem S5o(fe blo^e ^ribatangelegenl^eit ein- 
jelner ^erfonen ober ©efcHfd^aften fei. 2)ieg toürbe nid^t 
blod bann ber ^<iU fein, toenn bie SWel^rl^eit be^felben fo 
gleid^tiCtig gegen bie 9lefigion toSre, ba§ nur eine SKinber- 
jal^t baööebürfttiß einer gemeinfd^afttid^en ©otteöberel^ifung 
em|)fänbe; fonbern bae gteid^e tofirbe aud^ bann eintreten, 
toenn ed einem ©otlc jtoar nid^ m Sinn für bie {Religion 
fel^fte , fein reCigtöfe* geben l^ättc pd^ aber in einer f old^en 



r- 



9reil^eii unb eütent fotd^en Steid^ü^um m>tt)tbueQer ^iU 

bmtgen enttoideU, ba§ ed ju feinen größeren/ feft oxia^ 

niftcien, einen erl^ebUd^en 2:i^eil bed äJoIfed untfaffenben 

Sirci^cn, fonbern nur ju einer änjal^t Ifeinerer, in berl^filt^ 

mä§tg rafd^em SBeci^fet auftaud^enber unb toieber berfd^toin- 

benber, retigiöfer ©emeinfd^aften lämej toenn enbltd^ bie 

»orl^anbenen JReügiondgefettfd^aften toeber burd^ eine l^ier^^ 

ord^ifd^e SSerfaffunö unb eine auf il^r berul^enbc SWad^t gu 

Ucfeergriffen in bie JRed^t«Märe be« ©ta^at^ fceföl^igt, nod^ 

mi fid^ felfeft baju geneigt Ȋren, ober ti)enn bie ^joUtifc^c 

Sittftd^t unb ©efinnung be« SSoIfe^ fotd^e Uefiergriffe, int 

IJaM fie bcrfud^t tpürben , juni öorauö toirlung^Io« madfte. 

Unter biefen 9Sorau^fe|ungen l^ätte feine einjelne JReligion«:^ 

gcfeßfd^aft eine foldj^e Sebeutung für ben @taat unb bad 

SoH^gauie, ba§ fie auf eine be^orjugte @teßung ober auf 

eine befonbere SSerüdtfid^tigung bon ©eiten be« ®taat^ 3ln^ 

f^mid^ ntad^en fönnte; fonbern fie aöc berl^ielten fid^ ju il^nt 

tocfentlidj^ itdäf, fie toären freie ^Bereinigungen einjelner 

?erfonen, ^ribatgefeöfd^aften , bereu ®eftanb gu unfid^er^ 

bereu 2Birfung6freiö gu bcfd^ränft toäre, afe ba§ il^nen ber 

®taat in feinem Organi^mu« eine beftlmmte @teüe antoeifen^ 

il^nen beftimmte Seiftungen für ba^ (Semeinleben übertragen 

ober überlaffen fönnte* ©er ©taat l^ätte anbererfeit^ aud^ 

tiid^t ju befürd^ten, ba§ il^ni an.einn Sird^e, toenn er il^r 

"oadif bie unbefd^ränftefte Steilheit getoäl^rt, eine il^ni eben- 

bärtige 9Rad^t unb bieöeid^t ein gefäl^rlid^er ©egner l^er an^ 

load^fe: nid&t blo« Joeil feine barauf auögieuge, <)oIitifd^en 

Siuflu§ gu getoinnen, fonbern aud^, .unb bor aöem, toeil 

feine -einen foCd^en Umfang unb eine foldtie SScrfaffung l^ätte^ 

bag fie bie Siröfte einer größeren SKaffe, unter iginer Sci^ 

tung bereinigt, für fid^ antoenben fönnte. ®r fönnte fid^ 

bal^er barauf befd^ränf en/ bie Sird^en nad^äJia^gabe ber afl? 



62 Srenituhg t»on 6taat unb ftir^e. 

gemeinen ©efc^e über S3ereine unb Oenoffenfd^aften ju U^ 
l^anbeln, toenn fie fid^ @efe^e^i)ertefeutt9ett erlanbcn fotttcn, 
gegen fie einf d^reiten , im übrigen aber bie Drbnung il^rer 
Angelegenheiten jebcr bon il^nen in boßer ©elbftänbigfeit 
<inl^eimgeben. Unb e« toar nnberlennbar Jener religiöfe 3nbis 
t)ibuali^mue, Jene^ ©treben nadf einer unbefd^ränften i^eil^eit 
tie« ürd^Iid^en ßebenö, toa^ in SBerbittbung mit ber S3e^ 
fd^ränlnng be« ®taat^ auf ben 9ted^töfd^u^ ben ©tamm- 
t)ätern ber norbamerilanifd^en Union bie boöftfinbige STren- 
ttung ber Äird^e bom ©taat em^jfal^I, njeld^e bort bon ber 
^efe^gebung int Orunbfa^ anerlannt ift, mag btefer ©runb- 
fafe aud^ tl^atfäd^lid^ immerl^in mand^e nid^t unroid^tige Stu«^ 
tial^me erleiben. 

allein bie SSorau^fefeungen, unter benen biefe^ Softem 
<ingejeigt fd&eint, toaren biö jie^t uid^t aüein in unfern 
curot)äifd^en ©taaten uirgenbö borl^anben; foubem felbft in 
betreff 9?orbamerifa'« fann man jn)cifeln, ob fie bort in 
bem SKage bor^anben ftnb, baß e^ fid^ unbebingt unb auf 
bie ©auer n)irb feftl^alten laffen. S)ie übertoiegenbe SWaffe 
ber ©ebölferung ift bei un^ an toenige große JReligion^ge- 
teflfd^aften bert^eilt; unb toelt bie meiften gel^örcn il^rer 
Äird^e bod^ nid^t blo^ beß^alb an , 'n)eil ttx ©taat bicß ^r^ 
oor furjem berlangte, fonbem fie loerben fid^ aud^ bann 
ntd^t bon ii^r trennen, n)enn bem refigiöfen ©elenntniß 
feinertei Sinftuß auf bie bßrgerlid^e ©tettung berftattet toirb. ' 
35iefe JReligion^gefeßfd^aften l^aben ferner il^re beftimmtcn, 
feit unborbenlfidj^er ^tit in ba« 8eben unb bie ©itte M 
SSoße« aufgenommenen Sinrid^tungen , unb namentlid^ (Sine 
bon t^nen l^at eine außerorbentlid^ fefte l^ierard^ifd^e Drga- 
uifation, bie fie eben j[e^t ju tl^rer äußerften Sonfequeng, 
ber unbefd^rSnften j)äpftCid^en Sltteinl^errfd^aft, fortgebilbct 
l^at ; unb biefc l^ierard^ifd^e S5erfaffung ift mit bem ®fauben 



r 



Unfern ^rl^&ltntfpm ni(6t angemeffen. 63 

vxih Stnita» fo f eft t>eiload^fen , fte l&ilbet feI6ft einen f o iDe- 
fenttid^n S^^tt ber latl^oßfd^en ^cgmatit unb fie l^at an ber 
SBeltfteKung ber tatl^otifd^en ftird^e, an il^rer Stu^l^reitung 
über bie berfci^tebenften Sänber unb 935{fer eine fo ftarle 
©tfi^e, ba§ eine tiefgel^enbe unb burd^greifenbe 93eränberung 
aOer rettgi^fen älnfd^unngen not^toenbig U>äre^ tocnn fie 
befeitigt ober tDtnn iffxt Slultoritöt auf bie 'S^amv gebrod^en 
toerben foßte. ©icfe SWad^t ber fatl^olifd^en fiird^e faßt 
aber um fo fd^toerer in'« ©etold^t, Je größer ber Slntl^eil i% 
ber in einem Staate bcm SSolfe an ber ©cfe^gebung unb 
©taat^bermattung eingeräumt ift; je größer bal^er aud^ bie 
^ögßd^feit ift^ ba^ bie Sird^e burd^ bie ^e^errfd^ung be« 
SSoIf« einen eingreif enbcn, bietteid^t fogar untt>iberftcl^(id^cn 
Hinflug auf ben @taat geU)lnne; unb fie l^at beg^alb für 
bie JRe^JubCifen unb bie conftitutioneüen ©taatcn ber ©egen* 
tpart ungleid^ mel^r ju bebeuten^ atö für bie abfotuten äßo- 
nard^iecn bcd 17. unb 18. 3al&r^unbert«. ©eit geringer ift 
bie Slbl^ängigfeit ber ßinjetnen bomSIeru« in ben übrigen 
Sonf effionen ; aber bod^ pnb aud^ biefe im großen unb ganjen 
nid^t fo gteid^güftig gegen il^rc Äird^e, baß fie feine 2luf* 
torität inel^r loäre^ bQ§ ba« SJoIf nid^t burd^ religiöfc unb 
fird^Iid^e fragen in toeitem Umfang betocgt toürbe, ba§ bie 
©eiftlid^feit nid^t auf fein Urtl^eil unb feine ©timmung 
einen bebeutenben ßinflu^ ausübte. ©« ift mit (Einem SBort 
bod reUgiöfe 3ntereffe unb S5ebärfni§ in ben SSöffern immer 
uod^ fel^r verbreitet unb tebenbig, unb biefe« S5ebürfni§ fud^t 
feine Sefriebigung. bei ber großen SWe^rjal^I nod^ überloiegenb 
in ber Sird^e; toenn aud^ immerl^in ba« refigiöfe geben im 
^roteftantiömu« in biel geringerem ®rabe an bie lird^Iid^en 
gormen gebunben, unb beßi^atb bon bem tieru« loeit unab:= 
l&ängiger ift, aU im Satl^oliciömu«. SWag man bieß nun 
bef tagen, ober fid^ barüber freuen ; mag man tofinfd^en, baß 



müet S5d! mc^r, obeiT bajs e« toentger Äcßgion l^fittc ; mag 
man ba^ rcligiöf e 8e6en felbft itur in ben firengcren gormeti 
bet: lird^Iid^en ^etenntniffe , ®tixüViäft unb Sinrtd^tnngen: 
b^Bfommen gctoal^rt flnbcn, ober mag man umgclel^tt bcr 
anfielet fein, e6 gebeil^c um fo beffer, je tocniger il^ burd^ 
jene i^ormen bcr ^ama für bic freicftc inbibibncße &tt^ 
toidtung beengt toerbe: in bcm einen toie in bem anberit 
%oü toirb man bod^ immer bie JE^atfad^e pgeben muffen^ 
ba§ nid^t btod bie SRefigion, fonbern aud^ bic ^ix^t, m atten 
d^rifttid^en aSöHern pr ^zit nod^ eine öffentßd^e Wtaäft ift^ 
unb e^ buranöfid^tlid^ nod^ lange bleiben toirb; ba| bie x6^ 
mif^e Äird^ im bef onbern überaß, too i^re Slngel^örigcn bie 
SWel^rl^eit ot^er aud^ nur eine erl^blidj^ SRinberl^eit bcr ®e* 
ijötterung bilben, einen ginflufe ausübt, unb biefen Sinflug^ 
mit einer SRül^rigfeit unb ©efd^idttid^Ieit ausbeutet, todd^e eö- 
ben Staaten nid^t erlauben, fie einfad^ ju iguörircn, fonbern 
fic jloingen, biefer Sird^e gegenüber eine beftimmte ©Icßung. 
}U nel^men, unb mit Siüdtfid^t auf bie il^r eigentl^ümtid^eu 
ßinrid^tungen unb SJiad^tmittel bie ©renje il^rer ©efugnifie 
fo ju jiel^cn, baö SSerl^ältml jtoifd^en bem, toad bcr @taat 
füi: fie leiftet, unb toa^ er bon il^rforbcrt, fo gubcftimmen^ 
toie bieg für baö SBeftel^en unb ©ebeil^en ber ©taaten nötl^ig 
ift @o lange aber bic Sird^c biefe ©teöung l^at, fo tauge 
anäf nur eine einjige Sird^e im Sefife biefer SD'iad^t ift, Joäre 
e« ein gefäl^rlid^er Srrtl^um, toenn man in ben Sird^n nur 
^ribatgefeßfd^aften feigen tooflte, toeld^e ber Staat rul^ig fid^ 
fetbft überlaffen fönne, ol^ne befonbere SSorlel^ruugen gegen 
bie ©efal^ren ju treffen, mit benen ber @influ| ber ^ierardjfie 
bie <)olitifd^e ©elbftänbigleit ber Staaten, ben SBol^Iftaub 
unb bie «ilbung ber aSiJffer bebrol^t. @ine »cligionßgefeß:^ 
fc^aft, bie f o ftreng l^ierard^ifd^ organifirt ift , unb bie Ü^rer 
^ierard^ie fold^e SKittel gur Verfügung fteßt, toie bie römifd^e 



r 



Unfern Sev^ältniffen ni(^t angcmcfTen. 65 

« 

ßtrd^e, ift nun etnntat t^a^&äfüd) Um b(o§e f$rit)atgefeli:: 
fc^aft; bann barf man fic aber andf nid^t ate foti^e be* 
l^anbdn, fonbern man muß il^r btc ©tcttung antoctfcn, iotldft 
iffxtm n)trnid^en &tnflu§ auf bad 93o(td(eben entf))rtd^t, bie 
@teHung einer öffenttid^en Äorj^oration ; mu§ aber cbenbeß^ 
l^alb aud^ bem Staate in ^ejtel^ung auf fie bie Siedete 
tl^rem boßen Umfang nad^ fidlem, auf bie er öffentlid^en 
Äori)orat{onen gegenüber Slnf^rud^ p mad^en l^at 

Slud^ bie ftird^en fönnen aber biefe ©teßung für il^rc 
SBirffamleit unb il^ren S5cftanb nid^t entbel^ren, unb toenn 
eine Älrd^e — bottenbö eine fo mäd^tige unb fo l^ierard^ifd^ 
organifirte, toie bie römifd^^Iat^oßfd^e — att btoge ?ribat= 
gefcttfd^aft be^^ahbett ju toerben bertongt, fo lann bie§ in 
il^rem ®inn immer nur bebeuten : man fotte il^r jtt>ar aße 
bie 35orred(|te unb SKad^tbefugniffc , »etd^c fie i^rer bi«= 
l^erigen SSerbinbung mit bem ©taat berbanlt^ laffen, il^r 
aber babei bie boBe S^eil^eit einer ^ribatgefeßfd^aft getoäl^ren. 
2)en ©taaten fann man aber natfirtid^ nid^t jumutl^en, auf 
biefe gorberung einjugel^en^ unb fo toeit fid^ einjetne berfetten 
loirfßd^ ber(eiten (ie§en, bec fiird^e biefe f^eil^eit ein^Uic 
räumen, ift e^ il^nen fd^ted^t genug belommen. SBoßte man 
anbcrerfeite bamit @mft mad^en, bie Äird^en auf bie ©teßung 
bon bloßen ^ribatgefeBfd^aften jurüdf juf ül^ren , fo toären fie 
felbft ol^ne ^'a>zVitl bie crften, loelc^e gegen biefe „SSerfot 
gung^' bie (autefte Sinfprad^e erl^eben mürben. 

Um bieg aber beatßd^ {u mad^en, ift e^ ni^tl^ig, baß 
toir auf bie rec^tüd^e Statur ber gefeüfd^afttid^en Bereinigung 
näl^er eintreten unb i:^re berfd^iebenen gormen unterfd^eibcn. 
lOiefelben taffen fid^ auf brei ®runbf ormen jurüdffül^ren : bie 
reinen ^ribatgefeßfd^aftcn, bie bom ©taat anerfannten ^ribat^ 
flcfeßfd^aften unb bie öffenttid^en Sor}>orationen. 



G6 



formen btr ^tfeHf^ft 



7. 

Sine bom ®taat in ieber Sejtel^ttng unabl^&ngtge, in 
tl^rer freien ©ctoegnng nnr huxöf bie attgemeinen @taaW* 
gcfefee befd^ränftc ®efeBfti^aft, eine ,,rcinc ?ribatgefcttfd^afi", 
toie toir fie nennen fönnen, ift eine [otd^e, beren reci^tCid^er 
3uf ammenl^ang an^fd^Iteßlid^ in einem flegenf eitigen SBertrag«- 
öerl^ältniB il^rer einjelnenSKitglieberateßinielnerfceftei^t 3eber 
^at fid^ mit allen anbern für einen beftimmten ^votd bereinigt ; 
er t)at fid^ il^nen gegenüber jn getoiffen Seiftungen für biefen 
3toe(f bcr})fi[ici^tet ; aber biefe S5er})flid^tung l^at er gegen bie 
©njelnen aW fetbftänbige SRed^töfuBiefte, unb l^aben pe gegen i^n 
ate f elbftänbige« SRed^t^fubielt übernommen- ®cnn bal^cr aud^ 
atte 3»itgfieber ber ©efeflfd^aft über i^re 3ü)ede unb üRittet 
einberfianbcn finb, fo ift bie§ erft ein übereinftimmcnbeö 
ffioQen fo unb fo bie(er einjelner ^erfonen, nnb biefe ®e* 
weinfamfeit i^re« SBoüen« befd^ränft fid^ auf ben einielnen 
%aU, auf biejenigen ^totdt unb SKittel, toorüber bie 3Äit^ 
gßeber ber ^efeflfd^aft au^brüdttld^ übereingelommen flnb; 
ju ieber (£rn>eiterung ober äbänberung bicfer ©eftimmunge« 
ift ein neuer SScrtrag nötl^ig, bem ebenfo, toie bem urf})rüng^ 
fidlen, alle ginjetnen beit>pid^ten muffen. @« ift mit Sinent 
SBort nod^ feine organifirte ©efettfd^aft borl^anben; e^ giebt 
nod^ feine ^irfonen, bie einfüraöemat ermäd^tigt toSren, 
bie ©efettfd^aft nad^ au^en ju bertreten, ober über i^re 
inneren Slngelegenl^eiten ©eftimmungen ju treffen, toeld^e 
für il^re SWitgtieber berbinbenbe traft l^ätten. ®ie ©efcfl^ 
fd^aft lann bal^er feinen ©efd^tuß f äffen, auger fofern aßeil^re 
einjelnen SWitgtieber beiftimmen; e^ fann nid^t im 5Wamen 
ber ©efettfd^aft gel^anbelt »erben, toenn nid^t aße (Sinjetnen 
bem ^anbetnben SSoßmad^t ertl^eiten. ©ie ©efeßfd^aft a» 



ie mne $nt>atgefe0f(!^ft ^ 

f old^e lann aud^ tein (Sigentl^ttm befi|en. <Sd finb fl(erl^tt)H 
-erft elttjdnc in einem beftimmtcn SSertragöt^crl^ättnig fte^ettti*e 
iSerfonen, aber e« ift nod^ leine ©emelnpcrfönlid^felt, fett» 
ton ben ^jl^^fifd^en ^crfonen öerfd^iebene Juriftifd^e ^crfoti 
torl^anbcn. (Sine fotd^e ©cfeÄfci^aft bcbarf aßerbing^ leinit 
%e[anberen älnerfennung bon ©eiten bed @taatö; fie !ann 
-cik gefcfetid^ erlaubten ^tx>zdt mit aöen erlaubten SWitteÖt 
•<ben[o frei ijerfolgen, toie jeber ^ribatmann, toeil fie eben 
^r nid^td lociter ift, aU eine änja^l bon ?ribat})erfonett, 
ipeld^c baburd^, baß fie gemeinfam unb für einen gemein* 
famen ^rozd l^anbeln, in fein anbere« 33er]^ättni§ jum ®ta<tt 
treten, atö.tt)enn jebe einjelnc bon ii^nen für fid^ l^anbefn 
loürbe. 

ßin anbereö ift e^, toenn eine ®efeüfd^oft fid^ att 
•fold^c organifirt, fid^ eine bcftimmte SSerfaffung giebt, be^ 
ftimmtc ?ßerfonen mit il^rer Leitung unb Vertretung beauf» 
tragt, toenn fie ate ©efeUfd^aft l^anbetn unb ein bon bem 
^ribateigent^um il^rer einjelnen Sßitglieber berfd^icbene* 
©igenti^um befttsen xoiö. 3n bicfem gaö bebarf bie ®efeff= 
fd^aft, um ein red^ttid^e^ ©afein im©taate ju l^aben, feiner 
au^brüdfttd^en änerfennung. !J)enn burd^ il^re JSBilbung 
iritt in bie ©taatögefeüfd^aft ein neue« 9?ed^t«fubieft; ein* 
'Sine organifirte ©efeüfd^aft, toie fie fo eben befd^rieben 
tourbe, ift etma« anbere«, aW bie blo^e ßoßectibeinl^eit ii^rer 
einieincn STOitgüeber; inbcm bielmel^r bie ©njelnen burd| 
i^ren (gintritt in bie ©efeüfd^aft bie bon bcr SKel^rl^eit 
(ober überl^aujjt bon ben berfaffung^mägigen SSertretern ber 
^efeüfd^aft) nad^ 2Ra§gabe ber ©efeöfd^aftöftatuten iu faf^ 
fenben SSefd^Iüffe jum borau« anerfennen unb fid^ il^nen untere 
toerfen, l^at fid^ ein bon ben (Sinjelloiüen ber fämmttid^cn 
STOitglieber berfd^iebener ©cmeintoiüe, eine ©emein^jerföntid^* 
Jeit gebilbet, toeld^e i^r eigene« SRed^t« leben filiert unb i^re 

5* 



L_ 



68 Sonnen ber ©efeUfc^aft. 

etgentl^fimtid^e 9ied^tdf})l^Sre beft^t @d gtebt jie^t ^anb^- 
Jungen unb 9tcd^te bcr ©efcßfd^aft, tt)c(d^c mit bcnen il^rcr 
einjelnen SWitgticber ntd^t juf ammcnfaöcn ; c3 giebt ein ©6== 
[cflfd^aft^ber mögen, n)cld^e« bon bem ^ribatbermögcn bcr 
Sinjdnen berfd^ieben ift, auf ba^ SScrbinbfid^feiten über- 
nommen, für ba6 ßigentl^umSred^tc unb 9lnf})rüd^e ertoorben 
toerben Knnen, ol^ne ba§ btc Sinjelnen aU fold^e für jene 
einjuftel^en ber^jflid^tet , biefe ju benü^en bercd^tigt »ären. 
S§ ifl mitl^in burc^ ba6 ^n^ammtntxeten ber Sinjetnen jur 
(Sefcöfd^aft ein neue« 9?ed^t§[ubj[eft entftanben, tocld^eö bon 
bem ©tadte für feine JRed^te ©d^u^ crtoartet unb für feine 
SRed^t^l^anblungen bie grei^eit ber Sßetoegung innerl^alb be« 
(Staatsgebiet« in 5lnf^)rud^ nimmt @« mu^ ®aä}^ be^ 
®taat« fein, barüber ju entfd^eiben, ob er il^m biefen ©d^ufe 
unb biefe Sriaubniß getoäl^ren toiß, ober nid^t @r l^at in 
biefer Sejie^ung ber neugebilbeten ©efeöfd^aft. gegenüber bic 
gteid^en SRed^te, loeld^c er bem Sinjelnen gegenüber l^at, ber 
um Slufnal^mc in bcn ®taat«berbanb nad^fud^t SBie ber 
©taat biefem bie 9lufnal^me berfagen fann, fo !ann er anä^ 
jener bie 5lnerfennung bertoeigern. Sr toirb bieg natürlid^ 
nid^t ol^nc triftige ®rünbe tl^un bürfen; unb bieg um fo 
toeniger, ba bie ^erfonen, toeld^e fid^ ate eine bom @taat 
anerfannte ©efeßfd^aft conftituiren tootten, il^m fclbft ange* 
l^ören, unb burd^ eine toittfül^rlid^e SSerfagung ber genoffen* 
fd^aftlid^cn {Redete in il^rer freien S^^ätigfeit gel^emmt, in 
i^rem 3ntereffe gefränit toerben toürben. 9l6er ob fold^e 
®rünbe borl^anben finb, ober nid^t, barüber fann nur bem 
©taate bie (Sntfd^eibung juftel^en; mag biefelbc nun biefer 
ober jener öffentlid^en S3cl^örbe übertragen, unb mag biefe 
iBel^örbe l^iebei an beftimmtc gefejjtid^e 5Wormen gebunben 
toerben, ober nid^t ©enn fo gctoig e« ben Sinjelnen frei* 
ftcl^en mn^, unter ben bom ®efe^ feftgefteüten öebingungen 



r 






ju Vereinen für jcben 6ctic6iflcn erlaubten ^totd jufamuiett 
jutrcten, fo ö)entg fo(ßt 'ooäf barau^, bag fic aud^ für jeben 
fold^cn SSerein bie ftaattid^c Snerfennung berlanflcn lönnen- 
^nxäf biefe änerfeimung gctoäl^rt ja ber ©toat nid^t bto^ 
neue Steckte, fonbem er übernimmt aud^ neue ^flid^ten. Sr 
getoä^rt ber ©efeöfd^aft bo« JRed^t, ate ©efettfci^aft SSer^ 
mögen ju ertoerben, red^ttid^e 5l!te auöjuüben^ bon il^rcn 
Hßitgliebern bie ftatutenmäßigen ßeiftungen ju f orbern, fid^ 
burd^ il^re Organe an bem aügemcinen 93erfe^r^Ieben ju 
bctl^cttigcn, bie ©efeßfd^aftöjtoedfe mit ben t^r ju ®ebote 
ftel^enben SKittetn ju berfolgen. 6r übernimmt bie SSer« 
pfKd^tung, fie in il^rcn 9ted^ten unb il^rer SCl^ätigfeit ju 
fd^ü^en. 6r toirb ju ertoägen l^aben, unb er atfein fann 
barüber ju entfd^eiben befugt [ein, intoietoeit e^ fid^ mit bem 
Stttereffe unb ben SRed^ten be« ©taat^gauien berträgt, bie 
neue ®efeöfd&aft jujulaffen unb fie in ben ®d^u^ ber öffcnt- 
lid^en 5Red^töorbnung aufjunel^men. SBenn unb fo tocit bie§ 
nid^t ber gatt ift, l^at er il^r bie 9lnerfennnng ju berfagen; 
toenn anbererfeit« fein fold^e« ©ebcnfen im SBeg fielet, l^at 
er fie ju getoäl^ren. 

ÜDiefe Slnerlennung einer ©efetffd^aft, ber Slu^fprud^, 
baß pe bom ©taat aü felbftänbigeö SRed^tefubjicft be^anbelt 
toerben foöe, ift ta^, toa^ man bie Srtl^eilung ber 
red^tlid^en ^erfönlid^feit nennt, tiefer äft barf 
afferbing^ nid^t fo berftanben toerben, atö ob bie ©efeBfd^aft 
erft burd^ il^n entftänbe; il^re ßntftel^ung berul^t biclmel^r 
auf bem eigenen SBitfen berer, bie fie bitben; ber ©taat 
fann nur bie fd^on borl^anbene (Sefeöfd^aft in fein SRcd^t«* 
leben aufnel^men. 5lnbererfeit« aber ift er bod^ »eber eine 
Sorm ol^ne iBebeutung nod^ ein toittfül^rlid^er Singriff in 
bie {Redete ber (Sinjelnen; benn mag a\x^ eine ©efeüfd^aft 
ba fein", bie getoiffe 9?ed^te auöjuüben toünfd^t, fo l^at bod^ 



V 



gormcn ber ©tfeUfcftaft. 



bc^ ©taat jtt Bcfrtmmcn, 06 er ü^t bic§ in feinem ®eWete 
fleftatten \oiU, unb er l^ot fid^ I;ieBei (ebigtld^ t)on ber SRfid- 
jtd^t auf ba« ©emelntool^t leiten ju (äffen. J)ie Oefeöfd^aft 
entfielet unb befielet burd^ ii^re eigene Si^ätigfett; aber pe 
bebarf ter ftaatlid^en Stnerlennung, um innerl^alb eine« ge^ 
gebencn ©emeintoefen« SRed^te ertoerben unb ausüben jit 
lönnen; fo tauge ber Staat biefe Slnerfennung nod^ nic^t 
au«gef))rod^en l^at, ift fie für il^n btoö eine Slnjal^I einjciner 
^erfonen, bie nur afö biefe Sinjefnen l^anbetn unb 9ted^te^ 
b^fifeen, ein eigerte« 9?cd^t«fubjielt , eine ®emein)}erföntid^f eit^ 
tpirb fie ii^m erft baburd^, ba§ er fie bafür erftärt. 

Unter ben bom ©taat anerfannten ©efeöfd^aften muffen: 
U)lr aber toieber itoei Steffen unterfd^eiben. 2)urci^ bie Sr^^ 
tl^eilung ber red^tlid^en ^erfönlid^Icit mad^t e« ber @taat 
einer ©efellfd^aft jttjar möglid^, fid^ afö fetbftänbige« 'Steäft^^ 
fubjeft innerl^alb feine« ®ebiete6 ju beilegen, unb er fteßt 
fie at« fold^e« in ber gleid^en SBcife, toie atte anbern, unter 
ben (Sä)ni^ feiner ®efe^c« 5l6er er tl^ut nid^t«, um il^ren 
Seftanb unb bie (Srreid^ung il^rer ^tozdc burd^ eine tjofitiüe 
Unterftütäung, bie er il^r getoäl^rte, burd^ ©onbcrred^le, bie er 
i^r ertl^itte, burd^ eine brii)itegirte ©teüung, bie er i^r an^ 
toiefe, fid^erjufteüen. 5Ket}men toir j. 33. eine TOiengefeüfd^aft 
für inbuftriette 3ö)edte. SBenn eine fold^e ©cfettfd^aft bie j[U^ 
riftifd^e ^erfönlid^Ieit erl^ätt, fann fie ßigentl&um ertoerbeu/- 
aScrträge abf daliegen, ©efd^äfte betreiben, gegen 9ied^t«Dcrs: 
Ie|ungen bei ben ©erid^ten $ülfe fud^en; unb in aßen bie^ 
fen SSejiel^ungen »erben bie ^erfonen, toeld^en bie Statuten 
b^r ©efeüfd^aft bie SSertretung berfelBen übertragen, afö 
il^re red^tmägigen SSertreter, bie $anbfungen biefer ?erfon«n. 
toerbctt al« $anb(ungen ber @efeüfd^aft bel^anbdt. S^agegen. 
trifft ber ©taat leiner lei i)ofitii)e SDlagregetn unb übernimmt; 
leinertei Sürgfd^aft für ben «eftanb ber ©efeUfd^aft unb^ 



Oeffentfid^e jtorpotationen. 71 

blc ßrrcid^ung ii^rcr ^tDtdt. Sr ftettt c3 x^x anffzim, tocfd^cn 

©cBraud^ fic ijon il^rem Sigcjttl^utn mad^cn toiü; er l^inbcrt 

fic itid^t , fid^ auf jußfcn , l^x SSermögen an xi)xe SSÄitaltcbcr 

ju bcrtl^eifen, ober einem beliebigen anbeten 3^^* ju^utoen:? 

bcn; er befilmntert fid^ mit ßinemSBort nld^t im geringften 

um t^rc Slngelegenl^eiten , fo lange nid^t gegen fte ober bon 

i^x ber ^äfVi^ feiner ©erid^te angerufen toirb. SSergfeid^en 

xoix nun l^iemit eine red^tlid^e "iperfönlid^feit anberer %xt, 

j. 33, eine Drtögemeinbe. SWag ber ®taat einer fold^en 

aud^ bic au^gebel^ntefte ©etbftbcrtoaftung jugeftei^en, fo toirb 

er bod^ immer eine Slufftd^t über fie in 2lnf^>rud^ nehmen 

mfiffen, toeld^e über biejenige meit l^lnau^gel^t, ber inbuftrieöe 

ober anbere ä^ntid^c ©efeßfd^aften unterüegen. S5ei biefen 

begnügt er fid^, in berfetben SBeife, »ie bei ieber "ißribat« 

^jerfon, ju berl^inbern, ba§ fie bie il^ncn eingeräumte 

©tetfung im 9?ed^t^= unb SSerfel^r^teben, bie il^nen getüäi^rte 

red^tlid^e ^erf önlid^f elt , ju SRed^t^berte^ungen mißbraud^en; 

unb felbft toenn in einielnen gäßen bie (Sinrid^tung getroffen 

toirb, baß eine au^brüdfüd^e ßontrole il^rer ©efd^äft^fül^rung 

burd^ (Staatsbeamte ftattfinbet, l^at bod^ mi!S) biefe feinen 

anberen 3^^^- ®^i ^'«^^ ©emeitfbe bagegen finbet ber 

©taat fid^ ber^)flid^tet, bon fid^ au6 barüber ju tt>ad^en, ba§ 

i^re Slnfünfte aud^ toirllid^ für bie ©cmeinbejtoecfe bertoen« 

bet »erben, il^r SSermögen ber Oemeinbe als fcfd^er erhalten 

toerbe; er geftattet i^r nid^t, fid^ ben burd^ baS Sntereffe ber 

Oemeinbe geforberten Seiftungen, ber ®orge für bie Slrmen, 

für bie ©deuten , für bie OrtSj3oUjei u. 'f. n). ju entxte^civ 

boS Oemeinbebermögen ober exl^ebüd^c 5t^ei(e beffetben ol^ne 

feine ©enel^migung anbermeitigen , ber ©emeinbe als fold^er 

fremben 3^^*^« jujulocnben, eS burd; fd^Ied^te SSertoaltung 

JU berfd^Ieubern, c6 mit ©d^ulben ju überbürben, eS an bie 

clnjelnen Sürger ju bertl^eiten; er toürbe bieg felbft in bem 



[. 



1 



72 icrmm ba Ocfcllfibafl. 

^afl triebt geflatten, iDemt alle SRitsGcber ber @eiiiembe für 
ifyct ^^dh mit einer ^oldfm 3Ra|regeI (loie eüoa ber SSer^ 
t^tmg bed @einei]ibet>enn^eitd) einDerftanben tDorett 9}td^t 
mtberd berfa^rt ber @taat oni^ in anbent %Sütn. @r ber- 
(ongt, ba^ bad 93ennogen ber Stiftungen nnb ber Sor)>ora' 
tionen benfelben toeber cntfrenibet, noc^ für onbere. ate bie 
©tiftnngd ^ nnb Soxpoxation^\D^dt bertoenbet, bag üitx^caxpt 
biefe ^^ed e u>irfli(!^ berfolgt u>erben ; er beanffid^tigt fte nid^t 
Mo« in bent negatiben ©inn, \>a% er pe^ toie die feine an- 
gehörigen, an 9{eci^tdber(e^ungen )>er]^tnbert, fonbem and^ in 
bent ))ofttiben, bag er fte )nr @rfüQung ber il^nen übüegenben 
Aufgaben anl^alt SBäl^retib bentnac!^ unter ben ©efeOft^aften, 
bie ber ©taat in fid^ Befo^t, nnb btc er burd^ ßrtl^eilung 
ber red^tlid^ctt ^erfönfid^feit ate gcfeüfd^aftlid^e ®anjc ancr* 
tennt , bie einen bon i^nt innerl^alB ber aQgenteinen ©renjen 
be^ ®cfe^e^ ftd^ f elbft übcrfaffcn tocrben, giebt eö anbcre^ ju bc- 
nen er pd^ in ein pofitibe^ SScrl^ältniß fe^t^ ju bcrcn ®unften er 
au^brüdHid^c STOatrcgcIn trifft, um bie 6rl&altung il^red S5cr^ 
mögen«, bie Srfiiüung il^rer 9luf gaben fid^erjufteHcn; über 
beren SSertoaltnng er aber cbenbePalb aud^ eine biet toeitcr 
gel^enbe nnb poptibcr cingreifcnbe Sluffid^t ausübt, aU über • 
bie f old^cr ©cfeüfd^aftcn. Bei benen er fid^ mit ber negatiben 
Uebertoad^ung , mit ber SSerl^inberung ber bon il^nen mög^ 
tid^erö)cifc ju beforgenbcn 9ted^t«t)erle|ungen begnügt. 

SBa« foü nun ben ©taat beftimmen, einjetoen ©e« 
feüfd^aften biefe bef onbere iJfirforgc jujutoenben, unb toa« 
Jfann i^n bered^ttgen, in bie S^^ätigfeit biefer ©efeöfd^aftcn 
in ber bejeid^neten SBeife einjugreif en ? Offenbar nur ber 
Umftanb, ba§ fie an ftd^ felbft, i^rem Sefen unb ^totdt 
mä), in einem anbern SSer^äftnig ju i^m ftel^en, afö bie 
übrigen. J)iefe bicn^n bfogen ^ribatintereffcn, unb be^l^alb 
lann unb foU fie ber ©taat fid^ felbft überlaffen ; toenn fie il^n 



I 



Otffentli^e Korporationen. 73 

um feine änerfcnnung bitten, [o l^at er nur ju fragen, ob 
i>er (Setoäl^rnng biefer Sßitte fein (Srunb be« öffentfid^en 
Sntereffe'« ober be« gcitenben 9ted^t« entgegcnftel^t, unb toenn 
bieg nid^t ber ^aü ift, ^t er il^r ju entf})red^en ; tocld^ett 
©eBraud^ fte aber bon biefem il^nen erti^eilten 9?ed^t ntad^en, 
barum . brandet er fxäf rxiäft ju bei üntntern , benn für bie 
^riöatitttcreffen , benen fte bicnen, l^at er nid^t ju forgen; 
er l^at ba6 feinige getl^an, ioenn er il^nen einerfeitd bie 
3R5gttd^Ieit gctoä^rt, il^re 3^^*^ ungel^inbert ju ijerfolgen, 
anbererfelt^ fie an ber 9Ser{e<jung frember JRed^tc berl^inbert* 
®faubt ftd^ bcr ®taat umgefel&rt bei getoiffcn anberen ®e^ 
feflfd^aften bered^tigt nnb ijerpflid^tet , toeiter ju gelten, fo 
toirb fld^ bieg nur barauf grünben fönnen, ba§ e^ fid^ bei 
il^nen feiner 3lnfid^t nad^ eben nid^t um blo^e ^rioatjtoedfe 
unb ^riöatintercffen l^anbelt, bag fie fid^ bie S3cfriebigung 
t)ffcntfid^er 3ntereffen unb Sebürfniffe jum 3^^<* f^fe^w- 
Uttb fo uxifalt e6 fid^ ja aud& toirflid^* SBenn ber ©taat 
bie ®emeinben anber^ beljanbelt unb il^nen eine anbere 
red^tßd^e ©teöung anioeift, afö jeber beliebigen ^riijatgefeö^ 
fd^aft, fo tfl bie§ in ber SBid^tigfeit ber Oegenftänbe, bie 
i^rcr i^ürforge anbertraut flnb, in ber ©ebeutung be« Oes^ 
meinbelebenö für ba^ ©taat^Ieben, boßftänbig begrünbet 
SBenn er eine Stiftung ober einen SSerein mit fort>oratibcn 
SRed^ten an^\iatkt, toenn er il^nen burd^ bie Unberäu^ertid^:: 
feit il^re^ SSerntcgen^ unb anbere ^rii^iregien SSortl^eile ge? 
toäl^rt, bafür aber aud^ eine befonbere Sluffid^t über fie au«:^ 
übt fo tl^ut er bieg in ber SSorauöfetäung, fte bienen öffent^ 
li^m 3ntereffen, unb eö fei baburd^ gered^tf ertigt , toenn 
i^nctt einerfeit^ eine ©teöung eingeräumt toirb, auf bie eine 
SScreinigung für bloße ^ribatintereffen feinen Slnf^jrud^ i)at, 
toenn aber anbererfeit« aud^ bafür geforgt toirb, baß fie biefe 
©teüung nid^t auf eine SBeifc benü^en, toeld^e mit jenen 



1 



74 Jörnen ber ©efcüfe^aft. 

öffentßd^en 3ntercffen nid^t« ju tifun ^t, ober il^iicn gor 
toibcrftrcitet ©ofern fid^ nun ' eine ©efeüfd^aft ^ttx>a^ tat 
öfferitltd^en 3ntcrcffe Uegenbe« jum 3^^ f^fe* ^^"^ te golge 
bcjfcn bom ©taate mit SRed^ten, iDeld^c über bie bloße 3ln^ 
erfennung t^rer red^tUd^en "ißcrföttfid^leit l^inau^gcl^en , mit 
lor^3oratiöen ^rioilegien au^geftattet toirb, lönnen toir fie 
«ine bffcnttid^e ^orjjoration nennen, nnb bemgemä§ 
mit jRüdfid^t auf tl^re red^tlid^e ©teöung juin ©taate breicrict 
®cfeüfd^aften nnterfd^ciben : bie reinen ^ritjatgefeKfd^aften, bie 
»om@taat anerfannten, mit berred^tlid^en ^erf önfid^f eit t)erf el^e* 
tien ^rii[>atgef ettfd^af ten , unb bie 5ffentlid^en S'or^)orationen* 
!3Die ®efeßfd^aften ber erften tfaffe üerfofgen ^ritjatjtoed e in 
rein pxi^akv gorm, atö freie SSereine, um tocld^e ber ®taat fid^ 
ühtxffanpt nid^t belümmert, fo lange fie fidb nid^t gegen 
feine ©efe^c üergel^en. J)ie ber jmciten öerfotgen ^riüat^ 
gtoecfe mittelft einer gefeßfd^aftlid^en Drganifation, für bie 
fie ber ftaatlid^en .Slnerlennung bebürfen. S)ie ber britten 
enbßd^ ijerfofgen fold^e ^totdt, bie einem öffentlid^en 3n* 
tereffe bienen, unb fie erl^alten begl^atb oom ©taate getoiffc 
SSorred^te unb übernel^men il^m gegenüber geioiffe SSer^flid^* 
tungen, bereu Srfüüung er fid^ burd^ bie 9luffid&t fid^ert^ 
xoeld^e er über fie ausübt Sine SKifd^form, bie jwif d^en 
ber jtociten unb britten tfaffe in ber ÜÄitte ftetjt, bilben 
fold^e ®efeüfd^aften , bereu §au})tjtoed jtoar in ber äJerfot 
gung eineö ^rii^atintereffe^ teftel^t, toeld^e aber für btefen 
3toedt eine gemeinnüfeige , einem öffentlid^en 55ebürfni§ 
bienenbc jEfjätigleit übernel^men. 35a^in gel^ören j. 33. ßifens 
bal^ngefettfd^aften , STran^jJortgefeßfd^aften , SSerfid^erung^ge? 
fettfd^aften u. l xo. 2Ba« biefe (SefeCfd^aften in'« Seben 
ruft, ift in ber JReget bie 9lu«fid^t auf ©etoinn, fie fe^jcn fid^ 
üifofern ben ^viöatöott^eit il^rcr 3ÄitgIieber jum 3^^*- 
aber bie ©efd^äfte, burd^ bereu Setrieb fie getoiuneu tooücu^ 



r 



Deffentlt^e itorpoifationen. 75 

Bcfrieblgctt aögcmctnc öebürfniffc bcr BürgcrKd^cn ®ef«D* 
fd^aft, unb baburc^ tft c« gered^tfcrttgt, toenn fie ber Staat 
hnxdf Bcfonbcrc ^ritjücgicn (j. Sä. ba^ einer (Sifenbal^nge^ 
fefffd^aft öerliel^cnc Wed^t jur ®ütcreft>ro^rtatiott) ober forts: 
ftige Segünftlgungen (3inögarantiecn , ®elb6eiträge , ^xü)tu 
lung bon Slufträgen u. f. to.) unterftü^t 3ebc berartigc 
Utitcrftü^ung toirb iebcd^ an geitjiffe ©ebingungen gefnü(>ft 
toerbcn, jicber Seiftung be^ ©taatö toirb eine ®egen(elftnng 
bcT bon tl^m unterftüfeten ©efeßfd^aft, jeber ©etl^eiligung 
bc^fetbett an i^ren 3ntercffen toirb eine Srtoeiterung feinet 
äitffid^t^red^t« cntfpred^en muffen. Sfliäft b(oö ben ßffcnt^ 
fid^n Sor)3orottonen, fonbern anäf fd^on ben })ribifegirten 
^ribatgefettfd^aften gegenüber tritt ber ®taat au« ber rein 
ncgatiben ^aftnng, fie an 5Red^t«ber(e^nngen jn uerl&inbern^ 
aber fid^ nid^t toeiter nm fie ju füntmern, l^eran^ mtb gicbt 
fid^ ju il^nen ein :|)ofitibe6 SJerl^ältni^. 

3u loeld^er bon biefen klaffen gel^ören nun We 5Res 
ßgion^gefeöfd^aften ? in toeld&e berfetben ftcQen fie felbft fid^ 
burd^ bie Slufgaben, bie fie berfofgen, unb bie STOittel, beren 
fie für bie 8öfung biefer Slufgaben bebürfen? nnb in iDctd^e 
nitt^ fie ber ©taat fteöen^ toenn er feine ^flid^t gegen ba^ 
SSoK erfütfen unb ftd^ felbft bor ©efa^ren lauten toiü? 



8. 

SBerfud^en toir e^ biefe f^tagen ju beantoorten, fo 
toerben toir unß junäd^ft leidet überjeugen, bag eine Sird^e, 
fobalb fie ju einiger 5lu6breitung gelangt unb in ber Sttt=* 
toidfung tl^rer ©erfaffung über bie erften ©d^ritte l^inau^:? 
gdommcn ift, ber ftaattid^en Slnerfennung nid^t entbel^ren^ 



^ 



76 S)te Stit^tn 

dfo mit ber ©teflwng einer reinen ^rl^otgcfeöfd^aft fid^ ni^t 
Begnügen fann. !Die d^rtftfid^e ftlrd^c ^at atterbing« ^aS)x^ 
l^unbertc lang leine anbere ©tettung gel^afit. @tc toar 6tö 
anf ftonftantin leine i)om ©taat anerfannte Sor^joration ; 
fie bifbcte il^re SSerfaffung ol^ne aüe Wilcffid^t auf ben ©taat 
M^, fie otbttctc il^rc atngelegenl^eiten burd^au^ nad^ i^rem 
eigenen Srmeffen. Sber fxe jtanb etcnbeg^alB aud^ an§cr 
bcm ©d^nfe ber ®efefee, il^re ©otteöDerel^rnng toor eine re- 
ligio illicita, fie befanb fid^ forttofil^renb 6alb in einem 
offenen 6alb in einem gcl^eimen Äriegdjuftanb gegen bcn 
<Staat, unb fie l^ottc ed nid^l il^rcm gefe^tid^ anerfanntcn 
SRed^t, fonbern nur ber tl^atfäd^Ud^en UeBerlegcnl^eit tl^rer 
©ad^e, ber ©d^toäd^e be^ riJmifd^en 9ieid^ö unb ber ©org^ 
lofigtelt feiner mciften ^Regierungen ju berbanfen, toenn fte 
fd^tie^tid^ ate ©iegerin au« biefem Sam^jf l^erüorgieng. ^an^ 
belt e« fid^ bagegen um eine JRetigion^gcfeöfd^aft, bie nid^t 
im tam^3f mit bem ©taat auftritt, fonbern fid^ auf bem 
©oben feiner Ocfefee unb ßinrid^tungen Betoegt, fo toirb eine 
fold^e fel^r balb ba« Sebfirfniß emt>finben, bom ©taat aW 
©efeflfd^aft, ate feifcftänbige« 5Red^t«fu6jeft anerfannt ju 

_ * 

tocrben. iCenn nur biefe Slncrlennung fc^t fie in ben ©taub, 
ein Cigentl^um ju ertoerfccn unb burd^ il^re Drgane red^t«=^ 
gültige äfte ju ooüjie^en; fo lange fie fel&tt, lönnen tool^I 
il^re cinjetncn SWitglieber ij^r Si^cntl^um ber ©efeßfd^aft jum 
®eBraud^ überfaffen, aber biefe fann nid^t afö ©efeßfd^aft 
ein Don bem guten SBißen ber Sinjelneu unabl^ängige«, il^r 
unbebingt jur Verfügung ftel^enbeö SSermögcn bcfifeen; unb 
ebenfo tt)ären aße ^anbtungen ber ©efettfd^aftöbeamten Dor 
bem®efefe nur §anbtungcn biefer einjelnen ^erfonen, locld^e 
bie übrigen ®efeKfd^aft«mitgIieber nur fo toeit berbinben 
toürben, att il^nen biefelben au^brüdttid^ bie SSoümad^t, für 
fie JU l^anbeln, ertl^eift l^ätten. Unter fo bcfd^ränfenben 



r 



\ 



(eine blogen ^tioatoefeHf^aften. 77 

Oebingungett fcmn aber tool^I ein reßgiafer SS er ein ^on 
mäßigem Umfang, beffen ^n^ammtnfialt mel^r auf bem Sin- 
Pug einjctncr ^erfonen aW auf feften (Stnrid^tungen berul^t 
eine )ett(ang befleißen; eine Sird^e bagegen, n>e(d^e gri^gere 
SWaffcn umfaßt unb^fie ju einer bauemben ©cntcinfd^aft 
öerBinben tt>iQ, brandet eine fcfte, bor ben ©efe^en ju ated^t 
Beftel^enbe Organifatton unb ein fe(bftänbiged Stgentl^umd« 
red^t auf bie ©inge, »eld^e bie materieße Safi« i^rer @f iftenj 
Bitben, fie fann S5crfammlungdorte, äWittet für ben fiuttu«, 
für ben Unterl^alt i^rer J)iener, für Se^^ranftalten u. f. f. 
nid^t entbel^ren; lann aber ebenbe^i^alb aud^ bie ftaatlid^e 
änerlennung nid^t entbel^rcn, ol^ne bie atfe il^re {Redete in 
ber 8uft fd^toeben. SBiö fie anbercrfeit« ben ©taat um biefe 
8nerfennung angelten, fo toirb biefer eine S3ürgfd^aft baffir 
berlangen, bafe il^m fetbft au« berfelben leine Slad^tl^eite er? 
toad^fcn; er toirb über bie S5erfaffung, bie ©runbfäfee, bie 
äRitgtieber ber ©efetffd^aft , toetd^e feine 5lnerfehnung nad^s 
fttd^t, 5luffd^Iu§ l^aben »otten; er tt>irb bie änerfennung, 
tttib ebenbamit ben ©eftanb ber Oefettfd^aft, an bie Se* 
bittgung !nii})fen, ba§ il^m bon jeber Slbänberung i^rerSScr« 
faffung 9lnieige gemad^t tDerbe, unb ba^ er freie ^anb ffcAen 
muffe, biefer äcnberung, faß« fie il^m bom ftaatfid^en ©e« 
ftd^t«t)unlt au« unjutäßig erfd^eint, bie ©enel^migung ju 
bcrfagcn; er tt>irb fid^ ba«9ted^t borbei^alten, bie ©efeßfd^aft 
Jtt übertoad^en , unb toenn pd^ il^r Serl^aften ober il^re Seigre 
gemeinfd^äblid^ jeigen foßte, bie il^r ertl^ellte 9(nettennung 
toicber jurüdtjujicl^en, fie aufiußfen ; mag nun bie SÄu^übung 
biefer ©cfugniß ber {Regierung ober ben Oerid^ten ober ber 
®efe^gebung übertragen toerben. Sann bal^er eine Sird^e 
bie Sncrfennung be« ©taat« nid^t cntbel^ren, fo lann fie 
bod^ t>iefelbe — toenn ber ©taat tl^ut, »a« fein SRedbt ift 
irnb loa« fein Sntereffe il^m bor fd^ reibt — aud^ nidjt erl^alten. 



\ 



4>]^tie fid^ jugtetd^ mand^en Sefid^ränfmtgett (mdjufe^n^ M 
in mel^r atd Siiter ®e}te]^ttng i>om ®taat abl^öngig }u mad^. 
Mein bie b(o§e Slnerlennung t)on Seiten be^ ©taoteS 
itnb ber au9 il^r folgenbe Seft^ ber red^tßd^en ^erfi^nlid^Ieit 
:8eb)ä^rt einer ^tKxi^t immer nod^ nfti^t aQe^, load fie an 
änderen 9ied^ten nöt^ig l^at. üDenn bamit tpfire i^r jnxtr 
t>ie 9)ljbg(id^fett gegeben, (Sigentl^um }tt befi^en nnb aber 
tKtffe(be frei jn berfügen, e^ t»üre il^r aud^ bie SD^ögtid^teit 
^egeben^ burd^ il^re Organe mit red^ttid^er Sirinng gu l^on« 
be(n; bagegen kpärbe i^r ber ®taat {einerlei |)0fitibe Un^ 
ier[tä|ttng gen^Sl^ren nnb {einerlei ^ärgfd^aft filr il^re 
<ginrid^tnngen nnb il^ren Sefi^ flbernel^men, tpeld^e über 
ben aUgemeinen ©d^n^ be^ Sigentl^umd nnb ber üBertrSge 
l^inandgtenge. @r n>ürbe nid^t bfod fein Unterric^t^toefen 
ton fid^ au^ orbnen, ol^nc ber ®eiftlid^{cit in ber Leitung ber 
<Sd^u(en eine Stimme einsuränmen, ober in bem Sel^r^Ion 
bcrffiben anf ben Äefigionönnterrld^t SRüdfid^t ju ncl^men; 
er tt)ärbe fid^ nid^t bIo9 ader ®))ectalgefe|e {nm ®d^n|e bed 
^ottedbienftd gegen ©tdmng, oQer SSerbote (Srmenber Ar- 
beit an geiertagen, aüer Seiträge für {ird^tid^e 3^^* ^^* 
l^olten; fonbem er toürbe aud^ feinerfeitd bafür, ba| ba« 
Äird^enbermögen feiner Seftimmnng erl^aften, ben Äird^en- 
beamten bon i^ren Untergebenen ©eborfam gcfeiftct toerbe, 
ttid^t me^^r tl^nn, att bag er ber Sird^e bie gerid^ttid^e Äfagc 
toegen Sigentl^umöuerle^ung ober bertoeigerter S5ertrag«er* 
püung freifteütc. ffienn alfo j ©. in einer fiird^e, in »efc 
d^er ©ifd^öfc bie berfaffnngömäf igen SSertreter i^re^ @^ren* 
gete finb, ein S3ifd^of ba* Sigentl^nm ber Sird^en feinen 
{ird^Iid(>en 3*^«*^^ cntfrembete, ober toenn in einer Sird^e, 
toeld^e ben $a|)ft aW il^r abfolute« Ober]^an|)t aner{ennt, ein 
^ajjft bie 8anbc«ird^cn mit berfelben SRfidtfid^t«tofig{eit an«^ 
)>(nnberte, »ie bieg im SÄittefalter Oal^rl^unberte lang ge* 






r 



dffentli<^ Itorpotationen. 79 

^(Sfti)tn ift ober toenn in einer bentefratifd^ conftituirten ^t^ 
ftgiondgefedfci^aft eine ©emetnbe ben JI3efd^Iut fagte^ ba9 
Air(i^enbmni]>9en unter fid^ ju oertl^i(en, fo l^^itte ber @taat 
tDeber bie 9Ser))f[i(l^tung noi^ bte iOefugntg, bagegen einjit^ 
fc^reiten ; er fönnte bie SSerle^ten nur an bie ©erteilte ber^ 
tDetfen, blcfe tonnten aber glcici^fafi^ leine äbl^iüfe getoäl^ren, 
f lange nid^t @efe^e borl^anben n>ären/ ioü^z bem ^x<Sfzn^ 
t»emt9gen ben S^aratter einer unberäu^ertid^en Stiftung ber« 
(eilten, b. 1^. fo (ange ber @taat ber Sird^e nid^t mel^r ge^^ 
toäl^rte, ate nur bie äncrfennung il^rer Sjiftenj, il^rcr ret^t« 
lid^cn ^crföntld^leit ©enn ein ^^axxtx feinen SSorgefcfeten 
ben ÖJel^orfam bern>eigerte, fo miW^ten biefc jufcl^n, ob fie 
i^n burd^ rein tird^Iid^e 9RitteI ;u bemfelben jurüdbringen ; 
"bie ©taat^rcgierung i^rerfeitd bürftc baju feine ^ü(fc (elften^ 
unb aud^ bie ®ertd^te n)ürben bieg n)enigftend in beut ^aU 
itid^t einmal mittelbar tl^un fönnen, n>enn feine ©emeinbe 
il^m feinen ©el^att forttoäl^renb reid^te unb il^m ii^re fiird^e 
öffnete. Sine JReligionögefcBfd^aft lönntc nun freifid^ ben 
IBcrfud^ mad^en, biefe Uebclftänbc burd^ ^ribatberträgc ab- 
jutoenbcn, in benen fid^ i^re 53eamten für ben Saß be« Un* 
gel^orfam^ gegen il^re SSorgefc^en ju Sonbcntionalftrafen^ 
für ben gaö einer ungered^tferttgtcn fficrxoenbung be« Äird^en* 
bermögcn« jum ®d^aben«crfa^ ber|)flid^tetcn. aber tl^eite 
iDürbe e^ fd^toer fein, biefe SScrträge fo abjufaffen, bafe leine 
(Einreben bagegen möglid^ toittn, iffdü toürben fie immer 
nur bie untergeorbneten Beamten, nid^t aber bicienigcn S9e* 
1^5rben ber ^eligion^gefeöfd^aft berbinben, toeld^c bem@taat 
«te il^re berf affung^mäf igen Vertreter bejeid^net toärcn ; bcnn 
gegen biefe f önnte bie Oefeöfd^aft nid^t llagbar toerbcn, toeil fie 
außer il^ncn fein fie ate ®cfeüfd^aft bcrtretcnbed Organ l^ätte ; 
tl^eitö toürbe enblid^ aud^ ber ©taat ju ern)ägen l^aben^ ob 
^ 3utäffig fei, bag eine ^ribatgcfeUfd^aft (unb nur bieg 



80 S)ie Stix^tn 

tt>ärc ja btc ftird^c i^m gegenüber), unter ber ^orm t>ort 
f riDatuerträgen \i(i} eine Oetoaft über il^re STOitgüeber bcr^^ 
fd^affc, tote er fie ol^ne ©efal^r für fid^ felbft nur einer bou 
il^ni beauffid^tigten öffentlichen Sor|)oratton jugeftel^en fann^. 
ob cö feinerfeitö too^fgetl^an fei, einer ®cf eßfd^aft , toeld^e 
fotd^e Sinrid^tuttgen l^ätte, aud^ nur bie red^tlid^e ^erfönlid^= 
feit ju berleil^en. SBie bal^er bie 5Wad^t, »eld^e jebe feft 
Drganifirte unb einen naml^aften 2^ei( be« SSolfe« umfaffenbe 
Äird^e t^atfädf^ßd^ befi^jt, für ben ®taat ein OJrunb ift, fie 
nid^t afö eine bfof e ^ribatgefeüfd^aft, fonbern afö eine öffent= 
lid^e Äorjjoraticn ju bel^anbeln, fo fann untgelel^rt bie Slird^e 
auf biefe ©teüung nld^t üerjid^ten, toenn fie fid^ il^ren iBe= 
ftanb auf bie SDauer fidlem unb fid^ eine fefte, bon bem 
©ed^fet momentaner Stimmungen unabl^ängige SSerfaffung 
geben loiö. SBenn aber biefeö, fo toirb aud^ ber ©taat fld^ 
bcr|)flid^tet finben, ben Sird^en jene ©tefiung ju gctoäl^ren;^ 
er toirb fid^ biefer ^flid^t toenigftenö fo lange nid^t entjiel^en 
Knnen, al« bie {Retigion für einen bebeutcnben Si^eil feiner 
SRitgüeber SSebfirfni^ ift, unb ju il^rer görberung unb 6r= 
l^altung be« fird^fid^en ©emeinlebenö bebarf. 35er @taat 
barf aßerbing^ niemanb jxoingen, bag er einer Äird^e an* 
gel^öre ; er barf. bieg nid^t, toie feft er fetbft aud^ nid^t aöein 
bon ber Unentbel^rlid^feit unb bon bem ©egen ber {Religion^ 
fonbern aud^ bon ber Unentbel^rlid^feit unb bem ©egen ber 
lird^tid^en Oemeinfd^aft überjeugt fein mag; tt>ie id^ bie§* 
frül^er (©. 23) gur (genüge au«einanbergefe^t l^abe. Sber 
cbenfotoenig barf er anbererfeit« bem im SSoIIe borl^anbenen 
refigiöfen Scben bie SSebingungen bertoeigern, bereu e^ für 
feine Sleu§erung unb Snttoidftung bebarf; unb felbft toenn 
eine SRegierung ober bie SDiel^rl^eit einer gefetjgebenben SSer^ 
fammlung lein eigene^ 3ntereffe für bie {Religion l^ätte^ 
mügte bod^ bon il^r berlangt toerben, bag fie baö religiöfe 



6fftntUc^e Jtor|)orattonett. 81 

«cbürfniB fce« »otfc« ad^tc, bag fic bic [xttüäfe SIRac^t 
berftcl^e, toctd^c bcr SJeligion, too fic nld^t ju einer l^o^fett 
Sufcrcn gorm l^craBgcfunfen ift, fccttoo^nt, unb bag fie eben* 
be§]^atb clnfid^Wbott genug fei, um nld^t in berfeI6en eine 
ber ftäriftcn bon ben gcfeUfd^aftfici^en SKäd^ten, auf benen 
bcr ®taat ru^t, burd^ SSemad^räffigunB ju ©runbc ju riti^ten 
ober fic fid^ burd^ ungercd^tc ©cl^anbfung jum geinbe }U 
ntad^cn. 

©ei ber Slntoenbung biefer ®runbfä^c barf man aber 
jtoeiertel nid^t überfeinen. @o gewiß aud^ ber Staat aüt 
9?etigion«gefeüfd^aften , bte in feinem ®ebiet finb, mit bem=^ 
fclben ©ol^tooBen unb berfelben ©ered^tigfcit bel^anbeln foö^ 
fo l^ängt bod^ ba« SSerfal^ren, ba« er gegen fie jubeobad^ten 
l^at, nid^t bou il^m aßetn ai, fonbern e« ift buid^ il^ren 
Sl^araftcr unb xf)t SSerl^aßen »efentfid^ bebingt. (Sine !{einc 
Ißartl^ci, bon ber eö nod^ jÄcifcIl^aft ift, tt>ie tangc fie fid^ 
crl^aßctt, toctd^en äil^eit be6 95olfe« fie für ftd^ getoinnen 
tolrb, fann nid^t bedangen , baß il^r fofort aße bic SRed^tc 
eingeräumt toerben, bereu öftere unb ii^rem Umfang nad^ 
bebeutenbere JRefigionögefeßfd^aften fld^ erfreuen: ba fie jur 
3ett nod^ feine öffenttid^e mad)t ift, l^at fic aud^ auf bic 
(Stcflung einer öffentlid^en Äor^joration nod^ feinen 9lnf|)rudn ; 
fonbern baö einjige, toa« fie bom ©taat erwarten fann, ift 
bic grcil^cit il^rer 53etoegung unb bicjicnigen genoffeufd^aft- 
ßd^cn SRcd^tc, bcren fie bebarf, nm ate ©efeßfd^aft cjiftircn 
unb ben ©ettfamj)f mit anberen SRcligion^gcfcßfd^aften bc^ 
ftel^en ju fönnen. Sine mäd^tige, l^ierard^ifd^ regierte Äird^e, 
bereu Uebertieferungen unb Ueberjeugungen fic baju füi^ren^ 
auf ©el^crrfd^ung beö ©taat^Icben« l^injuarbeiten , fann fid^ 
nid^t befd^toeren, toenn fie ftrenger übcrtoad^t toirb, afö fold^e^ 
benen biefe Sleigung frcmb ift, unb benen bic 3Äittcf, fie ju 
befricbigen, feilten. ÜDic Ueberioad^ung gilt nid^t il^rem 

6 



82 



93erf(6ieb(nec (E^acafter ber jtir^en. 



religlSfcn ScBcn, fonbern i^rcn tJofitifd^en ScftrcButtgetr. 
Sincr ©elte, ber il^rc ©runbfäfte bie Srfüttung tocfcntüd^er 
©örgcr^jflid^tcn. bcrbtetcn, larni bom ©taotc JDuIbung unb 
SJiad^fid^t gctoäi^rt toerbett, tocnti fic i^rcm Umfang nad^ ju 
Uttbcbeutcttb Ift, afö ba§ er bon biefem SSerfal^ren erl^efctid^c 
SRigftänbe ju befürd^tcn l^ätte; aier er ö)ürbe fid^ felbft Be:= 
fd^äbtgen, tocnn er burd^ ©cgünftiguug berfelBen ber SSer== 
Breitung bicfer ©runbfäfee SSorfd^uS leiftete. S« ift infofem 
^aäflläf begrünbet, toenn ein ©taat jtoar aücn 5Reügton«gcfeü* 
.fd^aften, btc nid^t burd^ SBibcrfefeüd^feit gegen bte ©taot«- 
Drbnung ober burd^ flttengefäl^rüd^e Seigren ba« ^cäft auf 
IDuIbung bertpirft l^aben, freie SReltgionöüBung unb red^t* 
tid^e Stnerfennung getoä^rt, aber nur blejienigen pofitio unter- 
ftü^t unb aU öffentlid^e Korporationen bel^anbelt, mi^t btc 
.©ürgf^aft einer längeren ©auer in ftd& tragen unb einen 
^nam'^afteii ,2:i^eil be« aSoffe« umfaffen; toznn er überhaupt 
in feiner ©efe^gebung auf bie t^atfäd^Iid^e öefd^affen^eit unb 
öebeutung ber berfd^iebenen 9iefigion^gefeöfd^aften SRüdEfid^t 
nimmt , 35ie ©teöung, toeld^e er i^nen antoeift, muß fid^ 
nad^ hm rld&ten^ toaö fie finb, bie Unterftü^ung, toeld^e er 
il^n^n. geti)ä^rt, nad^ bem, toa« fie ii^m teiften, bie S3eauf^ 
fld^tigung, ber er fie unterwirft, nad^ ben Sinrid^tungen unb 
iöeftreifeuiigen^.bi^ bjefe Stufjid^t nötl^ig mad^en; bie gteid^en 
SRed^t^^unbfäfcc fli^r^n l^ier, toie überaß, auf ungleid^e ®t^ 
^^enftänbe , attge;tttenbet, ju ungleid^cn Srgebniffen. 

SB.eiter fommcn aber aud^ bie pofltioen Ocfe^e unb 
aied^t«b?rl^äünlffe,' \xi öetro^t. üDie ijraltifd^e ^oütlf l^at 
mit .gegebenen .©röfcn.iu red^nen, fie fott nid^t auf freiem 
äöoben ein. neu^^ ©ebäube (fuffüi^ren, fonbern auf3uftänbc^ 
toetd^ fid^im Saufe ber B^'t ««ter (^inflöffen ber berfd^ieben^ 
ften %xt gebifbet l^aben, teitenb, erl^aftenb unb berbeffemb 
eintoirlen, ^\i biefe^ gegebenen gel^ören aud^ bie beftei^enben 



9iutf{l(^t auf bad »efle^enbe. 83 

^täftz unb @mttcl^tungen. £)arf aud^ bie ®efe^ge6ung biefe 
<5tnrid^tunflcn (unter ßntfd^äblgunfl für t>ctt SSerluft »ol^t^ 
«rtoorbcttcr ?rlbatrcd^tc) aBänbcrn, fo totrb bod^ clneumfid^? 
tigc ^ofitil bon bicfcm JRcd^tc nid^t ol^nc 5Rot^ ©cBraud^ 
anad^cn; fte toirb nid^t einer Mögen Il^coric ju gefaöen, 
atnb totnn biefe an fld^ fettft nod^ fo rid^tig toäre, an bem 
^eftel^enbcn rütteln, fo lange fid^ nid^t gejeigt l^at, bag au« 
ben H^l^erigen Sinrid^tungen erl^eblid^e Uefcetftänbe ]^erbor= 
gelten, ober bag blefelben ber fortfd^reitenben |)oIitifd^en unb 
Sulturenttoldfelung nid^t genügen. Unb cbenfo tt>irb fic bad 
SWa§ unb bie 5Rid^tung ber öorjunel^menben Steuerungen ju= 
näd^ft nad^ bem jjraftifd^cn ^Sebürfniß beftintmen; nur tt)irb 
fle freifid^ l^iebel, toenn fte ben Sßamen ber ®taat«funft toirl* 
Ixä) öerbienen f oH, nld^t t>ro« ba« «ebürfniß be« SlugenBIidf«, 

fonbern aud^ baö ber 3^^f""f^/ f^ ^^^^ f^ ^'^f^^ erlennen 
lägt, in'däuge faffen muffen, unb fte ttjirb efcenbeßl^atb ber 
aögcmeinen ©runbfä^e, bie aöer @taat«!unft i^re legten ^kk 
unb tl^re l^öd^ften 2lufgaben bejeid^nen, nie bergeffen bürfen. 
®ieg gilt aud^ bon ber borliegenbcn f^tagc. Sine {Religion^^ 
gefeüfd^aft fann Se^rfä^e unb ßinrid^tnngen l^aben, toeld^e 
ben @taat bered^tigen würben, i^r bie änerfennung unb 
?lufnal^me ju üertoeigcrn, ttjeftn fie t^^m nod^ fremb tt)äre; 
aber toenn fte mit benfelben fd^on lange Saläre bei i^m ein- 
gebürgert ift, fann er bie 2lnerf ennung , bie er i^r ertl^eift 
l^at, nid^t njieber rücfgängig mad^en, er mug fid^ bal^ernad^ 
anberen SÄitteln umfel^en, um ben Oefal^ren ju begegnen, 
mit benen fie tl^n unb feine Sntereffen bebrol^t. @ine ftird^e 
lann JRed^te befttjen unb ©egünftigungen gcniegen, bie burd^ 
leine au^reid^enbe ©egenleiftung bon i^rer ©cite begrünbet 
finb; aber bod^ tt)irb ber ©taat Sebenlen tragen, fie ii^rju 
^ntjie^cn, fo tauge fie i^n nid^t.burd^ ben äJiigbraud^ i^rer 
©teüung baju nöt^igt. Sine Slenberung bcd beflel^enbem 

6* 



84 ®«foramter^Bnig. 

JRcd^t^juftanb« filiert immer Ucbelftänbc unb ©törungcn mit: 
^(fy, bic fid^ um fo emj)finbltci^cr fül^ffiar mad^cn. Je mcl^r 
ein 2;]^etl be« aSolfc« bte !lDingc, um blc e^ fid^ l^anbeft, atö- 
unantaftbarc anjufel^cn gctool^nt ift. ß« ift ganj in bcr- 
Drbnung/ toenn man fold^e Störungen ju bcrmeiben fud^t,. 
fo fange e« angelet; aber e6 ift anbererfeitö unBebingt ju. 
ücrfangen, baß man nid^t totrftid^e SKigbräud^e Dcretoigc unb 
ernftltd^e ©efal^ren l^craufbefd^toöre, bloö toeil man fid^ bor" 
boritbergtl^cnben ©d^toicrtgtciten fürd^tet; bor aöem aber, ta§: 
man. fid^ ber ^kU War beruft fei, toeld^en bie bcftel^enbcn? 
3uftänbe entgegengefül^rt fein tooöen* 3e ttarer man biefc 
3iele erfennt }e umfid^tiger man anbcrerfeit« bie ^Sebingun- 
gen berüdffid^tigt toeld^e burd^ bie tl^atf äd^Iid^en | ©erl^äftniff c 
t^rer SSertoirflid^ung gefteöt finb, um fo fidlerer toirb matt 
in ber Oefe^gebung ebenfo ber ©egentoart, toie ber S^tunft^ 
geredet toerben. 



9. 

« 

Äu« unferen bi^l^erigcn Srörterungen ergtebt fid^, ba^ 
^tctat unb fiird^e unter unferen aSerl^ättniffen unb nad^ ben 
«nforberungen unfcrer 3eit unb 55{(bung jtoar aüerbingö^ 
nid^t mel^r gufammenfaöen f5nnen, ba§ nid^t affein ba« ©^^ 
ftcm ber Sl^eofratie , fonbern aud^ ba« be« ©taat«I{rd^en^ 
tl^um^ fid^ überlebt l^at ; baß aber anbererfeit« and^ bie boH:= 
lommene Trennung be« ®taat« unb ber ftird^e, bie ^Sel^anb^ 
lung ber Äird^en afö btoßer ^ribatgefettfd^aften , il^ren ^^ 
tereffen unb ©ebürfniffen fo toenig toie benen b^r ©taatea 
tniJipxi^t; bag biefetben bielmel^r nur bieSteKung retatiö* 



r 



I 

L 



(S^efammtergebnig. 85^ 

fcIbftSnblger ©efcUfd^aftctt tm©taatl^atcnfi5tttten/ 

tpeld^e k)on i^m mit getPtffen (Rekten audgeftattet toerben, 

baffir aber anäf getoiffe ^fltd^ten gegen i^ in erfüllen^ unb 

[\6f in gctoiffen ©ejtel^ungcn feiner Slufficijft ju unteru>?rfen 

l^aben. S)icfe ©tcöung ift ferner^ toa^ i^rc naivere Sbt^ 

ftimmung betrifft, je nad^ bem Si^arafter einer SRetigionö* 

flcfeüfd^aft, i^rer aSerfaffung unb ii^rcr S3ebeutung für ba^ 

aSoMeben, entn)eber bie einer t>ont &taat anerlannten 

ißrlöatgefeüfd^aft, ober bie einer öffenttid^en fior|)oratton; 

unb nad^ bem Umfang ber "Sitäfte, mläft ii^r in $o(ge beffen 

t)om @taat eingeräumt finb, toirb fid^ aud^ ber il^rer 

'^flid^ten unb bie Jöefd^affenl^eit ber bom @taat über fie 

'auöjuübenben Sluffid^t rid^ten muffen, gragen toir aber, 

tpeld^e« bie {Redete finb, bie ben SReligionögefeßfd^aften ate 

fofd^en aufteilen, toie ber Umfang unb bie ®renjen berfelben 

JU beftimmen finb, toie toeit bie Sluffid^t be« ®taat« ftd^ 

JU erftredkn, in toeldj^en gälten eine po\\ti'ot (Sintoirfung 

beffelben auf bie Sird^en ober eine SÄittoirfung ber Uii^ 

teren bei ben 9(ufgaben ber ®taatdt>ertoa(tung einjutreten 

l^ot, fo ift eö jtoar nid^t aöjufd^tocr, bie allgemeinen 

ÖJrunbfäfee anjugcben, toeld^e für bie Jöeanttoortung biefcr 

fragen maggebenb fein muffen; aüein toenn toir eö nun 

t)erfud^en, biefe ©runbfS^e im einje(nen burd^jufü^ren unb 

^ie ^klz genauer ju bejeid^nen, auf toeld^e bie ßird^en4)0^ 

titil unter unfern l^eutigen 93er]^ältniffen l^injuarbeiten l^at,. 

f treten un^ aföbalb crl^eblid^e ©d^toierigleiten in ben SBeg. 

5)en Äird^en lann l^eutjutage, toie gefagt, nm bie 

©teöung relativ felbftänbiger ©efeüfd^aften im Staate an«» 

getolefen toerben. ©ofern fie nun felbftänbige ©efelU 

fd^aften finb, mu^ ed ein ©ebiet geben, über bad fie unab^ 

l^ängig bon ftaattid^er ^ebormunbung unb (Sinmifd^uug ju 

verfügen Ij^aben; unb biefee ®ebiet toirb aQed bad umfaff^n. 



^ ©tunbfa^e füt Ut 

tB tolrb ftd^ oBcr aud^ auf ba^ Ibcfd^ränfcn Waffen, toa^ fid^ 
owf btc cigcntl^ümnd^cn aufgaben einer Äird^e in il^rent 
Unterfd^leb öom ©taatc Bejiel^t. ©ofcrn fte anbcrerfeit^ 
®cfeßfd^aften im ©taat finb, tolrb il^tc ©elbftänbigfctt 
nur eine rdatiöe , burd^ bic ®taat«gcfe|e unb ble S3ebingungctt 
be« ftaatlid^en SeBcn« bef darauf te fein tonnen ; f o toeit bal^cr 
il^rc SC^ätigfeit unb il^rc Sinrtd^tungen in bic IBürgcrfid^ctt 
S5cr^ältniffe eingreifen unb bie Sntereffen be^ bfirgcrlid^ctt 
©entelntoefcn^ Berül^ren, muß e« ©ad^c be« ©taat^ fein^ 
bafür ju forgen, bag bic aügenieine 9led^t«crbnung unb ba^ 
©emeintool^I burd^ fie nid^t gefd^äbigt toerben. SBirb enb* 
lid^ einer Äird^e bont ©taat eine befonbere Unterftü^ung unb 
toerben il^r befonbere SSorred^te getoäl^rt, fo toirb er aud^ 
Don il^rer ©eite ©egenleiftungen bertangen, toeld^e bcn 
Dienften, bie er il^r leiftet, entft)red^en. S« ift infofern int 
aögemeinen tocl^Ibegrünbet, toenn fd^on unfere altern |)rotc^ 
ftantifd^en S:]^eotogen unb ftird^enred^töl^l^rer bem Staat 
ober ben lijürften jtoar lein jus in sacra jugeftel^en tooKten, 
um fo mel^r aber ein jus circa sacra einräumten. J)ie rc« 
ligiöfen S3ejiel^ungett il^re« ©emeinteben^ foöte bie Äird^e 
feCbftänbig orbnen, in ben bürgerltd^en fid^ bem ©taat unter^^ 
orbnen — bieg ift bcr ®ebanfe, ber il^nen bei iener Unterer 
fd^cibung borfd^toebt; toenn aud^ immerl^in bicfer ®ebanlc 
in berfetbcn feinen gonj Haren Slu«brudf gefunben l^at, unb 
aud^ an ftd^ felbft ba« »crl^äftniB nid^t erfd^öjjft, um ba« 
c« ftd^ l^ier l^anbcft. 

äßein mit jenen aifgemeinen ©runbfäfeen ift unfere 
9(ufgabc nod^ lange nid^t ge(5ft, fo rid^tig fie aud^ fein 
mögen / unb fo unentbd^rfid^ fte finb, toenn man fiberl^au^st 
für bie ©etrad^tung biefcr ÜDinge bon feften ©efid^t^^junften 
audgel^eu/ unb fid^ in feinem Urtl^eil unb feinen 3Ragrege(n 
nid^t ))on bem Sebürfnig, ober bießeid^t aud^ nur ))on ber 



Ißel^nblung ber jtir^en. 87 

Jöequcntlid^IeU, bc6 StugenBIicf« abl^ängig ntad^cn tt)iß. SRan 
fmm üoßfommcn jugckn, ba| bic Äird^cn il^re eigenen Sin- 
gcfegcn^citen bon fid^ au^ ju orbiten ba^ ^täft l^aben; — 
imb gegentt)ärtig toirb tl^ncn biefe« SRcd^t ja au^ toirfßd^ 
im ©runbfafe faunt xtoä) beftrittcn; — aber toeld^e Slnge^ 
legenl^eiten finb für rein fird^fid^e, toeld^c für bürgerlid^e 
ober gemifd^te ju l^alten? SWan !ann einräumen, ba^ bem 
©taat auf bem Oebicte be^ bürgerttd^en Seben^ bie l^iJd^fte 
gefe^gebenbe ®etoalt unb ba^ oberfte 2luffid^t^red^t xuftcl^e; 
aber too liegen bie ©renjen, toeld^e ba« bürgerlid^e Oebiet 
bon bemjenigen trennen, ba« bem gefc^Iid^en B^^^fl ^nju^: 
gängfid^/ nur bem Oetoiffen unb ber j^erfijnlid^en Ueber« 
jeugung untertl^an ift? ober ba«, nad^ anberer Sluffaffung 
biefeö SSerl^ältniffe^, bie®ott]^eit fid^ fetbft unb il^rer ©teü^ 
bertreterin, ber Sird^c, borbel^alten ^at? ^an fann e^ für 
unbebingt toünfd^en^toert]^ l^alten, ba^ ©taat unb Sird^e für 
biß ^mdt ber aSolföerjicl^ung, ber ©ittlid^feit, beö^emein- 
tool^te jufammentotrfen unb fid^ gcgenfeitig unterftü^en; aber 
toem fotl in jebem cinjelnen Safie bie ©ntfd^eibung äufommen, 
Jocnn gtoifd^en il^nen eine SKeinung^berfd^iebenl^eit eintritt? 
S)icfe T^ragen finb e«, über toefd^e bic ^artl^eien loeit mel^r, 
afö über bie afigemeinen (Srunbfä^e, fid^ ftreiten; in il^rer 
Seanttoortung muß e^ fid^ bcioöl^ren, toie jene ®runbfätäc 
bon Slnfang an gemeint toaren; babei jeigt e^ fid^ aber 
freifid^, ba§ biefefben itoar tl^eoretifd^ in ber SRegel ol^nc 
änftanb anerfannt, aber })ra!tifd^ in bem entgegengefe|teften 
©inn beiftanben unb angetoanbt »erben. 

M^zx l^anbeft e^ fid^ babei tl^eifö um fold^ed, toaö ju^ 
näd^ft bem fird^Iid^en (Sebiet angel^ijrt, aber bod^ jugleid^ in 
baö ©taat^leben unb bie bürgertid^e Drbnung eingreift; 
tl^eil« umgefel^rt um SSerl^äÖniffe be« bürgerlid^en Sebenö, bic 
aber aud^ eine ©ejiel^ung jur SRcIigion l^aben. S5el ben 



88 ©pecieKere Swflen. 

©cgcnftäitbcn bcr crften 9lrt fragt e« fid^ , ob fic bcn Äird^cu 
au^fd^Itegüd^ überlaffen tocrbcn foßen, ober ob anäf bcr 
(Staat ba« $Red^t unb bic ^flid^t l^at, ftd^ um fic gu tc^ 
fümmcrn, toorin ferner bic SSetl^ciügung be^ ©taat6- an 
benfelben bcftct^cn unb loic toeit fic fid^ crftrcctcn fott; bei 
benen bcr jtociten 5lrt mu| umgefcl^rt untcrfud^t tocrbcn, ob 
bic Äird^en auf fic ein JRed^t l^aben^ lote tocit biefc^ Siedet 
gel^t, unb loa^ für i^olgcrungen fid^ au^ bemfdben ergeben. 
Stuf bcr ciucnScitc finb bic fünfte, locld^c oorjugötoeifc in 
SBctrad^t f ontnten : bic Sird^entcl^rc, ber Äuftu^, bie ^ird^en^ 
bcrfaffung unb tird^enleitung , bic ürd^fid^c ®erid^t«barleit 
unb J)ifci^)(in, bic ©teüung bcr. Äird^enbeamten unb bcr re^ 
ligiöfcn (Senoffenfd^aftcn, ba^ Äird^cnbermbgcn ; auf bcr an^ 
bern bie Drbnung bcr ^jcrfönlid^cn Scbcn^tcrl^äßniffc, ba6 
©rjicl^ung«^ unb Unterrid^t^toefen, ba« 2lrmenJoefen. 83ci 
aflcn bicfen fünften l^anbelt c^ fid^ um bic Slu^bcl^nung^ 
\s>däfe ti^m bcr ürd^Iid^cn, t^ei(6 ber flaatlid^cn SC^ätigfeit 
unb ©etoaltber S^latur ber ®aä)t m^ julommt, unb um 
bie (Srenjen, bie il^r gejogen finb. ©ie ©ntfd^cibung toirb 
aber junäd^ft babon abl^ängen, ob ba^ SSerl^ältnii für mU 
d^e^ biefe ©eftimmung gegeben toerben foö, atö ein religiöfe« 
ober atö ein bürgcrOd^e« ju betrad^ten ift, ober toenn c^ 
unter beibe ®efid^t^t)unf te jugleid^ f äflt, f o loirb e^ fid^ fragen, 
toie biefe Sfemente gemifd^t finb, ob unb toic loeit fic pd^ 
trennen laffcn ober an cinanbcr l^aftcn unb fid^ gegcnfeltig 
bebingen. 




j 



r 



S)ie jriT((enleice. 89 



10. 

®ic (Selbftänbiflfcit, tocid^e blc ftird^c für fid^ in 5ln^ 
fj)ru^ nimmt, crfd^cmt auf feinem anbern ©cbiete kffer 
begvüttbet, ate auf bem ber Äir diente l^re, be^ iDogma. 
%näf f)kx ift fie t^r jtoar nld^t feöen »erfümmert »erben, 
g« ift nur ju oft gefd^cl^en, baß fid^ bie ^Regierungen in 
böfluiatlfd^c aSerl^anblungen einmifd^ten, ba§ fie ben SSerfud^ 
maifttn, tl^eclogifd^c ©treitigleiten ju entfd^eiben, religiöfe 
©etoegungen burd^ S5erorbnungen unb ©efefee nicberjufd^fagen. 
3l6er foldj^c Serfud^e finb ben ©taaten fetbft nie gut bes 
fommen , unb- auf lird^fid^er ©eite finb fie immer nur bon 
bcnen gutgel^eißen toorben, für toctd^e bie ©taatdgetoatt 
rtcn ^artl^ei nal^m; fobalb bagegcn ber ©taat einer Sird^e 
Sel^rbcftimmungen aufbrängen tooöte, mit benen biefc felbft 
nid^t cinberftanben toar, l^at fie immer unb mit Siedet über 
bie ©ctoalt, bie il^r angetan tourbe, Sfage gefül^rt. SÖenn 
irgenb ttüxi^ frei fein muß, fo ift eö bie religiöfe Ueber- 
jcugung; unb bieg gift bon ber gemeinfamen Ucberieugung 
ebenfogut, toie bon ber beö Sinjelnen. SBic e« ein ©runb^^ 
Tcd^t i^ber ^erfon ift, baß niemanb fie l^inbere, fid^ il^re 
?lnfid^ten felbft ju bifben unb fie frei ju äußern, fo ift eö 
ein ©runbred^t jcber ©efeßfd^aft, baß bie i^cftfteßung unb 
ber 2lu«brudf i^rer gemeinfamen UeBerjeugungen i^r fefbft 
unb ii^ren berfaffungdmäßigen Organen überlaffen toerbe. 
SBa« in^befonberc bie {Refigiondgefeßfd^aften Betrifft, fo l^at 
ber <Btaat toeber bie ^efäi^igung nod^ ba^ Siedet, bieß an 
%er ©teße ju tl^un. ©eine Slufgabe unb feine S^l^ätigleit 
ift auf baö ©ebiet be« bürgerlid^cn ititn^ befd^ränft, bog^ 
ttifttifd^e gragen ju cntfd^eiben l^at er feinen ©eruf unb 
fomit aud^ feine S3efugniß, unb er l^at aud^ ald ©taat feine 



^0 2)ie Älrc^enlei^te 

Organe, bcncn biefe (Sntf^ctbung anvertraut toerben lönntc. 
®r mügtc \iäf atfo bod^ am @nbe ber fird^ßd^en Organe 
l^tefür bebienen. aber totx fcüte bann über bte ©ültigleit 
il^rct 3[tt0f|)rüd^e entfd^eiben? Sürben fie bont ©taat un- 
bebtngt anerfannt, fo toären ja fie unb nid^t er eö, bic btc 
(Sntfd^eibnng getroffen l^ättcn; toürben fie nid^t nnbebingt 
anerfannt, fo fiele man in bie unerträglid^e Sinrid^tung ju^ 
rüdf, ba§ bie le^te (Sntfdj^eibung über bogmatifd^e gragen 
fold^en in bie $änbe gelegt loäre, bie ate blo6 ftaatltd^c 
Organe baju ntd^t bered^tigt unb bafür nid^t gebilbet toören. 
SBo boßenb^ ein ©taat berfdj^iebene JRellgionen unb ßon* 
fcffionen in fid^ befap, liegt bie red^tlid^e Unmögtid^feit feine« 
(Eingreifen« in tl^eotogifd^e Streitfragen am 5Cage. ^mn 
ber ©taat^toiöe fofl nid^tö anbere« fein, afö ber berfaffungö- 
mS^ig feftgefteBte (Semeintoiße be« SSoffe«; Bei ben Snt^ 
fd^eibungen unb 3Jfa^regetn ber @taat«getoalt foßen atfe 
3nteref[en nad^ bem SWafe il^rer SBebeutung für baöSSolte; 
leben berüdffid^tigt toerbcn , • auf bicfelben foö aöen ber il^rcr 
^}ontifd^en SJefäl^igung unb il^rer bürgerlid^en ©teöung cnts 
f^jred^enbe ©influß iuftel^en. Sürbe bal^er in einem con* 
feffioneÖ gemifd^len ©taat bie Seigre einer Äird^e aU Suö* 
fing be« ©taat^toißenö Bel^anbclt, fo entftänbc ber ©iber^ 
finn, ba^ an ber geflfieöung biefer Seigre aud^ foIc^;e 8n* 
tl^eit crl^ielten, bie biefer Äird^e gar nid^t angel^ören, ja bie 
il^r bießetd^t fogar feinbfetig gegenüberftel^en. SBie un^: 
mögltd^ bie§ ift, fann man fid^ leidet Har madj^en, tx>tnn 
man fid^ eine gefetjgebenbe SJerfammlung borfteßt, in ber 
ffil^riften unb 3uben, fiatl^olifen unb ^roteftanten mit ein^ 
anber eine Dogmatil für eine biefer (Sonfeffionen. berietl^en. 
®oßte man anbererfeit« nur ber SRegierung ober bem {Re* 
genten bic U^tt (gntfd^eibung über bic Äird^entcl^re in blc 
^nb geben, fo loürbe fid^ biefe «cfugnif felbftbcrftänMid^ 



unab^ängi^ i^om Staat. 9!^ 

nur auf bic Seilte bct Äirti^c l&egicl^cn Knncn, tocfd^cr fie 
clbft angel^ötcn. Aber toorauf foöte fic fid^ bann gtünbcn ? 
®oDtc jtc bcr {Regierung afö fofd^er jufcmnten, fo mn^t^- 
fic il^r aßen ßonfcffionen gegenüber gtetd^fel^r jnlcmmen^ 
bcnn ate ©taat^regtcrnng ftel^t pe in einem jjaritätifd^ea 
(Staate ju aßen in bemfelben SSerl^äftni^; foöte fie an bicr 
^erfon be« {Regenten gefnüjjft fein, fo toürbe ntan pd^ ber* 
geMid^ nad^ betn llrfjjrung eine«{Red^t6 nntfel^en, ba^ bicfer 
^erfon nid^t in golge il^rer jjerfiJnlid^en Sigenfd^aften , fon- 
bem nur toegen il^rer ©teöung im ©taat anl^aftete, »äl^renb- 
c6 bod^ mit biefer ©teöung in gar feinem innern S^n^am^ 
menl^ang ftänbe. 2Bo eine einjige {Religion afö ©taat^re^ 
ligion anerlannt ift, ba ift eö nur folgerid^tig, toenn ber 
(Staat feine ©ouöeränetät aud^ auf baö religiöfc Oebiet an^^ 
bel^nt, nnb ber Äird^e, loie jeber ©taat^anflalt, il^re ©efetje^ 
bal^er aud^ bie ©lauben^gefet^e, tjorfd^reibt ; too ber ©runb- 
fa^ ber {Religionöfreil^eit gilt unb burd^ ba« 3^föi"ii^^«fc5^ 
bcrfd^iebener Eonfefponen geforbcrt ift, ba lönnen nur bie 
Sird^en felbft barfiber entfd^eiben, in toeld^en Scl^rbeftims^ 
mungen pe ben au6brudt il^reö ®(auben« ju feigen toiffen. 
Sber fo einleud^tenb aöe« bief ift, fo jcigt pd^ bod^ bie 
©ad^c, toenn man näl^er jupel^t, nid^t ganj fo cinfad^, U)ic 
pe pd^ beim erften Slnblidf aufnimmt. @ie toäre e«, toenn 
man fidler fein fönnte, baß bie {Religion^gefeBfd^aften mit 
il^ren bogmatlfd^en S^Pfteöungen ntemal« über ba« religiiJfe 
unb tl^eclogifd^e ®ebiet l^in aufgreifen, ba^ pe nid^t unter 
ber ?5orm einer SJeligionöfel^re il^ren SWitglicbem ©runbfä^e 
gur ffüd^t mad^en, beren Verbreitung bie ©taatöorbnung^ 
ba« pttltd^e ober ba« {Red^t«Ieben gefäl^rbetj toenn bie 
S)ogmen nur tl^eoretifd^c Slnnal^men loären, bic leine pxaU 
tlfd^cn gotgen nad^ pd^ jicl^en, unb nld^t ebcnfogut aud^ ®e* 
für fc^c ba« f)anbdn; toenn bie Äird^en pd^ mit ber grei* 



92 Äir^cnle^re. 

l^cit begnügten, i^rc UeBerjeugungen audjuf^jred^en, unb ntd^t 
gugletd^ andf ba^ SRed^t für fid^ in 3lnft)ruci^ näl^mcn, il^rc 
ÜKitgltebcr bajn anjul^altcn, baß fie bicfen Ucberjeugnngcn 
nad^Icben. ®lefe px<itti\ä)t ©ebcutung bietet 35cgmcn nö- 
tl;igt ben ©toat, bie Sel^rtl^ätigtett ber Streiken ju tibemad^en 
unb unter Umftänben gegen fic etnjufd^reiten. @ie ift aber 
unäf ba6 einjige, tx>ai H)m baju ein 9ied^t geben lann; unb 
t^ ift bcßl^alb aud^ bie ärt.unb ber Umfang feinet Sin^ 
fd^retten^ nad^ bem Sinfluß ju bemeffen, ben bie Seigre einer 
^ird^e, toenn ber ©taat fie getoäl^ren läßt, auf i^n felbft 
itnb auf bie feiner Dbl^ut anbertrauten Sntereffen l^aben 
tpirb. S^ ntad^t einen Unterfd^ieb, ob eine fird^lid^e Sßc^ 
l^örbc einen ®a^ nur aU il^re Ueberjeugung au^f^jrid^t, ober 
iob fie ben SSerfud^ ntad^t, benfelben ju einem ®fauben^gcfe^ 
JU erl^eben, bem i^re SIBitgtieber fid^ unterwerfen, für beffen 
SBal^rl^eit fie mit ii^tem ©efenntnig eintreten, nad^ bem fie 
fid^ in il^rem SSerl^alten rid^ten f ofien. 3n jenem galt toirb 
fid^ ber ©taat nidj^t bered^tigt finben fönnen, ber Äird^cn- 
be^örbe ben 3lu«brudJ il^rer Slnfid^t ju verbieten ; in biefem 
tpirb er — fetbft abgefel^en bon bem naiveren 3n]&att ber 
betreff enben Sel^rbeftimmung — ju ern)ägen l^aben, ob fie 
befugt ift, einen fotd^en ^tom^ gegen il^rc Untergebenen an^^ 
juiiben. !Dad ^täft, fid^ feine Ueberjeugung nad^ beftem 
©etoiffen frei ju bitben, unb fie offen ju belennen, ift ein 
allgemeine^ unb unberäußerlid^eö 3Äenfd^enred^t ; unb ber 
©injetne lann auf biefe« SRed^ fd^on beß^tb nid^t berjid^ten, 
loeit bem SRed^te in biefem galt eine unbebingte fitttid^e a5cr=^ 
^flid^tung entft>rid^t; Wenn ballet iemanb aud^ audbrüdlid^ 
crf lärt ii&tt^, baß er fid^ bedfetbcn begebe, fo toäre biefe Sr^ 
Ilfirung red^tlid^ ongefel^en nult unb nid^tig. S)er ©toat ift 
t)er^)flid^tet , feine Slngel^örigen in biefem JRed^tc ju fd^fiften. 
9iun fann er freiüd^ anbererfeitd einer JReligionögefeüfd^aft 




W(fy niäft tiextt>tf)vm, bon jiebent, bcr il^r angcl^örett tpiff, ju 
tjcrfangen, baß er fid^ ju il^ren ge^icinfantcn Ucberjeugungcn 
bcfenne. Sltcr er f)at bafür ju forgcn, bag bicfc« JRcd^t ber 
©cfcüfd^aft bent natürUd^cn {Rcd^t bcr (Sinxctnen feinen (5in=^ 
trag tl^ne. ßr barf nid^t Uc^ pd^ felbft unb feine Organe 
nid^t baju l^ergeben, im5Ramen einer tird^e gegen bieUeber^ 
gcugung il^rer einjetnen SKitglieber einen ^toan^ an^jufiben^ 
fcnbern er barf aud^ i^r nid^t geftatten, biefetben burd^ an? 
bere ar6 rein lird^tid^c SKittel jnr UntertDerfung unter i^re 
!J)ognten nnb Sel^rentfd^eibungen ju bringen; nnb tt)enn an^ 
ben STOagregefn, jn benen fid^ eine tird^e toegen äbtoeid^un^ 
gen in bcr ße^rc bcranlagt flnbct, ben babon §3etroffenen 
Bürgertid^e S'Jad^tl^eilc ertt)ad^fen , fo toirb er fid^ bie Snt- 
fd^cibung über bie 3«Iäffigfeit il^re^ SScrfal^rcn« borbcl^alten: 
tnftffen. ©cnn alfo j. 53. ein ®eift(id^er bon feiner Älrd^en- 
bcl^örbc toegen angeblid^er Orrtel^re abgefegt ti)irb, fo toirb 
ber ©taat aU fold^er fid^ jtDar nid^t für bered^tigt l^attcn 
Knnen, biefe« Urtl^cil einfad^ anfjnl^cben, nnb bie Äird^e ju 
jtoingen/ ba§ fie il^n im Hmte laffe; aber c6 toirb il^nt ju^^ 
lontmen, anf SScrIangen barüber jn erfennen, ob bie Äird^en^ 
bel^örbc ba« {Red^t l^attc, bent 5lbgefe|ten fein ©icnftcinfom- 
nten jn entjic^en. SBcnn eine ftird^e ein nenc« !Dognta 
anfftcKt, nnb bieienigen, toeld^c e« nid^t anerfennen, an^ 
i^rent SBerbanb an^fd^Iicgt fo toirb ber ©taat fie jtoar l^ie^ 
ran nid^t l^inbern fönncn — benn loarunt foötc eine ßird^e 
nid^t ba« 9led^t l^aben, fid^ nene !Dogntcn ju bifben? — 
aber er toirb ju nnterfnd^cn ^aitn, ob bie 9lu«gefd^loffe* 
nen jur SInerfennung ber nenen Seigre ücr^jfKid^tct toaren^ 
unb ob fie tt>egcn ber 25ertoeigerung berfelben il^re6 änt^cit^ 
an bent Äird^enbermögen beraubt tocrbcn bfirfen. ©o toenig 
tal^er bie lird^Iid^e Seigre il^rcnt tl^cologifd^cn ^^it nad^ 
unter bie äuffid^t bed ©taat« fäflt, fo entfd^ieben faßen bie 



Siagrcgcin unter btcfc(6c, toctd^c eine Ätrd^e ober Ätrd^en* 
:6el^örbe ergreift, um bic Slnerfennung it?rer Seigre burd^ju^ 
fe|en unb StbiDeid^ungcn bon berfetben ju ber^inbern. 

SBelter fragt e^ fid^ aber, ob bie Seftimmungen , bie 
^16 fird^tid^e ©ogmen berlünbigt toerben, loirfßd^ nur relt^^ 
.giöfe unb ftrd^tid^c ^va^tn betreffen, ob fie nid^t in ba« 
ftaattid^e unb red^ttid^e ©ebiet eingreifen, ^tnn baiJerftere 
ber f^aß ift, l^at ber ©taat atlerbing^ feine SSerantaffung 
-unb lein 9ied^t, fid^ um ben Sni^att biefer Seigren ju belüm- 
-tnern; unb aud^ ii^re ettoaige SSernnnfttoibrtgleit toürbe il^m 
5)iefe6 "iR^öft nid^t geben, ee ntü§te fid^ benn um einen ^Ibcr^? 
^tauben l^anbetn, beffen aSerbreitung beg^alb bor bem ®efefe 
[traf bar ift, toeil er für ftrafbare 3^^*^ gebrandet toirb. 
-SDenn ob eine Se^re bernunfttoibrig ift, ober nid^t, unb ob 
:bie (Stauben^fäjäe über^au))t an ber menfd^Iid^en Sernunft 
.^emeffen toerben bürfen, bieg finb JJragen, über loetd^c ber 
@taat6getoa(t gar leine Sntfd^eibung juftel^t unb mit i^ren 
SJittteln unb Organen feineSntfd^eibung mögtid^ ift S33ürbe 
^6 ber ^Regierung ober ber gefefegebenben ©etoatt freiftel^en, 
4ße Seigren, bic fie für unbernünfttg ^ätt, jn berbieten, fo 
«loäre c^ mit ber greil^eit ber inbibibueöen Ueberjeugung jn 
j©nbe, unb eS Joürben gerabe bie änfid^ten, toeld^e bon ber 
.^ergebrad^ten 5üieinung abtoeid^en unb befl^atb ben meiften 
xxfö urtoernünftig erfd^einen, gerabe bie neuen toiffenfd^aft^: 
iid^en Sntbedungen, bbn fotd^en SSerboten am meiften ge^ 
:troffen toerben. Sopernicu« j S3. l^ätte feine e^)od^emad^enbc 
■S^eorie nie befanntmad^en bürfen; benn atö er mit feinem 
neuen ©eltf^ftem auftrat, tougten felbft bie ©etel^rten baritt 
faft ol^ne 3lu§nal^me nur eine augenfäßige Ungereimtl^eit ju 
feigen. 5lnber^ ftel^t eS bagegen mit fotd^en Seigren, bie fid^ 
nid^t auf reftgiöfe unb t^eotogifd^e fragen befc^ränfen, fon^ 
*ern fid^ jugleid^ auf ba^ ©taat^Ieben unb baö ©ebiet ber 



IRe(6te be^ etaatö (infi$t!t(( berfetben. 95 

ftaatßd^en ®efe^e6ung iziit^tn. $ier l^at ber @taat aQe 
iBeranfojf ttng , ju untcrfud^en, oi il^m fcfbft unb bem ®e* 
iticintool^I bon bicfen Seigren feine (Sefal^r brol^t, ob c« tool^t 
getl^ ift, n>enn er iugtebt, bag fie unter ber Xultortt&t 
einer bon if)m anerfanntcn ftlrd^e berbreitet, baß fie bon ben 
JRcIigion^Icl^rern in feinen ©deuten bem l^erantoad^fenben 
(Sefd^Ied^t etngcj^rägt Serben, ba§ i^re Slncrfennung t)ieüeid^t 
burd^ ftird^enftrafen erjtoungen toirb. Sin lid^tboüeS Self^>iel 
gur Srtäuterung blefe« Unterfd^iebd Bieten ble jtoel jüngfien 
©ogmen ber römlfd^en Slrd^c: ble Seigre bon ber nnUfltd^ 
ten (Smpfängnlß ber 3un^frau JDiaria unb btc Seigre bon 
ber Unfel^fbarlelt be^ ^aj)fte«. 3^ ^^^ nienfd^Ild^en 3Ser« 
nuttft berl^altcn fid^ blefe belbcn Seigren boCfommen gfeld^: 
bic um U>lberfj)rld^^ ll^r nld^t me^r unb ntd^t weniger aö 
bie anbcre. an einer blttlfd^en ©egrünbung fei^It e« belben 
glcid^ unbeblngt 3n ber llrd^fid^en Ueberlieferung l^aBcn 
fld^ belbe erft im Saufe be« SRittelafter^ eingebürgert, beibe 
-l^aben Inbeffen aud^ forttoä^renb S33lberfj)rud^ gefunben unb 
Bi« auf ble neueften j)äpftfld^en Sntfd^etbungen loaren ble ta^ 
tl^oüfd^en S^^eofogen in i^rcn 5lnfici^ten über belbe getl^elft 
Stber jum ©taat unb feinen Ontereffen ftei^en fie In einem 
burd^auö berfd^lebenen SSerl^ättnlg. Ob ble 3ungfrau 3Waria 
ntlt ber Srbfünbe bel^aftet toar, ober nld^t, ob fte bor ober 
nadSf D^rer ®eburt. In einem früi^crcn ober fpäteren ©tablum 
i^xt^ embr^onlfd^en ©afelnS babon frei lourbe, barüberlann 
jeber glauben, n)a« er lolQ, unb jebeÄlrd^e teuren, toa« ll^r 
gutbfinft, ol^ne bag ber Staat in feinem ©cblete babon be^ 
rö^rt tottrbe. - hierüber mod^te ba^er ble fatl^ollfd^e Slrd^en* 
%maü feftfeljen, toa^ if)x betlebte : ber Staat lonnte bieg li^r 
fetbft anl^elmfteßcn, fo tauge nur t^re ßntfd^elbung ju feiner 
grtebcnöftörung ober SRed^t^berlefeung Slnfaß gab. Db bagegen 
ba« Dberl^aujJt ber fat^otlfd^en tlrd&e bon aKen aÄltgllebeni 



96 ilitc^enle^re. 

btcfcr S'trd^c in feinen antttld^en (Srffärungen ü6er bte fird^^ 
lid&e Seigre unb !J)i6ci^>{tn für unfehlbar gcl^atten toerbcn 
ntü§, bie^ ift nld^t Bio« eine tl^eotogifd^e ober lird^cnred^t* 
fid^c, fonbern jngteid^ eine :(}o{ttifd^e i^rage üon ber l^öd^ftCR 
©ebeutnng. 35enn mit ber SBejol^nng biefcr Srafle. ift bie 
SSerfaffnng ber latl^ottfd^en Äird^e auf'8 cingreifenbfte Der* 
änbert, biefe Sird^e ift an6 einer Befd^ränlten STOonard^ic^ 
ti>a« fie bi^l^er bod^ immer nod^ toar, in eine aBfotnte t^cr*^ 
toanbett, mit ber ©efbftänbigleit ber ©ifd^öfe' ift e« iu @nbe^ 
fie finb nnr nod^ ^)ä})fttid^e Diener ol^nc eigenen SBittcn; 
e6 ift bem ©taate ftatt ber Sird^c, mit ber er e« Biöi^er 
jn Ü)]xn l^atte, eine anbere gegenüBcrgefteöt, unb e« öerftel^t 
fid^ leine^toegS bon fetbft, ba§ er aüe Grellheiten, Stedf^tennb» 
SBortl^eife, toetd^e er ber Bi^l^erigcn lat^ofifd^en Sird^e gc^^ 
toäl^rt I?at, ber neuen, in unbefd^ränfte Slbl^ängigfeit Dom 
einem au^toärttgen £>izxijanpt geratl^enen, gteid^fatt« ju gc^ 
toäl^ren Der^jflid^tet ip. B^^^^^ ip ^^^^ ^^^ bie ©teüung, 
ber Sird^e jum ®taat Don ®runb au« Deränbert SBena 
bie "?ä^)fte in il^ren amttid^en 3Iu«fprfid^en unfel^Itar finb,. 
fo ift mä) gegen bie 8u«f^)rüd^e, bie il^r SSerl^ältniß gubett 
<StacLtcn unb ®taat«regierungen Betreffen, lein SBiberfj^rud^ 
guläffig; man mu§ aüe 3lnfprüd^e auf ^errfd^aft Aber bie 
Staaten jugekn, loeld&e jemat« Don einem ^a^jft crl^oBett 
toorben finb ober in B^'^^f* ^^^ erl^oBen loerben, benn fie- 
aUt ftnb ia unfel^IBarc (ärifärungen be« ©teÖDertreter^ 
ßl^rifti; e« mu^ anerfannt loerben, ba^ bie ^äpfte nad^ 
göttfid^em SRed^t bie Äßnige ein- unb aBfefeen, bie Untertl^anen. 
il^re« (5ibe6 entbinben, ba« 8anb eine« fe^erifd^en SÜrjlett 
einem red^tgläuBigen fd^enfen fönnen; e« mu§ at« eine dnU 
fd^eibung ber ©ottl^eit Derel^rt »erben, loenn ?iu« IX. im 
@^üaBu« unb in ber gncijttila bie ©etoiffenöfreil^eit, bie Äul« 
lu«frei^ett, bie $ref frcil^eit Derbammt, toenn er ber Äird^e ba* 



IRe^te bed @taatd $tnfl((tli« berfel^en. 97 

JRcd^t jufprid^t, bfe S5«rlc$«ng i^rcr Ocfcfec mit Icibßd^cn 
©trafen ju al^nbcn, unb btc DBriglcitcn öcr^)fltd^tet, ftc ba* 
M gtt «nterftü^cn* Sann man irgcnb einem ®taat gumn* 
tl^cn, bag er fotd^e Ornnbfäfee unter bem ©d^ufe einer bon 
il^in ancriannten äultorität öerbreiten laff e ? baß er begl^alb, 
tocil religiöfe Seigren il^n nldft^ angelten, einer Äird^e geftatte, 
bic Orunbtogen be« ©taat^toefend unb be« öffentlid^en Srie^^ 
bcn« in bem ®eift unb (Semütl^ be« 9SoHe6 ju untergraben, 
nnb biejcnigen, n>e(d^e fid^ il^rem öerberbUd^en 2!ret6en toiber= 
fc^euy mit aüen SBitteln einer ©etoalt gu berfofgen, bie fie 
ol^ne bie 5lnerfennung unb Unterftüfeung be« ©taate« gar 
niäft befäge? SBäre ber ©taat nid^t bielmel^r in feinem 
fütmgöen SRcd^t, toenn er bie SSerbreitung öon Seigren, toie 
bie oben angef ftl^rten , einf ad^ unter fein ©trafgefefe fteüte, 
ober »enn er einer Äird^e, bie feine ©ouöcrfineät - nid^t an== 
crlennt unb fid^ il^m gegenüber ate feinbfefige eroBternbe SWad^t 
organifirt, nun aud^ feinerfeit« bie Slnerfennung unb bie 
yteäftz entjöge, loetd^e il^r unter Sebingungen geU)äl^ tDur^^ 
ben, bie fie felbft gebrod^en l^at? Ob bieg aud^ Kug unb 
jtoerfmägig toäre, unb ob bem ©taate nid^t gefinbere ÜÄittel 
JU ©ebote ftel^en, um-fid^ gegen bie ultramontanen Singriffe 
JU fd^ü^en, bieg ift eine anbere i^rage; aber loenn er aud^ 
JU ben äußerften fd^ritte, loürbe er bamit bie ©renjen feine« 
3ied^t« nid^t überfd^reiten. 3n ber f^orm eine« üDogma 
foü in biefem göQ uidf^t blo« ein fird^enred^tüd^e«, fonbern 
oud^ ein j3o(itifd^e« @^ftem jur ®eltung gebrad^t loerben, 
bon toeld^em bie Seben^bebingungen be« ©taat« . auf« tief ftc 
berül^rt »erben, ©a« gleid^e lann aber aud^ inl^bem an^ 
beren S^ße gef d^el^en, unb e« ift in l^unbert ijäöen gefd^el^en. 
Sebc ©el^au^Jtung unb ieber Slnfj)rud^ lann bie gorm be« 
$)ogma annel^men, jum ®Iauben«fa^ ober jur SReligion«^ 
pfiiäft gemad^t locrben. ©ei ben SRormonen ift bie ^ol^gamie 

7 



98 ^et jtuttud. 

iinb bei bcn Äff affinen toax ber aReud^etmotb burd^' ba« 

Dognta gc^ttifl^- 2B<>ß^« ^^ ®^^^^ ^'^ ^^^^ ^^^ ftird^en 
fd^Ied^ttoeg ate ettoa« bel^anbeln, ba« ti^n nld^t berül^re unb 
feinet äuffld^t nld^t unterilege, fo ntüfte er nld^t aöeln atte«. 
®nf (freiten« gegen fltten^ unb ftaotdgefäl^tUd^e getreu fid^ 
entl^atten, foBalb blefc im Spanien ber {Religion unb bon einer 
ftrd^ttd^en ©ei^örbe vorgebracht ioerben, fonbem er Wäre ße* 
nötl^lgt, ti^rcr SSerbrettung aud^ felnerfelt^ SSorfd^ub jn lelften, 
fie unter ber äuftorttät einer Bffentlld^en Äor}>oratlon unb 
mit aüen ben SKltteln betreiben ju laffcn, ble er feftft in 
ble ^anb ber ftlrd^e getegt l^at. 3« ^Iner fotd^cn Unmad^t 
unb ätbi^änglglclt lauft man ble ©taaten ben Älrd^en gegen* 
über unmögüd^ öcrurtl^ellen ; fo tocnlg man t^nen öletmel^r 
ble aSefugnlg ju einer })ofittoen SlnU)lrlung auf ble 8el^r* 
t^tlgfelt ber ftlrd^en beilegen fann, fo unentbel^rlld^ tft l^nen 
ba^ dted^t, fle ju äbem>ad^en unb etu>algen (Singriffen In bie 
9led^te bed ©taatd ober In ble flttdd^e Orbnung entgegen^ 
jutrcten. 



11. 

ffia« oon ber Seigre gltt, giß aud^ öon beut j^uftud. 
3n mi6ftn formen eine 9ie(lglondgefet[fd^aft ble ®ottl^eit 
berel^ren, burd^ tocfd^e SÖHttel fle ba« ©ebürfnlg gemcfat^ 
famer (grbauung für ll^re ängel^örlgen bcfrleblgen tolß, ba« 
muB junäd^ l^r fclbft überkffcn toerbcn, unb ber ©toot 
]^t l^r barüber leinerlel |)ofltte gebletcnbe Sorfd^rlft ju er^ 
tffeiten. Slbcr unbeblngt fann er auf ba« JRed^t, in bie 
Rrd^ßd^en ängetegenl^clten elnjugrelfen, aud^ In ©ad^en be« 



2)ec StülM. - 99 

^ultttd ntd^t k)eT}td^ten. üDenn einmal fönnen in einer 9Vi^ 
RgionÄgcfcßfti^aft über ben StnttvL^ ebenfo, tote über bie itf)n^ 
^trcitigfctten «nb @^)attungen entftel^cn, bon benett nid^t 
Ito^ bie lird^llij^e ©teöung, fonbcrn öud^ bie SermiJgettits 
redete unb bie bürgcrlid^c Si^re il^rer STOltgßeber Berfil^rt 
»erben; unb fo toeit biefe« bcr gatt ift fann bie Cntfci^els 
bung nur bcm @taat, aW bcm aügcmeinen ^ort ber ^t(fyt9^ 
orbnung, juftel^en. ffir tt>irb in biefem gaü aßerbing« nic^t 
barüber urtl^eHen Knncn, toefd^cr ber ftreitenben Steife bfe 
<8ott^eit auf bie il^r tool^Igefäßigere ©eife ber^l^rt; oud^ 
nid^t barüber, toeld^er bon i^nen bie Ueberfieferung feiner 
Äird^e; bie Huftorität il^rer l^eifigen ©d^riften, ben @eift 
il^rer ®(aubcn«toeife flir fid^ l^at; benn aüe^ biefe^ finb 
t^eologifd^e S^^agcn. »cld^e ben ^taat aW fold^en nid^td an^^ 
gelten , ju bereu (Sntfd^eibung er loeber bie öefugnift nod^ 
bie geeigneten Organe befifet. Aber fofern burd^ ©treitig* 
feiten Aber ben ftuitu« SRafregeln ber ürd^lld^en 3urt«bit!=» 
tion ^erborgerufen toorben finb, barf er bencn, toeld^e fid^ 
burd^ biefelben in il^ren bfirgcrlid^en Siedeten befd^toert glauben, 
ben ©cf^ufe feiner Oefefee unb ©ertd^te nid^t entjiel^en; mag 
er fid^ bal^er auci^ auf ba« ÜÄateriefle jener ©treitigfeiten 
nod^ fo »entg eintaffen, fo faßcn biefelben bod^ nad^ il^rer 
formet! red^ttid^en ©eite unter feine Sognition, unb ba biefe 
fetbft fid^ ol^ne aüe SRütf fid^t auf bie materiellen ©trettj^unfte 
nid^t fetten 'gar nld^t ertcbtgen täf t, fo ift i^m jene abfotute 
@tetd^gütttg!ctt gegen fragen be« ^ttu«, toetd^e man lool^I 
bon il^m bertangt l^at, fd^on baburd^ unmögtid^ gemad^t. 

Slttd^ ber Äuttu« fann aber femer trofe feiner retigiöfen 
^bjtoedfung ©eftanbtl^eite cntl^atten, gegen roetd^c ber ©taot 
bcm fitttid^en unb ^)clitifd^en ©tanbjjunft a\\^ emjufd^reiten 
bcrantagt ift. 3n rolleren JRetigionen finb oft grobe Unfitt^^ 
(tc^feiten unb 33crbred^en, Unjud^t, SWenfd^enojjfer, ©etbft* 

7* 



100 S)er ^{m. 

morb, ©dbftöcrftüntmtung, «cftanbtl^cifc be« Äuitu«. 216er 
aud^ in fold^cn, bic i^r gciftigcrcr Sl^araftcr babor tfätte 
fd^üfecn foticn, finb gottc^btcnftüd^c äftc nur ju oft benüfet 
töorbcn, um beut SSoIfe SBunbcr üorjugaufdn, feiner Seid^t^ 
flläubiglcit ®elb abjufd^toittbela; SBattf alerten, froceffioncn 
unb genteinfamc Slnbad^ten finb nur ju oft ein 9lnfa6 ju 
griebenöftörung / ©etoalttl^ättgleiten unb mand^erlei Unfug, 
gctoorben. SBenn ber ©taat l^ier eingreift, um Unorbnungen 
unb SKiPräud^c ju berl^üten, tl^ut er nur, loa« feine« Slmtc«» 
ift, unb e« ift eine eigentl^ümlid^e 3w»^wt^wng, loenn man 
»on ii^m verlangt, ba§ ex ba«, loa« er außer SSerbinbung 
mit bem Auf tu« al« eine SSerle^ung ber ®efe^e unb ber 
öffentlichen Drbnung beftrafen unb oerl^inbern mü^t^, befe* 
l^alb bufben foüe, »eil e« fid^ unter bem ÜÄantel ber SRc=^ 
ligion birgt; ba e« ja baburdö gerabe nur um fo ftrafbarcv 
unb gefäl^rüd^er tt)irb. Slnbererjeit« bietet aber ber Äuitu« 
benen, loefd^e bie S!uftu«]^anblungen boltjicl^cn, bie günftigftc 
©elegenl^cit ju ^jotitifd^cr unb focialer Slgitation ; unb e« bc= 
barf !aum ber ©emerfung, in »eld^em Umfang unb mit 
loelc^em (Srfotge biefe Oelegenl^eit in aUtn JReltgionen unb 
in aßen ^zittn bi« auf bie Oegenloart l^erab oon ^rieftern 
unb religiöfen iDemagogen benü^t loorben ift. üDte 0<)fcr 
unb bie Dra|e(, bie SBaßf alerten unb ®eUtt, bie ^rebigt 
unb ber Scid^tftul^I , fic aöe l^aben unjäl^Iigemafe ben $ar* 
tl^eien at« bie loirffamften ÜÄtttel jur Sefeftigung il^rcr 
^errfd^aft gebient; unb ob l^iebei ein gärft oon feinem 
Seid^toater ober eine SBäl^terfd^aft bon il^rem Pfarrer bc:^ 
i^crrfd^t loirb, ob ba« 9Soß in ©äl^rung gerätl^, loeit ba^ 
l^crfömmlid^e SBunber am geft be« ^eiligen au«bfeibt, ober 
»eil ein fanatifd^er ^Jrebiger il^m bie ÜÄafregefn ber yic^ 
gierung in einem falfd^en 8id^t jeigt, mad^t in ber ®aä^t 
felbft leinen Unterfd^ieb. Unb gerabe baburd^, baß bie fiufc 



S)er jtuttud. 101 

tu^aftc für fie Bcnüljt toerbcn, untcrfd^cibet fld^ bicfc tvcäf- 
lid^e Stgitation bon teber anbern* SD^an {ann ed leinem 
<Stnjc(nctt unb Iciner ^artl^et t^zxtoe^xtn , für il^re Slnfid^t 
mit aßen gefctjHd^ guIäBifl^n SRittcIn Äiil^ängcr ju toerbcn; 
man lann il^nen anäf nxäft berbieten, tl^re ®ac^e atö bie 
@ad^e ®ottc6, bic Utttcrftüfeifitg bcrfctfccti atö eine rdtgiöfe 
IßfKd^t batjitftettcn. @o lange bieg nur bon ^ribat(>erfonen 
unb in augeramtlid^er Seife gefd^iel^t, liegt barin nic^t mel^r^ 
«fe bie 5leu|erung einer ^ribatanfid^t , bie ebenfobiel {Red^t 
l^at, fid^ geltenb jn mad^en, n>ie jebe anbere: toer nid^t mit 
il^r einberftanben ift, ber lann il^r auf gteid^em Soben ent? 
gegentreten, fie mit gteid^en SBaffcn Bel8m<)fen. Hubert 
berl^ält e« fid^ mit einer 9lgitation, ju toetd^er bie gotteds 
bienftlid^en §anb(nttgen ber Äirdf^e bcntt^t toerben. SBad 
ber ^rebiger auf ber Saniel, ber ^riefter im ©eid^tftul^l 
fagt ba« fagt er nid^t M ^ribatmann, fonbern atö Diener 
ber Äird^e/ atö Organ ber Ootti^eit; er fagt e^ mit ber 
9luftorität, tocld^e in ben äugen be« SSoKe« an biefe ©tef:: 
lung gelniipft ift; er fagt e^ unter Umftänben, toeld^e feinen 
©orten eine befonbere Äraft geben, unter bcnen man bon 
il^m bie SSerlünbigung einer unjtoeifeC^aften, auf götttid^er 
Offenbarung berul^enben SäSal^rl^cit erwartet', feinen ^ati)^ 
fd^fägen unb ßrmai^nungen ein mel^r atö getoöl^ntie^e« aSer^ 
trauen entgegenbringt. !J)a§ aber ber S^ird^enbiener biefe 
3[u!toritfit l^at, ba^ l^at er toefentüd^ feiner bom ©taat an- 
erfannten unb begünftigten amttid^en ©teüung ju bauten. 
!J)ag fid^ il^m jur ©ettenbmad^ung feinet ©nfluffe« ©elegep 
l^eit barbietet, ift toefentfid^ bebingt burd^ bie ©efefee, »eld^e 
bie gotteöbienftfid^en SSerfammlungcn gegen ©törungen, ben 
^rebiger gegen Unterbred^ung , bad Seid^tgel^eimnig gegen 
SSerle^ung fid^erfteüen : toenn bie Äird^e unb il^re ^Beamten 
bom Staat nid^t anerfannt, il^re amtßd^e S^ätigleit nid^t 



V» 



Ibtx JtttttU«. 



g^fi^^t Jtt>fire, tütnn fte für il^re Sßirtfamlett attdfd^neglid^ 
^f He mtttt etiter (logen ^rtoatgefeafd^aft befd^r&nlt 
»Sren, l^itten il^te XBorte nid^t bte Sßirlting unb ben Sin« 
fug, bie fte ie^t ifaitn. S)er ®taat ift unftrettig befugt^ 
)lt bnrfongen, bag bie ©teQung, bie er ben ^Dienern ber 
Sird^e aiUDeift, ber ®d^u$, ben er il^ren gotte^bienftlid^eti 
$<mb(ttngen gen>fi]^rt, nid^t jn anberen B^^en benfi^t merbe^ 
a(^ biejenigen, moffir fie getoSl^rt finb^ bag fie am toenisften 
p ateci^tdberlelungen ober jn Eingriffen auf ben ®taat unb 
feine Drbnung gemigbraud^t toerben. SEBenn er bie ^rd^ atö 
fe£&ftänbige®efe((fd^aft anerlennt unb il^r bie 9?ed^te einer öfffnt^ 
tid^en ftor^^oration berleil^t fo tl^ut er bieg unter ber SSoraud^ 
f^ung, unb er barf ed nur unter ber aSoraudfefeung tl^un^ 
bag fie leine anbem ^t3i>tdt berfolge, aü bie i^m belannten 
unb in il^rer Slufgabe Hegenben religiöfcn. Sbenbaniit ift 
er aber' oud^ bered^tigt, barfiber ju u>ad^en^ bag biefe Sdts 
ttogung bon ber Sird^e unb ber ©eiftßd^Ieit nid^t berieft 
»erbe. ©oCten fid^ boöenb« bie ©icner einer Äird^e ber 
ftuttu^]^anb(ungen (gl^renlränlungen gegen ^erfonen ober Sdti^ 
l^ürben^ ©d^m&^ung unb äluf^e^ung gegen Sinberdglaubenbe^ 
beleibigenbe SludfälKe gegen bie ®taatdgetpalt aufu>ieg(erifd^en: 
2^abe( ber ®efe^e^ äberl^au|>t fo(d^e S)inge erlauben, loeld^e 
an unb für fid^ fd^on ftrafbar finb, unb in einer öff ent^ 
(id^en SSerfamnttung, unter ber bo))))etten Sultorität ber dit^ 
Hgion unb ber anttlid^en ©teUung begangen, bieg nod^ ntel^r 
»erben, fo ift e« ganj in ber Orbnung, tocnn biefer SKigj^ 
braud^ eined öffentßd^en ^mted unb einer l^eiligen ^anblung 
toegen feiner größeren ®ef%ßd^f eit aud^ mit fd^U)ereren ®tra^ 
fen belegt loirb. Sin ®eiftßd^er Ibat einmal einen anbem S^a« 
rafter al« ein focialiftifd^cr {Reife»)rebiger, toa« in ber Äird^e 
gef^rod^n tt>irb, l^at eine anbere aiultorität, afö ein 93or^ 
Irag in einem beliebigen gemietl^eten Solal; bieAird^e finbet 



r 



^ie 5tit(^et«Hifaffutt9. 103 

ce ft6äf\t ttottttlid^, t>a% bem fo ift, unb fic loürbe fid^ fc^r 
ttttangenel^tn enttflufd^t flnbnt, tt>enn ber @taat aUe bte (Stn^ 
rid^tmtgen unb SD^agregebt iurüdjöge, )oe((!^e biefer xf)xtt 
©tettung fo tocfcntlld^en SSorf d^ub leiftcn unb fic in einem 
guten Z^tiU bebingen. 92un gut; bann möge fie fid^ aber 
anäf ertnnem^ baf jieber Sered^tigung eine 93er))flid^tung 
cnt^ptidft, unb bag ber @Utat niemanb^ n>er ed aud^ fei, 
SJorred^te getofil^ren fann, oftnt gtcid^jcitig bafttr ju forgen, 
ha% biefetben nid^t gegen il^n fetbft, gegen bte i^ffentlid^en 
Sntereffen unb bic öffentlid^e »ed^Worbnung gefeiert tocrben. 



12. 

3u i^ren inneren Angelegenheiten ^jflegen bie Äird^en 
neben ber Seigre unb bem ßultud afö ein britted $au))tftiid( 
ifyre S5erfaffung ju red^nen, unb e« laffen fid^ bafür getoi§ 
fcl^r er^ebßd^e ®rünbe beibringen. 3ebe ©efeflfd^aft, lann 
mm fageU/ i^at bad natürßd^e ^t<fft, über bie ^T^ittel unb 
bie Organe, bereu fie fid^ für ii^re ^xotäz bebienen toiU, 
fefbftänbig ju entfd^eiben; eine {Retigiondgefeöfd^aft fann fid^ 
biefed Siecht nm fo »eniger berfümmern laffen, ie enger ber 
3ttfammen^ang ift, in bem ii^re SSerfaffnng mit ii^rem 
ganjen religiiSfen Seben unb il^rem 3)ogma fielet. ®efe^t 
i* ». eine JReligiondgefcüfd^aft fei be« (Staubend, ba§ il^r 
^rieftert^m bon ber ©ott^eit fetbft geftiftet ift; fie ^aU 
©ifd^öfe, in benen fic bie ©etoal^rer unb Sludleger ii^rer 
Srabition, bie bon ®ott eingefe^ten, mit ber 9?egierung unb 
ber Oerid^ttbarfeit über il^re iDiöcefen beboümäd^tigten Or- 
gane ber ® ottl^eit berel^rt ; fie l^abe ein Ober]^au))t, bon bem 



^ 



104 ^e jüt^enveifafTung. 

fie ä6er}eugt ift, ba§ il^m ade il^re 3Rttg(teber unbebtngt )tt 
gel^orti^en, feine ä[uef))rüd|^e ebenfo berettmiaig, tDte toenn fie 
ttnmittdbar au« bent äßunb ®ottc« lämeu, ol^ne 3toelfcl 
ttttb SBiberrebe atö unfel^Ibare SBal^rl^eiten anjunei^tnen bei 
SSeriuft il^rer ©cßgfeit bcr^)f[td^tet feien: l^ie§e e« nid^t einer 
fofd^en SReligion^gefeflfc^aft an'« $)erj greifen, fie in il^ren 
tl^enerften Ueberjengnngen beriefen, toenn man i^r berbieten 
tpoQte, fici^ bie 93erfaffung jn geben, n^eld^e biefem il^rem 
©lauben entfprid^t? n>enn tV(ü^ ber®taat berlangen tDottte, 
bag ber äJerfel^r mit ben fird^lid^en Oberen nnter feiner 
änffid^t ftel^e, bag bie @r(affe be« Äird^enober]^an^)t« nur 
bann atö berbinblid^ onerlannt nnb befolgt toerben, ioenn er 
fie genel^migt l^at, ober tocnn er ben einjetnen ©eifttld^ett 
unb ben ©enteinben eine 3D?ittoirlung bei ber fird^tid^ett 
®efe|gebnng unb SSerioaltung einräumen toottte, ioetd^e bie 
aSerfaffung ber Äird^c auöf daliegt? 3fl^re aSerfaffung«ein- 
rid^tungen finb eine ©ad^c, loetd^e bie ftird^e lebiglid^ mit 
fid^ felbft unb il^ren aWitgliebern ab^umad^en l^at; ber @taat 
]^at e« in feinen ©ejiel^ungen jur Sird^e mit i^r nur ate 
©anjem ju tl^un; bie innere Organifatlon biefe« ©anjeti 
gel^t il^n nid^t« an, tt>enn nur fein SJerl^atten gegen ben 
©taat ju Älagen feinen ®runb giebt. 

Aber fo fd^cinbar bie§ lautet, fo ift e« bod^ nur bie 
eine Seite ber @ad^e. , S)ie S^ird^en loerben l^ier toie reine 
^ribatgefeüfd^aften bel^anbelt, in bereu SSerfaffung unb SSer* 
Haltung ber ©taat fid^ einjumifc^en leinSRed^t l^abe. ©elbft 
loenn fie bie^ ioären, toflrben nun freilid^ bie änf|)rüd^c, 
bie für fie erl^oben toerben, nod^ immer ju U)eit gelten. 
35enn aud^ ^ribatgefcOfd^aften !ann ein ©taat nid^t jene 
unbebingte Autonomie jugeftel^en, bie bon einjelnen JReti* 
gionögefeöfd^often l^eutjutage beriangt toirb. ©elbft »cnn 
eine ©efeflf^aft gar leine Slnf))rild^e an ii^n mad^t, toenn 



r 



^ie 5tic(^t>erfa{Tung. 105 

fie ttid^t citttnal bie Slncvlcnnung ii^rcr rcd^tfid^cn ?cr^ 
fönlid^lcit öon ifixa bcgel^rt, jriuf er bod^ bcriangen, ba^ fic 
bicjienigen ©eblngungcn erftittc, fcic er aud^ feigen einer $rU 
i^atgefelKfc^aft auferlegen mnf , um fie auf feinem ©ebiete 
bulben ju lönnen. !Der ®taat brandet aüerbingd nid^t ju 
fütbern, ba^ äffe SSereine unb ©efeüfd^aften , »e(d^e^ aud^ 
il^re ^ti^de unb il^r Umfang fein mögen, bei feinen Sdt^ 
l^örben angemelbet toerben, fonbern er toirb fic^ mit biefcr 
t^ürberung auf fold^e ®efefff(^aften bef darauf en fönnen, bie 
fid^ afö })ofitifd^e SSereinc ein beftimmte^ Singreifen in bie 
öffenüid^en ängctegenl^eiten jum ^totd fefeen. 5lber bad 
töirb er »erlangen muffen, ba^ in feinem ©ebiete feine Oe« 
fcfffd^aft efiftire, totiäft au^brüdflid^ barauf au^gel^t, fid^ ber 
Scnntni§ ber Sel^örbcn ju entjiel^en; er toirb fofd^e ©cfeö:^ 
fd^aften, bie benfelben eine toal^rl^eitdgemäge 3lu«funft über 
i^re Si'^tdt, U)xt Sinrid^tungen unb ii^re 2WitgIieber ber^^ 
löeigern ober biefetben burd^ fatfd^e 9lngaben l^ierüber p 
täufd^en berfud^en, mit Sincm SBort: gel^eime ©efell* 
fd^aften in feinem ®d^o§e nid^t butben, er toirb fid^ nid^t 
ber ©efal^r au^fe^en bürfen, ba6 fid^ unter bem ©d^utj be^ 
©el^eimniffeö ^Bereinigungen für gefe^toibrige ^tozdz bilben. 
SÄag er ferner nodf fo toeit babon entfernt fein, bie ^tu 
Iftit feiner ängel^örigen ol^ne SRot)^ ju befd^ränlen, mag er 
eö tnfofem jebem anl^eimfteffen, jeben erlaubten 3^^* ^^^^ 
bloß aM eigenem eintrieb, fonbern aud^ einem frcmben SBiüen 
jttliebe ju berfotgen, fo fann er bod^ nid^t geftattcn, ba§ 
feine Untertl^anen fid^ einem fremben SBiffen, borübergel^enb 
ober für immer, unbebingt unterioerfen. !Denn biefe 
unbebingte Unterwerfung toürbe fie ber^)fi(id^ten , andf unge:^ 
fe^tid^en fflef eitlen il^rer Oberen ju gel^ord^en, gefe^Iid^en 
öcfel^ten ber bürgertid^en Obrigfeit unter Umftänben ben 
©el^orfamju ber^eigern; unb fie toürbe ed i^nen unmögüd^ 



^ 



106 S)te JhrAent^eifaffung. 

rmäfcn, ii^re bärgerlici^en ^fli^tm in f deinen ^SXizn, in 
benen Don il^nen ein $anbe(n aud eigener Ueberjengnng er« 
iDartet toirb, ). 8. aU Saldier, @ef(i^n>orene ober dUd^Ut, 
in erffiOen. 3)er @taat ift begl^alb gan} in feinem Siedete, 
toenn er bie Stl^eilnal^me an 93erbinbnngen berbietet, bie il^re 
SDtttgtieber )u nnfiebingtem ©el^orfam ber))fli(i^ten. SBären 
bal^er bie fiird^cn aud^ blofe ^ribatgcfeflfd^aftcn, fo l^ättc 
ber ®taat nod^ ®runb genug, [id^ um il^re Serfaffung m 
belämmern unb fie nad^ ben allgemeinen ©runbfüten ber 
9(ufftd^t über 93ereine }u fibertoad^en. 

aber fie finb teine b(o§en ^ribatgef eöfd^aften ; fie finb 
öffentlid^e, bom @taat anertannte ftor))orationen. ^nerlanitt 
^nb fie aber in ber Serfaffung, bie fie l^atten^ afö fie in 
ben ®taat eintraten, ober bie fie in ber golge unter 3^* 
ftimmung bed @taated erl^ielten. Sßenn fid^ irgenb me neue 
reßgiöfe ©efettfd^aft innerl^atb bc« ©taat« bilbet unb feine 
änerf ennung nad^fud^t, f o loirb i^r biefe nur auf ®runb ber 
(Statuten ertl^eiU, n)e(d^e fie ber ©taatdbel^örbe borge(egt l^at ; 
miQ fie an biefen Statuten ettoad ünbern, fo l^at fie baju 
bie ©enel^migung ber 9iegierung eiuiul^olen, benn biefe tt^ 
ftimmte, bom @taat anerkannte ©efedfd^aft ift fie nur burd^ 
biefe il^re SScrfaffung; ob eine SSeränberung berfelben für 
ben @taat nici^t ein ®runb ift, ii^r feine 2(nerfenuung )tt 
entjiel^en, barüber l^at nur er felbft ju cntfd^eiben. SRid^t 
anberd berl^&It ed fid^ aud^ mit f old^en ©efeUfd^aften, tottäft 
JH<Sf in einem @taate nid^t neu gebUbet l^aben, fonbem bei 
feiner @ntftel^ung ober bei ber (Sinberleibung eined feiner 
Sanbedtl^eife auf feinem @ebiet fd^on beftanben. @r i^t fie 
in berjenigen SSerfaffung in fic!^ aufgenommen, in ber er 
Pe borfanb, ju Jeber SSeränberung biefer SSerfaffung ti>ar 
unb ift feine B^flit^^i^S erforberlid^. ^Denn fo loenig er 
anäf, tt>enn einmat bad @^ftem bed ©taatdtird^entl^umd auf« 



r 

I 



gcgcfccn ift, itt bie tnncrn SSctl^äftttiffc bcr ftird^cn afö f otci^e 

fid^ eittpsiifci^en nod^ ein 9le(i^t ffat, fo unbeftreitbar tft er 

befugt, nad^ eigenem (Smteffen ju beftimtnen, ob er ftott 

ber Sötff'6xt>en, toelci^e er bidl^er afö bie gefe^(i(i^en SSertretet 

einer JUeligion^gefefifd^ft anerfannt tiat, in 3"^»^«!^ anbere^ 

bieOcid^t auf einer ganj nenen ©runblage gebifbete unb mit 

tpefcntfid^ beränberten ©efugniffen au«gcftattete, in ber gtei^ 

äftn ©teöung ancrfennen toiU, ob er bie {Redete, toeld^e er 

einer {Religtondgefeßfd^aft unter beflimmten SSorauöfe^ungen 

eingeräumt ffat, unberänbert fortbauern faffen toiß, nad^bem 

bie ©efcßfd^aft burd^ eine Slenberung il^rer SSerfaffung jene 

aSorau^fe^ungeu mobificirt, bießeid^t in l^öd^ft toefenttid^en 

fünften mobiflcirt i^at 3n biefer Sage beflnbcn fid^ bie^^ 

Staaten im gegenwärtigen %ugenb(id( ber römifd^en Sird^e 

gegenüber. !Durd^ bie batilanifd^en öefd^füffe ift in ber 

aSerfaffung biefer Äird^c eine fo toefentlid^e SSeränberung 

borgenommen toorbcn, ba§ bie Staaten aütn ®runb l^aben, 

fid^ über bie i^olgen 9ied^enfd^aft abzulegen, toeld^e fid^ aud 

biefer aSeränberung für il^re eigene ©teßung ju berfelben 

ergeben muffen; unb toenn freißd^ baran ber SRatur ber 

@ad^€ nad^ nid^t gebadet n^erben fann, ba§ fie il^r begl^alb 

bie ftaattid^e 2(nerlennung entjiel^en, fo lägt fid^ bod^ ber 

gorberung um fo toenlger au«tt>eid^en, bag fie i^re fird^en=» 

t)oßtifd^e ©efe^gebung ber beränberten Sage an^ffen, toeld^e 

nid^t t)on il^nen, fonbern o^ne il^re ä^^^ttu unb il^re 3"^ 

ftimmung bon ber Äird^e gefd^ffen Sorben i% ba§ fie aße^ 

tl^un, toa^ nöt^ig ift, um ben ©efal^ren borjubeugen, bie bem 

©taatötool^I unb bem öffentlid^en tjrieben au« biefer Sage 

erU)ad^fen fönnen« ^er Staat erlaubt fid^ in biefem f^aß 

leinen (Singriff in bie innem Slngetegeni^citen ber Sird^e ; er 

gebietet il^r nid^t, fid^ beftimmte Sinrid^tungen }u geben, er 

berbietet il^r nid^t einmat, fid^ foCd^e iu geben, bie er nad^« 



108 2)ie jlitcbenleitung. 

tl^etßg für fid^ fetbft finbet; er ^iel^t nur aM bem @d^ritte^ 
bcn [tc gctl^an ^at, offnt üfn ju fragen, für feine ®cfeV 
flebung bie ßonf equenjen , bie er fid^ fetbft unb bem öffent- 
lid^en 3ntereffe fc^utblg ju fein glaubt 



Slel^nlid^ berl^äft e« fici^ mit ber Äird^enleitung. 
SBcnn ber ©taat barauf berjid^tet, bie Sird^en att ©taat«^ 
anftalten ju bcl^anbcln, fo toirb er bie 35ertt>altung berfird^s 
Kd^en Slngelegenl^eiten il^nen fclbft übcrtaffen muffen, unb 
fid^ fclnerfeit« auf biejcnige Sluffid^t befd^ränfen, ju ber üfm 
bie red^tUd^c ©tcöung biefcr Sor})orationen unb il^re ©ebeu* 
tung für ba^ öffentlid^e itien ein JRed^t giebt aber biefe« 
äuffid^t^red^t fül^rt aüerbing« ettoa« weiter, ate biejenigen 
jugeben, toeld^e für bie Sird^en eine unbcfd^ränfte ©elbftres 
gievung in 9lnf^)rud^ ncl^men. S35oöen »ir aud^ bon aüen 
ben Sefugniffen abfeilen, bie einer {Regierung in lird^Iid^en 
Slngelegenl^eiten auf ®runb befonberer SSerträgc unb Sied^td^ 
tite(, j. SB. be« ^atronatred^t« , juftel^en fönnen, fo ift bod^ 
ba« toenigfte, n>a« iebem @taat ben {Retigiondgcfeßfd^aften 
(»ie aütn ©efeüfc^aften) gegenüber eingeräumt tt)erben mug, 
bad 9?ed^t, fie an einer ^^ütigleit )u berl^inbern, toeld^e ben 
©taot^gcfe^en toiberftreitet SBa« aber mit ben ©efcfeen in 
S35ibcrf^>rud^ fte^t, barüber mu^ ber ©taat fid^ felbft bie 
Sntfd^eibung borbel^atten, tocnn er nid^t gerabel^tn jum Unteres 
tl^an ber Äird^e werben foü; bcnn biefe toirb il^feit« na* 
tür(id^ nie }ugeben, ba§ eine il^rer SSerfügungen ungefe^ßd^ 
ober ungered^t fei, unb ed l^at nod^ nie- eine Slnmagung ber 



mm gegen fit(6Iid(e Ue5ergrtffe. 109 

l^ierard^ie ober eine Su^fcl^reitiing bed t$<^natidinud gegeben, 
für bte man \idf nxdft auf bic uubcriäl^tbaren ^zäftt bcr 
^rc^e. berufen, bte man nid^t mit bem 92amen ber t!ret^eit 
unb bed @efe^ed )u berbrämen getougt ffättt. 

©a« für SWittet foü nun aber ber ©taat ergreifen, 
um fid^ unb feine Slngel^örigen gegen Uebergrlffc ber Älrd^en* 
bel^örben ju fd^ü^en? 2)en abfotutcn ^Regierungen be« bo» 
rigen Sal^rl^unbertd toar bieg leidster ^tmadfi, ate unfern 
conftitutloneüen. @ie toarcn nid^t fo ftreng, »ie bicfe, an gc^ 
f c^Iid^e i^onnen gebunben, unb f onnten nötl^tgenfaß« aud^ o^nc 
®efefe unb gerid^ttid^eö SSerfal^ren nad^ ^>oIitifd^cr äöJedCmätigs 
feit borgel^en. ®ie j^atten eS femer nid^t blo^ bei bcr ^>ro« 
teftantifd^n ^ird^e mit einer bon il^nen ganj abl^ängtgen 
Sör}>erfd^aft, fonbem aud^ in ber fatl^olifd^en im aßgemeinen 
mit ^d^enbel^örben ju tl^un, toeld^e biel nad^giebiger , unb 
audf il^rerfeitd bon ben ©runbfäften ber äufflärung unb 
ber ©ulbfomleit biel tiefer berül^rt loarcn, al« bic l^eutigcu 
8Sorfäm^>fcr bcr römlfd^cn Sird&e* ÜDod^ fanben aud^ fiege= 
U)tffe (Einrid^tungen jur W>tütiix ber 9(udfd^reitungen ni^tl^ig, 
ju benen bie römifd^^^Iatl^oßfd^e ^ird^e unb t^re ^äwptex im^^ 
mcr geneigt koaren. üDie koid^tigften bon biefen Sinrid^tun^ 
gen UHtren ba^ $Iacet unb bie appellatio ababusu. ^eine 
p&p^iüäfe JBuUe unb {eine bifd^öflid^e SSerorbnung foHte ol^ne 
bie (anbe^l^crrlid^ ©enel^migung bertünbigt koerben ober 
®ültigfeit erlangen; unb anbercrfeitd bel^ielt fid^ ber ®taat 
bad fütdft bor, Jöefd^toerben gegen ben SJ^ipraud^ bergeift^ 
(id^en ®ttDalt anjunel^men unb ie nad^ Umftänben bagegen 
einjufd^reiten. $eut}utage ift bad $(acet faft aU:^zmm tl^eit^ 
audbrädßid^, U)ie in ^reugen unb ^Belgien, ti)dtö koenigften^ 
tl^atf&d^ßd^ aufgegeben, unb erft in ben legten dal^ren l^aben 
toir in einem beutfd^en ©taate, »o e« berfaffung«mä§ig nod^ 
befielet, baö untoürbige ©d^auf^>iel erlebt, ba^ bie batifani* 



110 ^vt Jtircftcnleitund. 

f^en Sonftittttionett Dott ber großen Wltift^oü^i ber ^fd^Sfe 
ül^ne lebe botg&ngige 3Bttt]^ei(ung on bie ©taat^egierung, 
t»on einem berfelben gegen il^r audbtüdßd^ed 93erb^t bertün^ 
bigt tt)urben, ol^ne bag bie ^Regierung biefe lir^Iid^en SBür^ 
benträger toegen einer f o greUen ©efe^edberle^nng jur {Red^en^ 
fti^aft }u sieben getoagt ober ni^tl^ig befunben l^Stte. ^te§ 
towc nun freilid^ eine beKagendipertl^e ®dftx>&dft, unb ond^ ha, 
too bad ^tacet auf gefe^ßd^em Sege befeitigt tourbe, toar ed 
eine unberlennbare Uebereilung^ bat ^^^ ^^^ bi^l^erige^ immer^ 
l^in nid^t unbraud^bore (Sinrid^tung f aOen (ie^, el^ man ftd^ nadf 
tmtrn (Srfa$ für biefelbe mngefel^en l^atte. %ber loenn jene 
€inrid^tung aud^ nid^t totxt^o^ für ben ©taat tt>ar, f o toax 
fie bod^ aUerbing^ in niel^r at^ (Siner ® ejiel^ung ungenügenb. 
€d toar ben ^ifd^dfen }ur ^flid^t gemad^t, folDol^t iffxt 
eigenen Sriaffe ald bie ))ä))ft(id^en iDetrete bor ber SSerfftn- 
bigung il^rer Stegierung }ur ©enel^migung borjulegen. Xttein 
fitr ben %ati, \>a% biefe^ ®ebot übertreten tourbe, fel^fte e9 
an jeber gefe^Ii^to ©traf bro^ung ^ burd^ bereu %ntt>enbttng 
eine Stegientng bemfelben iRad^brud berfd^affen tonnte. 3>te 
einzige ^olge ber fel^Ienben Stegierungdgenel^uiigung u>ar im 
ieften $afi bie bürgerlid^e Ungültigleit ber betreff enben lird^^ 
(td^en äSerfflgung. Sber n>enn fte ani^ bon ber Stegiermtg 
für ungültig ertlSrt tourbe, 1^5rte fle barum bod^ nid^t auf, 
bie (§kn)iffen ber lat^otifd^en Sebi^tferung }U bfnben, nad^^ 
bem fte einmal bon ber tird^ti^en ^ei^5rbe in anttßd^er $orm 
^ttbßcirt u>ar. ^Dagegen giebt ed aber freiß^ über]^u))t tein 
burd^greifenbe^ äOtittel, ba ^ä^ftfid^e 3)etrete, jnma( nad^ 
bem neueften lI)ogma, nid^t erft bon ben Sifd^öfen ))ubßcirt {u 
loerben brandneu, um bor bem lird^ß^en f^rum 3u gelten, foib 
bem an unb für ftd^ |eben berbinben, ber fie auf gfaubiofirbige 
Skif e lernten lernt. S5nnte bal^er aud^ eine 9tegierung burd^ 
bie Xnioenbung bed ^(acet i^re Sifd^i^fe an ber SSertünbigung 



r 



s>oi m<tt. 11t 

einer xffx ünattgenel^nten ^ä^ftttd^en Sntf^eibung l^tnbem, fo 
l^ätte fie hoäf bontit bte Sd^toterigleiteti , tozläft oud biefer 
Sntfd^etbttng für fie l^erborgel^en fönnen, noäf tange nid^t be^ 
feitigt 3)ad $(acet l^Qt aber aud^ tDirfttd^ eine @eite, bie 
nn^ abfti^gt ®el6fc ^rSbentiDmofregeln liegen ni^t int ®d^ 
nnferer 3^tt; n)ie nnd ein ©trafgefe^ gegen $re§t>erge]^en lieber 
ift, o(d bie (Senfnr, fo geben tt>ir auäf gnr ^(btpel^r Ihrd^ßd^er 
Uebergriffe ber Ste^reffion bor ber ^rSbention ben 93or)ng. 
Sd toiberftrebt unfern ^Begriffen bon ber bered^tigten ^eil^it 
rettgiöfer ^eQfd^aften ^ ba^ eine ^rd^enbel^ihibe für il^re 
Xmtdl^anbtungen bie ©enel^migung ber Stegierung au^ in 
bem Saß einl^oten foQe^ tt>o fid^ biefe ^anblnngen audfd^ße^ 
lid^ auf bie innem Stngelegenl^eiten ber betreffenben Sleßgiond^ 
gefettfd^aft be^iel^en. Unb bod^ gel^t ed ni^t kool^I on, ba^ 
$(acet, toenn ntan ed einntat üittffcaapt ^at, mit einigen 
neueren beutfd^en ®efe^ebungen auf biejientgen fird^ttd^n 
dhrlaffe }u befd^rfinlen, tottäft in bie bürgerßd^en ^ttffSÜ^ 
niffe eingreifen. 3)enn totx foQ borfommenben ^aU^ t^ 
fd^eiben, ob biefe SSorau^fe^ung Snkoenbung flnbet? 3>ie 
^rd^enbel^i^rben toerten bon aOen il^ren 93erfügungen be^ 
l^au^ten^ baf biefelben rein lird^Ud^er iRatur feien, unbtoer^ 
ben fie berlflnbigen ol^ne bie ftaatfid^e '©enel^migung nod^« 
Sufttd^en; erffärt bann ber ®ia^t wxäf nad^trfigßd^ , ba^ fie 
bantit Unred^t getl^an l^aben, fo lägt fid^ bie ^^iift bod^ 
nid^t ntel^r rüdtg&ngig mad^en, unb and^ n)enn gegen fold^e 
unbefugte ^ubßlationen ein @trafgefe^ ejdftirte, tt)ürbe fld^ 
tod^ ben ^trd^nbeämten bie SLbfi^t einer ®efe^e9ber{e^ttng 
fo gut U)ie gar nie betoeifen laffen. @m>ägen toir boßenbd, 
loie fd^toer ed ift, ein 9ted^t, toie bad be^ $(acet, n)ieber^ 
l^iufteQen, nad^bent man ed einmal aufgegeben l^at, fo 
n)erben n>ir un^ ber Ueber}eugung nid^t berfd^Uefen lönnen, 
ba| ber @taat fid^ nad(! anberen SD^tteln umfeben mu|. 



112 5Die ^iT(6enleitun9. 

ittn bic Älrd^cnbcl^örbcn an (gingrlffen in feine dttäft^^pffäxt 
ju l^inbern. 

(Sin fold^ed 9Rttte( toax nun bie %)))>eQaticn gegen ben 
m^hxdnöf ber geiftlid^cn Oetoatt, tocld^e fd^on int ÜRittcfc 
alter nid^t feiten borlontmt, unb in f^tanfreid^ feit bcm 16tctt 
Sal^tl^nnbert fid^ ju einer für btefe6 8anb fel^r ti>id^tigcn 
(Sinrid^tung be^ i^ffentlid^en ^e^t^ enttoidelte. S)er appel 
comme d'abus ipar l^ter eine furd^tbare Sßaffe in ber $anb 
ber Parlamente, bie fid^ berfeCben mit 9lad^brudf bebienten^ 
um nid^t allein Uebergriffe ber Äird^e in baö bfirgerßd^c 
ünb <>ontifd^e ®ebiet gurfldCjntoeifen , fonbem aud^ über bie 
Rrd^Iic^e ®erid^t«barfeit unb $Di«cit>an eine für bie «irc^en^: 
bel^örben fel^r brüdfenbe äuffid^t au«juüben. @eit ber ^t^ 
t)cIution ^ai aber biefe ßinrid^tung aud^ in granlreid^ il^rc 
i93ebeutung gro^entl^eite ber(oren. dn anberen SSnbern, unb 
fo namentttd^ aud^ in STieutfd^Ianb , l^atte fie fld^ gtoixr nid^t 
fo beftimmt au«gebilbet, toie in f^anfreid^, bod^ toar u>€* 
nigftend in allen ben ^ätlen, iDo bie lird^ßd^e ®en>alt in 
bfirgerlid^e SSerl^fiftniffe eingriff, bie öefugni^ be« ©taot^^ 
il^re öefd^Ififfe ju reformiren unb bie ffioüjiel^ttng berfelbeu 
JU berl^inbern, anertannt, unb fie tourbe borlommenben SaQ^ 
aud^ in Slntoenbung gebrad^t; erft feit 1848 ift mit ber in^ 
nel^menben (Smanci))ation ber fiird^en andf biefed ftaattid^e 
{Red^t mel^r unb me^r in Abgang gelommen. Sbenbamitift 
aber in unferem l^euttgen ®taatdlird^enred^t eine Sude ent:? 
ftanben, bereu 3Cu«fütfung eine bringenbe Aufgabe ber ©efe^* 
gebung ift de freier ber &taat bie fiird^engetDatt fid^ auf 
il^rem ®ebiete belegen lä^t, jie boöftänbiger er auf bie ^ä* 
t>entit>ma§rege( be^ $(acet berjid^tet, um fo u>eniger ISft fid^ 
bie f^orberung abtoeifen, ba^ il^m bad ®efe^ bie SO'^ittel au 
bie {^anb gebe, vm fid^ felbft unb feine Untertl^aneu gegen 
eine Sudbel^nung ber {ird^Iid^eu ®ett)a(t auf bie bürgerß^en 



^ie ftppellatio ab abusu. 113 

»ed^te unb Serl^ältittffe ju fd^ü^en. (Sin.aßittel ^iep tft 

e« ttun immcrl^ln, tocnn bcr Staat Ilrci^nd^e ©crfügungctt, 

bte fid^ bcrarttgc Uebergrtffc erlauben, für bttrgerlid^ ungüfc 

ttg eröärt; er betoirft baburd^, baß fie bor feinem gorum 

aU niäft efiftirenb betrad^tet toerben, ba§ feine SSel^örben 

feine red^tlid^en folgen barau^ abfeiten, ju il^rer SSofijie^ung 

feine $ülfc feiften bürfen. «Bein biefe« SÄittel fann für 

.fid& allein nid^t au^reid^en. ©ie Älrd^enbel^iJrben l^aben na* 

mentlid^ in ber fatl^olifd^en Äird^e mit il^rer l^ierard^ifd^cn 

SSerfaffung nnb ij^rer geiftlid^en 3uri«biftion eine fo bebe«^ 

tenbe aWad^t in ^änben, baf fie bei einem großen 2:^eife 

bc« aSoHeö, unb bei ber OeiftHd^feit faft unbebingt, burd^ 

lird^Iid^e ÜÄittel ben ®e^orfani gegen ©efel^tc erjtoingen fiJn^ 

. neu, jtt beten SSotfjiel^ung bic bürgerttd^e ©el^örbe i^re ©ei- 

I^filfe öcrfagt @ofl ber ©taat unb foflen bie Sinjelnen ge^ 

gen Uebergriffe ber Äird^engetoalt toirftid^ gef d^üfet fein, fo 

genügt e^ nid^t, bag ber Staat biefen Uebergriffen feinen 

SSorfd^ub (eiftet, fonbern er mu| fie burd^ eine j)ofitioe ®c^ 

gentoirfung jurüdtbrängcn. @r mug jeben SJerfud^ be^ Äir- 

d^enregiment^ unb feiner Organe, fird^Hd^e ®erfttgungen, 

bie er toegen il^re^ Eingreifend in bürgerlid^e SSerl^äftniffe 

für ungültig erffärt l^at, tro^bem burd^jufe^en, mit ©träfe 

belegen, unb niJtl^igenfaßd bie ^erfonen, toeld^e il^r fird^Iid^e^ 

Slmt JU fold^en Uebergriffen mißbraud^en, beffetben berluftig. 

erftären, il^nen aüe mit i^m berfnü))f ten iöejüge, SSortl^eile 

unb Sl^renred^te entitel^en, jeben SSerfud^, e^ ferner au«ju* 

üben, nad^brüdKid^ beftrafen. Unb bamit aud^ ben Ueber^? 

griffen au«toärtiger , ber ©trafgetoalt eine« Staat« nid^t 

unterworfener fiird^enbel^örben gefteuert toerbe, mug bcr 

©runbfaft burd^gefül^rt toerben, ba§ jeber inlänbifd^e Äird^en« 

Beamte für feine ^anblungen bie bofle SSeranttoortlid^felt 

trägt, unb bie ©efel^Ie au^tofirtigcr Oberen im fJaH einer 

8 



114 S)ie Jtirc^en^u^t. 

®efe^c«t)crie^ung toeber eine (Sntfd^utbigutig tiod^ einen @trof= 
nttteeruna^grunb abgeben. S«, muß bieg ober natfirtici^ 
auf ®runb beftintntter ®efe^e «nb int georbneten JRed^td- 
terfal^ren gefd^el^en. Se mug bal^er and^ burd^ bae ®efc§ 
ble ©taat^bel^ötbe beseid^net njcrben, toeld^e bie fird^Iid^en 
Verfügungen auf i^re Ueberelnftimmung mit ben ©taat^ge^ 
f efeen ju jjrüfen unb ebentueß t^rc SSoBjie^ung in toerl^inbern 
^a% bamit enblid^ biefe Sel^örbe il^rer 5lufgabe nad^fommen 
fönne, ift bon ben bt^l^erigen Sinrid^tungen toenigften^ bieg 
beijube^Iten, bag ber ©taat^regierung bon aßen allgemeinen 
Verfügungen ber Sirc^enbel^örben amtlid^e SWittl^eilung ju 
mad^en ift. 5luf biefem SBege lann für bie früi^eren SBefug* 
niffe ber ©taat^getoalt gegen bie Sir^en ein @rfa^ gefd^affen 
toerben, bei toetd^em ebenfotool^f ber freieren ©teßung ber 
9?e(tgion^gefeKf^aften, bie im ®eift unferer '^zxi liegt, n>ie 
anbererfeit« ben 9Cnforberungen SRed^nung getragen toirb, auf 
toet^e bie «Staaten um ii^rer eigenen ©id^erl^'eit toie um ber 
aögemeinen {Red^t^orbnung U)iüen nid^t berjid^ten bürfen. 



14. 

S38ie bie 9?efigion6gefeBf^aften ba^ ^zäi^i l^aben, il^re 
$e]^re unb l^re ßeben^orbnung fefbft ju beftimmen, fo nel^men 
fie aud^ ble ©efugnig für fid^ in 5Cnfprud&, barfiber ju 
toad^en, bag il^re SOWtglieber biefe Drbnungen nld^t ber^ 
letjen, unb toenn biefe« gefd^iei^t, mit ben geeigneten SWittetn 
gegen fie einjufd^reiten. I)iefe fir^fid^e ©traf^ unb SDlfci^ 
^jünargetoalt l^at in einjelnen JReligionggefeöfd^aften eine 
augerorbentlid^e ©ebeutung unb Slu^bel^nung erlangt, xo^^ 
renb fie in anbern biefetbe nie gctoonnen ober bafb toleber 



I 



i>it jttrc^enguc^t. 115 

t)er(oren t)at Sßa« m^fccfonbcrc bie d^rlfttid^en Stlxdfm Bc* 
trifft, fo lomtnt ber ©egenfaj} bc^ Satl^oncientu^ uttb ^ro^ 
teftantiönnt^ amSf an biefcm ?unlt ju einem Bcjeid^ncnben 
äu^brutf. 3n ber proteftantifd^cti fiird^c i)at e« jtoar an 
IBcrfud^en, eine geiftlid^e ©erid^t^tarlcit außjuübett, im 16. 
«nb 17. Sal^rl^unbert burd^au^ nid^t gefel^It; unb Safein 
tox allem toar e^, ber burd^ bie ftrenge $)anb]^abung be« 
^ird^enbann« feinen Slad^folgern einen gerne nnb erfolgreid^ 
betretenen 2öeg ju Sinfing nnb SKac^t jeigte. Slber biefe 
S3e^errfd^nng ber ©injelnen bnrd^ bie ©eiftlid^Ieit unb bie 
^reöbl;terien toiberftrebte bod^ bem ®eift be« •^Jroteftantie^ 
mn» tie( jn fel^r, al^ baß fie fid^ l^ier allgemein l^ätte ein* 
bürgern unb auf bie üDauer bel^au^Jten fönnen. 2D?ag man 
bieg nun bebanern ober fid^ barüber freuen: tl^atfäd^Iid^ tft 
bie Äird^enjud^t in ber ^jroteftantifd^en Sirene (abgefel^en bon 
bem !J)ifctpIinari)erfal^ren gegen Sird^enbiener, ba^ nid^t l^le* 
l^er gel^ört) im tvefentfid^en auf ben morafifd^en Stnflugbes 
fd^ränft, toefd^en tüd^tige ^rebiger unb Äird^enborfte^er immer 
^aben werben ; tenn ber ®traf:= unb 3ud^tmittel finb eö l^ier 
tl^eil« überl;aupt nur wenige, üjüi^ l^aben aud^ biefe bei ben 
tneiften il^re Söirfung verloren unb toerben überl^au()t nur 
nod^ fetten angetoenbet @ine ganj anbere ©ebeutung l^attc 
bie geiftlid^e ©eri^t^barlcit bon 5lnfang an in ber latl^olifd^en 
Sird^e. 3n bemfelben 2Äage, toie bie f atl^olifd^e 2luffaffung ber 
Äird^e, beö ^rieftertljumö unb ber ©aframente fid^ au^bifbete^ 
fteigerten fic^ aud^ bie SSorftettungen bon ber Unentbel^rlid^:: 
feit ber fird^Iid^en ©emeinfd^aft unb il^rer $)ell!5mlttri, unb 
ebenbamit bie SWad^t berer, toeld^e i)on jener ©emeinfd^aft 
au^fd^ficgen, biefe ^eilömittel »erfagen fonnten, unb e« ent- 
ftanb fo aümäpd^ jene« umfaffenbe ©Aftern lird^Iid^er 
©trafen unb ^>rlefternd^er 3url«biItion , tooburd^ e« bem 
itleru« miJglid^ tourbe, aöe ^anblungen ber (Siuielnen unb 



^ 



116 ■ t>k ÄiTc{>enjUc6t. 

bcr Sffcntßcl^cn Sel^örben »or fein ^^orumfju jiel^en, hurii^ 
b!c gciftttci^ctt ©crid^tc itnb ben ©ctd^tftul^I ba« geben ber 
SSöffer möf atfen ©ejiel^ungen ju bel^crrfd^en. SQSic fott fid^ 
nun ber Staat bcm gegenüber berl^alten? ©oü er ben 
ftird^en erlauben, über i^re Slngel^örigen eine ©traf* unb 
!Dtfci^jItnargcti>aIt au^juüben? unb toenn er ed il^nen er* 
laubt, tDeld^e ®renjen mu§ er tl^r jiel^en, bantit nid^t feine 
eigenen SRed^te unb ble feiner SSürger baburd^ beriefet »erben? 
35tc erfte bon biefen ^agen toerben toir nun int aügemci^^ 
nen bejal^en muffen* 9)lan toirb aBerbingö über btc religiöfen 
unb fittUd^en ©irfungen ber Sird^cnjud&t berfd^iebcner SWei^ 
nung fein fönnen; man toirb bic JJ^age auftoerfcn muffen, 
ob nid^t eine Sel^crrfd^nng be^ religiöfen gebend burd^ ben 
ftferuö, tote totr fie Im aÄittelalter flnben unb loie fie aud^ 
l^eute toieber angeftrebt toirb, blod für geiftig unmünbige 
S5ölfer j>affe, toef^e fid^ nod^ aud ber erften JRol^l^eit l^erau«* 
juarbeiten l^aben; man toirb boHenbd gegen ble ©trafen 
unb 3"^t^i^^^t/ ^c^^w ^i^ Sird&engetoalt fid^ früi^er 6e^ 
bleute, fe^r biet elntoenben lönnen. 216er grunbfäfelid^ tagt 
fld^ ben 9teItgtonögefeKfd^aften bie ©efugniß ju einer ge^ 
toiffen Seauffid^ttgung il^rer 9J?ltglieber nid^t beftreiten. 
3ebe ©efeüfdbaft, toa« aud^ il^r ^toedE fet, mug SRittct 
l^aben, ftd^ gegen fofd^e SWitglieber ju fd^üfeen, toeld^e feinb* 
felig gegen fie fefbft auftreten, ll^re Drbnungen beriefen unb 
gefäl^rben ober fid^ burd^ il^r SBer^Öen untoürbtg jeigett, 
fat ber ©efeöfd^aft gebulbet ju toerben; toenn anbcrcrfeit^ 
eine (Sefeöfd^aft ftc^ au^brüdttid^ ben ^totd fefet, ba^ reli* 
glöfe Seben il^rer ängel^örlgcn ju beauffid^tlgen unb gu för* 
bern, fo toirb ber ©taat andf bagegen nid^td eintocnbett 
Knnen, unb bie SBal^f ber für biefen ^tozd bienlid^en 
SWtttel il^r felbft fiberlaffen muffen, fo lange nur bur(^ bic* 
felben btejenlgen 9ted^te nid^t beeinträd^tigt toerben, bereit 



J 



3tt ©cgenpanb. UT 

Sßal^rung i^m felbft oMiegt üDie f^age fattn ballet ni^t 
bie feitt/ ob ben ftird^en ül&erl^au^t bie 9(u9üBttng einer 
^ixdfeniviäft geftattet b>erben !ann, fottbem nur bie mdf ben 
Jöebingungcn , unter benen, unb ben ©renjen, inntx^aib 
beren ii^ncn biefc^ {Red^t bom Staate juerfannt toerben foüe* 

Sftciffzx l^anbcft e« ^äf l^icbci tl^eite um bie ©cgenftänbc, 
iiuf toeld^e bie lird^Iid^e 35ifci}>tinargetDaÜ \iäf erftredt, t^eil^ 
vim bie SWittel, beren fle \i6f bebient. 

Qm 3KittefaIter ift ber gciftüd^en ©erici^t^batf eit , toie 
bereite bemerft tourbe, eine augerorbentlici^ toeite äu^bel^nung 
gegeben toorbcn; unb toenn aud^ bie ^Regierungen ben Sin- 
f^röd^en ber fird^U^en ©el^örben in ber SBirlUd^feit burd^* 
auö nic^t immer toißfal^rten, fo gicngen bod^ biefe 3[nf))rüd^e 
felbft fo ioeit, bag e^ fc^üegfid^ laum nod^ irgenb einen 
©egenftanb gab, ber nid^t unter bem einen ober bem anbern 
S^itel bor ba^ geiftlid^e gorum gejogen njorben ioäre. ^dft 
blo^ über bie eigentlid^en Steligion^oergel^en , toie Äc^erei, 
©otteöläperung , ßntl^eiligung ber geiertage, Uebertretung 
ber gviftengefe^e , fonbern aud^ über bie gemifd^ten ^äüt, 
tote SWeineib, Sl^ebmd^, ©igamie, Unjud^tbergel^en, Sl^efad^en 
icber.Slrt, fud^ten bie geifttid^en ©erid^te il^re 3iif*öwbigfeit 
nid^t ol^ne Srfotg au^jubel^nen ; ebenfo urtl^eUten fie über 
ben SBud^er, über mand^e Sujurien, über bie SSerle^ung bon 
Älerilern ; fetbft jur Sihtreibung bon ©d^ulben bebiente man 
fid^ ntd&t fetten ber Sjcommunication , unb anbererf eit^ Uu 
teten ¥ä|)fte, toie ©regor YII., an^ i^rer geiftlid^en ®e=f 
rid^t^barfeit, il^rer Wlaäft ju binben unb ju ßfen, für fid^ 
t»a« SRedf^t ab, aße dürften unb Dbrigf citen gu beauffid^tigen^ 
über bie @treitig!eiten ber Staaten ju entfd^eiben, Äaifer 
unb Könige abjufetäen, il^re Untertl^anen bon bem Unter« 
%neneib ju entbinben, il^re Sauber auf anbere gu über^ 
ttagen, @o au^fd^toeifenb toir aber biefe 2lnf<>rüd^e flnbea 



1 



IIB S)ie JdtAenjud^t« 

muffen, fo fcl^It c« il^nen bo^ tiid^t an einer fd^einBaren 
»egtünbunfl. ®« giebt fein ajerl^ältni^, ba^ fid^ nid^t au^ 
Um retigiöfen ®tfx6ft^untt betrad^ten, leine ^anbfung, bi^ 
fid^ nld^t atö eine Sefolgnng ober SSerlefenng bc« götttid^en: 
?BiHen« barfteüen liege. SSSenn e« bal^er toirltid^ ben fird^üd^cn 
©el^örben jufommt, über baS retigiiJfc SSer^ften ber (Sin- 
jetnen ju nrtl^eiJen, fo fönnen toir und, fd^eint ed, bcr %oU 
gerung nid^t entjiel^en, bag aüe §anbtungen ber SKenfd^en 
rnib aöe Sebendberl^äftniffe il^rer ©eurti^eifung unterliegen; 
unb toenn eine Sird^c il^ren Seigren nnb Sinrid&tungen gemä§ 
für aüe religiöfen Slngelegenl^eiten eine unbebingtc Unter* 
toerfnng ber 8aien unter bie "^Jriefter, ber ßinjefnen unter 
bieÄird^e berlangt, fo fd^eint fie üolttomnten bered^tigt, biefe 
t$orberung auf a(ted nreufd^Iid^e "S^m über]^au)>t audjubei^nen/ 
aöe Si^ätigleiten unb SSerpftniffe bor il^r ©erid^t ju jicl^en. 
Snbeffen ift bie S^äufd^ung, toefd^e biefent ©Aftern ju ©runbe 
liegt, fc^on frül^er (@. 32 ff.) aufgebedft toorben, SBir 
toerben auf unferem ©tanbpunft nid^t aßein ben ®a(5 be^ 
ftrciten, baß bie Slngel^örigen einer Äird^e, toefd^e eö qud^ 
fei, biefer Äird^e unb il^ren Sel^örben in aßem, toad bie 9?e= 
tigion angelet, ju unbebingtent ©el^orf am ijerpflid^tet feien; 
fonbern koir fönnen aud^ nid^t einräumen, bag aud biefem 
Oel^orfam in ©ad^en ber 9teIigion ein ©el^orfam in bürgere 
lid^en ängelegenl^eiten folgen ioürbe. SÖiag immerl^in bie 
fiir^e barüber entfd^eiben, ob jemanb in einem gegebenen 
gaße, feine ©efinnung unb feine SKotibe betreff enb, red^t 
ober unred^t gel^anbelt l^abe; baraud fo(gt nod^ lange nid^t 
bag i^r aud^ über bad materteße biefed t^aßed, .über bad 
objeftibe 9ted^t ober Unred^t ber ^anbfung , bie Sntfd&eibung 
juftel^t Der ^riefter fann erflären, bag e« unrecht fei, feine 
©d^ulben nidjt ju bejal^Ien; aber ob ber A bcm B biefe be* 
ftimmte ©ummc fdjulbig ift, barüber l^at nid^t ber ?riefter. 



I 

j 



r 



3it (Segenflanb. 119 

fonbettt ber ^iöfUx ju crfenncn. Sine gciftHd^e ©cl^örbe 

mag gegen 9Retnetb, (SSf^ixnäf, üiexffanpt gegen 93er6veci^ea 

nnb SScrfünbigungcn jieber Slrt eifern, unb toenn fie bieg 

ni>t]^tg flnbet, biejicnigen, toefd^ fid^ fofd^er SSergel^en fd^utblg, 

maäfen, bom ®otte«bienft unb bon ber Äird^engemeinfd^aff 

anöfc^Iiegcn ; aber ob jemanb ein berartige^ ©ergeben be^ 

gangen i)at, barfiber ^at bad bürger(i(i^e ©erid^t ju i^ 

flttben; fo tange il^n biefe« nld^t terurtl^eift, begel^t Jeber, 

ber il^n be« SSergel^cnö fcejüd^tigt, eine Injurie, jebcr, ber 

ifftn begl^alb ^adfti)t\k irgenb einer 3lrt pfügt ein Unreti^t, 

gegen ba« ii^m ber ®taat auf fein Slnrufen JRed^töi^ülfe ju 

getoäl^ren berjjflid^let ift. ©ic Äirci^e mag ben loeltlid^en 

Obrigfeiten il^re ^flid^ten fo bringenb toie miJglid^ einfd^ärfen ; 

ober toa« fie il^nen ju fagen l^at, baö ift bod^ nur, baß fie 

il^re Obüegenl^eiten treu unb getoiffenl^aft, im Slufblid jur 

®ottl^eit erfüüen foöen; toad bagegen in einem gegebenen 

fjaße biefen OMiegenl^eiten cni^pxldft, ob eine Ärieg^erflä*^ 

tung ober ein i^riebenöfd^fuf , ob eine SSegnabigung ober bie 

SSoKjie^ung eine^ 2:obe«urtl^eite , fann bie Äird^e aU fold^c 

nicift fagen. S^ berl^äft fid^ bielmel^r in biefer Sejie^ung 

mit ber ^)ofitif(^en, loie mit jieber anberen teci^nifci^en ZfiüÜQ^ 

feit Der ^riefter fann ben ^ett^zxxn jur Zap^txhxt, 

Streue, SBad^famfeit, SWenfd^fid^feit u. f. ö). ermal^nen, aber 

er fann nid^t ftatt feiner bie Heeresleitung überneljmen; 

er fann bem Slrbeiter, bem ©etoerbtreibenben , bem 

Beamten feine ^flid^ten axC^ §erj fegen, aber er fann 

nid^t jum SSan einer ÜÄafd^ine, ober jur Leitung einer i^a* 

brif, ober jur gfti^rung einer 9led;nung Slntoeifung ertt;eilen. 

3n bie gombetenj ber Sird^e faßt baS SSerl^alten U?rer 

aWitglieber nur nad^ ber religiöfen ©eite; nja« fie angelet,. 

ift nur bie i^age, ob bon bem ßinjefnen in einer ben 

fird^Hd^en ©runbfäfeen entf^)red^enben ®efinnung gel^anbeft 



120 



SMe JtiiAcngut^t. 



toorbcn ift; ei bagegcn feine ^anblmtg^ipcife mit ben bftr^ 
gerlid^en ©efe^en übereinftimmt ^ c6 er feine Bürgerlid^en 
ajerbinbtici^feiten gegen anbere erfüüt, ob er in feinem Stmte, 
feinem ©erufe, feiner <)oßtifci^cn S^otigfeit baö rid^tige tl^ttt, 
bieg finb fragen, toeld^e ber (Sntfd^eibung ber ^rd^e ate 
f old^cr bcg^olb niäft nnterUcgen, »eil fie nid^t nad^ retigiöfen^ 
fonbern naöf juriftifd^en, ted^nifd^en, ^>oIitifd^en ®efid^td|)unftctt 
beanttoortet fein tooüen. SBenn bal^er eine Äird^enbel^örbc 
ben SSerfuc^ mad^t, il^re ©erid^t^barfeit auöf auf fotd^e ®c* 
genftänbe ou^jubel^nen , toenn fie fid^ über bie f^anblnngen 
einer SRegiernng ober i^rcr ©eamten, bie (Sntfd^eibungen ber 
©erid^te, bie Slbftimmungen ber ?[bgeorbneten nnb il^rcr 
SBöl^fcr cinUrtl^eil erlaubt, n>enn fie fid^ in bie bürgcrßd^en 
9?ed^t^oer]^äItniffe cinmifd^t, ober bem ßinjelnen ben ®e* 
braud^, tocfd^en er bon feinen bürgcrlid^en unb ftaat^bürger- 
tid^en JRedf^ten ju mad^en l^abe, borfc^reibt, n>enn fie j. ©. baö 
8efen eine^ S5ud^e« ober ba«- galten einer B^^^^tifl gebietet 
ober berbietet, toenn fie Beiträge für fird^tid^e ober fonftigc 
Stoede burc^ firdj^Iid^e ©trafen ober ©trafbrol^ungen ju er^^ 
jtoingcn fud^t, fo greift fie in ein frembe« Üted^t^gebiet ein 
unb forbert ba« (Sinfd^reiten be^ ©taateö l^erau^, ber fo^^ 
tool^I feine eigenen Drbnnngen ate bie 9ted^te feiner ©ürget 
gegen SSerlefeung ju fd^üfeen berufen ift. 

SBenn aber au^ eine Äird^e l^lnfid^tfid^ ber ©egen^ 
ftänbe, auf bie fie i^re SDifcipIin au^bel^nt, • bie ©renjen 
t^rer 3wftänbigfeit nid^t überf d^reitct , fo lann fie bieg bod^ 
nod^ immer burd^ bie SWittel tl^un, bereu fie fid^ juräuf^ 
red^tl^aftung berfelben bebient. 3m SWittelalter bcfdj^ränltc 
fidj befannttid; bie SBirluujj ber lird^Iid^en ©trafen burd^^ 
au« nid^t auf ba« SSerl^äÜnig berSinjelnen jurÄird^e; fon^? 
bem e« tourben bamit bürgerlid^e SBirfungen bcrinüpft, 
»eld^e immer weiter au^gebel^nt tourben. ®egcn elnjelne 



r 



3&re SWittel. 121 

9teligiond)>erge]^en, Dor aUent bte Ae^erei, tourbe fd^ott frfli^e 
f elbft bte 2^obedftrafe in Xtitoetibung gebrad^t ; unb iebemtann 
)oei^, tpetd^n Umfang bie fte^ert^erfolgung gerabe in ber 
^lütl^ejett ber mittelalternd^en ftird^e annal^m, mit kvetd^er 
Unmenfci^Iid^feit pe betrieben, toic alte fd^üftenben 9ted^t«for* 
men öon ber Snquifltion bei ©etie gefegt, toie bnrd^ bic. 
au^gefud^tcften Onalen ©eftänbniffe er^>re6t, toic ganje Sßt^ 
toöHcrungen bnrd^ })äj)ftttd^c Äreujl^eere ausgerottet, toie bie 
Äe|crr?crbrennungen in einjelnen Säubern ju ftel^eubeu $of* 
unb SSoIfSfeften gemad^t kDurben. !Daf aber bie f ird^e bie 
SBoöjiel&uug il^rer Urtl^ife in ber 9?egfel ber toeltlid^cn Dbrig* 
feit überließ, ma^t in ber <Sadfz felbft leinen Unterfd^ieb; 
benn toenn biefe toeltlid^e Dbrigfeit jemaW ben t>on il^r t)er* 
langten ^cnferbienft tjertoeigerte , mad^te fie felbft fid^ ber 
Äe^crei öerbSd^tig nub i^rer ©egfinftigung fd^ufbig; fie t)er= 
fiel bol^er in bie gleid^en ©trafen toie bie t)on il^r iöefd^üfe=^ 
ten, fie fonnte nötl^igenfaöd abgefegt, il^re Untertl^anen beS 
Cibeö entbunben, il^r 8anb red^tgfäubigeren unb ber Äird^e 
ergebeneren ^erfonen Derliel^en toerben. ©ie angeblid^e ®6fen 
ber Äird^e t?or bem ©lutoergie^en toar nur ber ^l^arifäiö? 
mu«, burd^ anbere tl^un ju laffen, toa« man felbft ju tl^un 
Hnftanb nal^m, um nad^^er bie eigenen f)änbe in Unfd^utb 
tpafd^en ju fönnen ; in SBal^rl^eit ift für alle« SBlut, ba« burd^ 
Äe^rgerid{>te öergoffen, für aUe ©räuel, bie bei ben Äe^er^s 
t)erfolgttngen Jjerübt toorben finb, in erfter JReil^e bieÄird^e, 
unb nur bie Sird^e t^eranttDortlid^. S^iefe ^ird^e l^at aber 
auf bie ®runbfä|e, nad^ benen fie bamate t?erf ul^r, aud^ l^eute 
nod^ nid^t üerjid^tet, n>ie fel^r immer bie SSerl^ältniffe unb 
ber ®eift unferer ^tit bie Slntt>enbung biefer ®runbfät}e be* 
fd^rönft l^aben; unb nod^ imi t^on ben neueften )>ä))ft(id^en 
jtunbgebungen, ber ©^tlabuS t). d. .1861 unb bie (Snc^clica 
J>on 1864, erftSren e« für einen »erberblid^en drrtl^um, toenn 



1 



122 ^te j^ii^enjuc^t. 

man ber fttrd^e bad Sted^t aBf^red^e^ gegen bte Uebertreter 
tl^rer ®efe^e mit }ettltci^en ©trafen etn^ufci^retten. @6en bief 
lann unb barf aber ber l^entige ©taat nun unb nimmermel^r 
jngcben. £)enn ber ©taat aüein tft eö, toeld^cr für bie auf* 
red^tl^altung ber aßgemetnen Sied^t^orbnung ^ tote fär aOe 
gemetnfamcn Slngelcgcnl^eiten be« SSoHcd, ju forgeu i^at; 
tl^m aßetn fielet c« ju, barüber ju entfd^etben, ob ber Sim 
jefne biefc Orbnung in bem Säla^t berJc^t l^at, bag i^m bie 
Uebel jugefügt toerben bürfen, in tenen aße bürgcrtid^en 
©trafen beftel^en, baß er getöbtet, för})erlld^ gejüd^tigt, feiner 
t^rell^eit beraubt an feiner (&f)xt ober an feinem ©igentl^um 
berieft toerben. barf. ©o lange ü)n ber ^iaat nid^t burd^ 
feine ©ertd^te cineö ftraftoürbigen SSergel^en« fd^utbig gcfun^ 
ben ]^at, ift er ber^>fßd^tet , il^n gegen jebe fofd^e 35erlc^unj 
ju fd^ü^en. J)er ©taat barf bal^er innerl^alb feine« ®e* 
biete« feine ber feinigen gfeid^artige ©trafgen>aft bulben, bie 
nid^t unter il^m ftel^t unb bon il^m au^gel^t. dx barf bte^ 
aber aud^ beßl^atb nid^t, ioeit ber Snl^aber einer fold^cn ©e* 
toaft eine aßad^t l^ätte, toie fie fid^ mit ber «uftorität be« 
©taat« nid^t öertiägt. SBenn bie Äirdje ben Ungei^orfam 
gegen il^re ®cbote neben ben fird^Ud^en 3ud^tmitte(n aud^ 
nod^ mit bfirgerfid^en ©trafen al^nben lann, fo ift fieebenfo 
mäd^tig ober mäd^ttger af« ber ©taat, unb e« fragt fid^, ob 
nid^t im ßoßifion«faß einem bebeutenben 2:i^ei( ber <Staat^^ 
bärger ber Oel^orfam gegen bie firdjlid(>en Oberen notl^toen* 
. biger erfd^einen toirb, al« ber gegen bie toeltfid^e Dbrigfeit 
!J)aju barf aber ber ©taat nid^t- bie ^anb bieten. Änberer- 
feit« l^at er felbft nid^t ben Seruf, JRefiglon«berge]^en ju be* 
ftrafen, burd^ toeld^e bie bärgcrfid(^e Orbnung m6ft »erlebt 
toirb; bcnn feine ©cfe^e milffen aßgemein fein unb für aße 
feine ängel^örigen in gleid^er SBeife gelten; bie Seigren unb 
SBorfdbriften einer beftlmmten ftird^e finb aber feine fofd^c 



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3$te mtUl 123 

attgetneitie ®efe^, fie t^ett^flid^ten nur bie ^(ngel^erigeii biefec 
ftird()e, tl^re 93erle^ung tann bal^er mä) nid^t a($ eine 93er^ 
(e^ung ber aßgemeinen Bärgerlid^en Orbitutig ]6el^anbc(t unb 
Bcftraft toerben. ÜWag ballet bcr ©taat aud^ bcn SReligion«« 
gefeßfd^aften bie ^anbl^abung ber fird^üd^en ^Di^civlin an- 
l^eimgekn, fo mug er fie bod^ nid^t aHein an ber Sludbe^- 
ttUttg tl^rcr ®erid^Wbar!eit auf anbere afö rein retigicfe SSer«^ 
gelten berl^inbern, fottbern er barf il^r an(fy biefen gegenüber 
bie äntocnbung fold^er ©trafen nid^t geftatten, bereu 35er^ 
l^änguug nur i^m felbft juftel^t 

^icrau^ ergeben fid^ nun bie SRegeln für baS 3SerI?aften^ 
)De(d^ed ber ®taat in ^ejiel^ung auf bie Sird^enjudbi ju be- 
obad^ten l^at. 

3n erfter Sinic muß feftgel^afteu toerbeu, ba^ bicSJa^s 
ruug ber fird^tid^en Seigre unb S)i«ci^)Iin nid^t mel^r ®ad^c 
be6 ©taatd .ift, fobalb er einmal beu ßird^en biejenige ©elb^ 
ftäubigfeit einräumt, toeld^e fid^ un^ aU eine gorberuuA un= 
fereß J©ifbung«ftanbeö unb unferer aSerl^ältniffe ergeben ijat 
ffienu er niemaub Xtoingt, einer beftimmten Sird^e aujuge- 
l^örcn, fo barf er aud^ niemanb jtplngen, fid^ ben Cebren 
unb Drbnungen ber Ä^d^e, »efd^er er angel^ört, ju unter- 
toerfen ; toenn er ben Äird^en il^rc 8e[)re unb Seben^orbnung 
nid^t borfd^reibt, fo lann er il^ncn audj niäft borfd^reiben, 
toeld^e äbtoeid^ungctt Don benfefben fie bulben fotten, er fann 
cbenfotocnig in irgenb einem gegebenen gatt einfd^reiten, um 
biefe älbtoeid^ungen iu berl^inbern. !Der @taat l^at bal^ei 
toeber felbft J)i6cipKnargefc|}e für bie Sird^en ju geben, nod^ 
bei ber SSottjiei^ung ber irrigen mitjuloirfen. 6r mag bie 
bon il^m anerfannten ftird^en in feinen befonbercn ®d^u| 
nel^men, bie S^renträntungen gegen biefe Sird^en unb i^re 
$)leuer unb bie ©törung il^rer gotte«bienft(id^en ^anblungen 
Juit fd^toereren ©trafen bebrcl^en, afö er fie gegen biefef ben 



124 ^ie jtirc^eniu^t. 

Sßergei^en ))er]^Snsen toüxit, menn fie gegen bbge ¥rh>attente 
Ibegangen ti)ürben: bamtt jiel^t er eine bloge Sonfequen) aud 
l)em S^arafter einer öffenttid^en Sor})oration^ ben er i^ncn 
\>txlki)tn i/at 6r mag ba, too ber überiolegenbe Xl^ell ber 
©eböllcrung einer beflimmten {Religion ober Sonfeffion an^ 
gel^ört, an ben l^ol^en Soften berfelben lärmenbe aSergnügun* 
gen ober fotd^e arbeiten berbietcn, toetd^e bie geftfeier ftöreu 
toürbcn: fo lange er nlemanb jtoingt, fid^ fetbft an biefcr 
Seier ju betl^eUigen, unb fo lange er bei feinen änorbnungett 
t)ie ©ebürfniffe be« (Sr»erb«Iebend in angemeffener SBetfe 
berüdfid^tigt, ti)VLt er and^ bamit nid^t mel^r, ate toa« er 
nuäf au« 5lnfat eine« bürgertid^en f^efte« tl^nn Knnte. 6r 
toirb fid^ ol^nebem um be« öffentlid^en ^rieben« toiüen ber|>pid^- 
tct flnben, barüber ju load^en, bag ber ©egenfa^ ber Slrd^cn 
nnb Sonfeffionen nid^t ju Äonflilten fül^re, burd^ toefd^e bic 
bürgerlid^e Orbnung beriefet toürbe. dagegen ift e« nici^t 
feine aufgäbe, bafür ju forgen, baß bie SWitgfleber einer' 
Äird^e il^ren ©tauben«*, Suttu«* unb 8eben«borfd^riften gc^ 
l^ord^en, er barf il^r bal^er aud^ nid^t bei Unterfud^ungen, bic 
fie töegcn fold^er 35inge eröffnet, ober bei ber Sottjiel^uttg 
ber bon il^r erlannten ©trafen an We $anb gelten. 5Denn 
feine Organe finb nur jur SSoügiel^ung feiner eigenen ®efe^c 
ba; too leine SSertefeung biefer ©cfefee borliegt, barf er ti>cs 
ber bie SCi^ätigfeit unb äuftorität feiner Sel^örben nod^ ben 
gefefeniäßigcn ©el^orfam gegen blefe ©el^örben für frembe, 
feinem Urt^elt entjogene SWaßregetn in 2lnfJ>rud^ nel^men. 
3m @efd^äft«Irei« feiner iöeamten fiegt e« nid^t, in einer 
lird^tid^en !!ri«tij>finarunterfud^ung SSorlabungen ju infinuiren, 
3eugen ju berl^ören, Sibe abjunel^men. SRod^ toeniger barf 
er natürlid^ feine Wladft unb feine Organe jur SBoöftrcdhing 
t)on ©trafen l^ergeben, bie nid^t bon feinen ®erid^ten erfannt 
finb, unb bereu 9ted^tmS|igIeit er nid^t unterfud^t ^at ®(aubt 



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i^eine Snittoirfung M @taotö. 125 

eitic ftlrd^c tl^rc ©trafcrfcnntniffc t>ox bcn Bürgerfid^cn (Sc^ 
xiäfkn »nb auf ®runb ber bürgcrlid^cn ®cfc^e rcd^tfcrtigcn 
}u fönnen, fo mag fte [\6f a(d ^ISgettn an jene toenben; 
totrb bann ber ScKagtc berurtl^citt, fo boüjtcl^t ber ©taat 
nidfi eine frcntbe, fonbcm fctnc eigene Sntfd^eibung. $at 
fle anbererfelt« baju feine Steigung, fo mag fie jufe^en, ob 
fie bie SSoKfttedung il^rer (grienntniffe mit rein fird^ttd^en 
aWitteln ktoirfen lann; bie ©taatöbel^iJrben finb toeber be= 
red^tigt nod^ ber|)flid^tet jnr SSoIIjiel^nng bon Urtl^cifen mit« 
jutoirfen, bie nid^t bon ben ®erid^ten unb nid^t nad^ ben ®e- 
fe^en be^ ®taat^ gefällt finb. 

!Der @taat barf fld^ aber nxdSft bamit begnügen, ba§ er 
fld^ an ber SSoüjiel^ung ber fird^tid^en S)ifci|)Iinars: unb 
©traferlenntniffe nid^t betl^eiligt, fonbern er muß bie Äird^en 
and^ berl^inbern, burd^ fold&e Srienntniffe in feine 5Red^t«* 
\pf)&xt unb in bie gefefetid^e J^reil^eit feiner ©ürger einju- 
* greifen. SBirb e« fd^on bem (Sinxetnen ntd^t geftattet, feine 
<5ribatred^tlid^en Sejiel^ungen ju anbern ^erfonen jur Aus- 
übung eines (SinffuffeS auf i^re öffentlid^e Xl^ätiglelt ju be* 
nü^en^ einen ©eamten, faüS er biefe ober jene ämtSl^anb* 
Inng bornel^me, ober einen %&Si)kx, faüs er bcn feinem ^af)U 
red^t einen beftimmten ®ebraud^ maä^t, mit Äünbigung einer 
©d^ufb ober Snttaffung auS einem ^ribalbienft ober ©nt« 
jiel^ung eines ^riöatbortl^eifö gu bebrol^en, fo fann eS nod^ 
Diel weniger jugelaffen toerben, ba§ gange Äort)orationen i^re 
Ior|)oratiben ©efugniffe baju benü^en, auf ben ®ang bed 
©taatStoefenS unb bie ^anblungen feiner Drgane einen il^nen 
nid^t juftel^enben, mit ber Unabl^ängigleit beS ©taatsleben^ 
unberträgtid^en Sinfluß auSjuüben. @S toare unjutäffig^ 
toenn bie Äird^en aud^ nur 'JJribatgefeüfd^aften toären, benn 
aud^ fotd^e bürfen fid^ feine (gingriffe in bie ©taatSorbnung 
unb ©taatSbertoaltung erlauben; (eine Sifenbal^noertooltunft 




126 ^ie 5!ir(ten3ud^t. 

^. Sd. barf einem SBö^Ier ntd^t begi^atb, toetf er einer i^r 
miSfiebtgen ^artl^ei angel^ött, bie gal^rt in bcn SBal^Iort ber* 
fagen;) e6 ift bieg jtDeimat, tDenn fie öffentOd^e bom ®taat 
anerfannte Äorj)oraticnen finb. S)enn toa^ [ie afö fold^e 
t^un, ba« tl^un fie auf ®runb il^rer bom ©taat gebittigten 
SSevfaffung; toa^ t^re ©el^iJrben in amtfid^er (Sigenfd^aft 
tl^un, ba« tl^utt biefelben traft ber mit Oenel^migung beö 
(Staate«^ in i^re $änbe gefegten ©eioalt; ber ©taat fann 
unb toirb aber feiner Äorjjoration unb feiner S3el&örbe baö 
JRed^t einräumen, fid^ an feine ©teüe ju feigen, fid^ in feine 
Slngctegenl^eiten einjumif d^en , feinen ^Bürgern unb Beamten 
über bie Slrt, toie fie il^re SSerj^fttd^tungcn gegen il^n ju ex=^ 
fußen I^aben, SSorfd^riften ju er^^eilen. ß^ ift bal^er burd^^ 
au^ not^tpenbig, ba§ ben Sird^enbCi^örben unterfagt, unb bei 
ftrenger ©träfe unterfagt iperbe, einen Seamten n>egen einer 
9lmt^{;anb(ung, ober einen ©efd^toorenen toegen feinet SBal^r== 
fjjrud^ö, ober einen SBä^Ier loegen feiner ^afji, ober einen 
Slbgeorbneten n)egen feiner Slbftimmung, ober niitt^mpt 
trgenb toen toegen einer im !J)ienft be^ ©enreintoefend boQ^ 
jogenen ^anblung mit einer fird^lid^en ßenfur ju belegen 
ober JU bebrol^en; unb e^ toar eine l^iJd^ft fül^Ibare 8üd(c 
in ber bi^l^erigen ©efefegebung, bag fie gegen l^ierard^ifd^c 
Uebergriffe biefer Slrt in ber SReget feine SSorforge getroffen 
l^atte, eine bebauertid^e ©d^toäd^e ber meiften SRegierungen, 
bag fie für bie Sluöfültung biefer 8üdEe fo fange nid^te traten» 
9luf ben gfeid^en ©d^uft l^aben ferner biejenigen SRed^te ber 
Staatsbürger Slnf}}rud^, bereu fie jur Erfüllung i^rer Sür^ 
gerpflid^ten bebürfen, toie ba6 SSerfammfungS- unb aSerein«- 
ted^t, bie freie SSenüfeung ber treffe unb äl^nlid^e. ©ei aDen 
biefen "^Junften l^anbelt e« fid^ nid^t bfo« um ^vibatred^te ber 
^injelneu, fonbern um folc^e ^tdfk, bereu Sefife t^nen not^* 
ioenSig ift, um fid^ über bie ßffcntfid^en ängelegen^^eiten ouf* 



3^re !Beauffl(^tigung burc^ ben @taat. 127 

juKärctt, unb bic Stntolrlung auf btcfetben, toefd^c bic ^Staat^- 

t>crfoffung i^ncn gcftottct, in bcr für ba« ©anje juträgfid^^ 

ftcn ©cifc audjuübcn. ©cnn eine fird^tld^e ©el^örbe ftd^ er^ 

laubt ^Drndffd^rlften i^rer ßenfur ju unterwerfen, toenn fte 

atntcr Stnbrol^ung fird^Iid^er ©trafen bae galten einer Rettung 

bber bie Sii^eitnal^me an einem t)o(itifc^en SSerein »erbietet 

ober gebietet, fo tjerle^t fie nid^t attein bie Sinjelnen in ll^rer 

freien ©efbftbeftimmung unb unter Umftänben auc^ in il^rem 

SJctmcgen, fonbern fie taftet aud^ potitifd^e SRed^te an, miöft 

i>er ®taat feinen Slngel^örigen gerabe be^alb i)erbürgt l^at, 

ipeil er fte für fid^ felbft, für bie «ufHärung unb poüti^öft 

Srjiel^ung be^ SSoIfe^, für bie Sifbung einer gefunben unb 

fräftigen öffentfid^en SWeinung notl^ioenbig flnbet. ©old^e 

Singriffe auf »erfaffung^mägige 5Red^te be« SSoIfe^ unb auf 

tpefenttid^e Sebingungen bee ©taat^teben« fönnen natürtid^ 

einer i?om ©taat anerlannten unb mit toertl^tjoKen SSorred^^ 

ten au^geftatteten Äor})oration nod^ weniger, afö aßen an^ 

t>ern, geftattet toerben. ßbenfolpenig barf i^nen aber bie 

©efefegebung aud^ ßingiffe in bie ^riijatred^te ber ©taatd* 

Ibörger nad^fel^en. 3m 3KitteIafter tourbe bie (Sfcommuni* 

cation, ti?ie Bemerft, nid^t fetten gebrandet, um jur Sntrid^^ 

iung t)on ^tf^mtcn unb Slbgaben an ben ^lerud, jur ©e^ 

.^ai^lung Don ©d^utoen, furj ju pxhaU unb tjermögen^red^t=: 

lid^en ßeifiungen ju jtotngen. Slel^nlid^e^ fönnte fid^ mög* 

ttd^ertoeife aud^ in unferen S^agen toieberl^olen. S)ie SSer^ 

Weigerung einer Äird^enfteuer ober eine« ^eter^|)fennig^ ober 

fonft eine^ Seitrag« für lird^tid^e ^mde ließe fid^ ol^ne 

5KüI;e ben SSergel^en gegen bie Stetigion jujäl^ten, toetd^e in 

ben SBcreid^ ber fird^tid^en ©trafgetoatt faöen. Slber toenn 

ber SSerf Uii^ gemad^t toürbe, mit lird^tid^en ©traf* unb 3^^** 

mittein ju berartigen Seiftungen ju nötl^igen, fo toäre bieg 

^In offenbarer (Singriff in ba« ©ebiet bcr bürgerlid^en jRed^t^^^ 



128 ^it j(ir((engtic6t. 

))fl[ege« iDie ^efugni§ ber ftird^enBel^örben, fo U)te btefe t>em 
©taat anerlattnt finb, bcfd^tänft fid^ auf ba« rcligiöfc ßcbcn ; 
bcr ©taat barf nid^t jugcBcn, bag bic ©teßung, bie er 
il^ncn für bicfcn ^tDtd eingeräumt ^at, baju itnü^t tocrbee 
tJragen t>or il^r t^orunt ju jicl^en, ju bereu Sntfd^etbung bie 
Bürgerlichen ©erid^te eingelegt finb. !©er ©ebraud^, ben Je^ 
ttianb t>on feinem SJermögcn mad^en toiß, muß feiner freien 
©elBflBeftimmung übertaffen bleiBen; toenn eine Äird^enbe^ 
l^örbe il^m bie ©egnungen be« fird^Iid^en ©emetntebenö begl^alb 
entjiel&t ober ju entjie^en brol^t, toeil er eine ßeiftung t>ex^ 
toeigert Ju ber erred^ttid^ ntd^t i)er^)flid^tet ift fo ift bieg ber 
®aäft mä) nid^td anbere^ aU eine @r))reffung^ unb gegen 
(gr^)reffungen gefd^ü^t gu »erben, lönnen bie ©toat«6ürger 
Dom ©taate bertongen. SBeld^e gefefetid^e Seftimmungen 
biefem ^totd am beften entft)red^en , toetd^e Formeln biefen 
©d^ufe getoäl^ren, ol^ne bod^ ber Äird^e innerl^alb il^rer 3«* 
ftänbigleit bie $änbe ju binben, mögen bie 9ted^tdfunbtgcn 
au^mad^en; aber ba| l^ier ein ©ebürfniß borfiegt, beut bie 
©efe^gebung geredet ju »erben ben S3eruf f)at, fann feinem 
3toeifeI unterliegen. 

Sbenfotoenig bebarf e^ nad^'aüem früi^eren nod^ eine^ 
»eiteren Setoeife« bafür, ba| ber ®taat feiner Äird^e ge* 
ftatten fann, über i^re aWitgßeber Seibed^, ßeben^- ober grei^ 
]^eit«ftrafen ju üerl^ängen, fie an il^rer bürgerfid^en Sl^re ju 
fränfen, ober il^nen gegen il^ren SBiüen ettoa« i)on il^rem 
Sigentl^um jn entjiel^en. SSSenn aber biefe^, fo »erben bie 
fird^Iid^cn ©traf^ unb 3wd^tmittel auf ein engbegrenjted ®e^ 
biet befd^ränft. !iDie einjigc öon äffen bürgerlid^en ©traf^ 
arten, beren 5ln»enbung einer Sird^e erlaubt »erben fann,. 
finb fold^e ®elbftrafen, benen fid^ ber ©eftrafte gum tJoraud^ 
frei»iffig unter»orfen l^at, Sonbentionalftrafen ; aud^ bei. 
biefen mü^tt aber, »enn irgenb eine 9{eIigion6gefeQfd^aft 




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3(re lBeauffi4H0ung but^ ben @taat. 129 

öcn tl^ncit ®tixmdf mad^cn tooBtc, gefc^Iid^c SSorforgc ba^ 
gegen getroffen »erben, bag fie niäft eine für bie »irtl^fd^aft* 
ß((^e (gjiftenj unb ebenbamtt für bie bürgerliche ©elbftänbig^ 
feit berer, bie fle treffen, gef äl^rlid^c ^öl^e erreid^en, unb ba§ 
nid^t, tote beim atra^berfouf , unter ber fjorni flrd^Iid^cr 
©ati^faltionen eine getoinnftid^tige 5lu6beutung be« reßgiiJfen 
®Iauben« ftattfinbe. 3m übrigen erfd^einen in ber $anb 
ber Äirdfjen unb tl^rer ©el^örben nur fold^e ©traf^^ unb 
3ud^tmittef juläfig, teeld^c fid^ au^fd^Reßlid^ auf ba« SBer^ 
1^8Itni§ be« @injetnen ju feiner Äird^e, nid^t auf feine bür* 
gerlid^en JRed^te bejie^en. STOan toirb e« leincr SReligion«- 
gefetlfc^aft bertDcl^ren fönncn, fotd^e, bie fic^ gegen i^re Drb^ 
nungen bergcl^cn, ju tabefn unb ju crmal^nen, ii^ncn f ird^tid^e 
gunWonen unb ©l^renred^te (toie ettoa ba« lird^tid^e ^affU 
red^t, ober bie ©efäl^igung jur ©effeibung bon Äird^enämtern, 
ober bie annähme aW S^aufjeuge) ju entjiel^en, fie bon ber 
Jl^eilnal^me an bcm gemeinfamen ©ottedbienft au^jufd^fie^en 
ober aud^ ganj au« ber Sird^e ju cnttaffcn. SBenn ber 
®taat bon niemanb berlangt, ba§ er einer Äird^e angel^örc, 
toenn er mit ben lird^tid^en ©trafen feine bürgerlid^en fol- 
gen berfnfit)ft, fo l^at er feinen ®runb unb fein JRed^t, bie 
religiöfen ©efcttfd^aften in biefer ^anbl^abung il&rcr $auÄ* 
orbnung ju ftören. Um fo mel^r toirb er aber barauf feigen 
muffen, ba^ auöf biefe il^rerfeitd btefelbe aU eine burd^aud 
innerfird^Iid^e ©ad^e bel^anbcln unb ben bürgerßd^en {Redeten 
il^rer ÜÄitgßeber nid^t ju nal^c treten. iDieg gefd^iel^t aber, 
toenn ^rd^enftrafen berl^ängt »erben, »efd^e in il^ren SEBir« 
fungen über bad fird^ßd^e ®ebiet l^inaudgteif en , »ie ). ®. 
in ber fotl^oßfd^n Aird^e bie gro^e (S^communicaßon , bei 
meldtet allen fatl^oßfd^en (Sl^riften ber Serfel^r mit bem 
Gebannten unterfagt, ebenbamit aber biefer nid^t b(o6 aa 
feiner Sl^re fel^ em)>flnbßd^ angetaftet, fonbem aud^ itt 



feinem SBermi^gen unb feiner Bfirgernd^en (Soften) an^*^ 
fd^lDetfte gefd^äbigt, bieOeid^t bernid^tet toitb. (Ed gefd^tel^t 
femer, b>enn bie Sird^enftrafen eine tnj[uriöfe %oxm ffahm, 
n>enn fie mit 93erf(ud^ungen berbunben finb, b>enn bem ®e^ 
ftraften ül^ne audreid^enben ^etpeid unfittlid^e $anb(ungen 
itnb @igenfd^aften fd^ulbgegeben werben. @d lonn aud^ f d^on 
baburd^ gcfd^el^cn, ba| eine Äird^cnftrafe in feiertid^er SSeifc 
Beim öffentlid^en ®otte«bienft berfünbigt toirb. SBenn bo^cr 
bie ©efe^gebung gegen eine fold^e ^anbl^abung ber Äird^en^ 
jud^t einfd^rcitet, f o tl^ut fie bamit niemanb unred^t ; fie ^in^ 
bert bie Äird^en an feiner ii^nen notl^toenbigen S^^ätiglcit 
unb ftört fie in feinem bon bcn 5Red^ten , auf bie fie inner- 
ffalb i^rer ©})l^äre 3lnfj)rud^ l^aben; fie berwel^rt i^nen nur, 
ii^rc ©erld^tdbarfeit auf ba« bürgerlid^e ©ebiet ju ftbertragen, 
linb bicjenigen, tt>etd(>e i^nen ben ©ei^orfam berfagen, an 
iffxm bürgerlid^en Siedeten ju befd^&bigcn. 



15. 

STOit ber SSoüjtel^ung ber ftultudl^anblungen unb mit 
ber Seituttg il^rer gemeinfamen Angelegenheiten beauftragen 
bie Äird^en gctoiffe ^erfonen aU if)xt 35iener unb Sdt^ 
amten. 3n ben meiflen {Retigion^gefeßfd^aften tooöen aber 
biefe ftird^enbiener jugCeid^ nod^ in einem anberen unb l^öl^eren 
@inn, att aöe übrigen, 35iener ber ©ottl^eit fein; fie be* 
trad^ten fid^ fribft ate bie ^riefter, al« bieienigen, burd^ 
mlä)t ben übrigen SD^itgliebern ber ®emeinbe ber S3erfe^r 
mit ber ©ottl^eit bermittelt toirb , unb fie (egen fid^ be|]^ 
eine befonbere ^eißgtett bei: fie finb bie bon ber <Sott^ 



(Ski{IU4« $tiDt(egien. 131 

itt ii^rem ptx^MKfftn 3!)ienft» an^txtoSffÜtn , ber Kbel in ber 
^rd^e, ber $Ierud, bie attbern finb bad SSc(( ober bie 
«aicn, fie flnb bie ©eiftfid^cn, jene bie fUßeltüäftn. 6« ifi 
gan) natüxüd), tvtnn mit bem Semugtfein, in einem fo 
ti^mtffünAiäfzn unb einjtgen 93er]^&Itnig jur ^üttl^eit }U 
[teilen, fi(^ ber ^n^pxndf berbinbct, anäf in ber nienf-^Iid^en 
®efeBfd^aft eine Slu^nal^mdftetfnng einjunel^men. ©o feigen 
»ir benn im SWittetalter bie fiird^e cinerfeit^ für i^re ©iener 
bie umfaffenbften Immunitäten berlangen, onbererfeitd fid^ 
berfefben in einem fold^en Umfang bemSd^tigen/ bag fie bon 
ber bürgerlid^en ®efeßfd(>aft abgetöft unb ju unbeblngt toitt^^ 
fahrigen SSSerfjeugen in ber $anb tl^rer fird^Ud^en Oberen 
gemad^t tourben. ^^ toirb für bie ®eift(ld^en neben ber 
©ef reinng bom Ärieg«bienft aud^ ©teuerfreil^eit gef orbert ; fie 
foßen unter feinem bürgerlld^en ®crid^t, fonbern nur unter 
ber geifttid^en ®ertd^t«barleit ftel^en; unb biefer t)ribi(egirte 
©erld^tdftanb tt>irb f o toeit au^gebc^nt , baß nld^t Jbto« ' aüe 
SSergel^en ber Äferifer unb il^reö ®efinbe6 unb aüe ©treitig« 
feiten ber Sferifer unter einanber, fonbern anäf bie SRed^t«^ 
ftreitigfeiten jtoifd^en Älerlfern unb Saien bor bie gelftlid^en 
©erid^te gejogen toerben. Ueber bie Sntfd^eibungen biefer 
©erid^te f oÜ bem ©taat feinerfei ßognitlon ju ftel^en ; er f oß 
jebe 2lmt«entfe|ung unb jebe ©träfe, bie über einen ®elft= 
lld^en bon feinem S3lfd^of berl^ängt tt)lrb, o^ne eigene Un- 
terfud^ung be« goß« anerfennen unb ju i^rer ÜDurd^fül^rung 
^iUfe telften. Sbenfotoenlg foß er bei ber 3lnfteßung ber 
©elftlid^en ein S33ort mitiureben l^a'^en: nld^t blod bie Ueber- 
tragung gelftfid^er ©teßen burd^ Sälen tolrb al« ©Imonie 
gebranbmarf t ^ fonbern ber ©taat foß aud^ nid^t ba« {Red^t 
^aben, für blefelbe irgenb toeld^e ©ebingungen in ©eiiel^ung 
auf iS3ef(i]^igung ober poüü\6ft^ Sßer^a(ten aufjufteßen. S)er 
9itm^ foß einen bon ber ©taat^gefeßfd^aft abgetrennttin^ 

9« 




1S2 S>ie ®ei{IIi«feit. 

berftird^e ganj unb au^fd^UegUd^. angel^örtgen ®tanb bUben; 
unb bie Sbfid^t, il^n ba\u ju machen, uttb aQe $anbe, bie 
il^ mit feiner irbifd^cu ^ciniatl^ üerf nü^jften , fo boöftönbig 
tote möglid^ ju jerfd^nciben , mar bcr ^autJtgrunb jener 
fd^onung^fofen (Sncrgic, mit bcr ein (Tregor VII. unb feine 
gflod^folger bie Sl^etofigfeit bcr ^ricftcr critoangcn- 

!Ccr mittclaltcrtld^cn Äird^c ift cd and^ »irKid^ ge^ 
lungcn, bicfe 2lnf))rü(^c unb Slnforberungcttvgrößtcnti^cK^ 
burd^\ufcfeen; toenn aud^ bcr SBibcrftanb gegen biefelbcn. 
nid^t boüftäubig gebrod^en tt)crben fonntc, unb in cinjetncn 
gänbern, je nad^ bcr 8age ber SJerl^ältniffc, bebcutcnbc 6r^ 
folge crreid^tc. SKit bcm l^eutigen ©taat^Icben bagegen unb 
mit unfcren SRed^t^bcgriff en bertragen fid^ bie meiften bon 
itjucn fo toenig, ba§ fie fd^on längft ate unl^attbar aufge^ 
geben »erben mußten; anbcre aöerbing^, toetd^e längere 
3eit gleid^faßö faft bergeffen ju. fein fd^icnen, finb in ben 
legten 3a|irie^enbcn toieber aufgelebt, unb tt>enn fie frül^er 
mit ber göttUd(;en ©enbung ber Sird^c begrünbet tourbcn^ 
j)ffegt man fie je^t im Slamcn ber SReligion^freil^eit unb ber 
allgemeinen 3D?cnfd^cnred^te ju forbern. SSon einer ©teuere 
frcil^eit ber ©eiftlid^en ober bon einem cremten ©erid^töftanb 
bcrfelben toiö ber moberne ®taat mit 'Sitäft niäft^ mel^t 
l^örcn; unb koenn il&nen bie Befreiung bom firieg^bienft bi* 
auf bie neueftc 3^^* l^erab in bieten ßänbern jugcftanben 
tourbe, fo muß bod^ aud^ bicfe« ^ribilegium in bcmfclben 
SWape foßen, in bem mit bcm ©runbfa^ ber aßgemei:^ 
neu Sel^rj>flid^t anäf bie rid^tige Sinfid^t in bie Sl^re unb 
bie ©ebeutung bc« Saffcnbienfte« fid^ berbrcitet SWag 
eine Äird^c nod^ fo feft übcrjeugt fein, boß il^re ^rtefter 
unb ©eiftUd^en atö !iDiener ber ©ottl^eit einen l^öl^eren 
Slang einncl^men, ald aße onberen SD^enfd^en : in il^rem Ser^ 
l^üttnig jum ^tüait ft^en fie ate @taat9b&rger mit aßen 



r 

L 



mftmt Vrbifegten. 133 

«nbctctt SSürgcrn, aW Beamte einer öffentfid^en ftor<)otatt4)n 
mit aQen anbeten öffentüd^en ^itmxn auf (Einer Sinie imb 
l^aben feinen Stnfprud^ barauf, anberd bel^anbelt )u n>erben, 
ate biefc. 3a ble ftird^cn fetbft lönnen fid^ barüber fannt 
Befd^toeven; benn ed ift ja leine unter il^ncn, toeld^e anbcrn 
afö tl^ren eigenen ^rieftcrn eine bcfonbere göttßd^e ©enbung 
unb in Sofge babon jenen l^öl^eren ßl^arafter jugeftänbe, auf 
ben il^re iBorred^te begrünbet toerben; ber @taat aber lonn 
bic befonberen SSorjüge, toeld^e ©injefne fid^ fetbft im Un* 
terfd^ieb bon aHen anbern beilegen, in feinen (Sinrid^tungcn 
unb ©efe^en unmöglld^ berüdfftd^ttgen, ba er aöe nac^ einem 
unb bemfclben 50ia§ftab ju bel^anbeln l^at. J^üt il^n ift jeber, 
ber eine« SSergel^en« angeffagt toirb, toa« er aud^ fonft fein 
mag, junäd^ft nid^tö toeitcr, al« ein Snbibibuum, beffen 
®d^ufb ober Unfd&ulb auf bem gefe^Iid^ toorgefd^riebenen 
fiJege ju unterfud^en ift; er fann jeben, ber fein 9ted^t fud^t, 
nur an feine ©crid^te t)ern)eifen; er fann itnmöglid^ ju- 
geben, ba^ ba, too e« fid^ um bic 3lntoenbung unb 2lue^ 
fül^rung feiner ©efe^je, um bie 9?ed^t«orbnung in'fetnem 
Oebiet l^anbelt, frembe, bon ll^m fetbft unabl^ängige, in il^ren 
Äed^t^anfd^auungen unb il^rem S5erl^atten feiner ©efe^gebung 
bielteid^t entgegenarbcitenbe ©el^örben b'aö Urtl^eit fäßen. 
€r fann e§ fd^on beß^atb nid^t, toeit bamit jebe ©ürgfd^aft 
für bie gteid^mä^ige ^anbl^abung ber ©efefee aufgegeben, 
jener ganjen SRed^töbertoirrung unb JRed^t^unfid^erl^eit Sisare 
unb 2il^or geöffnet toäre, n^etd^e im SWittetatter fo taute 
Ätagen l^erborrief ; toeil er fid^ bamit ber bringenben ©efal^r 
<tu«fct}te, bat VM^ lieber, tote bamal«, gegen ©eifttid^e fein 
JRed^t ju ertangen toäre, bag bie Unpartl^eitid^f cit ber Sied^t^^^ 
<)flege burd^ ba« ©tanbe^intereffe ber 5Rid^ter unb bie ber- 
meinttld^e ^flid^t, ble Stxxäft nxäft blo^iuftettcn , t)ernid^tet 
tDfirbe. Sbenfotoenig fann ber ©taat, »ie fid^ für unö bon 



134 S>ie ®etflti«(eit. 

felbft ))erfteH ^^^^^ einjefnen @tanbe bad Sonred^t ber 
©tcucrfrcil^cit gctoäl^rcn; fonbern toic aße gfctd^fel^r bc« 
©d^u^ unb bie SSortl^eife be6 ©taatötebend genießen, fi> 
tnfiffen aud^ aUe nad^ il^rem 93erm5gen an feinen Saften 
mittragen. Unb ba^ gteid^e gilt bon bctjenigen SScrj^füd^- 
tung, toeld^e eine bon ben l^öd^ften ßeiftnngen, aber aud^ bie 
l^öd^fte (gl^re be« ©ürger« ift: bon ber ^fliö^t ber »ater^ 
lanbdbertl^cibigung. ftein (Sinielner nnb fein ©tanb l^at ba^ 
JRed^t^ fid^ biefer S3erj)fKd^t«ng jn entjiel^en, bon ber nur 
bie J>erfenlid^e Untüd^tigfeit ober anbere bom (Sefcfe für alle 
gteld^mä§ig feftgeftcßte Sefrelnngdgrtinbe entbinben fönnen. 
3ft eine Äird^e ber ÜWeinnng, ba^ gelftÜd^e Slnit »erbe burd^ 
bie Srfüönng berfelben entti>ei^t, fo mag ber ©taat ertoägen^ 
ob unb lote ioeit er biefem SSorurtl^eil eine fd^onenbe Sdt^ 
rfidtfid^tigung ju getoäl^ren angejetgt flnbet: ob e^ fid^ mit 
bem (Jffenttid^en Ontereffe oerträgt, ben ©eifttld^en biefer 
Äird^e ben ftrieg^bienft ju ertoffen, ober ob man fie biettcidj^t 
in anberer ffieife, unter ben nid^tfämpfenben 2;^eiten ber 
Armee, für benf elben bcrtoenben toiß. Aber ein yttifyt^ 
pd^ il^m ju entjfel^en, barf er ben ©eiftfid^en nid^t einräumen^ 
nnb and^ bie Slad^fid^t gegen ba^ iBomrtl^eit barf er l^ier 
gerabe nid^t ju »eit treiben. 5)enn er barf bie SReinung 
nid^t begünftigen, ate ob ber ftam^)f für'« »atertanb unb 
bie Äuöbitbung jn biefem Stampft mit ben l^öd^ften Änfor:^ 
berungen an rettgiöfe Heiligung be« geben« pd^ nid^t ber* 
trüge ; er barf ben geifttid^en @tanb nid^t jum äf^I für bie* 
ienigen mad^en, toeld^e fid^ bem ffiaffenbienft and t^eigl^eit 
ober au« ©etbftfud^t ju entjiel^en geneigt flnb, unb er barf 
benJWexu«, ben ol^nebem fo mand^e (Sinflüffc feiner ©teßung 
bem febenbigen S^fammenl^ang mit feinem SSofl ju ent^ 
fremben brol^en, nid^t öl^ne bringenbe Tlotl^toenbigfeit bon 
ber ®d^nle ber ©efe^Iid^feit unb ber batcrlänbifd^en ®e* 



9nfl)rü4e auf Utia^iändtgfeit )9om €taat. 135 

fitinung fre{)>red^€n, bie ein aäfM ^oitStfczx, mte bad 
itnfrige, barbietet. 

Onbcffen toirb man fid^ über biefc fünfte leidster ber- 
ftSnbtgen ßnnen, toenn a\x6f ber gegcntoSrtige ?aj>ft noci^ in 
bem @^öabu« bom Sal^r 1864 bie gorberung, bat ^^^ ®cift' 
li^en in bttrgerlid^en SRed^tdftrettigfeiten unb <Straffa(^en bem 
toeltKci^cn ©erid^t unterftcßt »erben ^ bertoorfen nnb il^re 
^eijiel^ung jnm ^rieg^bienft für eine a3erfe^ung be^ natura 
Kd^en {Red^t^ erWärt l^at. g^ toirb über biefelben »enigftend 
anferl^alb ber nitramontanen Greife toenig ©treit geben, 
©agegen I5nnte e^ fd^cinen, »enn ber ©taat bie bürgerlid^en 
^rlbitegien bc^ Äferu« anfl^ebt, muffe er bafür aud^ auf 
jebe Sinmifd^nng in feine lird^Iid^e ©teüung berjid^ten; e^ 
muffe au«fd^lic|Iid^ ben Äird^en felbft übertaffen »erben, 
t^üdft ^ebingungen fie für bie ^efäl^ignng lum geifttid^en 
Slmt fteüen, tote fie il^rer ®eiftlid^leit bie erforberlic^e Se=^ 
tuf^bitbnng öerfd^affen, in toetd^er SBeife fie bie !©ifcij)ttn 
über biefelbe l^anb^aben tooöen Diefen @tanbt)unft ifat be- 
fanntlid^ bie fat^oHfd^e fiird^c in ©entfd^tanb feit 1848 mit 
t){elem ©efd^id unb ßrfotg gettenb gemad^t. ÜDie greil^eit 
ber Älrd^e toar ba« Sofung^toort, unter beffen ©d^ufe bie 
§ierard^ie biefer tird^e fid^ eine faft nnbefd^ränfte ^errfd^aft 
über ben nieberen Älerud jn ijerfd^affen tou|te. ^nx ^tit 
bed ftaatlid^en 9l6fo(utidmud »urben bie (^eifttid^en aller 
Sonfefftonen bon ben 9tegiernngcn in berfelben Slbl^ängigfeit 
gelitten, tt)ie anbere ©taatöbiener, aber fie l^atten fid^ aud^ 
ber red^tCid^ gejid^erten ©teßung unb ber toiffenfd^aftüd^en 
©Übung ju erfreuen, bie einen fo toefentlid^en SSorjug beö 
beutfd^en ©eamtenftanbe^ unb eine ©runbbebingung feiner 
JBraud^barfeit unb moralifd^en S^üd^tigfeit bilbet; ie^t gieng 
bad l&eftreben ber ^ierard^ie bal^in, i^re ©ejiel^ungen inm 
©taate ju föfen, um fie bafür um fo unbebingter bon il^ren 



136 2>ie ®et{iU4feti 

Hrd^Iid^^cn Oberen ab^ngig ju ntaci^en; unb bte ©d^toäd^e 
unb turjfid^tigleit ber meiften {Regierungen fam biefem Sßt^ 
ftreben nur ^aüju Bereittoiüig entgegen. J)er Sinfluß be« 
@taat^ auf bie ©efe^ung ber Sird^enämter tourbe fo tiet 
tote möglid^ befettigt: über bie ^farrfteüen foüten bic 
»ifd^öfe, über bie »ifd^of^fifee bie 2)omfoj)itet unb in lefetcr 
Sejiel^ung ber ^ap\t verfügen, ol^ne bag anäf nur ba« ge:= 
fefe* unb toertrag^mäßige @inf:i)rud^^re(^t ber 9tegierungen ge^ 
aäfkt tojorben toäre. IDie Sitbung ber fünftigen (Seiftlid^en 
tourbe ben tl^ectogifd^en Söcuttäten, toeld^e bie Staaten l^ie- 
für errid^tet ^tten, jum S^l^eil in ber geti?attt^tigften unb 
* rücf [id^t^tofeften SSäeife entjogen unb bifd&öflid^en Seminaren 
M 2)?onot)oI übertragen; unb bantit il^nen nid^t U)cnigftcn^ 
burd^ bie SSorbereitung auf bie Uniöerfität t)on ber ^dU 
bilbung unb ber freien SBiffenfd^aft ettoa^ pftieSe^ tt)a^ bie 
Eingebung an ba^ flerifate Softem erfd^üttern Knute, tour^ 
ben aud^ fd^on bie fünftigen ST^eoIogen bifd^öflid^en tuaben- 
feminaren übergeben, in benen fie gegen aße anber^gearteten 
Sintoirfungen abgef^)errt unb ganj unb gar ju SBerfjeugen 
in ber ^anb ber Äird^e geftem^)eft »erben foßten. Um fie 
enbßd^ aud^ für alle 3"^"^ft w ber $anb ju begatten, 
tourbe ber J)ifci|)tinargetoalt ber Sifd^öfe über bie SIerifer 
il^rer üDiiJcefc eine fold^e Slu^bel^nung gegeben, unb iebe 21^)^ 
peüation an bie bürgerlid^en ©erid^te ober bie {Regierungen 
fo nad^brücEIid^ abgetoel^rt, ba§ biejenigen, bereu innere Un=^ 
abl^ängigfeit nid^t tjor'^er fd^on burd^ bie fferifale ©rjiel^ung 
jerftört toar, fd^on um il^rer äußeren Slbl^ängigfeit toitten 
feinen SBiberftanb gegen bie S5erfügungen ii^rer fird^tid^en 
Oberen toagen fonnten. S)ie {Regierungen aber ließen fid^ 
aöe« biefe6 il^rer großen äßel^rjal^t nad^ fo gebutbig gefaßen, 
ja fie ermut^igten bie 2lnft)rüd^e ber Sifd^öfe, inbem fie 
i^nen jur lu^fül^rung i^rer Urtl^eife bie Sluftorität unb bie 



r 



9(iifptu4e ouf Unab^ditgigteit t>om ^taat. 137 

Drgatte bed @taatd jitr Verfügung fteüten, fo fcl^r, bag ed 
gonj ben Sltifci^m gewann, afö l^aben fie e^ ntci^t il^rer 
eigenen Sraft unb i^rem too^ftegrünbetcn Wöftz, fonbern 
nur bem guten ©ißen bet ftird^c ju berbanfen, toenn biefe 
bie Sonfequenjen i^red @tanb))un!tö nid^t überaQ gleid^ tüd- 
ftd(^tö(o^ jog, niäfi üitxaU bie gletd^en ^onfUtte mit ber bid- 
l^erigcn Uebnng unb ®efc|gebung l^erborrief. Slud^ tpo ber 
SBcrfud^ gemad^t tourbe, bie 3Rad^t ber Sird^cnbel^örbcn über 
ben nieberen ^lerud unb bie bon il^nen in Snf^jrud^ gc* 
uommene Unab^ngigfcit bont ©taat ju befdf^ränfen, gefd^al^ 
biefe bod^ nid^t nad^brüdfüd^ unb folgerid^tig genug, um eine 
bebeutenbe SQBirfung ju errcid^en. (Srft bie ncuefte })reu§ifd^c 
©cfe^gebung l^at ben S03eg ju einer burd^greifenben bem öf- 
fenttid^en Sntereffe entfjjred^cnben Drbnung biefer SSerl^äft:^ 
niffe befd^titten. 3^^^ ©cHeibung einer geiftlid^en ©teöc 
toirb nid^t Uo^ bie ganbe^angel^örigfett , fonbern möf ber 
SJlad^toei^ eined georbneten ©tubiumd auf ©^mnaftum unb 
Uttiöcifität unb eine« bcfttmmten SWage« öon aügemetn tpif:^ 
fenfd^aftlid^er ©itbung bertangt; bie ürd^lid^en ©itbung^an- 
ftaften u>erben unter ©taat^auffid^t gefteöt; e« ö)irb bei jebcr 
Slnfteüung ober ©eförberung im Äird^enbienft ber SJegierung 
ba« SRed^t ber (ginf})rad^e borbel^aften. S5ie fird^ttd^e ^u 
fct|}ttnargetoatt über bie ©eiftlid^en toirb auf beftimmte ©renjen 
eingefd^ränft; e« toirb feftgefe^t, ba§ bon geiftlid&en ©erid^ten 
neben ber Entfernung aM bem Hmte nur mäßige ©efb^ 
flrafen ober SSertoeifung in eine ®effcrung«anftalt berl^ängt 
toerben bürfen; baß jeber SSerurtl^eilung ein georbnete« SSer- 
fallen borau^gel^en muß; ba§ grei^eit^ftrafen nid^t loiber 
ben Seilten bc« betroffenen boüftredft »erben fönnen; baß 
fein ©eiftfid^er toegen einer J^anbtung, ju ber (Sefe^e 
ober tcd^t^beftänbtge obrigfeitlid^e änorbnungen i^n ber* 
^flid^ten, ober toegen ber äudübung eine« öffentüd^en ^aJ)U 



las 2>te (»tmmtit 

ober ©tlmmred^t«, ober wegen Berufung an bic @taatö6e^ 
]^örbe beftraft »erben barf. (g« tohrb nid^t blo« ben 35er== 
urt^eUten, fonbern unter Umftänben an^ ben Stegierung^^ 
Organen bad ^täft, gegen bte Sntf (Reibungen ber tird^ßd^en 
^erid^te an bte ©taatöbel^örbe )u a^j^eHiren^ eingeräumt; 
unb a(d 9l^))eQationdinftan) n>irb ein eigener ©erid^tdl^of für 
{trd^lid^e Sngefegenl^eiten errid^tet. Um enbCid^ bte fötrf'^ 
famleit btefeö ®efe|e« ju fid^ern, tolrb feine SBerlefeung mit 
nad^brädtid^en ©etbftrafen (ebroi^t. 

Sd ift nun l^ter natärlid^ nid^t ber Ort, bte einjelnen 
Sefttmmungen biefed ©efe^ed ju ))rflfen; und gel^t nur bte 
)}rtnct^ielle t^age an, ob ber @taat über]^au))t einen genü« 
genben %n(a§, bor aQem aber, ob er bad ^zä^t l^at, fold^e 
©ebingungen für bie SeKeibung bon Äird^enSmtern aufju^ 
fttücn unb bie ®etoa(t ber fitrd^e über il^re Beamten in biefer 
SBeife ju beauffid^tigen unb gu bef darauf en. SDtefed {Red^t 
loirb ,xffm ja gegentoSrttg fel^r lebl^aft beftritten; unb mit 
benen, meldten bie f^eil^eit ber ftird^e il^rer eigenttid^en Wlti- 
nung nad^ nid^td anbered bebeutet, alt bie $errf d^aft berfelben 
über ben @taat, berbünben *fid^ in biefem %ati mäf fofd^e^ 
benen ed mit ber bürgerlid^en f^eil^eit ein (Smft ift, unb 
bie gerabe beg^alb fürd^ten toürben, il^ren ®runbf%n 
etUHkd }u bergeben, toenn fie nid^t aud^ ben ®egnem bie 
ikxäft greil^eit (äffen iooßten, toetd^e fie für fid^ felbft in 
%nf^rud^ nei^men. S)ie^ird^en, !ann man auf biefem ©taub- 
pnnlt fagen, muffen fo giit, toie iebe anbere ©efedfd^aft, ba^ 
^täft l^aben, il^re Sngelegenl^iten fe(bft gu orbnen. Vknn 
ber®taat niemanb mel^r )n)ingt, an gottedbtenftßd^n ^anb« 
lungen t^itjunel^men, fo barf er auäf ben ftird^en nid^t bor^ 
fd^reiben, bon tt>em fie biefe $anb(ungen bornel^men (äffen 
foQen; menn il^nen ber ^i(bungdftanb il^rer (Seiftfid^n ge^ 
nügt, fo barf il^nen ber ©taat, in beffen !l>ienfi biefe(ben ia 



IRK^ti M etaat«. 139 

nid^t ftel^ett, n^M baretnreben; toenn fte für bie 9(u^(i(tung 
ber ftfetiler biejenigen Snftatten errtd^ten, koefd^e nad^ il^rem 
(Etmeffen bte ^tDecfmä^igften finb, fo barf ber@taat fiemd^t 
baran l^inbertt; to>enn fte bte getftUd^en Slemter nur unter 
ber i93ebm8ung übertragen, ba§ bte O^l^aber berfelben fid^ 
ber ttrd^ßd^en ^tfctt)(in, fo xok biefe nun einmal (efd^affeu 
ift, unterwerfen, fo l^aben fie bieg febigfid^ mit il^rer Oetft^ 
Itd^feit fe(bft au9)umad^n. S9 tft ja niemanb geni^tl^tgt, ein 
fold^ed ^mt anjunel^men, unb e^ fielet iebem frei, ed U)ieber 
nieberjulegen, toenn il^m bie JBebingungen nid^t }ufagen. %ber 
bte Sebingungen ju beftimmen, unter benen fie jemanb in 
i^ren S)ienft nehmen toiU, ift au^f d^üe^d^ ®ad^e ber ^ird^e ; 
ber @taat fann nid^t mel^r bon il^r berlangenV a(d ba§ bie 
(Sinie(nen nid^t burd^ 93er(e^ung biefer ^ebingungen in il^ren 
too^Iertoorbenen SRed^ten gefränft toerben. @oQte biet aber 
|e gefd^el^en, fo mag berjenige, ber fid^ fttr ber(e^t^(t, ba^ 
bfirgerßd^e @erid^t anrufen : }u ^(udnal^mdgefe^en UQb %ud^ 
nal^mdgerid^ten liegt in biefem 9Ser]^ä(tni§ , bad mit aUm 
anbern äSeitragdberi^ättniffen auf g(eid^er iSinie ftel^t, fein 
©runb öor. 

SQe^ biefed märe nun audf^ ganj rid^tig, toenn ed fid^ 
l^ier \m blo^e ^ribatgefeSfd^aften unb $ribatt)er]^ä(tniffe l^an^ 
bette. Genien toit un^ }. So. einen SSerein, beffen SOtitglieber 
an geioiffen Ziagen ju il^rer $ri)>aterbauung jufammenlommen, 
fo u>irb fid^ ber ®taat, menn nur feine aügemeinen SJereind« 
gef e^e nid^t berieft toerben, nid^t toeiter barum Ittmmem, bon 
b)em fie ftd^ bei biefer (S^etegenl^eit 93ortr&ge l^alten taffen; 
er koirb nid^t bertangen, baf bie 9lebner einer fold^en ^xit>aU 
erbauungdftunbe fid^ über i^re Sefäl^igung au^loeifen; er 
toirb e« ber betreffenben ©efettfd^aft überlaffen, ob fie ben^ 
felben ffir il^re ^emfll^ung eine JBeto^nung audfe^en, ob fie 
i^nen eine fefte Slnftelfung getoä^ren ober fid^ bad 9ted^t 



n 



140 2)ie @ktftU«(ett. 



»orBcl^ftcn tDifl, fic naci^ ©cßcfccn ju cntlaffcn ; f urj er toirb 
fid^ in biefc« ganjc SBctl^ältni^ nid^t tocitcr elnmifd^cn, unb 
toenn baffdbc ju einem 9ied^t«ftrett Anlaß giebt, fo totrb er 
bie ftreitenben >r^et(e ganj einfa(j^an ben bürgerßd^en Sttd^ter 
t)citt)eifen. 

316er tt)ie id^ bie§ aud^ l^ier toieberl^olen ntu§ : bie S5or* 
auöfe^junfl, bie toir l^ier gemad^t l^aben, trifft in bem bor« 
Ilcgenbcn %atit nid^t ju. 35ie bom ©taat anerfannten 9lc^ 
Xiglon^gcfeöfd^aften finb leine bloßen ^ribatbereinc unb il^re 
©eiftftd^en feine bloße ^ribatbebienftete , fonbern Jene jtnb 
öffcntlid^e Äor^jorationcn unb biefe finb öffentlld^e Seamtc. 
@ie finb e^ toegen ii^rer red^tlid^en ©tettung, fo toie btefc 
bom ©taot anerfannt unb burd^ feine ®efe^c gcfid^ert tft, 
unb fie finb eö tocgen i^reö in biefcr ©teMung begrünbeten 
(Sinfluffcö. SSon einer öffentlid^en Äor^)oration muß aber 
ber ©taat anbere ©ürgfd^aften f orbern, aU bon einer bloßen . 
^ribatgefeßfd^aft, an tl^reSeamten muß er anbere Änfprfid^e 
mad^en, er mußil^nen aber au'd^ einen anberen ©d^u^ unb 
andere 9led^te gen)ö]^ren, atö benen, n>eld^e in einem beliebigen 
^ribatbienft angefteHt finb. Sr ift baju bered^tlgf, benn 
biefe ftorj)orationen finb ba«, toa^ fie finb, toefentlid^ burc^ 
feine aRittoirf ung , burd^ bie JRed^te unb SSorred^te, bie er 
i^nen gemalert ffat Sr ift baju ber^)flid^tet, benn er burfte 
il^nen biefe 9ied^te nur unter ber ^ebingung getoit^ren, ba^ 
fie gemeinnüfeige ^tx>edt berfotgen, ein öffenttid^e«, in eineitt 
naml^often Sl^l^eile be^ SSolIe« borl^anbene« ©ebürfniß be:: 
friebigen-O ®^^ ©taat barf nid^t jugeben, baß bie^emter^ 
toetd^ einem toid^tigen öffentlid^en 3^* Wenen foDen, toetd^e 
er mit öffentlid^er Sluftorität audftattet, bereu dnl^abern er 
nid^t aöein für il^re ^erfon eine beoorjugtc ©tettung, fon^ 



*) ©ftdl. €. 72 f. 



J 



r 



bcrn aiid^ für il^rc amtliddc SC^ättgfclt bcn befonbern ©d^uft 
feinet ©efe^e unb bie Unterftü^ung feiner SBel^örben gctoäl^rt 
mit beren aSerioaftunfl ein fel^r bebeutenber, gutcntl^eU« auf 
biefer ftaatlid^en Untcrftttfeung bcrul^enber Sinftu§ berbunben 
. ift — er barf nid^t bufben , ba§ biefe 3lemtcr ^erf onen in 
bie ^änbe gefegt »erben, toeld^^en e« an ber nöt^igen 3Sor:= 
bilbung feilet, ober toeld^e gerabeju in einem bem ©taat 
unb bcn SJolföintereffen feinbfeligen ©inn erjogen »orben 
finb. 6r l^at in biefer Sejiel^ung ben bon il^m anerfannten 
unb ^^ribifcgirtcn Sor^)orationcn gegenüber bod^ mlnbeften^ 
fo biel dieäft, aB iljm gegen irgenb eine »on i^m conceffio* 
nirte ^ribatgef efifd^af t , j. So. eine Sifenbal^ngefettfd^aft, un^ 
beftritten juftel^t. SBenn e^ einer fold^en ©cfeüfd^aft einfiefe^. 
iur gül^rung i^rer gofomotibcn ^erfonen ju bertocnben, bie 
Dom !Dienft an biefen SWafd^inen nid^td berftänben unb fid^ 
auf bcnfetben nid^t orbenttid^ borbcrcitet l^ätten , lönntc fie 
fid^ befd^tocren, faß« ber @taat^ bagegcn einfd^ritte, unb fid^ 
l^inter bie ©el^auptung »erfd^anjen: bieg feien il^re ^rlbat- 
biener, bereu Slnfteüung ben ©taat nid^t^ angelte, unb fie 
*Iönnc i^re ÜRafdf^inen ebenfogut einem unge|)rüften Sofomotib^ 
fül^ter anvertrauen, ioie Jcber ^ribatmann feine ^ferbe einem 
unerfal^renen Äutfd^er? SBürbe man il^r nid^t antworten: 
fo lange bie 9lltionäre il^re ©al^n nur auf il^rem eigenen 
®runb unb ©oben erbauen unb nur für fid^ felbft benü^en,. 
mögen fie e^ bamit Italien, »ie fie tooßen; locnn aber eine 
©cfeöfdj^aft bom Staat conceffionirt fei, toenn er il^r ba^ 
ditäft ber ®tttereft)ro^)riation bcrleil^c, toenn fie bem ^ubli^? 
tum il^re S)ienfte anbiete unb fid^ }ur Sefriebigung eine^ 
öffentlid^en «ebürfniffe« ber»)flid^te, fo fei e« <Sadft bc^ 
®taat^, barftber ju u>ad^en, bag il^re Beamten für bie (Sr« 
reid^ung ber S^zd^, jn benen fie conceffionirt ift, bie erfot:? 
berUd^en ^ürgfd^aften barbieten unb nid^t Seben unb ®e- 



142 2)ie ©eiflü^tdt 

« 

funbl^cit bcr SRcifcnbcn In ©cfal^r bringen? 9?un, iemn fo 
bcrl^ält c« fid^ ntit ben JReligiondgcfcöfd^aften. ©o lange 
eine fold^e ©cfcüfd^aft feine «n^rttcj^e an ben ©taat mad^t 
«nb nur bie ^rtt)aterbaunng i^rer SSKtgliebcr bejtoedt, tann 
e« i^r fclbft überlaffen h)crbcn, jid^ tnnerl^Ib ber beftcl^cn^ 
ben allgemeinen (Sefe^e cinjurtd^ten , tt)ie fie c§ für gut fin^ 
bet. SBirb fie aber bom ©taot anerfannt, ^)ribifegirt vmh 
«nterftüfet, ift ein SC^eil be« SSoIfe« für feine gcmeinfamc 
Ootteöberel^rung auf fie bertoicfen, bann l^at ber @taat aud^ 
unläugbar ba« JRed^t, barnad^ ju fragen, toa^ für ^erfcncn 
biefc Sird^e bie Ausübung ber bon tbr übernommenen, mit 
fo toid^tigen JRed^ten unb fo bebeutenbem 6influ§ berbunbe^ 
ncn gunitionen überträgt ; er ^t ba« 9ted^t, nid^t Uo^ im 
aDgemeinen getoiffe ©ebingungen aufjufteßen, bie bon jebcm 
erfüllt fein muffen, bem er ben Eintritt in ein fird^üd^^c^ 
Slmt geftatten foü, fonbem aud^ in jebem einjelnen ^aU ju 
unterfud^en, ob gegen ben, toeld^m e^ übertragen »erben 
foB, fein bem bürgerlid^en ®ebiet angel^5rige« ©ebenfen bor^ 
liegt. @d loirb bon iebem Wiener einer fold^en aW öffent« 
lid^e fior^)oration anerfannten Sird^c berlangt toerben fön- 
nen, bag er ein ©ürger beö ©taat^ fei, auf beffen ®e6iet 
er toirfen njiü; e^ toirb eine fold^e SBirffamfeit nur bem 
geftattet toerben fönnen, ben feine aDgemeine ©Übung baju 
befäl^igt unb ber burd^ feinen ©ilbung^gang mit bem ®tift 
feinet SSoIfe^ im Bwfcintmen^ng geblieben ift ; e« tolrb einer 
filrd^e bertocl^rt »erben bürfen, i^ren fünftigen ©eifttid^en 
eine (grjiel^ung ju geben, »eCd^c ganj unbevf ennbar ben S^ed, 
jebenfatteaber bleSBirfung i^at, fie an^ lebcnbigen ©ßebcm 
am 8eib l^re« aSoIfeö ju toißcnlofen SBerf jeugen bt ber ^nb 
ii^rer ftrd^lid^en SSorgefe^ten ju mad^n. SDer @ta«t mlf^ 
fid^ burd^ blefe 3Ra|regeI nid^t im gerlngften in bie innern 
Angelegenheiten ber jMrd^en ein : er gebietet i^i^n ni^t ^ in 



IRc^tt M etaati. 143 

iDeld^en l^e^ren fte t^re Sil^ecfogen unterrid^ten foUen^ er 
Der bietet i^nen nur, WcfcI6en )oon ber ju il^rcm SBeruf ttct^* 
iDenbtgen 93orbi(bitng }tt entbinben, ober fie f^ftematifd^ gu 
©efltiem ber ©taat^orbnung ju erjlel^en, imb bieg liegt nn= 
ftrcitig in feinem SRcd^t toie in feinem Sntereffe. 

SDiefc« 3ntereffe be^ ©taatd an ber ©cfc^ung ber 
Äirci^cnämter ftelgt nun natürliii^ mit ber SBebeutnng unb 
bem ffiinflug ber @teüen, um bie e« fici^ l^anbett; unb e« 
ift oud biefem ^ruube nid^t mel^r atö biUig, n>enn bie 9?e^ 
giemngen namentfld^ aud^ bei ber SBa^t ber ©ifd^öfe ba« 
aied^t in änfprud^ nel^men, gegen fold^e ^erfonen, bon 
beren ©ol^I fie 9?ad^t^ei(e für ba« (Scmcintoefen befürd^ten, 
-Stnf^^rad^e ju erl^eben; n>ie fie bad gleid^e 9?ed^t aud^ in 
betreff ber gur Seitung ber ^jrcteftontifd^en Äird^c berufenen 
^ctfonen f orbern müßten, fobalb bie bi^ je^t üblid^fe lanbe^- 
l^errtid^e firnennung berfelben aufi^örte. 5)?un l^aben freilid^ 
bie ^Regierungen in ben legten bierjig Salären gerabe mit 
bcti 53ifd^6fötoa]^Ien leine fel^r ermutl^igenben ©rfal^rungen 
gemad^t. 8lud^ toenn man bon ber SÄäfigung unb f^tieb- 
fertigfeit be^ ©eto&l^lten ba^ befte ertoarten ju bürfen glaubte, 
geigte ed ftd^ nur gu oft, bag man fid^ get&ufd^t l^atte, baf 
berfclbe feine toal^e ©efinnung nur beffcr aW anbere gu ber* 
bergen getouft l^atte, ober baß er gu fd^ioad^ toar, um at^ 
Äifd^of bem Anbringen ultramontaner ganatifer ober bcn 
Jöefel^ten ber Äurie einen mannl^aften unb auöbaucrnben 
®iberftanb entgcgengufe^en. 5)aß bief in B^^w^f* «uber^ 
teitt »erbe, t&ßt fid^ um fo toeniger l^offen, ba bie neueften 
«oncWienbefd^Iüffe bo« »anb ber äb^ngigleit bon JRom für 
bie J8ifd^5fe nod^ biet fefler angegogen ^aben. <Sd toirb fid^ 
fortu>ä^enb in ben meiften ^&Um bad 9mt ftätler* geigen, 
üM ber fD^ann ; bie 9if d^5fe b)erben i^r SRel^rgal^t nad^ fort* 
ibü^tenb ii^er ftird^e eine unbebingtere Eingebung unb einen 



^ 



144 2)te %tiftmhit 

im^txhxüäflxiftxm ©el^orfam fd^ulbig ju fein glauben, al^ 
bem @taat; fie mxt>m fic^ k)or einem ßonflift mit ber 
©taaWregierung toenifler ftird^tcn, ote t>or bem 9Jti§fat(en 
ber ckrften Äird^enbel^örbe unb ber fie bel^ertfd^enben ^ar^^ 
tl^cicn, »äl^rcnb bic ®unft berfelben il^rem Sl^rgcig 3l«Ic er- 
öffnet, für bie il^nen ber @taat feinen in il^ren äugen gleid^^ 
n^ertl^igen @rfa^ ju bieten l^at. 9li(i^t«befton)eniger toSxt e^ 
nid^t tool^fgetl^an bon ben Staaten, toenn fie begl^alb auf bcn 
il^nen bon red^t^toegcn juftel^enben Sinflug anf bie Sifci^of^* 
»al^Ien berjid^ten tooßtcn, ber i^nen todf immer bie SDJög^ 
lid^feit getoäl^rt, au^gef^jroc^en ftaatöfeinblid^e ^erfönlid^feiteit 
bon ben toid^tigften Äird^enämtern ferniul^atten unb baburd^ 
aUm bcncn, toefci^c fic^ bie 9lu«fid^t auf biefelben offen 
Ratten tooöen, »enigftend einige JRüdfid^ten aufjuerlegen, 
SStelmel^r* folgt auö bem ebenbef^)rod^enen ©ad^berl^aft nur,. 
ba§ fid^ ber Sinftug be« Staate« nid^t Uo^ auf bie dxfft^ 
bnng bed @in)e(nen ju einer fird^Iid^en SBttrbe, fonbern aud^ 
auf fein S3erbfeibcn in biefer ©ürbe erftrcdcn muf; bo§ 
mit anbercn SBorten ba« ®efefe — toie bic§ bic neueftcn 
)3reu§if(i^cn ©efefec nun aud^ toirf lid^ tl^un — ber 8?egierutig 
bie SOtöglid^feit gen>ä]^ren mu§, fird^Hd^e Beamte, meldte ben 
©taat^gefetjen ben ©el^orfam bertoeigern ober fid^ grober 
SSergel^en fd^ulbig mad^en, mittetft eine« georbneten red^ttid^en 
3Serfa]^ren« bon il^ren ©teilen jn entfernen. 

SBie aber ber Staat fein eigene« äufftd^t«red^t aber bte 
SÜrd^enbiener nid^t au« ber §anb geben barf, fo mn^ er an^ 
bererfeit« aud^ burd^ feine ®efe^e bafür forgen, bag bie 
©eifttid^en bon il^ren ttrd^Iid^en Sorgefe^ten nid^t \oi&^ 
tilii)xtxäf beftraft, )urädfgefe^t ober bon il^rem Slmt entfernt 
toerben liJnnen. 6r tft bie^ in erfter ateil^ feiner eigenen 
Sid^er^eit unb bem 8eftanb feiner 9ted^t«orbnung fd^tt(big. 
üDenn !ein Staat barf geftotten, baf ein 2:^i( fetner Xnge^ 



etaatli(6eY €«u| ^c bicfclk. 145 

l^iirtgen in eine Sllbl^ängigfeit bcn einem fresiben iEBiQen ge? 
tätige, hie ed il^nt notl^&>enbiger erfd^einen Ue^e, biefemaufer^ 
ftüoüldfen SSiüen ju gel^ord^en, atö ben @taatdgefe^en unb 
ben gefefemäftgen änorbnungen ber bürgcrßd^en Dbrigfeit; 
mtb ed ift be^l^alb ganj in ber Drbnung, toenn j. ^. unfer 
beittfd^ed Sieidf^dfirafgcfcfe SSerbinbnngcn bcrbictct, beren WtiU 
glieber il^ren Dberen «nbcbingtcn ©el^orfom berf ^)reci^en* ^ 
fHoc^ tocniger barf ber ©taat jugcbcn, ba§ ^erfonen, bene« 
mit feiner ©enel^migung nnb Unterftü^nng eine einflugreid^e 
öffentliche S^ätigfeit anbertrout ift, einem fremben SiBcn 
in einer SBeifc unterworfen tocrben, bte cd il^ren SSorge? 
festen mi>gCici^ mad^en toiirbe, aud^ jum ^tozdt bed SBiber^^ 
ftanbd gegen bie ^Regierung unb bie ©efe^e nad^ belieben 
über fie gu berfägen. 3n biefer Sage befinben fid^ aber bie 
©ciftßd^en il^ren Äird^enbel^örben gegenüber, toenn cd biefen 
freigefteüt ift, bie 3)ifcii)ün über fie fo nnbefc^rSnft unb fo 
frei bon jiebcr ftaatlid^en 9(uffid^t )u l^anbl^abcn, toie bie^ 
\ten beutfd^cii iBifd^öfen feit einem aSiertcIjal^rl^unbert faft 
oUentl^albcn geftattet tourbe. @d ift für ben @taat einfad^ 
eine gragc ber ©clbfter^ttung, ba§ biefemB^fto^b auf ge- 
fe^id^cm Sffiege ein Snbe gemad^t toerbe. @d ift aber ju« 
gteid^ aud^ eine ^flid^t gegen ben Sil^cil fcined SSotfed, ber 
ben betreffenbcn Sird^en angel^rt. SBenn ber ©taat eine 
Äird^e anerfcnnt, unterftü^t unb in feinen ®6^n% nimmt, fo 
Üfvd er bie| be§i^aCb, unb er barf cd nur bc^l^atb tl^un, toell 
er e^ im öffcntlid^en Sntcreffe für Mufd^cndtoertl^ l^äft, ba§ 
ba« reögiöfc geben il^rer Slngel^örigen bon il^r gefeitet unb 
ge:|>f[egt toerbe. @r barf ed bal^er aud^ nur unter fotd^en 
Äebingungen tl^un, bie biefer aufgäbe entf<>red^en. ^n biefen 
JBebingungen gel^ört aber unftreitig aud^ bieg, bag ben S)ie 



') aßetgl. 6. 105. 

10 



"^ 



146 ^te (»eiitli^fcü. 

ttern ber Stetigiott ehte ©teQitng gett)äl^rt toerbe, bte i^nen 

ii^ren ©otgcfeltcn gcgcnüfccr ein $>anbcltt nadf eigener Uebcr* 

jeugung nid^t nnm'6iii^ madft Sine SteligtondgefeQfd^/ 

iöcld^c ben ®runbfa^ aufftcDte, baf jeber il^r Beamten 

in bcrfeÄen SBeifc, toie bieg bon ben STOitgficbcrn be^ 9fe' 

fititenorben^ berlangt toirb, feinen Dbcrn gegenüber auf 

ieben eigenen SBitten berjid^te, — eine fold^c SRcügtonÄge^s 

gefeöfd^aft bfirfte ein ©taat, ber feine ©ürger jnr flttßii^ctt 

t^ei^eit erjogen jn feigen tȟnf d^t, ioeber anerfennen no6f 

unterftü^en; nnb toenn in einer beftel^enben iReligiondgcfell:^ 

fd^aft ber Serfud^ gemad^t ä>irb, il^re SSerfoffnng in biefcr 

JRid^tnng nntjubilben, fo ^ai er aüen ®rnnb, biefem SSerfnd^e 

mit feinen ©efe^en entgegeniutretcn. Sr ift bieg aber ntd^t 

blo« fid^ felbft mx> bem SSofle, er ift e« aud^ ben ftird^en^ 

bienem fd^nlbig^. nnb er toäre e« il^nen fetbft bann fd^nlbifl, 

toenn fie il^rerfeitö feinen <Sdfnii gar nid^t berlangen fottten. 

©enn toie ber ©taat feine ©Haberei in feinem Oebiet bnt 

ben barf, fo mng er and^ nad^ Gräften beträten, bat ^^^ 

feinen ®efe|en nnb an« ben bon ii^m ancriannten Cintid^* 

tungen fär Sinjelne 3uftönbe l^er^orgel^en, loeld^e tl^otfüd^Ud^ 

ber ©Kaberei nal^e lontmen. 3n einem ^oläftn ^nftanh U^ 

flnbet fid^ aber berienige, toeld^er mit feiner ganjen finferen 

(gjrfftenj bon einem fremben SBiüen abl^&ngig ift, ol^ne bag 

er gegen ettoaige S3erle^ung einen gefe^Iid^en ©d^u^ fSnbe. 

SBenn ber <Staat ben ©eiftüd^en biefen ©d^ufe getoäl^rt, fo 

liegt bieg öoülommen in feiner änfgabe, nnb man lanttfei^? 

nen Singriff in eine frembe 8ted^t6fj)]^äre barin feigen. Ober 

Magen toir über einen nnbefngten (Singriff in bad Sigen* 

ti^ttmÄ:^ nnb SSertragöred^t, »enn bnrd^ ©efefte über SBconf^ 

fid^tigttng ber %aMtm, burd^ ba^ SSerbot ber Äinberarbcit, 

bnrd^ SBef d^ränfnng ber Slrbeit^jeit nnb äl^nlid^e ©eftimmnn^ 

gen baffir geforgt toirb, ba| bie ©efi^enben il^r Uebergetoid^t 



J 



r 



etaata(4et @4u|^ f&x bicfc((t. 147 

ntd^t mi^ixanäftn, um bie 3lr(eiter rüdfid^tötod au9iu(euten 
imb jur ©Hauerei l^eral^^itbräden? Sriennt e^ nid^t ieber^ 
mann an , bag bamit . nur eine f^orbernng ber ®ered^tigleit 
nnb ber Humanität erfüllt ta)trb? 9Bad ber @taat jiebem 
f^abritarbeiter f d^ulbig gn fein ^ionU, bad barf er aud^ benen 
m6)t ))erfagen, toeld^e an ber fittltd^en unb reßgU^fen SSott^:; 
bi(bung ju arbeiten berufen finb unb totldft er fe(bft tnbie^ 
fem Berufe anerlannt l^at: feine ^flid^t gegen fid^ fetbft unb 
gegen fein SSott fäüt in biefer grage mit feiner SSerjjfßd^^ 
tung gegen bie ^rd^enbiener^ bie er in feinen ®d^u^ nimmt^ 
^oCtommen pfammen. 



16. 

3ltbtn ber ^rlefterfd^aft befifet bie latl^oKfd^e Sird^e 
tiod^, eine jtoeite Slaffe Don ^erfonen, toeld^e eine äl^nßd^e 
©teUung, tDie |ene, in il^r ei^tnel^men, bie 3){ttgßeber ber 
geiftlid^en Drben unb orbenöäl^nlid^en ©enoffenfd^af ten. ©ic 
gciftüd^en Drben bitbcn xtoar feinen unentbel^rßd^en Seftanb^ 
tl^eil bed tird^ßd^en Organidmud^ fie gel^^ren nid^t ju ben 
Beamten unb ©icncrn ber Sird^e, fonbem fie pnb btoge 
^riöatöereine, »eld^e fid^ tl^eite bie reßgiöfe äJertoüIomm- 
nung il^rer Sßitgßeber burd^ afceßfd^edj Seben, tl^eitö aud^ 
<tnbere reßgi^fe unb lird^ßd^e ^tozdt jur Aufgabe mad^en. 
Aber ber SBertl^, toetd^en bie äfcefe in ben äugen ber tird^e 
^on iel^er gel^abt l^at^ bie Sudbreitung/ bie Drganifation unb 
$)ifci»)ßn ber gcipd^en Drben, bie «ü^rigleit, mtt ber fie, 
burd^ leine bürgerfid^en ©anbe gel^emmt, ii^re ^mdt gu 
berfotgen :t)flegen, bie Eingebung/ mit ber fie fid^ ber Sird^c 

10* 




148 ®eiltlt4c Drben. 

gur SScrfügung ftcütctt, l^aBcn tl^nen ein Bebcutenbc^ änfc^ 
unb einen au^crorbentlld^cn SinfluS auf btc ©eüiJffcmngen 
terfd^afft, nnb fie baburd^ ju ben braud^borften SBerfjcugen 
bcr f)terard^ie, unb in bcr römifd^en 5Krd^e int bcfonbent 
gu bcr fd^Iagfct'ttgften $)ütf«truppc be« ^apftt^um« gcmad^t 
3nt ^roteftanttenin« ffat ba« Drbenötocfen fo toentg, afö im 
öubentl^um, einen günftlgcn 53oben: tl^etfö »eil btefen JRe- 
ligion^gefeßfd^aften bie au6gcbi{betc l^terard^tfd^c Drgantfatton 
ber fatl^olifd^en Äird^e fel^It, bie oud^ jenen junt Stüdf^alt 
bient, tl^citö unb befonbcr^, toell fie bie 35orcra«fe^ung bon 
ben 35orgügen be« afcetifd^en gebend, bon einer befonberen mit 
ber Sl^etofigfeit unb ber freitoiüigen Slrmutl^ berbUnbenen 
l^eiligfeit nid^t tl^eilen. ©te Drben^geffibbe i)at ber ^rotefton- 
tiömu^ bon Slnfang an entfd^ieben bertoorfen. 8äge c^ nun auc^ 
tro^bem nld^t au§er ben ®ren jen ber SKögtid^Icit, ba^ fid^ augcr^ 
l^alb ber fat^olifd^en fiird^e gteid^faü^ refigiöfe ©enoffenfd^aften 
mit einer Orbenöberfaffung bilbeten, toie bie^ ia in einjet 
nen außer :^ unb bord^riftfid^en JRefigionen toirflid^ gefd^el^cn 
ift, fo toirb fid^ bod^ unferc ßrörterung auf bie i^ragc, »eld^e 
für unfere SScrl^Sttniffe aHein praftifd^e ©ebcutung i)at, nad^ 
ber ©teüung beö ©taatö ju bem Drben^toefen in ber latl^o- 
lifd^en Äird^e, befd^ränfen bürfen. 

äud^ l^ier tritt nun natürlid^ berfelbc ©egenfafe ber an- 
fid^ten l^erüor, toie überaü, too bie {Redete ber tird^en^ unb 
©taat^getoalt gegen einanber abgegrenjt »erben foüen. Siner« 
fett^ toirb für bie ©injelnen bie grcil^eit gef orbert, fld^ für reitst 
giöfe 3toe<fe beliebig gu 35ereinen unb ©enoffcnfd^aften gu 
berbinben unb biefen SSereinen jicbe beliebigen ßinrid^tungen^ 
alfo toenn fie tootten aud^ eine KiJfterfid^e Drbendbcrfaffunj 
gu geben ; unb ebenfo für bie Älrd^e bie t^reil^eit, fcld^c SSer:^ 
eine, toenn fie biefelben für il^r rcligiöfe« geben notl^loenbij 
Dber toünfc^en^xpertl^ finbet, eingufül^ren, ifinen im flrd^tid^ 



j 



mftmt otbtit. 149 

Organtömud il^re ©teile anjumeifen, i^re Xl^ütigleit ffirftd^ 
)tt üertDenben. %fit^ bieg, fagt man, feien innere %nge(e^ 
jenl^etten ber S^irci^e, tDetd^e ben @taat nid^t berühren nnb 
niäft^ angelten. S(nberer[eitd ffäit man fid^ an bie ZffaU 
fac^e, ba§ Softer nnb SRönci^dorben nici^t Btod auf ba6 reli^ 
güJfe, fonbern aud^ auf ba« ^JcUtifd^e, ba« toirtl^fd^aftlid^, 
bad fiuUurteben ber SSötler nid^t fetten einen l^öd^ft beben« 
tenben (Sinflu§ an^üUn, bag fie in bieten %&iltn für ben 
8ffentüd^en f^ricben, ben ©eftanb ber ©taaten, ben Viof)U 
ftanb unb bie 3i(bung l^öd^ft gef äl^r(id^, ja gerabeju berl^äng^ 
nigboQ geworben finb. ÜDie |$rage tä§t fid^ nid^t untgel^en, 
ob ber ®taat Widfte bon fold^er ^ebeutung ben feiner 
«uffid^t entbinben barf , ob er e« nid^t fid^ felbft fc^ulbig 
ift^ fld^ bie Sntfd^eibung über il^re B^toffung unb über bie 
©ebingungen berfelben borjubel^aüen. . 

gür un^ toerben aud^ bei biefer grage nur bie ®runb* 
fäftc mafgebenb fein !önnen, ju bereu Srßrterung loir fd^on 
i^fterd ©elegenl^eit gefunben l^aben. ÜDie üBi(bung retigü^fer 
Vereine ift }un&d^ft unftreitig tl^eild eine ^ribatangelegenl^eit 
ber Sinjelnen, toeld^e ju biefen SSereinen jufammentreten, 
t^eite eine innere ängelegenl^eit ber fiird^e, bie il^re ®rün* 
bung geftottet ober berantagt, fie beauffid^tigt unb leitet 
ennjfiel^ft unb benü|t ; unb ob biefe SSereine eine freiere ober 
eine ftrengere SSerfaffung l^aben, ob fid^ i^re Sßitglieber 
einer Orben^regel unterloerfen ober nid^t^ ntad^t in biefer 
^^iel^ung leinen Unterfd^ieb. ©er @taat ate folc^er i^at fid^ 
jeber )>ofitiben @inn>irlung auf biefelben }u entl^alten: erbarf 
Don niemanb bertangen, ba§ er in einen fold^en SSerein ein« 
trete, unb er barf feinem SSerein feine 3ti>ede unb feine 
fiinrid^tungen borfd^reiben- Slber er l^at ba^ SRed^t, jeben 
SSerein unter Umftänben ju »erbieten; er la'nn bon jiebem 
berfongen, bag er {eine gefe|toibrigen ^totdt berfolge, {eine 



150 ®eiflft(^t Dibttt. 

iingefc^Ilc^cn SDKttcI antocnbc, fcitic mit bcn ©cfctjcn be^ 
©taaW Uttb bcn atcd^tcn feiner Bürger unbcrträgtid^cn Sin« 
rid^tungcn l^aBc. Jßenn ferner ein SSerein feine Stnerfennnn j. 
berlangt, mit ber red^tlid^en ^erfönfid^feit anögeftattet fein: 
toifl, fo ffat er ju ptü^tn, ob in bcn ^kkn nnb Sinrid^tun* 
gen beöfetBen nid^tö liegt, toae bie ©etoäl^rung biefed äBun- 
fd^e« au« atüdfftd^ten be« ©emeintool^tt »ibcrrätl^, »enn e^ 
auäf biefleid^t forntefl feinem ®cfeft »iberftreitct STOaci^t 
enblid^ ein Drben ober SSerein auf Befonberc SSorred^tc ^n^ 
\pxnäf, fo ]§at bie ©taatöBel^örbc, toie toir gefeiten l^abctt 
(©• 72 f,), JU unterfud^en, 06 er bem ®emeintt)efen fold^e 
SJienftc leiftet, ba§ bie 33erlei]§ung biefer SSorred^te begrün« 
bet erfd^eint 

9Bie nun bemgemäg üBer irgenb ml6)e religiöfc Drbcn 
unb ©enoffenfd^aftcn ju urtl^eilen ift, bieg l^ängt natörlid^ 
tl^cifö bon ii^rem eigenen Sl^arafter, ti^eite bon ben ^n\tSn^ 
ben, ben ©etool^nl^eiten unb ben ©ebfirfniffen ber SSöIfer 
unb ber Staaten cA, für bie eine (Sntfc^eibung getroffen toerbcn 
fott» 2)enn aud^ l^ier pa^t [a nid^t notl^toenbig für alle baö* 
felBc, fonbem ba«, loa« in bem einen gafl unberfänglid^, ia 
bieöeid^t nü^Iid^ ift, fann unter anberen Umftänbcn erl^cB^ 
lid^c ^aäfÜiziU unb ©efal^ren mit fid^ fül^ren, unb loa« für- 
bie SSergangenl^eit eine SSol^It^at unb eine ^ebingung be« 
gortfd^ritt« loar, fann mit ben Sbtforberungen ber ©egen? 
toart im SBiberfjjrud^ ftel^en. SBoüen loir un« aber aud^ 
auf unfer SSoff unb unfere 3^^ kf darauf en, fo loirb ba« 
(BrgcBnig l^infid^tBd^ oerfd^iebencr Drben oerfd^icben au«* 
faüen. 6« giebt Drben unb Songregationen, bie ber Staat 
auf feinem ©ebiete nid^t ju bulben au«reid^enben ®run^ 
^at ®ie§ gilt in erfter Äeil^c bon bem 3efuitenorben fammt 
aüen feinen aSeritoelgungen unb äbtegcrn. SDSenn unfere 9icid^«- 
gefeftgebung bicfen Drben bom ©oben be« beutfd^en Sieid^e«- 



r 



SBcbindunom i^ret SuIafTung. 151 

Derbamtt J)at, fo koar biefe äßafreget fd^on formeQ burd^ ben 

Umftanb boQIommen gered^tf ertigt, ba$ er oud^ bcrl^er f d^on mit 

bctt Beftcl^enbctt, für.j[cbcn gccrbnetcn ©taat, tote frül^er (@. 

^05 f.) gejetgt tourbe, unentBe^rßd^en ©efe^en unberträgUd^ taxtr. 

Unf^ 9ieid^dftrafgefe^6ud^ berbtetet gel^eime SSerbinbungen : 

ber Scfuitenorben f)at feine 3ö>c<fe unb ßinrid^tuttge», feine 

Sil^ättgteit unb feine STtitgßeber bon leitet mit einqm ®tf 

timtni% umgeben^ bad er einer )>roteftantifd^en {Regierung 

gegenüber am toenigften lüften »irb. Unfer ©efeft bebri^l^t 

bie SCI^eilnal^me an S5crBinbnngen, in toetd^cn ben Oberen 

tin unbebingter ©el^orfam berf^^rod^en toirb, mit @ef ängni§ : 

ber *3efuit foQ in ber $anb ber feinigen ein SBerfieug fein, 

fo toiüenio«, ,,toie ein®todt ober ein ßeid^nam." Slberond^ 

materiell loar jene SRa^regcI nid^t bloö gered^tf ertigt , fon^ 

bem gerabejn nner(ä§tid^; mod^te fie nun in biefer ober in 

einer anberen f^orm auftreten. 3Ü)enn fo breift man ed aud^ 

gelöugnet l^at^ fo ift ea bod^ loeÜInnbtg, unb bie ®efd^id^te bon 

brei Sal^rl^unberten ftcßt e« au^er ^totViü, ba§ nod^ über? 

aU, ti>o 3efuiten geioirft l^aben, ber ^ebe ber Sonfcffioncn, 

bie JRttl^e unb ©elbftänbigfeit ber ©taaten, bie fittöd^e 3^U-^ 

grität be« SSoIIe6 bon ben ernfteften ©efal^rcn bebrol^t toar ; 

unb fo ttjenig bie SSertl^eibiger ber 3efuiten bieg SBort ^a- 

Ben tooöten, fo loar e« bod^ feit Salären mit ^änben ju 

greifen, ba§ ba« toiebergeborenc iDeutfd^tanb leine, erbitterteren 

unb in il^ren SDKttcIn rüdfid^tsloferen geinbe, oi^ fie, fyibe. 

S)a^ ein ®taat gefe^ioibrige , gemeinfd^äblid^e, feinen eigenen 

©eftanb untertoül^Ienbe SScrbinbungen nid^t bulbet unb nid^t 

bulben barf, ift fo felbftberftänblid^, baf jcbc« toeitere ©ort 

barttber entbel^rßd^ ift 

916er u>enn aud^ einem geifttid^en Orben leine fold^en 
^^enlen entgegenftel^en, fragt ed fid^ bod^ immer nod^, ob 
ber @taat gut ti^ut, toenn er ii^m unb feinem Sirlen SSor- 



1 



152 Q^m^ Drben. 

fc^it6 leiftet; unb cmäf abgefel^en t)on aUtm, toa^ gegen ein^ 
seine Dtben einjutoenben fein mag, liegt in bem Drben6:= 
toefen ühex^npi, fo toic fid^ biefe^ in ber fati^olifd^en Sircl^c 
ent)3)t(fe(t ffot, miSfx ate &n ^n%, ber il^n ba^on al^l^lten 
ntüfte. «fle biefe Drben laffcn i^re äßitgUeber in ben be^^ 
lannten brel ©elfibben auf SRcd^te öerjid^ten, in benen ber 
©taat feine kärger ju fd^ii^en Der^flicl^tet ift: anf bad 
^täft, Sigentl^um }u befi^en, eine t^antitie ju begriinben, 
fid^ in feiner ^üü^Uit unb feinem SSerl^aften nad^ eigenem 
(Srmeffen frei ju beftimmen. Sinn toirb e^ ber Staat frei- 
Ü(ff niemanb 'oetto^f)xzn fönnen, in ärmut^ ju leben ;► t^-^ 
lo^ }u bleiben, einem fremben SBiQen ju folgen; er toirb 
and^, n>enn nid^t emftßd^e Uebetftänbe barau^ .]^er)>or gelten 
foöten, leiner Äird^e t)erbicten, eine berartige Slfcefe ate 
)>erbienft(id^ unb gottgef SQig in tmp^tffim. ^ber einanbere^ 
ift ed, toenn ber (Einjetne fid^ burd^ ün förmlid^ed @etübbe 
JU berfelben öer^jflid^tet. S)iefe« ®elübbe barf ber ©toot 
nid^t atö binbenb anerfennen; benn bie 9ted^te, bereu man 
fid^ va bemfelben entäußert finb natürlid^e unb unöeräuger^ 
ßd^e SD'tenfd^enred^te, unb u>enn e^ (m<tf jebem freiftel^t, t)on 
benfetben teinen ©ebraud^ ju mad^en, fo lange er biefe (Snt- 
fagung filr t)erbienft(id^ unb gottgef&Hig mt, fo {ann bod^ 
lein ®elttbbe il^n red^ttid^ terl^inbem, fid^ il^rer toieber ju 
bebienen, totmt er ienen ©tauben nid^t mel^r l^at. ^it 
©toatdbel^rbe begebt bal^er ein Vinxtäft, toenn fie einen 
üRönd^, ber fein Ätofter üertoffen l^at, getoaCtfam in baffefte 
iurüdtbringt, ober einer 9tonne, bie aud il^rem Orben au^^ 
fd^eiben tM, um fid^ ju t>exfftixciäfm , bieg nid^t geffcattet, 
ober mnn fie fonft tiatn ^toan^ ava^Hiit ober {ufött, 
um )ur Sinl^altung ber Drbendgelfibbe ju nStl^igen. SBid 
ber @taat biefe ©etübbe üUxffaapt }u(affen , f o borf er fie 
bod^ immer nur ate moraßfd^e ^n^a^m obne aUe red^tßd^e 



j 



r 



Orben^gtiä^. 153 

fötrbms (ei^anbefo; B^^^i^^ ^^f ^^^^ SrffiQttttg mm fo 
toenig Ragen fanit^ atö ettoa auf bie bed a3erf)>re(i^en« eta)tger 
Siebe ober untoanbelbarer t^reunbfd^aft SC&enn aitx biefe^^ 
tonn man e6 il^m bann em)>f eitlen, (S^noffenfd^aften tu 6e« 
gänfttgen, bie il^re äßitgßeber in ber f eierlid^ften SSeif e Ser^ 
f))recl^ungen geben laffen^ xoüöft rec^tßd^ genommen feinen 
SBertl^ l^ben, xotl6ft aber bie ©ekoiffen in' bie ernfttid^fte 
^oti^ nnb SSertoirrnng Bringen fönnen? 

3ene ©eCübbe l^aben iebod^ anä^ nod^ eine toeitere 
Sotge. SBie t>erbienfUid^ immer bie ärmntl^ nnb bie ftenfd^^ 
l^eit in ben älugen ber ftird^e fein mag, ben l^iki^ften SBertl^ 
flQttt für fie bod^ immer ba6 ®e(ttbbe bed ®e^orfam9, ^u 
bem fid^ iebe^ SD2itg(ieb eined Orbend feinen Oberen gegen» 
über t)er)>f(id^tet a)iefed @e(übbe ift ba^ Sdmh, miäft^ bie 
geiftßd^ Orben nnb bie il^nen affiUirten ©enoffenfd^aften 
{u jener furd^tbaren nnb n)ol^Ibifcit>Iinirten Slrmee ber ^ier^ 
ard^ie mad^t al^ bie fie fid^ fo oft fd^on, nnb and^ in unferer 
3eit n>ieber , ittoSSfxt l^aben. (Sbenbarin liegt aber and^ 
für ben @taat nnb bad nationale Seben eine ©efal^r, bie 
rid^t b(od bem einen ober bem anberen Orben, fonbem bem 
Orben^mefen über]^att))t anl^aftet ftönnen aud^ nid^t aOe 
Drben an [xäf felbft il^rem Sl^arolter nnb il^rer Slenbenj 
nad^ mit ben defuiten auf (Sine Sinie gefteQt loerben, fo 
Kennen bod^ aße, felbft mibertoiUig , in ben !S)ienft be9 ®if^ 
ftemd gejogen koerben, bad an jenen feine entfd^Ioffenften Sor« 
(äm))f er i^at, koenn biefed @^ftem fo, n>ie titn it^t, im (itn^ 
trum ber ^rdbe pr ^errfd^aft gelangt. 9BeId^en ®tmb 
foSte nnn ber ®taat l^aben, ober morauf fotbe für ii^n bie 
SBerpflid^tung berul^en, ftor|>orationen , bie il^m felbft fo ge» 
fäl^rlid^ toerben fönnen, nnb fo toie bie« ^inge )ur ^üt 
tilgen, gefäl^rßdb iverben mftffen, burd^ feine Unterftfi^nng 
fefbft grof }U}ie^en ? d^S^ ^^^^ ^^^ ^^^ ^^ Srfa^mng 



1 



154 (»mm OxUn. 

ber neueften 3^^^ greifbar, ido ed l^infül^, toenn gatt}e 
Sanbe^t^eile mit einem ^tij t>cit fiföftem überjogen, mit 
gerben Merilaler Agitation Bebetft »erben? 3ft e« ferner 
in bo((d)]>irt|f(i^aft(id^er Sejiel^ung jn iDfinfd^en, bag ein 
naml^after 2]^eil bed 92ationa(bermögend in ben Sefi^ ber 
tobten $anb lomme? 9ßad^t ed ffir ein Sanb dtonomifc^ 
unb moraIif(ä^ 'nid^tö an^, toenn l^nnberte unb tauf enbe »on 
arbeitöf filzigen $erfonen ftd^ ber :t)robuftibcn arbeit entjiel^en, 
mn and milben Seiträgen, atfo oon bem &:trag frember 
SIrbeit unb fd^Iieglid^ auf Soften ber®efammt^eit, religiöfen 
Hebungen ju leben, toie bieg bei einem großen S^^eil ber 
Älofterbetool^ner ber ^aü ift? Unb toenn ber Staat fid^ 
aud^ nid^t bered^tigt glaubt, biegjuoerl^inbem: l^at erirgenb 
einen oemänftigen ®mnb , e^ ju begünftigen ober ju be« 
fSrbern? 6r beförbert aber bad Drben^toefen nid^t MoÄ 
bann, toenn er einem Drben ®elbunterftü|ung ober fonftige 
SSorti^eilc getoäl^rt, toenn er il^m feine Unterrld^t^anftoßen 
unb ftranfenl^ttfcr fibergicbt, toenn er il^m ba« 8ted^ ein- 
räumt, in öffenttid^en Angelegenheiten, j- ©. in @ad^en ber 
®emeinbe, mit}uf)>red^en : fonbem aud^ fd^on baburd^, baf 
er il^m fe(bft bie red^tßd^e $erf önßd^feit , feinem (Sigent^m 
ben Sl^arafter eined ©tiftung^oermögen^ beilegt. !Denn bie 
red^tßd^e ^erfönßd^feit berul^t, toie fd^on früi^er gejeigt 
tourbe, lebiglid^ auf einer aSerleil^ung bon ©eiten be« @taat^, 
barauf, bag er eine ®efeQfd^aft ald fetbftänbiged 9ted^tdfub- 
ielt ancrfennt; biefe Slnerfennung barf er aber nur fold^n 
(SefeQfd^aften ertl^eiten, gegen toetd^e aM bem ®efid^t9)>untt 
beö »ffentlid^en Sntereffe« lein »ebenfen borliegt SSKrb 
ooQenbd ber einfad^en %nerlennung bad n)eitere 9led^t bei' 
gefflgt, bat bad SSermögen einer ®efeßfd^aft bem freiea 
93erfel^r unb ber freien SSerfägung il^rer 9D>Htg(ieber ent^ 
sogen unb atö ein @tiftnng^bermdgen fitr alle 3^^^!^ ^^^ 



3tt>e<Ien biefer ©ef^Dfd^ft getoibmet fein feile, fo ift He& 

ein l^iM^ft loic^tige« ^xMlzinm, toie e^ ber ®taat nur 

fofd^en ®efettfd^often ert^^Uen barf, bte er entfd^ieben ato 

genteinnä^ig erfannt l^t !Die geiftUd^en Orben old fold^e 

fönnen^ aBer fo toenig für gemeinnfi^ig gel^alten ipetben, ha% 

\itnm üielmel^r fel^r erl^eblid^e @tfinbebe« öff entlt(i^en SS^ol^fö 

entgegenfiel^en. SSenn anäf iifxt 3^<fc ^n ft(i^ f e(6ft ju 

BiUigen finb — unb ö>er möchte Kugnen, baß bieg ^idfa(fy 

bcrgatt ift? — fo gicbt bo(^ berUmftonb, baß biefeBtoerfe 

in ber gorm einer Drben«t)erbinbung »erfolgt »erben, %n^ 

laß SU ben getoid^tigflen Äebenlen. ffienn bal^er in einem 

Sanbc nod^ feine Äßfter unb geiftlid^e Drben beftel^en, fo iff 

e* tocit baö Befte, aud^ femerl^ln leine jujulaffen, ober biefe 

3ulaffung toenigften« auf fold^e jn befd^ränlen, bie fi<3^ einer 

totrlHd^ genteinnä^igen S^l^ätigleit , n>ie ber Ernten« unb 

Äranf enj>f[ege , geioibntet l^aBen; aud^ biefcn mfiffen aber 

©eblngungen gefteßt »erben, »c(d^c ben Uebelftänben , bie 

bad Drben^toefen fo leidet l^erbeifül^rt, ju begegnen geeignet 

finb, unb e« ntuf bem ®taat indbefonbere jieberjeit bie Sßög^^ 

(id^Ieit offengel^atten »erben, bie einem Orben ertl^eitte 

änerfennung in gcfe|fid^ beftimmten gälten unb formen 

voiebcr gurütf jujiel^en. Ueber eine unbered^tigte ©efd^ränf ung 

ber refigiöfen greü^eit lann man fld^ aud^ bei biefem 35er= 

folgen nid^t besagen. Stud^ »enn ein @taat biefen 98eg 

einfd^tägt, öerl^inbert er niemanb, fid^ mit anberen innerl^alb 

ber burd^ bie aßgemeinen ®efe|e gejogenen ©renjen ju bem 

3toedfe gemeinfamer ©rbauung, ober eineö gemeinfamen afce* 

tifd^en Seben^, ober einer gemeinfamen refigiiJfen SBirlfam^? 

leit JU bereinigen; er berbietet feinen Ängel^örigen nld^t, in 

@inem ^aufe sufammenjuiDol^nen unb einer beliebigen 2ticn^^ 

unb ^audorbnung ju folgen; er tel^nt e0 nur ab, eine ®e« 

feSfd^aft, bereu Sinrid^tungen il^m bon feinem ©tanb:)'^^^ 



156 mVii^t Ocben. 

au« Bcbenfßd^ erfc^incn, ate fclbftänbige« «ed^tdfttbjeft ttr 
fein ^täft9>Uitn an^inm^mn, i^re (Sinttd^tunsen in feinen 
©d^tt^ iu nel^men, ober i^r gor befonbere ^ribilegten jn 
ertl^citen, unb bajn ift er unjtoeifeC^aft bered^tigt, unb fo 
(ange feine ^ebenlen nid^t befeitigt finb^ fogar ber)}flid^tet 
üDie (ginjcinen ti?erben babnrd^ in ber grei^eit i^re« ^an* 
beln« nid^t befd^ränlt; fie n>erben aud^ nid^t gel^inbert, ba«, 
toorüber fie aüc einbcrftanben flnb, gemeinfd^oftlic^ au«ju* 
f ül^ren ; aber um ai^ gef eQfd^af ttid^er Organi^mu« im ©taat 
ju ef iftiren^ bebürfen fie feiner ©enel^migung, unb fie fönnen 
nid^t ertparten, bag il^nen biefe ertl^eilt tperbe^ fo lange bie 
^Staatögetoatt nid^t bie Ueberjeugung gewonnen f)at, bagfid^ 
«ine fold^e ®ef eüfd^af t mit bem öffentfid^cn 3ntereffe bertrage. 

3n einer anberen Sage beflnbet fid^ ber ©taat aöer^ 
bing« bann, koenn Stöfter unb geiftßd^e JOrben in feinem 
Ocbiete r>on frül^er i^er fd^on beftel^en unb il^r tj«>rt^^ft«tfc 
bon einem bebeutenben 2:^ei( be« 93oUe« gen)änfd^t toirb. 
On btefem 0aQe fragt e« fid^, ob burd^ il^re Sufl^ebung in 
bie getoo^nten ä^f^änbe eingegriffen toerben fotte^ unb baju 
ioirb man fid^ nid^t leidet entfd^Iie^en, loenn bon il^rem i^ort^ 
beftanb nid^t fel^r fül^Ibare Uebelftänbe jn befürd^ten finb. 
9{ur um fo nötl^iger ift e« bann aber, ba$ bie @taat«geb>a{t 
i^r 8luffid^t«re(^t mit fefter $)anb ausübe, unb ba| bie @e^ 
fe^gebung ii^r jur ätbtoel^r bon Uebergriffen unb ^bfteQung 
bon S92ipräud^en bie SOZittet getoSl^re unb fie in ben @tanb 
fefce, bie ^af^i ber Sttfter unb ben Umfang i^re« «cfifeeö fo 
loeit }tt'befc^rän{en, atö bieg ba« allgemeine 3ntereffe berlangt 

Sine unbebingte @id^er^eit gegen bie Siad^tl^eile, toeld^e 
bon bem Orbendtoefen unjertrenußd^ finb, tagt fid^ aQerbing« 
mit afier S3orfid^t nid^t erreid^en, fo lange üUxffdaupt ^üp 
üdft Orben unb fttöfter gebulbet koerben. ©elbft too bieg 
nid^t ber %aü i% tann man bie Umgel^ung ber ©efe^e, bie 



®<fej^ äto bieftikn. 157 

il^nen etttgegenftel^en , nid^t burd^ou« s>er]^fatbern. SSerbotene 

Orbcn nnb SBcrcinc lönnen in^gcl^eiin f ottbeftd^cn , tote bte§ 

bei bem defuitenorben nadf [einer Sufl^ebung ber %aü toox^ 

unb ba, u>o er gefe|(i(^ betboten ift, cl^tte 3^(if^t ^^^ 1^^ 

itod^ ber gaQ ift. Senn einem Orben ober 93erein bie 

xeäftiiäft ^erfönlid^Ieit berf agt toirb, fann fein ffitgent^nm 

awf bcn 5Ramen Don frlüatperfoncn eingetragen, e« fann 

feinen Oberen, onci^ toenn fie ))om ®taat nid(^t a(d folci^e 

aner!annt finb, ein fd^cinbar freittiöiger Oe^orfom geleiftet^ 

nnb ed tann babei Ü)üü burd^ ))rts>atred^tlid^e Serträge,. 

t^tit^ bnrd^ fonftige Wtitttl bafür geforgt »erben, ba^ bem 

Drben fein Vermögen bon ben nominellen Cigentl^ümem 

beffclben nid^t entfrembct, ben Orben^oberen ber ©el^orfam 

nid^t bertoeigert, ba« oom <Btaat nid^t anerfannte ®elübbe 

nid^t (eic^t gebrod^en »erben lann Slber in ber gleid^eit 

Sage beflnben loir nn« nod^ in jal^ßofen gäßcn. 35ie &taat^^ 

getoalt fann nid^t jicbe Uebertretung ber ®efe^e berl^inbem,. 

unb bie ©efe^gebung felbft fann nid^t aöc bie ©ege ber^^ 

legen, auf benen eine Umgcl^ung ber ®efe$e möglid^ ift 

9?ur folgt baraue nod^ lange nid&t, ba§ biefe ®cfe^e über? 

ffüffig ober nu^Io« finb. Stud^ in ©etreff ber borßegenben 

Srage folgt bief nid^t. 6« mad^t einen großen Unterfd^ieb,. 

ob ein Drben offen atö ©efeßfd^aft beftel^en unb ttirfen fann, 

ob er feine 5WiebcrIaffungcn, feine ftird^en, fein ©efeflfd^aftö* 

bermögen ju SRcc^t befi^t, ob er in ben ©tanb gefegt ift,. 

bae S5off unter feinem eigenen Slamen, in öffentfid^en SSer* 

fommbtngen unb gotteiSbienfttid^en 9Uten, mit ben SDfittelft 

unb bem Anfeilen einer anerfannten ftor^joration ju bear* 

leiten, il^m burd^ ein effeftooße^ auftreten gu im^joniren^ 

feinen Sroitglicbern ate fold^en bie Sanjeln, bie »eidfitfttt^te^ 

bie Unterrid^t^anftaften in bie $änbe gu f))ielen, ober ob er 

fid^ mit feiner Sii^ätigfeit in'd S)unfe( gurädtgie^en mu^ unb 



15S «eimi<^ Orben. 

itur unter frentbem 9tamen astftteten, feine 3^^^ ^^ ^^^^ 
«injelne fefater ®enoffen, nid^t ate ®efeSfd^aft burd^ feine 
cnerlannten Organe berfolgen laffen lann. !X)iefer Untere 
fd^ieb fäKt nament(i(i^ ba in'« ®en>id^t, tt)o ed ftd^ nm eine 
®irlttng ouf bie 9Raffen, um jiene agitotorifd^e ^ätigteit 
l^onbeft, fttr n>e(d^e bie Orben unb geiftttd^en ©enoffen^ 
fd^aften bon jel^er, nnb fo nantentlid^ and^ in "Ott neue^n 
^üt, mit fo grofent (Erfolge benit^t n>urben. (Sbenfotoenig 
ift <» gleid^giUtig , ob eine religiöfe ®enof[enfd^ft ein ^ri^ 
Datberein ol^e ftaottid^e Suerlennung ift, ober ob fie ott 
«ine bom Staat anerlannte ^erfönßd^teit felbftänbige Siechte 
Befi^t unb andübt unb eine bor beut bärgerßd^en ®efe| 
^eftenbe Organifotion l^ot. ^ie äßittet, bnrc^ t&üöft man 
ttn SDlanget einer fofd^en gu erfe^en, ber ®efe((fd^aft anif 
efftit bie ftaatlid^e Snerlennnng il^r SBermdgen unb ben @e^ 
l^orfant il^rer SDtitglieber ju fidlem berfud^en (ann, taffen fid^ 
intnter nur in einem Befd^rSntteren &tti^ anu>enben, toenn 
bie ®efe^e, bie man umgel^en toxU, mit einigem ^fd^idt ah 
gefaxt finb, unb bie bürgertid^en ^el^örben ftd^ nid^t ben 
offenlunbigen S^otfad^en gegenüber in äl^nlid^er SBeife bie 
tfugen jul^alten, koie bie^ in Sßorbametila )u gefd^el^ Pfi^Sl^r 
nm bie ®efe^ über bae lird^ßd^e 93erm5gen für bie Ia£^oIifd^e 
Aird^e n)irInng$Io9 ju mad^en. 3m großen unb ganzen (S^ 
fid(^ bad Orben^toefen burd^ itoedmSlige ©efe^e unb burd^ 
eine Irfiftige Sludftt^mng berfelben red^t moi^I bon einem 
^arü> fem l^alten, ober n>o bieg untl^unßd^ ift, in feinem 
had^t^eißgen Sinflug auf bie gefeUfd^afttid^en unb ))oItttfd^ 
3uftänbe toenigftend in l^ol^em @rabe befd^ränlen* 



r 



jtiftenmmdgeit. 159 



17. 

(Sine ^on ben loid^tigften t![ragen^ rnd^t oüleat für ben 

äußeren ^jeftanb, fonbem ntitteCbor onif fär bie inneren 

3ttftänbe ber SReßgiondgefeHfi^aften, ift bie nad^ ben aiZittefo, 

bereit ftc, toie iebe OcfeBfd^oft, für i^re Stoede kbfirfen. 

(gtenfo ift ed oucj^ für bie aeftimntung be9 SSerl^Sttniffe«, 

in bem fie sunt @taat [teilen, bon ber grölten iOebeutung/ 

i>h, in n>eld^er 9ßeife unb in tDeld^ent Umfang bon bem 

Staate bie a5er^)flici^tung, für biefe SWittel ju forgen, ül&er* 

nommen unb ein Stnflug auf il^re Sßertoattung audgeüM 

toxtb. Siefetben lönnen nun im aQgemeinen aui^ brei DntiUiSL 

l^crrül^ren: au^ bem eigenen SScrmögen ber Äird^en, aM 

i^eiträgen i^rer SDtitglieber, unb an^ ^Beiträgen bed @taate; 

benn u>enn eine ftird^e nod^ bon onberer @eite aU bem 

<Staat über il^ren eigenen 3Ritg(iebern unterftü^t toirb, fo 

ift bieg immer ein Slu^ndl^m^faö, ober e« berul^t auf einem 

Sled^tdanf^rud^ , ber aU fold^er einen £l^eil be^ tird^Iid^en 

S5ermögenÄ bilbct. @ofern nun ber @taat einer Äir<^ Unter* 

ftfi^ung getoäl^rt, ifat er fetbftberftänbßd^ aud^ ba« SRed^t, 

barnad^ gu fragen, tt)ie biefe SRittef bertocnbet »erben, unb 

bafür gu forgen, bag fie nid^t gu anberen ^totdm gebrauci^ 

Jocrbcn, ate bie, toofür er fie beftimmt l^at; e^ fielet il^m 

bal^er über bie S3ern)altung bed ürd^ßd^en (Sigentl^umd , fo 

tocit fie biefen S^ell beffelben betrifft, untäugbar eine Ober? 

ouffid^t iu* 3ti>eifell^after erfd^cint bieg l^infid^tüd^ ber befc^ 

ben anberen (5in!ommenöqueöen. Ueber bie Beiträge il^rer 

SWitgüeber, fd^eint e«, lönne jebe 9ieflgionßgefeöfd^aft nad^ 

natttrlid^em Siedete mit unbcfd^ränlter greil^eit berfügen, unb 

tt>a^ fie bon il^rem Vermögen für einen ©ekaud^ mad^e, 

baö toürbe ben ©taat nur bann ettoaö angelten, toenn fie 



160 JH»(eniMnitö(|nt^ 

e0 jtt tttigefe^ßd^en ^totdm üertoenbete, ober toenn aud bte^ 
fcr aScranteffung bic ^ülfc fciitcr ©crid^tc ongerufcn toärbe. 
äßcin bcr crftc bon btefen©ä|cn toärc toäf nur banmrtd^- 
tig ^ tt)enn ber @taat oud^ unt bie (Srl^ebung ber ^eiträge^ 
tDtl^t bie fiird^e Don tl^ren äJ^itgliebem erl^ält, ftd^ nid^t^ 
betäntmerte. @o (ang er aber einer ftird^enbel^örbe bad 
{Red^t ertl^eitt, fiiri^enfteuem auejufci^relbett unb ©tolgcbfil^* 
ren feftjnfe^en, fo (ang er btefe {irci^tici^en 9lbgaben bnrd^ 
feine ©crid^te ober felbft burd^ feine SSertoaltungdbel^örben 
Beitreiben Iä§t, ift er oud^ befugt unb t>crpflid^tet, feinen 8to- 
gel^örtgen eine ©ürgfd^aft bafür ju geben, ba§ biefelbcn ba* 
rid^tige 3Äa§ nid^t flberfteigen unb ju feinen anberen ^tocden 
»ertoenbet »erben, ate ju bencn, für bie fie beftimmt finb; 
unb bicfe ©ürgfd^aft fann nur barin bcftel^en, baß enttoeber 
ber @taat felbft eine Äuffid^t über bic S5erU)enbung ber lird^^ 
lid^ctt abgaben l^anbl^abt, ober baß er bic ©ciolßigung biefer 
abgaben unb bie Sontrofie über il^re S3er)oenbung ben f ird^- 
Hd^en ©emeinben überträgt, unb feinen SJel^örbcn iebe SKit* 
loirlung jur Beitreibung fold^er abgaben unterfagt, n>eU^e 
»Ott einer Äird^cnbel^örbe ol^ne bie ^wftiutmung ber®emcinbe 
ober ber ©enteinbeöertrctung auögefd^rieben »erben. S)ie 
Ic^tere Slnrid^tung toürbc mit bem ®runbfa^ ber toxpoxa- 
tiben ©elbftrcgicrung, loie biefer im ®eift unferer 3cit liegt, 
am beften übereinftimmen unb bem ®i(iai mand^e fonft un^ 
\>txmtMidft 93eru>id((ung erf)>aren. 

%u6f in Setreff be« fiird^enbermögen« liegt aber bie 
®a<fyt nxäft fo einfad^, toie ed auf ben erften älnbUdt fd^einen 
fönnte. d^ ift balb gefagt, bie ^ird^e- l^abe bod gletd^ 
Siedet, über il^r Sßermögen nad^ eigenem Srmeffen }u ber:? 
fügen, »ie j[eber $riO(toann. Slber in ber Sßirllid^teit ift 
iU)ifd(^en beiben ein großer Unterfd^ieb. S)er Sinjetee loim 
freißd^ bon feinem freien Sigentl^um leben beliebigen ®e» 



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^uffi(^t«YC«t M etaatd. 161 

ixauif maöftn, benn er beft^t baffe(Be ntd^t unter ber 8e> 
bingung, ba| er e« jn einem Befthnmten ^md antoenbe. 
S)ad gfeid^e gilt t)on einer Bloßen ^hribatgefeCfd^aft; unb 
and^ n)enn eine fotci^e bont ®taot aner!annt unb ii^r bie 
red^ttid^e ^erfönlid^feit ert^eitt toirb, l^at biefer leinen 
®ninb, il^re änerlennung an bie ©cbingung einer Beftimmten 
Sem>enbnng ü^re« SSerntögen« }u fnä^fen, unb bie fiitdiaU 
tung biefer ©ebingung ju üBertooci^en, fo lange bie ©efefi:^ 
fd^aft, bie feine änerlennung m(fy^u(fyt, nid^t uie^r fein tt>iö, 
ate ün SBcrein für irgenb ein ^ribatintereffe feiner SIRit:^ 
gtieber. SJiefe« Sntereffe ju toal^rcn, lann er füglid^ il^nen 
fclbft übertaffen. SBertongt bagegen eine ©efeßfd^aft bieäu:: 
erfcnnung be« ®taat^ unter ber angäbe^ ba§ fie einen Be^ 
fttmnttcn im öffentßd^en 3ntereffe liegenben ^totd t)erfo(ge, 
fo l^at ber ©taat, toetd^er il^r biefe Slnerfennung ertl^eiß^ 
aud^ ba« JRed^t, barüBer ju toad^en, ba§ biefer ^toid ts>ixh 
ttd^ berfotgt, unb ba§ bal^er fiBer baö Vermögen ber ©e- 
feöfd^oft nid^t in einer SBcife »erfügt toerbe, burd^ bie er 
Bcnad^ti^eiÖgt tofirbc; unb nod^ unjtoeifell^after ifl biefer 
Siedet, ü)enn ber @taat biefer ©efeßfd^aft gerabe »egen ber 
©emeinnüfeigleit il^re« 3U)ecfe« unb i^rer ST^ätigfeit ?ribi:^ 
Icgien berleii^t, unb toenn il^r SSermögen öon 2lnfang an nur 
Beamten ^mäzn getoibmct ift. ©ie^ gilt felBft bon fold^en 
©cfeHfd^aften, Bei be^en e« fid^ il^rer testen äBfid^t naäf um 
ba« ?ribatintereffe i^rer SKitglicbcr l^anbelt, foBalb fie fid^ 
bem @taat gegenüber ju irgenb einer im öffenttid^en Sntereffe 
liegenben Seiftung ber^)flid^tet l^aBen* ®o toirb j. SS. Bei 
ber ©rfinbung einer SifenBal^ngefeßfdJaft fotocl^I für bie 
©rünber ate für bie Slltionäre in ber Äegel il^r eigene« 
dntereffc bafi SKotii) jur ©etl^eiligung aBgeBen. äBer 
bie Sal^n, bereu ©au unb ©etrieB jte ffir biefen ^toed 
untemel^men, bient jugleid^ bem 3ntereffe beö SScr^ 

11 



162 Jtic^cnoennogen. 

ttSfx^, unb nur um biefed öffentßd^en 3ntereffe^ ts>\üm ts>ixb 
ber ©efeUfci^aftbie (Soncefficn^ bad S^^ro^riotion^red^t u. f. tt>. 
ertl^eitt (Sitnht^^atb berlangt aber ber ©taat anäf, bag 
fie bie i^r im Ontereffe bed öffenttid^en 93erle]^rd auferlegten 
93er))flici^tungen erfülle; er erlaubt il^r nid^t, bon ü)vem 
Sigent^um ieben beliebigen @ebraud^ ju ntad^en, bie @ättx, 
toeld^e fie junt Sifenbal^nbau e())ro))riiren ße§^ für anbere 
3tt>e(Ie mit @eipinn ju Verläufen , ben JiBetrieb fd^Ied^t ren- 
tirenber ^a^nftreden ol^ue feine Genehmigung ein}ufte£(en, 
bie S^arife n)UI{ü^rIid^ ju er^ö^en, ober für berf(i^iebene 
$erf onen ungleid^e 2:arif e auf jufteCen ; er nimmt mit @inem 
Sort ein 3luffid(^tdred^t für fid^ in ^nf^rud^, unb er tä%t 
fid^ l^ierin burd^ bie 9tüd(fid^t auf ba^ @igent^umdred^^ ber 
©efeUfd^aft nid^t irre mad^en. "äzffnliäf berl^ält ed \x(fy mit 
ben JReögion^gefeöfd^aften. SDiefe ©efeßfd^aften flnb bom 
@taai mä)i Uo^ anerfannt^ fonbern aud^ :f)ribi(egirt, unb 
gerabe ber (Srtoerb unb bie (Srl^attung il^red SSermögen^ ift 
i^nen nur burd^ bie 9ted^te ermög(id^t, n>e(d^e ber @taat 
i^nen ertl^eilt ^at @r ^at il^nen aber biefe 9ied^te b(od be§- 
l^alb ttüfüü, tpeil er il^ren 3^^<I/ ^'^ Pflege bed religiöfen 
Sebend im SSoffe, atö einen gemeinnü^igen, im öffenttid^en 
dntereffe (iegenben anerfennt. @r ift unftreitig bered^tigt, 
ju bertangen, ba§ fie and^ toirflid^ für feinen anbem ^toed 
benü^t n)erben* 6r ift bal^er aud^ bered^tigt, ju berCangen, 
ba$ bad Sird^enbermögen ben bon il^m aner!annten ^tozdtn 
be^ reßgiöfen ®emeinn)efend erl^atten, unb ba^ bad @tn< 
lommen au^ bemfefben nur l^iefür bern^enbet n>erbe ; unb fomit 
aud^^ feine 93ertpa(tung in biefer 9iid^tung p beauffid^tigen. 
@d tpirb bieg nod^ beutßd^er an'd Sid^t treten, toenn 
koir ben red^tUd^en Sl^aralter bed ^ird^enbermögend etioad 
genauer unterfud^en* üDiefed SSermögen unterfd^eibet fid^ 
nSmtid^ bon jebem btofen $ribatberm(>gen baburd^, baf ed 



^uffl4tdce«t htd etaatd. 163 

beftimmten 3^^<^tt ^^ Sludfci^Iug ader anbem gett)ibmet^ 
unb bad freie äJerffigung^red^t feiner JBefi^er burd^ biefe 
feine 3^e(I^fttmmun9 befd^ränlt ift, alfo mit Sincm ©ort 
baburci^, bag e^ ben S^ralter einer Stiftung trägt Um 
augenfd^einßci^ften ift bieg bei benienigen 2^ei(en bed fiird^en^ 
bcrmögcn«, toetd^e ate fetbftänbige , mit eigener red^tlid^er 
^erfantid^teit an^geftattete lird^tid^e Stiftungen beru>a(tet n>er^ 
ben^ ol^ne einer beftimmten ^or)>oration atö il^r (Sigentl^um 
in geboren; n&^\ü>^ bei fotd^en, bie jtoar (Stgentl^um einer 
Äor})oraticn (einer ©emeinbe, Äird^e u. f. f.) finb, bereu 
(Ertrag aber biefe nur für beftimmtc, in ber ©tiftung^urfunbe 
Bejeid^ncte 3toeie bermenben barf. Slber aud^ mitbenübri^ 
gen ^eftanb£^ei(en bed tird^Iid^en 93ermagend berl^ätt ed fid^ 
ber @ad^e mtfy nid^t anberd. @ine Sird^fpietegemeinbe j. Sd. 
mag über ben (grtrag i^rer Äird^engüter jtoar für i^re f ird^tid^en 
©ebürfniffe nad^ eigenem Srmeffen berfügcn, aber fic barf 
bon bemfetben leinen auger i^rer tird^tid^n ^eftimmuug 
Uegenben ©ebraud^ mad^en; fie l^at nid^t ettoa bad 9led^t, 
il^n unter i^re einjcincn SWitgficber ju bert^cifen ober für 
irgenb toetd^fe mit bem fird^Iid^en ßeben in feinem 3ufömmens 
l^ang ftel^enbe, toenn aud^ an fid^ fetbft nod^ fo gemeinnü^ige 
3tt)edte, ettoa bie Srbauung einer 8anbftra§e ober bie Einlage 
öffenttid^er Spaziergänge, }u oertoenben, e9 mü^U üjv benn 
biefe« JRed^t für ben gaß, ba§ aüen lird^tid^en öebürfniffen 
genfigt ift, burd^ ©efetj ober ^erlommen audbrüdlid^ ertl^eilt 
fein, ^lod^ unbebingter gilt bieg bon ber Subftanj i^reö 
ftird^etfbermögend. 3^r (Sigentl^umd^ unb 3>luZuugdred^t ift 
bemnad^ l^lnfid^tlid^ bc^felben in äi^ntid^er SBcife, toie ^in« 
fid^tüd^ ber befonberen il^r gehörigen Stiftungen, burc^ ben 
3tt)edt^ bem biefe« SSermögen bienen foü, begrenjt, nur ba§ 
biefer 3^^<I ^'^ itid^t b(od n)ie bort einen einzelnen S^^eiC 

11* 




164 J(trAent)ennogem 

ber in il^ren 9erei(i^ faUenben Aufgaben, fcnbem bad ®an}e 
berfcttcn in \idf Begreift. 

9(ttf \üa^ grünbet fid^ nun jiene JBef(i^rSntung bed Sigen- 
tl^unti^reci^td, nnb tpem fielet ed )u, bie Sinl^altung berfe(ben 
ju äbemad^en ? 

93erfud^en b)ir ed, btefe i^age ju beanttoorten, nnb 
faffen totr l^ieffir junäd^ft bie fclbftänbigcn im ©cfi| einer 
eigenen red^tfid^en ^erfönlid^feit beflnblid^en Stiftungen in'« 
Suge, fo ift t^ ffiex fd^on nid^t ganj teid^t^ ju fagen, mer 
bei biefen ber eigentlid^e Sigent^mer bed ®tiftungdk)erm5:' 
gen«^ bad ©ubjiett ber ouf il^nt l^aftenben 9ied^te unb 9Ser^ 
binbßd^feiten ift. ©er älteren ^txt ma6)t& bieg aöerbing« 
lein JBebenlen: xoit in ben bord^rifttidben {Religionen bie 
®iJtter fetbft ate bie ßigentl^önicr il^rer Zempti unb ZtmpcU 
giiter betrad^tet n>urben, fo betrad^tete man in ber d^riftlid^en 
fiird^e ba(b bie (Sottl^eit batb einen ^eiligen ald ben Sigen- 
t^fimer ber il^nen getoibmeten ®üt^x, (S^eb&ube, (^efSQe unb 
9ted^te; unb in ber älnfd^auung unb ber ®pxa6fz bed S&oU 
leö ffot ^äf, anä) in <)roteftantifd^en ©cgenben, bicfe SSor^s 
fteQung bid fitntt erl^alten, toie ja mä) ber Segriff bed ©o:: 
crilegiumd, afö eined unmittelbar an ber ©ottl^eit verübten 
^oubt^, ))on il^r au^gel^t 9l(er mit reineren 9ted^tdbegriffen 
ift biefe SBorfteUung unt)ereinbar. nm 9ied^t be}ie^t ftd^ 
auf unfern äugeren Sreil^eitdgebraud^^ unfere üugeren ^anb^ 
(ungen gegen anbere. iDtit SBefen, bie nid^t ber Srfd^einungd^ 
toelt angel^ören, auf bie toir bal^er nid^t in finntid^er SBetfe^ 
mittelft unfere« Scibe« unb ber Sör^jertoelt auger un«, ein« 
u>ir!en !önnen, ftel^en toir in feinem 8led^t«üerl^ältnig ; benn 
ba u>ir gar nid^t Sugerlid^ auf fie l^anbeln fönnen, ift oud^ 
leine Seftimmung über ba« möglid^, toa« toir in unfercm 
auf jte gerid^teten fKinbeln ju tl^un unb 2U (äffen l^aben: 
fie l^aben gegen un« unb toir l^aben gegen fie leine {Redete. 



etiftungen. 165 

iSSad tDtr andf tifm mügen, fo tonnen tote baburd^ nid^t 
ituf fie einlDtrfen^ tobe fönnen jle mitl^m aud^ nid^t burd^ 
atnfete Simptrlung beriefen, leine Sted^töberle^ung gegen 
fie (egel^en. @oId^e SBefen iSnnen ballet ntd^t bie 2:räger 
eme9 bon nrn» }u ad^tenben 9ted^td fein. ©oQte j. Sd. ein 
fold^ei» ü6er{inn(id^e9 SBefen ein Sigentl^um Befi^en, fol^eigt 
t)ieg: e9 müfte ba^ 9led^t auf ben audfd^Iiegßd^en ©ebraud^ 
^etpiffer @ad^en l^al&en. 9ber aU überfinnlid^d Sefen maäft 
e^ bon biefen @ad^en üitxffmpt teinen ©ebrand^, a(fc aud^ 
leinen fotd^en, burd^ ben aU^ anbem bon il^rem ©ebraud^ 
au^efd^Ioffen to&rben ; iebet ©ebrand^, ber bon il^nen gemad^t 
tpirb, tonn nur bon SBefen, bie ber ©innentpelt angeleimten, 
bon SKenfd^en gemad^t toerben. 9btr fotd^e li^nnen ballet 
aud^ a(9 bie Sigentl^ümer ber @ad^en Betrad^tet b>erben, aud 
tenen ein ©tiftung^bermi^gen befielet. Slber toetd^e $erf onen 
foQen bie§ nun fein, koenn bie ©tlftnng eine fe(bftSnbige, 
leiner beftintmten ftor))oration angel^^rige ift? !Die mit ber 
SSertoaftung ber Stiftung beauftragten ?erf onen flnb eö off cn« 
Bar nid^t, bennfie finb eben nur SSertoatter eined fremben 
SßermOgend. (SBenfoioenig flnb e^ bieienigen, iu bereu ©un^ 
ften bie Stiftung gemad^t ift; benn biefe l^aBen ate Sinjclne 
nur auf il^ren älntl^eit an beut Ertrage ber Stiftung, nid^t 
auf ben 3efi^ be^ Stiftung^bennögend einen Wx^ptnüf, unb 
biefen felBft erl^alten fie erft baburd^, ba§ fie in ben ©enug 
ber Stiftung eingefefet »erben; mit bem gatt aber, baß bad 
Stiftung^bermi^en jugleid^ ii^nen atö ©efammtl^eit gel^örte, 
l^aBen u>lr eö l^ier, too eö fid^ um felBftänbige, leiner ftor* 
)>oration gel^Srige Stiftungen l^anbett, nid^t )u t^un* Xud^ 
biejienigen, loeld^e bie Stiftung gemacht l^Ben, finb nid^t 
Sigentl^ümer beö Stiftung^bermögenö» Sie flnb e« nid^t, 
fettft »enn fie nod(> leBen/ benn fie l^aBen fid^ biefe« S3er« 
mögen« aum 3toed ber Stiftung entäufert; fie fönnen e« 



166 5hi(6tn)»eTmdgen. 

nodf ipeniger fein, ipenn fie tobt ftnb, benn tDer ntd^t ntel^r 
ber (Srfd^mungdtDett anitffM, ber lann aud^ itt berfelben^ 
bem oben bemertten gentü^. Mm Siedete befi^en. /Unb bcd^ 
fönnen bte ber ©tiftung guftcl^cnben JRed^tc unb btc ouf il^r 
laftenben SBerbtnblid^feiten anäf nld^t (tote man getocötl^at) 
ol^ne ein beteci^tigted unb bcrjjflid^teteö ©ubjett gebad^ft tocr* 
ben; benn ein JRed^t ift eben nur bie ©efugni^, eine be» 
ftintmtc $>onbIung ober . Unter laffung bon anbcm ju bcrton^ 
gen^ eine SSerbinblid^Ieit ift bie gegen anbere übernommene 
ajerj^fliei^tung ju einer beftimmten f^onbfung ober Untere 
(offung; jebe ©cfugni§ felfet aber ein ©ubjelt borau^, ba* 
befugt ift, Jebe aSerjjflici^tung ein ©ubjeft, ba^ berpföd^tet 
ift Sin Sted^t ol^ne 9ted^tdfubiett toöre ber ®tberif))rud^ 
eine^ äccibend ol^ne ©ubftanj, einer Sigenfd^aft ol^nc ein 
IDing, bem fie jufommt. S)ic^ gilt felbftberftänbfid^ aud^ 
bom @igent]^um^red(^t @d fann lool^I borfonimen, bag ber 
(Sigent^ümer geloiffer ®aäftn unbefannt ober nod^ nid^t be^ 
ftimmt ift, toie bei einer hereditasjacens; aber irgenb einen 
Sigent^ämer muffen aud^ fie l^aben, ba fie fonft l^errentofed 
®VLt U)ären. @d tann aud^ gefd^iel^en, bag getoiffe Siedete 
ober 35erbinbtid^Ieiten nid^t an beftimmtc ^erfonen, fonbcm 
an ben ®efifc beftimmter ©ad^en gelnü<)ft finb, toie bei einer 
9}ea(gered(itigleit ober 9{ea((aft ; aber aud^ in biefem f^aO finb 
jiene Siedete unb 93erbinbtid^teiten nid^t für fid^, ol^ne ein 
©ubjelt, bem fie juf ommen, unb ebenfotoenig ift ba^ ®runb* 
ftüdt, auf bem fie l^aften, biefe^ ©ubjeft; fonbern ber ®e« 
red^tigte ober SSerj^flid^tete ift ber jetoeilige ©cfi^er biefe^ 
®runbftüdte , koer biefer nun fein mag, U)ie man bie§ fd^on 
boran fie^t, ba§ berfelbe, toeun er toitt, feine Äealgcred^tig« 
leit aufgeben, unb mit B^ßi^i^ung bed anbern SCi^eitd feine 
©erbitut ab(&fen lann. S>ag ed Siedete ol^ne ein 9led^t«« 
fnbjiett, (Sigentl^um ol^ne Sigentl^ümer geben tann, (ä|t fid^ 



r 



Stiftungen. 167 

mit tiefen ®eif)>ie(en nid^t bartl&un. @d erneuert fid^ bal^er 
bie Srage, ti>er bei fetbftänbtgen Stiftungen al« ber ©igen^ 
tl^ümer be^ @tlftungdbernti^gen9 }u Betrad^ten tft; }ug{eid^ 
a6er aud^ bie ©d^toierigfeit, bicfe f^age ju fceanttoorten. 

3n bicfer SSerfegenl^eit l^at ntan nun ju ber ännal^me 
feine 3wftw<^t genommen ^ bie Stiftungen feifcft feien bie 
gigentl^fimer il^red SSermögen« unb ba» ©ubjeft ber auf 
bemfet&en l^aftenben {Red&te unb Äerbinbfid^feiten. Stücitt' 
bieg ift eine unllore unb tt)ibcrf}>red^enbe aScrftcßung. Unfcre 
®efd^äft«f»>rad^e brüdft fid^ 'a>o^ fo au«, afö ob bieg ber 
grtK toäre. SD?an fagt, ba§ eine Stiftung {Redete befi^eober 
aSerj^flld^tungen l^abc, baß il^r bie red^tlid^e ^rfönlid^fcit er^ 
tl^eitt »erbe, u. f. tx>. aber bieg ift nur eine f urje Sejeidfi^ 
tiung für ein 9ied^t«ber]^ältni§, auf beffen eigentlid^e Statur 
barau« nid^t im geringftcn gcfd^Ioffen »erben fann. SBenn 
einer Stiftung bie red^tlid^e '^erfönfid^Ieit ertl^eift »irb, fo 
l^ift bieg: bie aSertoalter berfelben eri^aften bie Sefugnig, 
aüe auf fie bejüglid^en 9ted^t«gcfd^äfte in berfelben Strt bor^ 
junel^men, toie toenn fie bie 3Sertreter einer mit ber red^t« 
lid^n ^erfönlid^Ieit au«geftatteten ©efeßfd^aft toären. 35ieg 
fann nun aud^ für ben nfid^ften ^jraltifd^en ^tx>tä ooltfom^ 
men genügen; aber eö toäre berfel^ft, toenn man mit biefer 
gormet betoeifen tooöte, bag eine Stiftung burd^ bie Crtl^ei* 
tung ber red^tlid^en "^erfönlid^Ieit nun aud^ toir!(id^ ju einem 
9led^t«fubieft unb jur ßigentl^fimerin il^re« SJermögen« »erbe. 
9?ed^te fönnen, toie fd^on bemcrft lourbe, immer nur bon 
^erfonen befeffen unb ausgeübt, SSerbinbfid^fcIten nur bon 
^erfonen übernommen »erben, feien biefe nun ßinjel^jerfoneu 
ober ®efeßfd^afi«^)erfonen; benn nur^erfonen finb bc^^an* 
befad fä^ig , auf ba« aöe 9ted^te unb SBer^jflid^tungen fid^ 
bejiel^n. (Sine Stiftung bagegen ift i^rem SBefen unb Sbt- 
griff nad^ ettoa« un:t)erf önHd^e« , eine bcftimmte SBcrblnbung 



168 5tit$ent>etmogen. 

i9on Wütin unb 3^^^^ ^^ f<>^f^ nid^td; unb aM biefem 
Un))erf0nttd^en tann leitt Xtt ber ©efelgebung ober ber Ste- 
gierung eine ^etfi^nlid^Ieit ntad^en^ benn ben SBUten, bad 
koefentßd^e SD^erlmal ber ^erfi^nüd^Ieit unb bie JBebmgttua 
allei^ ^anbetnd, lann er il^m nid^t geben. SBenn aber biefed^ 
fo muffen toir für jebe Stiftung bod^ toieber eine ^erfön^s 
(id^Ieit afö il^ren ßtgentl^änter fud^en; unb ba bieg int bor^ 
fiegenben §aö ferbftberftänbüd^ feine Sinjeljjerfönnd^Icü fein 
lann, fo »irb t^ nur eine (Seniein|>erf5nüd^Ieit fein fönnen. 
^tö fo(d^e bleibt aber bei ben fetbftänbigen, leiner einzelnen 
Korporation gel^örigen Stiftungen nur bai^ SSoU^auie, nur 
ber ©taat übrig. $Da« aSemiögen biefer Stiftungen ift mit^ 
l^in ein Streit be^ i^ffenttid^en 93erm5gend unb ed untere 
fd^eioet fid^ t)on anberent Staatsgut nur baburd^, bag ber 
<Staat burd^ bie ^enel^ntigung ber Stiftung erffSrt l^at, fein 
Srtrag foöe nur in ber bon ber Stiftung^urfunbe bejcid^::: 
neten, bem SBiUcn bc« Stifter« entf^)red^enben SBeife ber« 
loenbet »erben. 

»über« berl^ätt e« fid^ atterbingd bei ben Stiftungen, 
toeld^e beftimmten Kor|>orationen, einer (Semeinbe, einer 
Sanbedlird^e, einem filofter u. f. to., gel^ören. $ier fonri 
über ben Sigent^ümer be« Stiftungdbermi^gen« lein ^n^e^tl 
obn)a(ten. Slber bod^ U>ieber^oIt fid(^ aud^ bei il^nen, nur in 
anberer ®eftatt, bie eben bef|)rod^cne grage. Sin Stiftung»^ 
vermögen ift Sigentl^um irgenb einer Korporation, aber ed ift 
nid^t il^r freiet Sigentl^um: fie !ann babon nid^t leben beliebigen 
®Axanä) mad^en, fonbern nur einen fotd^en, toetd^er bem Stif« 
tungd}ta)ed( entf^rid^t. S93er ift e^ nun, bem fie in biefer JBe^ 
fd^rSnlung il^re^ Sigentl^umdred^td )>er^f(id^tet ift? toeffen Siedet 
toirb berfe^t, n>enn ber ßigentl^ümer einer Stiftung bad 
Stiftungdgut für anbere atd bie ftiftungdmSgtgen 3^e<fe 
bertoenbet? !Dad SRed^t be^ Stifter^, fagt man, ber fein 



^VL^mt etiftungen. 169 

Sigentl^um nur unter ber Sebingung bennad^t l^ot, ba% t» 
feiner 93orfd^rift gentfif berb)enbet koerbe. Kllein koenn biefer 
@tifter niii^t ntel^r Uit (koie bie§ in ber 9tege( ber gaQ fein 
U)trb), fo ^at er aud^ lein Siedet mel^r unb ed lann leined, 
bad i^nt {uflänbe, berieft koerben; benn mit bem Xot zt^ 
(öfd^en aQe 9ted^te be9 ®terbenben, koofem fie nici^t borl^er 
auf anbere fibergegangen finb, and bem fd^on angebeuteten 
©runbe: n>et( ed lein 9ied^t o^ne ein 9ted^tdfuB)ett gieBt, 
unb bad bi^l^erige ®ubj[elt jener Siedete, n)enn fein 3)afein 
in ber @innenn)e(t auf^i^rt, ate 9ied^tdfuBjiett ju e^iftiren 
aufgel^M l^at^ mag ed fid^ nun mit feinem ^afein in einer 
ienfeitigen, unferer Stntt>irtung entnommenen SBeft berl^alten 
tt)ie ed xoiVi. 66en[cn)enig finb ed bie 6rben bed @tifterd, 
tt)e{d^e ben 9ted^tdanf)>rud^ auf ftiftungdmäfige SBertoenbung 
bed @tiftung6berm0gend erl^eben lönnen; ed mügte i^nen 
benn biefer 9lnf))rnd^ in ber @tiftnng^urlunbe burd(^ bieJBe« 
ftimmnng, bag bad @tiftnngdbermögen im f$aQ einer ftif« 
tungdkpibrigen 93ern)enbung an bie (Srben jurüdfaQen foUe, 
audbrfidßd^ borbel^alten fein. 8(ud^ biejenigen, n)eld^e bei 
ftiftungdmSgiger SSerioenbung in ben @enug ber Stiftung 
ju fommen äludfid^t gel^abt l^ätten, n>erben nur bann burd^ 
bie ftiftungdn)ibrige in il^rem Sted^te geIrSnft fein, n)enn 
il^nen biefed Siedet fd^on burd^ bie ©tiftungdnrtunbe aud^ 
brüdKid^ jugeft>rod(^en ift, fonft aber nid^t; ba abgefel^en bon 
biefer jßebingung i^r 9ied^t auf ben (S^enug ber Stiftung 
erft burd^ i^re 6infe|ung in benfetben entftel^t. äBenn olfo 
). JB. einer ©emeinbe ein ^af^ital mit ber Seftimmung ber« 
mad^t toirb, bag bie 3i«fctt te^fclben ben bebürftigen SRit^ 
gliebem einer beftimmten f^amilie jugute lommen foKen, fo 
toirb ieber ätngel^^rige biefer f^amiße gegen eine anbertoeitige 
93erkoenbung berfelben (Sinf))rad(^e t^un fönnen, toeil eine fo(d^ 
bad il^m unb ben ©einigen unjtoeifeti^aft juftel^enbc JRed^t 



170 Stiid^enoermdgen. 

ottf ben ei^etttueQen ®entt^ ber Stiftung berieft; toenn ba^ 
gegen nur gefagt toäxe, iene 3*«^« foöen jur armenuntct:^ 
flü^ung berkoenbet ä>erben, fo tofirbe nid^t feber BeKe6tge 
Smte bel^auf^ten tonnen, ba§ burd^ eine anbete Settoenbung 
fein 9ted^t vtxttiit toerbe, ba ber Umftanb/ ba§ er omt ift, 
il^m auf Unterftä^ung m9 biefer Stiftung no^ lein ^tift 
gieBt. 3n btefem gaö bleibt bal^er nur fiBrig, ba§ e« bte 
©efammtl^eit unb beren Vertreter, ber ®taat^ Ift, »eld^em 
bie ®efugni§ pftel^t, bon ben Sigentl^ümem ber Stiftungen 
bie ftiftungdmä§ige ißertt)enbung il^red SSerm5gend }u ver- 
langen, ba^ e^ fein ^eUft ift, burd^ toddft^ bei Stiftungen 
bad (Sigentl^um^red^t ber ftort^crationen , in beren Sefi^ fie 
fid^ befinbcn, befd^rönft toirb. 

!Da« gleid^e erglcbt fid^ aber nid^t bfoö für biefen gatt^ 
fonbern für aBe Stiftungen fiberl^auj^t nod^ bcn einer anbern 
Seite. Sine Stiftung toirb burd^ bie ffiiüenöerHärung bc^ 
Stifter« begrünbet, ba§ fein SJcrmögen ober ein getoiffcr 
S^eil beffelben für aöe 3w^wnft einem beftimntten ^mät 
gctoibntet fein foHe. SIber toer giebt bem Stifter ba« ^^dft, 
in biefer Seife für aöe 3^^*^^ ö^^^ f^'« SSemtögen ju ber«^ 
fügen? So lange jentanb lebt, fann er nad^ natürWd^em 
9}ed^t mit feinem Sigentl^um anfangen, loa« er toiQ; er 
lann e« bal^er aud^ unter jieber beliebigen JBebingung an 
anbere abtreten ^ unb U)enn biefe JBebingung uid^t erfüQt 
u>irb*, toieber jurüdtforbern. !Ca fid^ femer biefe« fein 
(Sigent]^um«red^t bi« jum legten 9[ugenb(id( feine« geben« er=^ 
ftredt, fo fann er aud^ bie aSerfügung treffen, baß fein 
Sigentl^um erft in biefem festen iV^oment feine« Seben« an 
einen anbern übergel^, er fann e« (abgefel^en bon ben fitt* 
(id^en ißer))f[id^tungen gegen bie Seinigen, auf benen bie 
Onteftoterbfo(ge berul^t) mit rec^tßd^er SBirtung bermad^en, 
u>em er toitt. Slber bon bem Sbtgenblitf an, U)o ber Srbe 



JTii^li^e etif hingen. 171 

in fein Äed^t eintritt, ift er bcr (glßcntl^ämer : nur fein 
ffiJiöe cntfd^eibct über ben ®eBraud^, ber bon ber ffirbfd^aft 
gcmad^t toirb, unb nur fein Wdft, niäft ba« be« (grbloffcr«;. 
toirb berieft, tocnn ll^m fein (5rbe bertoeigert toirb. $)ieran 
toirb au(ä^ bann nid^t« geänbert, toenn bcr SSerftcrBene bcm 
(Srben fein ©ermögen mit bcr Seftimmung bemiad^t l^at^ 
ba5 e^ einem anbern jufaBen fotte, fatt« jener bon bemfcIBen 
ttid^t einen beftimmten ©ebraud^ mad^t. äud^ in biefem 
gaß beftcl^t ba« 9?ed^t«ber]^ältni6 , ba« bcr SSerftorbene bc^ 
grünbet l^at, nur unter ben UebcrIcBenben : bcr eine ift bcr 
faftifd^e, ber anbere ber ebentueüe (Srbe; toenn aber ber 
le^tcre fid^ baju berftel^t, auf feine cbentuctfen Srbanfprüd^e 
ju bersid^tcn, fo ift niemanb ba, toeld^er ben näd^ften Srben 
an ber freien SSerfflgung über ba« (SrBc berl^inbcrn unb il^n 
niJtl^igen Wnnte, c« nad^ bem SBiflen be6 (SrBIaffer« ju ber* 
toenbcn. ©er 9SerftorBene l^at bie SSerfügung über fein 
3Serm8gen Bio iu feinem SeBcnöenbc gcl^abt, bon ba an ift 
fie an feine (SrBen fiBergegangen. 9?id^t anbcrö bevl^ält e^ 
pd^, toenn jemanb burd^ ben Gintritt in eine ScBenöber^ 
fld^erung ober eine SBittoenfaffe ober einen ä^nlid^en 5lft 
SSermögenöred^te begtünbet i)at, bie erft nad^ feinem S:obe 
in Äraft treten. $)icr ift eö jttjar gleid^faK« bcr SSerftor^ 
Benc, auf beffcn SBiKen unb Seiftung jene ^eäftt Berul^cn^ 
ober bie Onl^aBer berfefBen pnb bie UeBerleBenbcn , toeld^e 
be§]^aIB aud^ flBer ba« (Sigentl^um, auf ba« ftd^ biefelBcn Be^ 
jiel^cn, frei berftigen, unb toenn pe tooBen auf il^re 2lnft)rjld^e 
berjid^ten lönnen. ©af ieber ba« natürlid^e Siedet l^aBe^ 
flBer ben ©cBraud^, ber nad^ feinem S^obe bon feinem Sigen^ 
tl^um gemad^t toerben foß, unaBänberlid^ iu berftigen, toirb 
burd^ biefe ©eif^^iele nid^t bargdl^an. @« tagt fid^ bielmel^r 
nid^t abfeilen, toie irgenb iemanb nad^ natürtid^em 9led^tc ju 
biefer ©efugni§ fommen Wnnte. !J)enn ba« ©igentl^um«:^ 



172 jHi;Atnt>enndgen. 

red^t auf eine ®cul^e ift ba« Siedet auf i^teu audfd^Iiepci^ett 
unb uukfd^räntten ®e6rau(i^; koenu burci^ ben Zot be^ 
(Sigeutl^iimerd bie fSJti>iüäfUxt , ba§ er t)on ber (Saä)t ®e- 
brau(i^ uiad^c, fd^Icd^^tl^in unb für immer aufgel^ofccn ift, fo 
tft au(i^ feiu (Sigeut]^umdred(^t auf biefe{6e oufgel^oben, ba ed 
auf bad Uumöglid^e fein 9ted^t gtebt; unb totnn er aufge- 
i)'oxt f)Cit, mit auberen aTOeufd^en im SScrl^äßuig gegcnfeitigcr 
^iuttirluug ju ftel^en, treten an^Sf bie ^eftimmungen, toetd^e 
biefed äJerl^ältni^ regelten / bie il^m juftel^enben 9led^te unb 
tie il^m gegenüber uxp^i^ttnt>tn Sied^t^berfrinblid^feiten 
-auf er Äraft, unb fo toenig er nod^ ein Unred^t gegen bie 
Ucfcerletenben begel^en fann, etenfotoenig fönnen fid^ biefc 
gegen il^n einer 9ted^t6berle|ung fd(^ulbig mad^en. 3[ud bem 
natürßd^en Sted^te be^ Sinjelnen tagt fid^ ba^er bie SSer* 
:t>flid^tung ber 9tad^tDe(t^ eine bon il^m gemad^te Stiftung 
i^rem ©tiftung^itoed ju erl^alten, nid^t aMeiten. M^t fic 
fid^ aber nid^t auf bad natürßd^e 9ied^t griinben, fo bleibt 
nur übrig, bag fie auf ber ^}ofitiben ©efelgebung, unb bal^r^ 
loie aQe ))ofitibe ©efe^gebung, auf bem SBiQen ber ®efeQ^ 
fd^aft berul^t; unb bicfe ©efeöfd^aft toirb in einem %aU, ixt 
bem ed fid^ um 9ied^tdberl^ä(tniffe l^anbelt, nur bie ^taat^^ 
gefeöfd^aft fein fönnen. S)er ©taat ift e^, toetd^er @tif^ 
tungen erm^glid^t, inbem er ben@tiftem bie ftiftungdmS^ige 
SSertocnbung bed ®tif tungdbermögcn^ berbürgt, unb burd^ biefe 
^eftimmung bad natürlid^e 9ied^t ber Ueberlebenben , über 
jene« SSermögcn frei ju oerfügen, befd^ränlt. ^n biefer Söt^ 
fd^ränfung ift er aber nur au9 ©rfinben bed i^ffentlid^en 
Sntereffed unb nur innerl^alb ber burd^ ba« öffentßd^e Qn^ 
tereffe gezogenen ©renjen Bered^tigt (Sine (Stiftung tann 
bal^er nur burd^ feine ©enel^migung ju Staube f ommen, unb 
er barf il^r biefe nur bann erti^eiten, u>enn fie einem gemein^ 
nit^igen ^totd bient @r l^at bie 93etn)attung ber Stiftungen 



r 

iu Beauffid^tigen, um )tt )>eY]^{nbem, bag ber ©tiftung^itoed^ 

— fei ed burd^ ^äfltdfte ober unreUid^e Sertooltung, fei e« 
burd^ ftiftung^lDibtige S3ertDenbung M ®tiftung^Dem(j$gen^ 

— Beeintr&d^tigt koerbe. ©oQte ed fid^ enblid^ l^erau^^: 
ftetfen, ba^ bie 3^^/ fit^ ^^I<^^ ^<s ©tiftung gemad^t tft 
gegenftanb^tod gelDorben ftnb, ober ba^ fie gemeinttfi^ig ju 
fein aufge]^5rt l^aben, fo lonn bem &taat bie JBefugnig nid^t 
abgef^)rod^ett »erben, bie Stiftung, bie ja nur burd^ feinen 
SBiUen befielet uub nur u>egen il^rer ©enteinufi^igleit Don 
il^nt genel^migt berben burfte, au^ul^eBen, feine ©enel^migung 
jnrä<fiUiie]^en ober il^re t^ortbauer an bie iS3ebingung ju 
!nä^)fcn, ba§ bie ßinliuifte ber Stiftung ftatt ber urf^)rfing' 
lid^en 3ö>edfe für anbere, gemeinnüfeigere, t>erioenbet* »erben- 

2)urd^ biefe (Srdrterungen toirb e« und nun ntöglid^ gc^ 
ntad^t fein, über bie 9?ed^te unb 93er)}flid^tungen bed ©taatd 
in Jöetreff be« fird^Bd^cn SSerniögen« unb ber gürforge für 
bie iJfonomifd^en ©ebürfniffe ber fiird^en un« zim beftintnt- 
tere Sinfid^t ju Bilben. 

Sßo bie ftird^e eine @taatdanfta(t ift, ba Bitbet i^r 
95enni5gen einen ^M bed ®taat^^ unb ©emeinbeoermögend 
unb loirb ebenfo, toie bie übrigen Seftanbtl^Ue beffelben, 
)>on* Staate« nnb @enteinbebe]^5rben t^ertoaltet , bagegen l^at 
aber ber ®taat anäf bie 93ert>flid^tung , fo »eit ed nid^t 
au«reid^t, feinerfeit« für bie materießen Sebürfniffe ber Äird^c 
einjutreten. 3ft untgele^rt eine Älrd^c i>om <Staat gänjßd^ 
getrennt, fo »irb bicfer eineWl^eite in bie SSertoaltung unb 
aSerioenbung i^re« ajermögcn« fid^ nid^t einmifd^en bfirfen, 
er toirb e« aber anbemtl^eite aud^ toiglid^ i^r felbft über^ 
raffen muffen, toie unb tool^er fie ftd^ bie aÄittet berfd^affen 
toiö, bereu fte beborf. golgerid^tig bürfte er bann aber freitid^ 
aud^ für bie (Srl^aftung be« Äird^enbemiögen« nid^t« t^un, 
biefem Vermögen nid^t ben 6^ara!ter einer Stiftung, einer 



174 Jtit(6ent)ermd9en. 

bem freien S3erle^r ent}ogenen^ einem l&eftimmten 3^^^^ 
<in^\äflit^üäf geb>ibmeten ® ad^e t>erlei^en ; ebenf otDenig bürf te 
«r ben Sirenen jur Sinjte^ung tiv^üäf^x %i^cibm eine t^eitere 
Jöeifälfe (eiften^ ate bag er il^nen, toie aQen feinen älnge« 
i^örigen, bie geri(i^tlid^e ftlage toegen SSertoeigernng t)ertrag^^ 
mäßiger Seiftnngen offen ^it $at bagegen eine Strd^e bie 
<SteQnng einer relatib feI6ftänbigen/ aber bod^ in einer po^ 
fiti^en 93er6inbnng mit bem Staate ftel^enben öffentlichen 
^or4)oration, f o koirb fid^ bie| aud^ in ber ^el^anblung i^rer 
ijfonomifd^en ängefegenl^iten andbrüdfen. 3e größer bie öe* 
i>eutung ift, bie il^r für ba« geben bed 95o«c« t^atfäd^tid^ 
jufommt, nm fo me^r SSeranlaffung l^at and^ i>er Staat, 
ii^r nid^t aßein bie Srioerbung unb @r^attung il^re« SSer- 
mögen« ju erleid^tern, fonbern fle and^, fotoeit i^re eigenen 
äOZittet niäft audreid^en, mit ben feinigen }u unterfttt|en. 
^nbererf eit« aber ertoirbt er in bemfe(ben ^aße^ toie bie§ 
gefd^iel^t, ba6 SRed^t nnb übernimmt bie 35er^)fßdbtttng, über 
ben ®ebrand^^ toeld^en bie Sird^e bon biefen il^ren Sltitteln 
mad^t, eine Sluffid^t au^juübcn. Die Slgent^ümerinnen bed 
>tird^enbermögend nnb ber ürd^Iid^en Stiftungen finb aQer^ 
bingd^ fofern ed fid^ um bie eine« ganjenSanbe« ober eine^ 
lird^nd^ abgegrenzten Sanbedtl^eitö i^anbelt, bie ®efammtf ird^en 
bicfed ganbe« ober ganbcöti^eifö , jebe mit SSejie^ung auf 
bie il^rer Sonfeffion jugcl^örigen ; für bie lolaten Stiftungen 
4tnb bad örtlid^e Sird^enoermögen bie betreffenben Ort«^, ober 
^ird^f t>ie(dgemeinben ; unb eben biefen ftel^t ed aud^ ju, über 
bie (Sintünfte i^rer ^ird^n ju berfügen. Sber Sad^e be^ 
Staat« ift e0, barüber ju tt^ad^en^ baß bie äßittet, n>e(d^e 
er ber ftird^e getoä^rt, bie Steuern^ beren Srl^ebung er il^r 
geftattet, ba« SSermögen, beffen ^itbung unb Srl^oltung feine 
^efe^e i^r mSgtid^ mad^en, ju leinen anberen ^ioedtn oer* 
loenbet n>crben, ate ju benen, für bie fie bcftimmt finb. 



r 



Seitoenbund btt tiid^tu^ Stntünfte. 175 

SDenn biefe(16en ®rünbe bed dffentßd^en dntereffe«, bie il^n 
.^betanlaffen, eine Streike ju unterftü^en unb i^r 93orre(i^te 
jtt getoä^ren^ ber))fl[td^ten i^n aud^^ barauf in ffatttn, bag 
^iefe äSotied^te unb btefe Unterftö^ung toixüiöf baju ge^ 
brandet toerben, kocju er fie gekoäi^rt l^at. Sbenfo lann aber 
<sndf berjienige Xffüi bed SoHed, n>e((i^er ber k>on t^m pxU 
)Dt(egtrten ^rd^e angel^i^rt, berlangen, ba§ bad 93erm&gen, 
iDeld^ed fein(Sigent]^um Vjt, bte abgaben, bie er gu bejal^ten 
ifot, iffxtt urf))räng(id^en ^eftimmung nid^t entfrembet kDerben, 
ba§ i^n ber ®taat gegen einen etn>aigen 3)2i§braud^ ber®e- 
xvatt, toüdfi bie ^rd^enbel^^rben atö 9Sernti}gen^bern>aIter 
befi^en^ entn)eber bon fid^ and fd^ü^ ober e$ i^m mi>gUd^ 
anad^e, fid^ felbft bagegen gu fd^ä^en. 

3m befonbem bcjiei^t fid^ bie Sluffid^t, ü>cld^e ber Staat 
über bie SSertDaltnng ber {ird^(id^en f^nanjen audguüben l^at, 
<iuf brei fünfte: bie äSerioenbung ber tird^ßd^en (Sintünfte, 
ben 93ermi5gendern>erb ber Sird^en unb re(igi5fen (^enoffen« 
fd^aften, unb bie Srl^attung biefed 3Semt5gend für feinen 
ftiftung^mäßigcn B^edE. 

^infid^tßd^ be^ erften bon biefen brei "^unlten liegt bie 
Sad^e nun fe^r einfad^. SBenn ber ®taat eine^ird^e nid^t 
b(o^ überi^au))t atö eine Jior:t)oration mit eigener red^tlid^er 
^erfönfid^feit anerfennt, fonbern aud^ il^rem 3Sermögen ben 
(^^orafter einer frommen Stiftung, il^r felbft bad 9ied^t er< 
tl^eitt, 93ermäd^tniffe für beftimmte ^totdt anjunel^men, fo 
barf er fid^, toie bereitd nad^geiPtefen n)urbe, aud^ bad Vitäft 
niäft entiicl^en (äffen, über bie SSertoenbung ber lird^ßd^en 
Sinlünfte eine gen)iffe Suffid^t tu führen. SBie gekoiffenl^aft 
er anäf bie Selbftbeftimmung ber Sird^en ad^ten, n)ie toenig 
-er il^nen über bie SBege, bie fie gur (SrfüQung il^rer 9(uf« 
gäbe einiufd(^(agen ^aben, 93orfd^riften ertl^eilen ma^i ba^ 
:)i>enigftend mug er bon il^nen berlangen, ba| fie bie "SSlitUl^ 



176 ^til^enüennöden. 

bte er il^nen getDäl^rt ober beren SrtoerB er il^nen mb^lUfy 
macSft, niift für 3^^« bertDenbcn, ju bcnen fie xAäft be^ 
ftimmt fittb; ba§ ntd^t mit lird^fid^en f^cnb« eine ^)otittfd^e 
ägitaticn genäl^rt, eine ^rtl^eipreffc unterftü^t, ©trafen, 
bie iDcgen gefe^toibriger $)anbluttgett berl^ängt ftnb, beftritten 
toerbett ; er muß eBenbcgl^alt aud^ ba« JReci^t l^aten, bie Sr* 
füflung biefed SSerlangenö burci^ bie geeigneten SKittet l^cts 
Beijnfnl^ren. 

(S6enfoU)enig lägt [xäf aBer anäf bad dieä)t unb bie 
S5er|>flid^tung bc« Staat« beftrciten, über ben Umfang beö 
lirci^Iid^en SScrmögen« nnb über bie Slrt feiner Srtoerbutig 
eine äuffid^t jn fül^ren* @inem ^ribatmann ober einer 
^ribatgefeßfd^aft lann aßerbingd in i^rer Srioerbtl^ätigfeit 
leine (Srenje gejogen »erben: cö ftel^t jebem frei, fld^ ju 
ertijerben, toad er mit gefepd^en ÜÄittcIn ertoerben lann, 
unb biefc f^reil^eit be6 grtoerbd ift ol^ne ©efal^r für bie 
©efeBfd^aft, ba gerabe bann, toenn ber SSctoegung be« SBer« 
mögen« leine !ünftli(3^en ©(ä^ranlen gefegt »erben, bnrd^ aU^ 
gemeine ^^fijd^ologifd^e unb fociale ®efe^e bafttr geforgt ift, 
ba§ biefe ©etoegung im ^fu§ bleibt, unb tro^ aüer Un- 
gleid^l^eit bc« ©efi^c« leine ju bem ©efammtbermögen eine« 
SSoHe« auger SSerl^SItnig ftel^enbe SSermBgen«maffe fxäf auf 
bie S>auer in Sincr ^anb anl^äuft. aber anber« bcrl^äft 
e« fid^ mit einem @tiftung«bermögcn, toie ba« ber Äird^en 
unb ber religiöfen ftor^)orattoncn. S)iefe« JBermßgen ift au« 
bem freien 35erle^r ]^erau«genommen , e« ift unberäuferfid^. 
SBiib e« nun ben ©epfeem eine« fold^en unbetäugeriid^en 
Vermögen« freigefteOt, baffelbe beliebig ju bermel^ren, unb 
»irb bie Unberäugerßd^leit aud^ auf jeben neuen 3^^^^^ 
att«gebe]^nt, fo liegt bie ©efal^r nal^e, bag biefe« SBermögen' 
ber tobten $anb mit ber 3rft eine unberl^ättnigmägige unb 
für ba« (^emetntoefen nad^tl^eUige ^Sl^e erreid^e; unb ba^ 



Umfang be^ fir^Uc^en ^Bermoaend. 177 

bte| feine Blod eittgebi&ete ©efal^r ift, jetgt ba« JSeif^teC 
bcr gfinbcr, in benen bcr ©eft^ bcr ftlrd^cn unb ÄKftcr 
einen fo bebeutcnbcn ^M be« SScIf^bermögen« umfaßte, 
bat taivxäf bte 3)}ad^t bed ^(erud in'd maßlofe gefteigert 
unb beni SBol^Iftanb be« SBoIfc« bte ttefftcn ©unben ge^ 
fd^togen iDurben. 35iefer ©efal^r brandet fid^ aber ein Staat 
um fo töeniger auÄjufe^en, ba fic nid^t aM bcn aßgcmelnen 
©efe^en be« Sigentl^umörcd^td , fonbcrn nur auö bem SBor^ 
red^t l^erborgel^f, toeld^ed bem ©ttftungdbermögen ertl^eilt 
toirb* 35iefe6 SSorred^t ftnbet feine {Red^tfertigung unb Se* 
grünbung nur in bem ^tsotdt bcr (Stiftungen unb bcr Äor^ 
l3orationen, benen e« ertl^eift ift. S^ barf aber ebenbetl^olb 
aud^ nid^t »eiter auögebel^nt »erben, alß biefer ^to^ \ot^ 
bert. SBenn bcr Staat getoiffen Sorjjoratiotten baß ^ribi- 
legium ertl^eift, baß ii^ ©igentl^um ate Stiftung«bermi5gen 
bem freien S5erlc]&r entjogen ift, fo ffat er aud^ bafür ju 
forgen, bag in il^rcn Rauben nid^t mel^r Sigentl^um ange- 
l^Suft toerbe, afö fie für bic 9luf gaben bebürfen, bereu &x^ 
füQung il^nen burd^ jened ^ribUegium möglid^ gemad^t toerben 
foö* IDaß tDüttel baju l^at er in ber $anb, toenn er ben 
©ruttbfa^ , baß eine Stiftung nur burd^ bie ftaatßd^e ®e^ 
nel^migung ju Staube lommen !ann — einen ©runbfa^, 
bcffen JRid^tigfeit nad^ allem bid^erigen aufer B^^tfel ftel^t 
— in ber redeten 9lrt antoenbet Srtl^eilt man freiüd^ ben 
Äird^en unb ben religtöfen Äorjjorationen ein ffir aüemat 
bic ©efugnit, SSermäd^tniffe unb fonfttge Stiftungen anin^ 
nel^men, fo läft f!d^ bem ungemeffenen Slntoad^fen il^re« 
SSermögen« fein JRicgcI borfd^icBen. SBörbe man bagcgen 
baran fcfB^alten, ba§ ebenfogut, toie bie ©egrünbung, anif 
jebe aSermel^rung eineß Stiftungöbcrmögen« ber ftaatlid^en 
®encl^migung bebfirfe, unb ba§ biefe nur na^ 5Wa§gabe be« 
nad^toeiöbaren ©ebürfniffe« ju ertl^eilen fei, fo tofire bem 

12 



V 



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178 Jtir4en\>ermd^en. 

©taate bie SDZögt^teit gegeben, ben ©efal^ren ju begegnen^ 
toe{d^e bie übermS^ige SSermel^rung bed ^efi^e^ ber tobten 
$anb in bo(tött>irt]^fd^aft(i(i^er toie in :t)olitif^er JBe^iel^nng 
mit fid^ fü^rt 

Sieben bem Umfang bed {irci^Iid^en 93ermögend lommen 
toeiter bie 3ßitte( in ^etracbt, bnrd^ bie ed ern>orben toirb* 
Sßenn ed fid^ nämli(i^ au(i^ im allgemeinen bon fetbft berftel^t, 
ba^ bie Sirdf^en n)ie jiebermann fid^ jnr Sßermel^rnng ii^red 
äSermdgend nur red^tlid^er unb bom ®efe^ geftatteter SOtittet 
bebienen bürfen, fo mad(^t bod^ il^r ßl^arafter unb ba^ SSer^ 
l^Sftnig, in bem fte jum ®taat ftel^eu/ nod^ einige befonbere 
JBeftimmungen notl^toenbig. üDie Siedete, koeld^e ber @taat ben 
$ird^en ertl^eilt ^^i, {tnb il^nen nid^t jn beliebigem ©ebraud^e, 
fonbern nur mit {Rüdfid^t auf i^re eigentl^timtid^e Slufgabe, 
bie görberung bc« reltgiöfen Seben^, crtl^eitt toorben, unb 
bie^ gilt bon il^ren auf ben S3erm5gendern)erb bejügtid^en 
Siedeten fo gut, toie bon aöen anbern. @ie finb nid^ aW 
<gm>erb«genoffenfd^aften, fonbern ate retigiöf e ©enoffenfd^aften 
^)ribi(egirt» 35er ©taat ift ol^ne 3ö>eifel befugt unb ber^ 
l)flid^tct, barauf ju l^alten, ba§ fie aud^ t^atfäd^lid^ nid^t^ 
anbered feien, ald toad fie i^m gegenfiber ju fein bel^au^ten; 
ed ift bal^er eine Slufgabe ber ©efe^gebung, {U beftimmen, 
ob über]^an)>t unb innerl^alb n)eld^er ©renjen ben $ird(^en 
unb ben religiöfcn fiorjjorationen eine ©rtoerbötl^ätigfeit ju 
geftatten ift. 5Die SSerl^ältniffe, «ebürfniffe unb ©itten ber 
SOtenfd^en begrünben aKerbingd in biefer ^ejiel^ung einen fo 
«r^ebßd^en Unterfd^ieb, bag ed nid^t juläffig erf^eint, an aUe 
Reiten unb ©egenben ben gleid^en SD'lagftab anzulegen, unb 
aud^ bie (Sru>erbdarten bertragen fid^ nid^t aQe g(eid^ gut 
ober gleid^ fd^Ied^t mit ben Slufgaben unb bem Si^aralter 
einer religi^fen Korporation. 3)ie ^emirt^fd^aftung eined 
eigenen ®utd unb ber betrieb eined bamit in S3erbinbung 



r 



ftel^cttben lanbtoittl^fd^oftnci^cn ®ctDcrbce, btc Stu^bcutuitg 
mt^ ©ergtoctte, überl^am^t ein an bcn ©runbbcfi^ *ge= 
fnti})fter (grtocrb ffat einen anbern ßl^arafter, aU ein f old^er, 
ber auf bcn Umtrieb be^ betoeglid^en SSermögenö, auf inbu^ 
ftrieüe ober $)attbeteunternc]^mungen gerid^tct ift. Slbcr ate 
aüaemcine 5Kqnn Serben fid^ immer jtt>ei ©runbfä^e auf- 
fteöcn laffen; einmal, ba§ feiner refigiöfen ftor^5oration 
ber ©etrieb einer auf ben SrtDerb gerid^teten S:i^ätig!eit gc^ 
ftattet toerbe, n>efd^e toegen il^re« Umfangt, ober ber auf fie 
ju üertoenbenben Sorgfalt, ober ii^rer,. junäd^ft nad^ ben 
l^errfd^enben Gegriffen ju beurtl^eifenben, Unfd^idftid^Ieit il^ren 
eigcntlid^en SBeruf beeinträd^tigen müßte; unbfobann, baß 
i^re religiöfe J^ötigfeit nid^t jum bloßen SKittet für ben 
(8rn)erb gemad^t toerbe. 9?amentlid^ ber festere ^aU ift e^, 
ben bie ®efefegeBung in'a Sluge faffen muß, toeil l^ier nad^ 
ber SWatur ber &ad)t unb bem 3^"9«i6 ^^^ Srfal^rung bie 
®efa]^r be« 2»ißbraud^« befonber« groß ift. S)ie fiird^e ocr^ 
fprid^t il^ren Slngel^örigen ®üter ju berfd^affen, bie jebem 
äußeren ©efife anSBertl^ unbergleidöbar öorgel^en. ©el^auptet 
fie nun jugleid^, ba§ bie (Srfangung bicfer @üter burd^ 
®aBen unb ®ef diente an bie tird^e bebingt fei, ober bod^ 
erteid^tert toerbe, unb finbet fie bamit ®Iouben , f o ift il^r bie 
reid^fte ©elegenl^eit eröffnet, bie l^immfif d^en ©d^äfee, bie fie 
berf^jrid^t, gegen irbifd^e umjutaufd^en, bie fie erl^fift, unb fo 
benn freilid^, ba jene^ aSerf^^red^en fie nid^t« loftet, fel^r ge^ 
toinnbringenbc, aber il^rem refigiöfen ©eruf, toie fid^ nid^t 
berfennen läßt, im l^ödf^ften ®rab toiberfjjred^enbe ©efd^äfte 
itt ntad^en. Unb e§ ift ja befannt, toie biefe ©elegenl^ett 
nid^t feiten ausgebeutet toorben ift, toeld^e unglaublid^e 
©ummen felbft in ber d^rifttid^en Sird^e (um mid{> auf biefe 
gu bcfd^ränlen) bem gläubigen SSoIfe burd^ Slbläffe, burd^ 
©aßfal^rten, burd^ SSerfauf 'ocn {Reliquien, bon 3lmuletten^ 

12* 



1 



180 ÄiriJenMrmögen. 

i50tt tounbcrtl^ätigctt SBaffcrn u. f. to. ntci^t feiten in offen^^ 
bor Betrügerifd^r SBeife abgenommen toorben finb ; koie man 
ed fi^ angelegen fein (ie§, &)ol^(l^abenbe S)t&bd(^en fär bte 
^(öfter jn totxitn, benen fie bann il^r 93erm5gen anbringen 
foöten; toie bte S3ereittotüig!ett ber ©terbenben iu^exmaä^U 
niffen für Äird^en nnb Softer fo gewerbsmäßig mtb mit 
f deinem @rfo(ge benü^t n)urbe, baß man felbft in bem gut? 
latl^otifd^en Belgien eigene ©efefec gegen bie geiftli<i^e Srb:^ 
fd^Ieid^erei nötl^ig gefunben l^at. $ier gerabe liegt bie (^ 
\af)x, baß ber ÄlemS feine ©tettnng mißbraud^e, aöerbingS 
befonberS nal^e. S« foftet fo ioenig, fein a3ermögen für eine 
3eit, in ber man eS bod^ nid^t mcl^r bcfltjt, ber Äird^e jn 
fd^enlen, e« ift fo leidet, für feine ©ünben anf Äoften feiner 
Srben ©enugtl^nnng jn leiften, baß abergläubifd^e ©emütl^er 
immer bereit fein »erben, fid^ anf biefem bequemen SBege 
üon ben ©d^redfen beö 3enfeitd jn befreien unb fid^ feine 
^enben ju pd^ern; bie ©timmung, bie ber ©ebanle an ben 
2:0b bei ben meiften l^erborruft, bie ©eMommenl^eit eine* 
Sranlen, bie ©etoiffenöangft eines ©terbenben bietet bem 
JSBeid^tbater, ber fie inm SSortl^eil feiner Sird^e benü^en toitt 
nnb bamit bießeid^t toirflid^ ein gnteS SBerf ju tl^un meinte 
einen f em^>f änglid^en ©oben , baß man fid^ nic^t »unbem 
lann, toenn gerabe bie SSermäd^tniffe für bie Äird^e überaus 
too man il^r freie $anb ließ, eine Änßerft ergiebige din^ 
tommenSqueße getoorben finb. >Der ®taat ffat ba^er l^ier 
aüe S5eranlaff ung , gegen ben nal^eliegenben SDlißbrand^ ein^ 
jnfd^rciten. 5Kur ift cd außer orbentlid^ fd^toer, SWaßregetn 
}u ftnben, toet(^e ben getoünfd^ten Srfotg l^aben. SLud^ bie 
jtoedtmäßige ©eftimmung beS belgifd^en ®efe|eS, baß SSer^ 
mäd^tniffe an ftird^en unb Äßfter ungültig fteb, toenn fie 
nid^t eine bcftimmte ^^it bor bem Kobe beS gegatarS ge^^ 
mad^t finb, gen)&]^rt nur tl^eitoeife Slbl^ülfe« ^ie nad^l^al^ 



J 



r 



ttgfte äBirtung koirb man kpol^l immer bamit etreid^en, baf 
jebe^ cirQcInc SScrmäd^tai^ für fird(^t^c 3ti>^de bon ber 
^enel^mtgung ber ©taatdl^l^Srbe abl^&ngig gemad^t ti)irb; 
unb bad Siedet baju l^at ber @taat uttitoeifet^aft, benn ba 
er aQein bem ber Streike gefd^enften SSermögen ben ^ffaxaUtx 
eined unantaftbaren ©tiftungdgutd )otxkiffzn tann, mn^ e^ 
il^m anäf jttftel^en, barä6er ju entfd^eiben, oB pr Srtl^eitong 
biefed $rfa)ileglttmd audreid^enbe ©rflnbe Dcrliegetu 

SBSie aber bem ®taat über ben SBermögenöertoerb ber 
Äird^cn nnb ber refigiöfen ©enoffenfd^aften eine Slnffid^t gu^ 
ftd^t, fo ^at er and^ barfiber jn ti)ad^en, ba§ biefe^ aSermögen 
feinem urf))rüngtid^en S^td nnb feinem red^tmSgigen Sigen- 
tl^fimer erl^alten »erbe. 3)enn fein ©efefe ift eö, loie toir 
gefeiten l^aben, ba« i^m feinen ftiftungömSfigen Sl^arafter 
t>erleil^t, fein ^tdft toirb berieft, toenn e« feiner ©eftim- 
mnng entfrembet n>irb; er l^at fid^ bafür, ba^ bie^ nid^t 
gefd^el^e, berbürgt, toeit il^m bie^ im öffenttid^en Sntcreffe ju 
liegen f d^ien, nnb er l^at biefe« Sntereffe baburd^ ju loal^ren, 
baf er fein ©ort einlöft, fjaff« bal^er ba« SSermögen einer 
ftird^e ober einer fird^fid^en ©tiftnng bon ben SSenoaltem 
beffetben feinem ftiftnng^mäjstgen ^totd entjogen toirb, fo ^at 
bte ©taatöbel^örbe nid^t erft abjntoarten, bi« barüber eine 
gerid^tlid(^e ^lage angebrad^t toirb, }n beren (Srl^ebnng bie(^ 
leidet gar niemanb formett legitimirt ift, fonbern fie l^at 
bon fid^ an« eingnfd^reiten, &)a« i^r aber freißd^ nnr bann 
mögßd^ ift, toenn il^r iiUxffdviift eine gefe^ßd^e 3(uffid^t ttber 
bie aSertoaltnng be« fird^ßd^en 93ermdgen« jnftel^t. 

@o einfad(^ aber biefe änfgabe für gemö^nlid^ ift, fo 
bebentenbc ©d^ioierigfetten eri^eben fid^, toenn bnrd^ eine 
?[cnbernng ber SSerl^ältniff e , nnter benen ein Äird^en^ ober 
@tiftttng«bermögen ertoorben tourbc, enttoeber fein ^tozd 
Dber bie ^crfon feine« Sigentl^ümer« in grage gefteöt toirb* 



182 j|ir(jbent)enndgeti. 

SBenn bte Seigren, bte ^inrid^tungen ober ber Sultud einer 
©cfettfd^aft \id) änbern, fo »erben bie 3tt>ede, toeld^cn ifyr 
Äird^enoermijgen nnb tl^re fird^I^en ©tiftnngen bienen^ eine 
ent^rc^cnbe ®eränberung erleiben; toaö bie SSorjeit für 
notl^toenbig ober bod^ für berbienftßci^ i^icCt, erfd^cint Je^t 
oieüeid^l al« ioert^Io^ ober gar ate fünbl^aft; toa^ für fic 
ein religtöfer Slft tx>ax, ^at je^t biefe Söebentung bcrloren. 
Wim Umi ben 9!ad^Iommen unm5g(id^ {nmutl^en, ba^ fie bte 
®üter, ioetc^e i^re SSorfal^ren getoiffen 3to^<JcJi geioibmet 
l^atten, ben gteid^en ^totden andf bann toibmen, »enn fie 
biefetben für nnnüfe ober für oertoerfKid^ Italien; nnb man 
iiat fid^ and^ niemate bajn berj>fl{d^tet geglaubt äW ba^ 
^eibentl^nm im ri5mifd^en JReid^e bnrd^ ba^ Sl^riftentl^um 
J>erbrängt tourbe, nal^m bie d^riftlid^e Sird^e fo loenig »ie 
ber d^riftUc^e ©taat ben minbeften Slnftanb, fid^ ber atten 
Ztvxpd nnb a:entt)elgüter jn bentäd^ttgen ; ba« JSBebcnfcn^ 
ba^ fie bamit ein Unred^t begel^en, ber $eiüg!eit ber ©tif« 
tnngen ju nal^e treten fönnten, ftieg il^nen nid^t auf, unb fie 
toaren i^iebei nnjtoeifetl^aft in il^rent {Redete, @benfo gieng 
ed f^)äter beim Uebertritt öom Satl^olici^mue jnm ^rote* 
ftantiömn^ : bie Äird^en^ nnb Sloftergüter tourben eingejogett 
nnb t^eite ber mntn Äird^c nnb il^rem Snitn«, tl^eite anberen 
^toeden überliefen ; nnb f o toeit ble§ loirf fid^ gcmeinnü^igc 
3ti)edEe toaren, nnb bie fird^Iid^en ©ebürfniffe babei aM^ 
reid^enb berüdffidf^tigt tourben^ »ar and^ bie§ ganj in ber 
Drbnnng. ßbenfotoenig lag ein Unred^t barin, tocnn für 
Slufgaben, bie im SÄittelalter ber Sird^e oblagen, i. Sd. für 
ben Unterrid^t, bie Slrmen* nnb ^anfenpfKege, in ber t!olge 
eigene, beffer bafür geeignete Organe gebitbet, nnb bie für 
jene ^tsDzdt beftimmten Stiftungen il^nen übergeben kourben. 
£){e Sfladfmit ift nid^t bert>flidt^tet, \x6f in i^rer ISerfftgung 
über bad öffentUd^e Sigentl^um burd^ ben H&iUtn, bie "Sn^ 



r 



^i^oltung unb 9lenbttung feiner SBejümmung. 183 

• 

fid^ten unb bie i93ebjlrfniffe ber ißergangenl^eit una6änberßd^ 
Kttben ju laffen. X)a6 ein SScrmögcn einem beftimmtcn 
ftiftung^mä^igen ^toedc getolbmet ift, bcrnl^t in legtet ©c* 
giei^ung, toic toir gefeiten l^aben, ouf bcm SBiöen be^ ©taat«, 
ber biefe feine ©eftintntnng genei^migt l^at, nnb biefc ®e? 
nei^migung barf ber @taat nnr bann crtl^eilen, »enn er 
jenen ^to^d al« einen gemeinnü^tgen erfannt i)at fir barf 
fie bal^er oud^ nnr für fo lange erti^eilcn^ ald ber ©tiftung^- 
jtped ein genteinnüfeiger ift; toenn er fid^ bagegen überjengt 
^at, ba| er bie§ nici^t ntel^r fei, mnf er fie jnrüdiiiel^en, 
unb toenn and^ bie ©eftintmnng einer Stiftung bei ber dx^ 
rid^tung berfetten bon ber ©taat^getoaft al^ eine unabän* 
bertid^e unb für atte ^tt^^wf* gültige anertannt tporben »äre, 
bürfte biefir SRed^töirrtl^uni bie f^)ätere ©efe^gebung nid^t 
abl^alten, fie nad^ ben ®efid^t«})nnften ju bel^anbeln, loetd^e 
in ber 9?atur biefe« 9ied^t«t)er]^äftniffe? begrünbet finb, unb 
il^r bcmgentä^, toenn ber ftiftung^mäfige ^voed gentein^^ 
fc^äblid^ ober toertl^Io« ober unausführbar geioorben ift, eine 
tjcränbcrte S5eftimmung ju geben, ßbenfo ber'^ält e« fid^ 
mit beut SSermögcn ber Äorj^orationen. ®o lange eine 
Äor^5oration beftel^t/l^at fie unftreitig ba« 9ted^t, »on il^rent 
SSermögen ben feiner Seftimmung entfpred^enben ®ebraud^ 
JU mad^en. 5lber fie beftel^t aW Sorj>oration nur burd^ ben 
SBißen beö ®taat«, burd^ bie il^r bon bemfelben ert^eilte 
> Sinerfennung; unb biefe Snerfennung barf il^r ber ®iaat, 
tt)ie frül^er (©. 72 f.) gezeigt tourbe, nur unter ber SSor^ 
auSfe^ung, baß fie genteinnü^ige 3toedfe »erfofge, unb it^- 
l^atb nur für fo lange ertl^eifcn, ate biefe aSorauSfe^ung in^ 
trifft. 3ebe änerfennung einer torjjoration unb iebed tl^r 
Dcrliel^ene ^ribitegium ift ba^et ber 9latur ber ®ad^c nac^ 
»iberruflld^ ; unb fo bebeuHid^ e« aüd^ n)äre, toenn man e« 
ben ^Regierungen anl^eintgeben »oflte, jene 5lnerfennung it- 



1 



184 JlirAent>ecmdgen* 

(teBig inxMimeSfmtn , fo unerlügtid^ ift bod^ ber ©runbfofe, 
ba| fie in ben bom ®efe^ ju Befttmmenben SäQen unb 
formen xurüdgcttommctt »erben fann, ba ed fonft ber ®es 
feüfd^aft ganj nnmögüd^ gemad^t toäre, fid^ bon beralteten, 
i^re freie Selocgung l^emmenben , öicßeid^t gcrabcjn fd^äb^ 
üd^en nnb berberbßd^en Sinrid^tungen jn befreiem $)at aber 
ber (Staat unter Umftänben bad 9?ed^t, bie auf feinem ©e^ 
biet beflnblid^en tor^jorationen aufjul^cbcn, fo l^at er anä^ 
baö 9?ed^t, fie ju reformiren, il^ren gortbeftanb an bie öe^ 
bingung ju fniH)fen, bag fie auö il^rer SSerfaffung aße« 
bad entfernen, ö)ad il^re Slufl^ebung red^tfertigen toürbe. 
Sbenfotoenig toirb man ben einjelnen Äor^)orationen bicSe^ 
fugnif abf))red^en tonnen, i^re Sinrid^tungen unb ©a^ungen 
JU änbern; nur ba§ fie baju felbftbcrftänblid^ bcy ftaatlid^en 
©enel^migung bebürfen» 3lud^ bie Seftimmung be0 &oxpt>^ 
ration^bcrmögcnd toirb in biefcr SBeifc geänbert toerben fönnen. 
gaß« cl^nebem eine Äcr<)oration ganj aufgel^oben toirb, muf 
über i^r 35erm5gen neu bcrfügt toerben. Ob ciJ aber bie 
aufjui^ebenbe Sor^)oration fclbft ober ber Staat ift, bem 
biefe aSerfügung aufteilt, toirb fid^ nad^ ben jietocifigen befon- 
bcren Umftänben rid^ten, unb e« toirb babei namcntßd^ aud^ 
ber Urft)rung unb bie Seftimmung be« betreffenben Äor}>os 
rationdbermögen« in öetrad^t fommen; bie (Scnel^migung 
be« ©taat« ift ju berfelben icbenfaß« erforberlid^. 

äße« biefe« finbet nun aud^ auf bie tird^ßd^en ®tif* 
tungen unb Sor)>craßon«güter feine 9lntoenbung. äud^ i^re 
JBeftimmung lann tl^eit« bom Staate tl^eitö t)on ben ^d^en 
geänbert toerben, 3n bem tefeteren fjaß ift ju ber äenbc^ 
rung bie B^f^t^^ung bed @taat« ni^tl^ig; in bem erfteren 
toirb bie äenberung enttoeber unmittelbar burd^ ein (Sefefe 
ober auf bem burd^'d ©efe^ bejeid^neten SBege ju erfotgen 
l^aben. 9)taterieß ift biefelbe aber nur bann gered^tfertigt. 



J 



r 



(Srl^aUunfl unb Stenberung feinet S3ef}immung. 185 

tDenn bie Bi^l^ertge SJerlDenbung be9 fird^dci^en äJennögend beut 
öffcntßd^en 3tttcrcffc nid^t mcl^r cntf <)rici^t , unb cbcnbamit 
bie iRDil^koenbtgleit feiner anbemeitigen S3ertDenbuns einge^ 
treten, ober bod^ bie ©cred^ttgung, ed ber freien iBerfügung 
ber ©egenkoart ju entjiel^en, aufgel^oben ift ®a enbtid^ bad 
dtcäft be^ ©toatd, feine frül^ere änerfennung ber Stiftung 
jtt uiDbifidren ober iurüdpnel^uten, nur auf biefem ©runbe 
berul^t, fo erftredt ed fld^ aud^ nur fo ö)eit, aW biefer ®runb 
füi^rt; toenn bal^er einem ©tiftungöioermögen in r^olge ber 
Derättberten ä^f^änbc unb ©ebürfniffe eine »eränberte öe^ 
ftimuiung gegeben »erben mu§, fo ift immer erft ju untere 
fud^en, toie tD^it biefe Slcnberung ju gelten ifat, unb ob 
nid^t (toie bie^ in ber SBirftid^feit bod^ faft immer ber %aü 
fein toirb) bie äbfid^t ber Stiftung, loenn aud^ in ii^rer 
näi^en Seftimmtl^eit nid^t mel^r geitgemög, tocnigftend il^rcr 
allgemeinen SCenbeui nad^ fid^ feftl^aücn lä^t. ®o toeit bie§ 
Ktöglid^ ift, erfd^eint ber ©taat baju berpfßd^tet^ unb ed ift 
beßl^alb im attgemeinen nid^t ju billigen, xoenn Sird^cn* unb 
Äloftergüter bon fatl^plifd^en loie bon <)roteftantifd^en SRe^ 
gierungen fel^r l^fiuflg einf ad^ für bie ©taatdiaffe, ja aud^ 
tool^I für bcn ^ribatgebraud^ berf^ürften eingejogen tourben, 
ftatt ben 3*»^*^« ^^^ fiultu«, be8 Unterrid^t^ unb ber 
ärmen^jfiege erl^aften ju »erben. S33cnn ein Staat für biefe 
3toedte ol^nebieß audreid^enb forgt, toirb bie einfädle ©n^ 
giel^ung ber ^rd^engüter aOerbingd aud^ il^nen mittelbar ju« 
gutefommen, aber rid^tig^r ift e« bod^ immer, in ber SJer^ 
änberung ber ©tiftungdjxoedfe nid^t toeiter ju gelten, aW bie 
ti^atfäd^lid^en SSer^ttniffe forbem. 

aroit biefer grage l^ängt aber nod^ eine jtoeitc jufammen. 
ffiie bie lird^tid^en ®üter unb Stiftungen il^rer eigentl^üm* 
tid^cn ©eftimmung crl^alten »erben foüen, fo foßen fie aud^ 
il^ren ©igentl^ümem erl^alten »erben ; »ie aber in jener ©c* 




186 J^ir^enDermd^eit. 

}te]^uns ©d^tDtertgfeiten entftel^en nnh 9(enberungen notiftom^ 
big merben flennen , fo andf in biefer. 3>ie (Sigentl^ümer 
jener @äter finb nid^t Sinjelnc, fonbem Äor^)orationett : 
Drtdfirij^en , ßanbedf ird^cn , Stöfter, Drbcn u. [. \o. 3ebe 
»Ott biefen Äor^)orationen beftcl^t aber and melieren ^nbU 
bibttcn, nnb bcr gemetnfame SEBiüe biefer fämmtßd^en Sn^ 
bibibuen bUbct ben SBifien ber Äor^joration. ffiie nnnobcr^ 
toenn nid^t aüe ba^fefbe tooHen? 3Ber finb bann biejenigeti, 
bcren äBiüe ald bcr bcr ®ef ammtl^cit jn gelten i^at ? ^Darauf 
lantct bic Slnttoort in berfei^icbcncn Äor^)orationen, ic nac^ ii^rcr 
aScrfaffung, bcrfd^lcben. ©ie fatl^ollfd^c Äird^e mit il^rcr l^ierars^ 
ei^if d^en SSerf äff nng betrad^tet ben ^arod^u«, fo länge er bon ]tU 
nent ©ifd^of afö fotd^er ancrfannt ift, afd ben Vertreter feiner 
Ocmcinbe, ben äbt al« ben feine« Älbftcr«, ben S3ifd^of ate 
ben feiner ©iöcef e, ben ^apft ai^ ben bcr ©cfammtfird^e ; unb 
biefer 5lnfdf^annng gemä^ bcntäd^tigten fid^ in bcr ncneren ^it 
überaü, »o bcr Äird^e bic felbftänbige SBcrwaltnng i^rcr 
®ütcr ittrüdfgegcbcn tonrbc, fof ort bic ©ifd^öfc nnb i^re S)t^ 
ganc bcrfcfbcn. (6benfo toirb cd anf biefer ©cite atefelbft« 
berftfinbUd^ betrad^tet, bag jcber, ben fein Sifd&of ejcommu* 
nicirt, ober bcr fid^ fefbft bon il^m todfagt, ebenbamit febc^ 
5lnrcd^t anf feinen Slntl^cit an bem fird^Iid^en aSermögcn 
bcrttcrc. ätnd^ in bcr protcftantifd^cn Sird^c fci^It c« nid^t 
an fold^cn, bic »cnigftcnö fo lange, al« flc fettft ober i^re 
^artl^cigcnoffcn im Äird^jenregiment fi^en, einer äf;nltd^cn 
Sluffaffnng bad ©ort reben; fo gcxoig aud^ bnrd^ bicfclbe^ 
»cnn man im 16tcn Sal^rl^unbcrt il^r l^ättc folgen tootten^ 
bic Sitbnng ^)rotcftantifd^er ©cmcinbcn anf« än^erfte er^^ 
fd^toert, bic einer ^»roteftantifd^cn Sird^e nnmögßd^ gemad^t 
»orben toärc. Aber für ben <Btaat »erben biefe Knfd^auun- 
gen *nid^t ma§gcbcnb fein bürfcn. (5r Icmn in ben ftird^cn 
unb religiöfcn £or)>orationcn nid^td anbered feigen, ate eine 



(Sigentl^um^e^t an bemfelben. 187 

atajal^I t>ott ^crfonen, bte fid^ mit feiner ©cnel^tttigung unter 
einer beftintntten 93erfaffun9 jur 93erfo(gung gekoiffer ^^ede 
t>ereinigt ffaUn. dt lann bal^er aud^ bad Stgentl^um biefer 
Äor^jorationen nur ate ba« gemctnfci^aftnci^e (gigentl^um tl^rcr 
SDUtgßeber betrad^ten, toelö^z^ fid^ in red^tlid^er Sejiel^ung 
t>on anberem gemeinfamem (Sigentl^nm (ebiglid^ baburd^ untere 
fd^eibct, ba§ e« bon ben Sigentl^timern nid^t nad^ ©etteben^ 
fonbern bfoö für beftintmtc 3ö>ede gebrandet toerben barf. 
%BiQ er nun aud^ biefe (Sigent^ümer nid^t i^tnbern, bie SSer^^ 
toaltung i^re^ äSernti^gend ju übertragen^ toem fie tooUen^ 
fo barf er bod^ nid^t pgeben, ba§ bcrfelben eine ©tnrid^tung 
gegeben toerbe, tooburd^ il^r Siaentl^unidred^t felbft aufge= 
l^oben ober iüuforifd^ gcmad^t toürbe; benn er l^at jenc^ 
SScrmögen nid^t afö ©igentl^um ber S9ifd^öfe ober bcr ^farrer^ 
fimbern afö Sigentl^um ber Sird^cn, b. 1^. ber (Semein- 
ben, bcr fämnitlid^en einer Drt^^^ obeif Sanbedlird^e ange^ 
porigen ^erfonen, anerfannt 35iefe »ürben e^ aber »er? 
liereu/ tocnn irgenb einer Äird^enbel^örbe bie unbeblngte SSer^ 
f ügung über feinen @ebraud^ juftänbe, ba ein (Sigent^untdred^t 
ol^ne aüe« ©ebraud^^red^t feinen SSSertl^ l^at, ober biefmel^r 
ber baare SBiberfinn, fogifd^ unb red^tlid^ unmöglid^ ift. 
J)er ©taat barf bal^er ben ftird^en unb refigiöfen ®cfeü* 
fd^aften tiur unter ber Sebingung bie lor|)oratiben Siedete, 
il^rem SSermögen ben S^arafter eine« ©tiftungdberntögen« 
ertl^etten, ba§ ba« (Sigent^um biefe« Vermögen« ber ©efammt^ 
l^eit i^rer SWitgKebcr, alfo im borticgenben gaü ben Ort«« 
gemeinben unb ber ©efammtgemeinbe ieber 8anbe«{ird^e er^ 
l^atten toerbe; er mug aber ebenbe^l^alb aud^ berlangen, ba§ 
ber ©emeinbe bie äßögtid^leit gegeben »erbe, biefe« il^r 
(£igent^um«red^t ge(tenb }u mad^en, bag bei einem ettoaigen 
@trett über bie aSertoenbung be« ^rd^enbermi^gen« il^r bie 
(e^te (Sntfd^eibung borbel^atten bleibe* @r mug bieg fd^on 



ISS jttK^enDermögen. 

au« rein rcd^tfid^cn ©rünben »erlangen; er mug ed aber 
m^ begl^alb, »eU ol^ne btefe Seftimmung ba« religiöfe 
geben in feiner freien Seü>egun8, bie ©emeinbe in ii^rcr 
freien ©efbftbeftimmung auf« fei^toerftc beeintrficj^tigt toürbc* 
Uebcriägt man ben Sirti^enbel^örben bie unbebingte SSerfü^ 
gung über ba« Sirdf^enbermögen, f o überlädt man il^nen aud^ 
bie SSerfügung über bie Äird^e: fie l^abcn e« in ber ^atib^ 
jeben, ber fid^ il^nen unangenel^m ma^t, feine« Slnti^eit« am 
Sird^enbermögen ju berauben, inbem fie ii^n bon ber ^ird^e 
au^fd^Iiegen ober burd^ il^re SKagregeln gur Äirc^e i^lnand* 
bröngen; unb bie SKeufd^en müßten anber« fein, al« fie 
finb, toenn baburd^ nid^t bem SBiberftanb gegen l^ierard^ifd^e 
Uebergriffe, ber religiöfen greil^eit, bem gortfd^ritt ber tl^co^ 
logifd^en SBiffcnfd^aft unb ben SSerfud^en lird^Iid^er JReform 
ba« ftärlfte $>inbemif in ben Söeg gelegt ö)äre* 9iur toenn 
bie ©emeinben ^erren i^re« Vermögen« finb, toerben fie 
im ©taube fein, fid^ gegen bie SlufbrSngung bon ©eiftßd^en, 
Äuftu«formen unb Seigren, bie il^rer iDentoeife toiberftrebcti, 
mit Srfolg ju bertl^eibigen, ^rebigern unb ©eefforgem, bie 
il^rem Scbürfnig entf^red^en, aber bieüeid^t gerabe beßl^alb 
bon il^ren fird^tid^en S5orgefe|ten angefeinbet toerben, eine 
nad^l^altige ©tü^e ju getoäi^ren; nur bann toirb eine toirt 
lid^e S9ürgfd^aft bafür gegeben fein, ba| bie Seitung ber ftrd^^ 
tid^en älngetegenl^eiten unb ber ®ang be« tird^ßd^en 8eben« mit 
bem , loa« ber (Seift ber 3^^ unb ber ©übung«ftanb eine« 
3Soß« forbert, in leinen ju greöen SBiberf^rud^ fomme. 

^aäf ben gteid^en ®efid^t«^unften ift nun aud^ bie 
Srage ju beurtl^eilen , toie e« mit bem tird^ßd^en SSermbgen 
gel^alten toerben foü, locnn in einer Sird^e ober einer ©e^ 
meinbe eine ©Haltung eintritt, toetd^e ben 9lu«tritt eise« 
größeren ober Heineren S^^eil« il^rer SDWtgtieber l^erbeifül^rt 
üDiefe ^age ift bi«]^r nid^t bto« bon ber ©efe^gebung burd^^ 



X 



^igent^um^e^t an bemfe(6en. 189 

OÄ« umgangen, fonbern an(fy öon bcr SEBiffcnfd^ft niäft fo 
etngcl^cnb, tofc fic c« bcrbicntc, mUx^nöft toorbcn. Unb 
fc lange bie Strd^en atö iStaatdanftalten bel^anbelt tourben, 
mo^tt bieg cl^cr ertragen »erben, ba ber 0aÖ, in bem fie 
praftifd^ geworben tpäre, nur audnal^mdioeife unb in U^ 
fd^ränftent Umfang borfommcn lonntc SSerjid^tct bagcgcn 
bcr ®taat barauf, eincrfett« feine ©ürger burd^ äußcrlid^e 
aOWttcI 6ei il^rer Bixäft feftjul^alten ober bie Sitbung neuer 
SReKgton^gefeBfd^aften ju crf(i^ti)eren unb ju berl^inbern, an- 
bercrfeit« baö fird^tid^e Sebcn bon fid^ aud bel^errfd^cn ju 
tootten, fo lägt fid^ il^re ßntfd^eibung nid^t umgcl^en. 3a 
pe ift unter biefer SSorau^fe^ung, toie bieg gerabe in unferer 
3eit ber 5lugenfd^cin jetgt, für bie ©ad^e ber refigiöfcn i^rei- 
l^eit unb bc0 fjortfd^rittd eine 8eBen6frage, bereu gefe^Iid^r 
SRegetung fid^ ber ©taat nid^t länger entjiel^cn barf. 5)iefc 
Aufgabe ift aber nid^t ganj teid^t. Sincrfeitö fann bem (Sin« 
jetnen nid^t bad 9ied^t eingeräumt loerben, toenn er au^ 
fetner Äird^e austritt ober bon il^r au^gefd^Ioffcn toirb, bie 
fierau^gabc feinet 3lnt]^eit6 an bem fird^tid^en SScrmögen ju 
f orbern; benn biefe^ SSermögen ift nidf^t ein gemeinfamc^ 
^ribateigcntl^um ber Sinjelnen, toeld^ed an biefc ju belie* 
biger SSerlocnbung bertl^eilt toerben fönnte, fonbern e« ge^^ 
l^ört ber ©efammtl^eit ber ©emcinbe^ ober Äird^cnmitglicber 
nur toiefem fie ju biefer beftimmtcn Äorj)oration bereinigt 
finb, unb e« ift au^fd^fiegfic^ für i^re fird^fid^en «ebürfniffe 
beftimmt. SJoöte man nun aber anbererfeit« ben ©runbfafe 
aufftetten, bag baö SSermögen ber Sird^cn unb retigiöfen 
Sor^jorationen benfclben unter aßen Umftänben unbScfürjt 
unb ungeti^eitt bleiben muffe, mögen aud^ nod^ fo biele bon 
il^ren 9)?itgliebern austreten, fo mügte man bor aQem ein 
fid^re« SWerfmal auffteßen, an bem ftd^ bei einer in ber 
Äird^e ober Oemeinbe eintretcnben ®<}aftung erfennen ßefe^ 



X 



N 



N 



\ 



190 ÄirÄenwrmögen. 

totläftt t)on ben S^eKett, in bte fie att^etnanbergegangen i% 
afö ber, 5Crägcr ber bem ©otiien bi^l^er juftel^enbcn ^erföm 
i\6fU\t unb in Sotge babon afö ber red^tmä^ige ^gent^ümer 
bc« Äot}>orattonöbetmögctt« gu bctrad^ten ift* ©ott e« ber 
3:]^ctl fein, toctci^em bie SRel^jal^I ber ©enteinbemitgßeber 
ober anäf bie SWel^rjal^t ber felbftänbigen ®emeinbentitgtteber 
angel^ört? ?lber bieg toäre unter Umftänben ein fel^r un= 
fi(i^erc8 SRerlntat. S)ie ftreitenben Xl^cife lönnen fici^ ber 
^a^ nad^ fo nal^e ftel^en, bag ber ^nfaU einer STOel^rl^it 
bon wenigen Stimmen entfci^eiben n>ürbe. @ott nun bie 
SÄinorität i^rer SSermögen^red^te be^l^afb beraubt Joerbcn, 
tDcit eö il^r niei^t gelungen ift, einige toenige Stimmen ju 
fid^ l^erüberjujiel^en ? JBenn femer eine retigiöfe Setocgung 
aümä^fid^ um fid^ greift unb am @nbe ben größeren S^eil 
ber ©emeinbemitgUeber ergreift: foß e^ il^ren ©egnern, aud^ 
n>enn fie fd^tiefilid^ nod^ fo fel^r in ber Sßinberl&eit bleiben, 
freiftel^en, bie i^reunbe bed ^mtn baburd^ bom ©enuf be^ 
gemeinfamen aSermögen« audjufd^tiegen, baf fie biefeffien aÖ=: 
mSi^Iid^, immer nur loenige ouf einmal, auö il^rer ©emeinbe 
l^inaudbrängen ? aber ba« bfoge ä^^^^^^^^^ältni^ lann in 
biefcm gciö überl^au^^t nid^t entfd^eiben. @o lange bie ®es 
meinbe afö fotd^e beftel^t, fann bie ©efammti^eit bon ber 
SWel^rl^eit bertreten, e« lann bal^er au^ ber äßel^rl^ett über* 
laffen toerben , über ben Srtrag be« gemeinfd^öf tlid^en SJer* 
mögend ju berfügen. Senn aber bie ©emeinbe in jioei 
ober inel^rere bon einanber getrennte SEl^eile au^einanbergel^t, 
fann bie SWel^rl^eit nid^t mel^r aW bie SSertreterin ber Oe* 
fammtl^eit betrad^tet koerben, ba bie aRlnberl^eit nid^t mel^r 
JU einem unb bemfelben ©emeintoefen mit il^r üerbunben ift; 
ba« ®anje, in bem bidl^er nad^ ©timmenmel^rl^clt entfd^ieben 
tourbe^ bie red^ttid^e ^erföntid^feit, »eld^e bi^l^cr bie Sigen* 
tl^ümerln be« gemeinfamen Vermögend »ar, l^at fid^ in j»ei 



r 



^tgent^um4it((t an bemfet6en. 191 

«Ober mel^rere fold^e ^erfönltc^teiten it\paütn unb e9 ift nid^t 
mel^r atd biOig^ bag in ber gleid^en äSeife unb nad^ bemfet^ 
]ben SSerl^üttnif aud^ bad SSermögen getl^eitt toerbe. SBte 
^nd ber Trennung einer S^e bie ißennögendabfonberung 
fo(gt^ fo folgt aud ber ST^eitung einer ©emetnbe (n^ie bie§ 
<m6f in anberen^&Qen niemanb beitt>eifelt) bieST^eitung bed 
@emeinbei[>erm5gen^. 92ur bann tDirb ein anbered SSerfal^ren 
bem ^täft entf^red^en, toenn ein 2^eU bem anbem ol^ne eine 
genügenbe 93eran(affung bie ©emeinfd^aft aufüinbigt, ober 
»enn ernad^ benöefe^en ber betrcffenben ©efeüfd^aft toegen 
med 93erge]^end gegen biefe(6e audgefd^(cffen n>irb; aber 
toic ed fid^ bamit t>cx^&Ü, l^at offenbar nid^t ber jurüdt* 
bleibenbe ST^eil, ber in biefem BaU jngleid^ 9iid^ter unb 
^artl^ei u>äre, ju entfd^eiben, unb bag ber eine Zf)ül in ber 
IKel^rl^eit , ber anbere in ber ÜWinberl^eit ift, lann für biefe 
^age gleid^f aQd nid^t in J^etrad^t lommen : toenn bie ^nxM^ 
bleibenben bie SKinorität tofiren, koürben fie ja ben Sind« 
tretenben aud^ nid^t bad 9ied^t einräumen, bad ganje^efed^ 
fd^aftöbermögen für fid^ in 8lnf<)rud^ ju ncl^men, fie toürbcn 
bef^alb nid^ jugeben, bag jene im 9ted^t unb fie fetbft im 
Unred^t feien. SBoQte man bal^er für ben BaQ, bag eine 
Sird^e ober @emeinbe fid^ ^paütt unb in $o(ge tat>on auf« 
föft, bie S^l^eilung be« ©emeinbebermögend nid^t geftatten, fo 
fönnte bod^ bad 3^]^(enber^&(tnit ber ftrettenben ^El^eite nid^t 
bad SD?ertmaI abgeben, nad^ loe(d^em über ben Slnf)>rud^ ber- 
felben auf iene« SSermögen ju entfd^eiben loäre. 

Um fo lieber toirb man auf einem getoiff en * @tanb« 
^unlt ein anbered SOtertmal gettenb mad^en. 3)ieienigen, 
toirb man fagen, finb bie red^tm&gigen (Sigentl^ümer bed 
<i^meinbebermögend, loeld^e mit ber ^efammtürd^e in ©e- 
meinfd^aft bleiben; unb in biefer ©emeinfd^aft bleiben bie, 
toeld^e bie oberfte Sird^enbel^örbe atö ST^itgUeber ber 



192 J^t4tnt)etmdgen. 

tird^e anerfennt Äfcer btc^ l^ic^c md^t« anbete«, al« ba^ 
Sigetttl^ttmöredf^t auf ba« fttrd^cn« unb ©emeinbcbcrmögctt 
auf bie Ätrd^enbel^örbc üBcrtragcn, unb bie Scrmögcn^recl^te 
bcd aSoIfe« il^rem ^Selteben fd^ufeto« ^)reidgebcn — ein ®t(mh^ 
pnntt, beffen Unjuläffigfeit fd^on oben jur ©enüge ertoicfcn 
ift. 35er ^ierard^ie afler Sonfeffioncn mag btefer ®t(mh^ 
pnntt [xäf cnt^)f eitlen, ber @taat barf il^n nimntermel^r an^ 
crtennen- 3?ie @|)altung in ber ©enteinbe fann Ja gerate 
be^l^alb eintreten, ja fie toirb in ben meiften §äüen be§l^al& 
eintreten, toeit ein Sl^eit berfelben ntit bem SSorgel^en ber 
Äird^enbel^örben unpftneben ift; ba lann bod^ nid^t eben 
biefen ©el^örben bie (Sntfd^eibung bc« @trettfaö« ani^eim=: 
gegeben, e« fann il^nen unmögtid^ bie ©efugni§ ertl^ettt 
ttjerben, aßen, bie il^nen Dl)l)ofition ntad^en, i^ren Stntl^ctt 
an bem gemeinfamen 35ermögen ju en^iel^en. 

Sin britter mögßd^er Slu^toeg toäre ber, baß gefagt 
»ürbe : »enn in einer f ird^e ober ©emeinbe eine @|)altung 
entftel^e, fo feien aU bie red^tmäJ^igen ßigcntl^ümer bcö ßir^ 
d^enbermögend biefenigen ju betrad^ten, toeld^e bem beftcl^ns 
ben ©tauben unb ben beftel^enben fird^ßd^en (Sinrid^tungen 
treu bleiben ; ö)er bagegen toegen feiner Slbtoeid^ungen bon ben 
Seigren unb Drbnungen feiner ^ird^e au« berfetben audge« 
fd^Ioffen toerbe ober austrete, ber l^abe leinen Slnf<)rud6 auf 
ba^ SSermögen, toetd^e« eben nur biefer beftimmten, auf [mm 
Seigren unb Drbnungen rul^enben Sird^e gel^öre. üDicfe Sin- 
fid^t l^at namenttid^ unter ben Suriftcn bieten Seifaß gcfun^ 
ben, unb ed ift biefi gerabe beijl^atb fel^r begreifßd^, Xoeil bie 
lird^enred^tlid^en fragen bei berfetben nad^ ben il^nen ge*^ 
läufigen |)ribatred^tttd^en ®efid^t«|)unften beurtl^eilt, ol^nc ge^ 
nauered Singel^en auf bie eigentl^ümfld^c 5Ratur il^re« ®es^ 
genftanbed unter aßgemeine Sategorteen bed formalen Siedet« 
gefteßt toerben* iCer ©taube toirb l^ier al« eine Art bott 




(Sigent^umdre^t an bemfefben. 193 

@e¥t>ttttt (el^attbelt, bie auf bem $ird^enbenn9gett rul^e: toer 
an btefem SSermögen tl^eUnel^tnen lotQ^ ber ift ber)>f[ic^tet, 
fiäf }U gekniffen Uelberteugungen ju l&efennen; n>er babon al^ 
tt>cid^t, bcr ^at cBenbamit fein ©ürgcrrcd^t in ber Äird^e 
unb feinen Äntl^eil an il^rcm aSermögen bertoitlt. S)a§ 
freUtd^ nad^ biefer Stl^ecrie bie :t)roteftant{f(i^e ftird^e einen 
attgenfd^einlid^en ^tauh Begangen l^ätte, n)enn fie jur 3^U 
bet 9{eformation latl^oUfci^ed ^rc^engut in @efi^ nal^m, unb 
bag bie (Sinjiel^ung ber l^eibnifci^en S^ent^elgttter in bem ifxip 
liö) geworbenen {Römerreiti^ g(ei(i^faö^ nidft^ anbered al« ein 
{Raub getoefen »äre^ barüBer njürbe man fxäf Bei fo(geri(i^s^ 
tigern S)enlen l^&d^ftend mit ber SrtDSgung Berul^igen fönnen, 
biefe Beiben JRedfftdberle^nngen feien je^t berjäl^rt nnb fd^en 
längft nxäft mtf)x MagBar. 3nbeffen fann man fid^ bon ber 
Unl^altBarleit biefe« ganjen @tanb<)un!t0 leidet üBerjeugen. 
^unSd^fi ift fdf^on bie grage, toer ber Beftel^enben Älrd^e unb 
ber Bcftel^enben ftird^enlel^re treu geBöeBen fei unb »er nid^t, 
in ben meiften gäßen gar nid^t ju entfd^ciben, @o unenb^ 
(id^ biet aud^ in aQen 9ie(igiondgefeQfd^aften geftritten to)orben 
ift, fo l^aBen bod^ nod^ immer aße ftreitenben S^l^cite gleid^fel^r 
Bel^au^Jtet fie feien bie treuen ©öl^ne il^rer Äird^e ; unb ö)enn 
Je cinmat ber eine ober ber anbere jugaB, ba^ feine Stnfid^t 
bem 53ud^ftaBen ber ftird^enfel^re toiberftreite, fo Berief er 
fid^ um fo getotffer auf il^ren ®eift unb il^re Sonfequenj. 
®o toar e« Immer unb fo »irb e« immer fein, aufecr Bei 
benen, bie einer Äird^e freitotttig ben SRüdfen feieren, unb 
biefe toerben in ber JRegel anäf an il^r Vermögen feinen 
%n^pxn6f mad^en* ©elBft unfere {Reformatoren looßten ia 
bon ber fatl^oßfd^en fiirdf^e feine^ioeg« austreten, fonbern fie 
crHärten fid^ felBft gcrabe für bie loal^ren Äatl^olifcn ; eBenfo 
toie bie erften ß^riften fid^ für bie njal^ren 3uben erlfärten. 
©er foü nun unter fold^en Umftänben barüBer urti^eifen, 

13 



194 £ir($ent)ermogen. 

tote cö fid^ in SBirIfid&Icit Derl^äft, unb njtc lann ber ©taat, 
fatt^ feine Sntf(i^etbuttg angerufen toirb, fcftfteöen, toeld^er 
t)Ott ben ftreitenben Jil^eiten feiner Äirti^e treu geblictcn ober 
j)on il^r atgefaüen ift? ÜKan nel^me j. So. ben neueftcn f^alC, 
ben ber «tlat^oülcn. S)tefe ^ort^ci 6e]^auj)tet, fic atfcin 
fei eö, bie an ber alten, faft xtocitanfenbiäl^rigen Seigre il^rer 
mrd^e feft^alte, bie ^nfaffibititäWtel^re bagegen fei eine fo 
eingreifenbe Steuerung, unb il^re SSerfünbigung ein fold^er 
SSerftog gegen bie Sirdf^engefe^e, bafe il^rc 3ln]^änger niäfi 
mel^r ba« JRed^t l^aben, fid^ aW Äatl^oßfen in beni alten, 
^iftorifd^en ©inne be« SBorteö ju Bejeid^nen; unb eine ge- 
toid^tige ©timnte an^ il^rer SDWtte ^t bcgl^alb ba« ganje 
»ermögett ber totl^otifd^en Sird^e für bie TOfat^oIifen, aW 
bie einzigen loirKid^en Satl^olifen, reftamirt. ®ie 3nfaBi^ 
biliften ii^rcrfeitö i)erfid^ern natürlid^ nid^t minber entfd^ieben, 
bad t)atilanifd^e @onci( fei eine burd^aud red^tntä^ige aKge^ 
meine fiird^cnberfamntlung, feine Sefd^tfiffe ein burd^au« ri^- 
tiger 5lu«brudt ber Ueberjeugungen , bie ijon 3lnfang an in 
ber Äird^e anerlannt getoefcn feien; bie ©egner ber Snfaßi^ 
Bitität l^aben burd^ il^re l^artnädtige äBibcrfe|ßd^feit gegen 
bie lird^tid^e Seigre unb 3luftorität i^r Sürgerred^t in ber 
Sird^e unb mit il^m {eben älnf^rud^ auf einen ^(ntl^eU an 
il^rem 35crmögen Dertoirtt. S38ie fofite e^ nun ber ©taat 
angreifen, nm bicfen ©treit ju fd^tid^ten ? Sr ^at bod^ ntd^t 
bie 5lufgabe, tl^eofogifd^e unb l^iftorifd^e Streitfragen juent^^ 
fd^eiben, er l^at aud^ feine Organe, bie er bamit beauftragen 
fönnte. 6r muf e« bal^ingefteöt fein laffen, toeld^er öon 
beiben S^l^eilen mit feiner Se]^au()tung ^täft l^at, ober ob 
bicBeid^t feiner t)on beiben, ober jeber nur tl^eiltoeife mit 
berfelben im SRedf^t ift; für il^n ejiftlrt nur bie ST^atfad^e, 
baß innerl^atb ber fati^oßfd^en Äird^e über eine bogmotlfd^c 
§rage eine ©jjaltung au^gebrod^en ift, unb nur biefc 3:]^at= 



(Sigentl^uni^rec^t an bemfelben. 195 

fad^e fann er feinem 93erfa]^ren ju ®runbe legen; loeld^e 
i>i>n ben ftreitenben ^arti^eten bagegen bad fati^oUfd^e !Dogma 
für fid^ i^at, bie§ tft eine i^rage, ble er nad^ feinen ©efefeen 
unb mit feinen SffJitteln nid^t entfd^eiben lann. Sd ift afcer 
aud^ eine grage, bie auf fein SSerl^alten gar feinen Sinflug 
l^al&en barf. !Denn für i^n afö ©taat ift jia bod^ bad la^ 
t^olifd^e ©ogma fein ®efefe, unb »enn er bie fiird^e nid^t 
jur reinen ©taat^anftalt mad^en toiü, fo barf er e« aud^ für 
fie nid^t jum ®efefc mad^en. (Sr l^at fein 9ied^t, einer Sird^e 
gtt berBieten, baß fie ein neue« SDogma auffleüe, unb benen, 
»eld^e fid^ nid^t bamit einberftanben erftären, bie ®emein« 
fd^aft auffünbige. ©r l^at aber aud^ fein 9ied(^t, biejenigen, 
toeld^e fidf^ einer fold^en Steuerung nid^t auf daließen, ober 
anbernti^eite bie, toeld^e fid^ il^rerfeit« bon ber beftei^enben 
fiird^enle^re entfernen, bafür burd^ ffiermögen^nad^tl^eite ju 
ftrafen. ®urd^ ben3ö>edf, h>egen beffen ber ©taat bie Äird^e 
anerfannt l&at, bie IJflege bed retigiöfen ßebend, ift bie Un* 
beränberlid^feit ber f ird^fid^en Seigren f o ö)enig geforbert, baß 
Dietmel^r umgefel^rt ju fagen ift, iebe Snttoidtfung be« reli^^ 
giöfen Sett>ußtfein« unb Jeber gortfd^ritt ber religiöfen Sr^ 
fenntniß toürbe burd^ fie unmöglid^ gemad^t toerben» Unb 
ber SLugenfd^ein jeigt aud^, baß in ber SBirflid^feit niemate 
eine 9ieIigion«gefeüfd^aft ejiftirt l^at, bereu Seigre nid^t be« 
ftänbig im t^taffe getocfen ö)äre, toofern i^r^ geiftiged Seben 
nid^t gänxlid^ berfumjjft »ar. ©etbft ba« fatl^otifd^e ©ogma 
l^at fid^ trofe feiner angeblid^en Unberänbertid^feit foxtMif^ 
renb beränbert, unb toir fetbft ^aben e« erlebt, baß itoei 
i^el^ren, bie bi« bal^in nur atö ^ribatmeinungen ejiftirten, 
unb barunter eine fo rabifat eingreifenbe toie bie )3ä^)ftlid^e 
Unfel^tbarfeit, iu fird^Iid^en ©ogmen, bie biöi^er bon ber 
Äird^e gebutbeten entgegengefe^ten Slnnal^men ju Se^ereien 
geftem^>eft »urbcn. 2)em SBefen be« ^roteftanti^mud nun 

13* 



196 j((r(|ettmmddett. 

öoflenb« ÄiberftrcBt bie UtibcrSnbcrltd^fcit bcr ©ogtnen fo 
hntäfou^, ba| fici^ in ber ebangeHfci^en ^rci^e attd^ bie tnU 
fd^icbcnftcn ijrcunbc be8 SKtcn ber bicif ati^ften ättfl^f^ät^^i^iff^ 
an bie fortfd&reitenbe tolffenfd^aftfldf^e unb SuIturenttoicHung 
nid^t ertocl^ren fonnten. @o tauge unb fo eifrig l^ier feit 
einem SWenfei^enalter ön bcr tl^eologifd^n JReftauration gear* 
Beitet toorben ift, fo gteBt ed bod^ in SäSal^rl^eit l^eutjutoge 
feinen einjigen ^>roteftantifei^en 5£^eoIogen, ber mit ben alten 
Sef enntniffen unb ber attlird^tid^en ©ogmatif in aöen ©tflden 
aufrtd^tig unb ol^ne Umbeutung fibereinftimmte ; fott hafftt 
btefe Uebereinftimmung bad SKerfmat bcr Drtl^oboyie fein, 
fo ift ju fagcn, cd gebe in il^r über]^auj)t feine Drtl^obojie 
mel^r, unb U)enn ein Sin^elner toegen feiner 9CbtDei(i^ung 
bom fird^tidf^en ©tauben berurtl^eitt toerbe, fo l^abe nid^t bcr 
Drtl^oboje ben ^etcrobojen bcrurtl^eitt, fonbern ber, loett^er 
etn)a6 toenigcr l^cteroboj tft, ben, ber e« zitx>a^ mtffx ift. 
SäSctd^e SSerantaffung unb ttjctd^c« 5Red^t l^ätte ba ber ©taat, 
bie S^Ö^^örigf eit jur Äird^e unb bie 3:]^eitno]^me am fiird^en* 
bermögen bon bcr Uebercinftimmung mit ber übcrtieferten 
Seigre abl^öngig ju mad^cn, unb im i^alt einer fird^ttd^en 
©pottung biejentgen, ti>ziäiz bon il^r abtoeid^en, il^rcr An« 
f^jrüd^e an bad gemeinfame SSermCgen bertufttg ju erftären ? 
5ßad^ bem borftc^enben fann nun ald bie Sigentl^fimerin 
be« fird^tid^en .aScrmögen« nur bie ©efammtl^it bcrienlgen 
^erfonen betrad^tet toerben, toetd^e ju einer ©emeinbe, ober 
einer Sanbe^fird^e, ober einer rctigiSfen Äor:|)oration bereit 
nigt finb. liefen "ißerfoncn ftcl^t e« ju, iene« aScrmögen 
für il^ren Äuttu6 unb i^re fonftigen retigiöfen unb fire^ßd^en 
Scbürfniffe ju bertocnbcn; unb biefe« il^r 8ted^t toirb burd^ 
ettoaige Slcnberungen in il^rem iöcfcnntni§, il^rcn Äuttu«* 
formen unb ßinrid^tungen nid^t aufgel^obcn« Sßenn bal^er 
eine ®cmeinbe ober eine öanbedfird^e ju einer anbern Son* 



r 



(Stigentl^umdre^t on bemfelben. 197 

fcffwii fltcrtrttt ober fld^ r>on i^rcm btöl^erlgcn Itrd^Hd^Ctt 
SSerbanb abtrennt, fo verliert fic begl^alb il^r Äird^engut 
ntd^t, toenn ba«felbe nur f orttoäl^renb i^ren lix^üäftn Btoeden 
getolbmet bleibt; totrb aüerbingfi bie Äor|)oration , bcr ein 
folc^ö Vermögen flel^ört, fclbft aufgel^oben, unb ift niemanb 
ba, toeld^er für bicfen gaß att ii^r 5Rcd^tdna(i^foIaer ju be:= 
trod^ten toäre, fo ift jiene« iBermögen l^crrentofc« ®ut ge^ 
toorben unb fann loom @taat einem anbern^^ed getoibmet 
»erben; bod^ forbert auäf bann ber ben Stiftungen im afl* 
gemeinen bcrf}>röd^ene ®äfrx%, ba§ biefer 3ö>e(I bem urft>rüng* 
(id^en fo nal^e ftel^e, atö bief bad öffenttid^e Ontereffe er(aubt 
Stritt aber nur ein 2^ei( einer jtird^e ober ©emeinbe aud 
bem bidl^erigen lird^ßd^en SSerbanb (uni, fo erfd^eint atöbad 
aQein geredete eine ber^Itni^mägige Xl^eilung bed Itrd^(id^en 
Sermdgend; felbftberftänbltd^ koieber unter ber Sebingung, 
baß badfetbe forttoäl^rcnb für lird^Iid^c ^to^dt bertoenbet 
toerbe; unb e« ift eine aufgäbe ber ©cfe^gcbung, bie Slor^^ 
men, nad^ benen biefer ©runbfa^ in bem angegebenen i^aQ 
burd^gcfül^rt toerben foQ, im einjelnen feftjufteöen. 6^ ift 
bieg ol^ne S^tVjel feine ganj teidf^te aufgäbe. 6d fann bie 
grage entftel^cn, toie biete bon ben SKitgtiebem einer ®c* 
meinbe ober Äird^e, ober toeld^er örud^tl^eil ibrer ©efammt* 
iai/i innerl^atb eine« beftimmten 3^l^<^"^^ i^^ ®ilbung 
einer neuen ®emeinbe ober ftird^e iufammengetreten fein 
muffe, um auf einen älntl^eit an bem gemeinfamen 93ermögen 
änf^jrud^ mad^en ju fönnen; unb e« toirb fid^ l^lerüber, »ie 
überaß, U)o ed fid^ um bie i^ijcirung eined quantitatioen unb 
befl^alb feiner SRatur nad^ fließenben »erl^ältniffe« l^onbeU, 
nur eine auf annä^ernber ©d^äfeung beru^enbe, im gegebenen 
%aU mt^x ober loeniger toiOtül^rtid^ erfd^einenbe JBeftimmung 
geben foffen. 6« fann unter Umftänben ber B^ti\tt tnU 
ftel^en, ob bie|enigen, toetd^e aa» einer jtird^e auetreten unb 



19S mx%tx\m {Rechte 

einen neuen SSerein bitben, überl^au^jt noäf aW eine Äuftu«^ 
flemetnbc ju betrad^ten feien. @« fönnen jld^ auc3^ l^infid^t^ 
üäf ber abfd^äfeung be6 Äird^enbermögen«, be« eigentl^ttm«^^ 
red^tö auf ©ebäube ober Äunfttoerle, bereu Äunfttoert^ ja oft 
über il^ren ©ebraudf^ötoertl^ toeit l^inau^gel^t , unb fonft nod^ 
l^inftci^tfici^ be6 einen unb anberen fünfte« ©d^toierigfeiten 
erl^eben. Snbeffen l^at bie ©efe^gebung auf aßen ©ebietcn 
mit ä^ntid^en ©d^toierigleiten ju län^^fen, toeil ed eUn un^ 
meglld^ ift, aöe a»obififationen ber fonfreten gäüe mit aü- 
gemeinen ©eftimmungen ju erfc3^ö|)fen. 5lber fo »enig fie 
biefer Umftanb im übrigen abl^äft, il^rer ^flid^t nad^julom^ 
men, ebenfotoenig n>irb fie fid^ burd^ benfelben im borUegcn^j 
ben %ati abl^aften (äffen bürfen, einen ©runbfa^ jur Slner* 
lennung jn bringen, ber in ber (Sered^tigleit begrünbct unb 
für bie freie Snttpidfung bed religiöfen gebend bon ber ^'6äf^ 
ften aBi(^tigIeit ift. 



18. • 

(Sd toar eine golge bon ber frül^eren SSermifd^ung bc« 
religiöfen unb be« bürgerttd^en &tbkt^, ba§ mand^e ängc^ 
Icgenl^eiten , bie il^rer 5Ratur nad^ in bie Aufgabe unb bie 
SRed^t«f<)]^äre beö ©taatö faöen, ber Sird^e überlaffen, bür= 
gerlid^e unb ^>oßtifd^e {Redete bon lird^lid^en Sebingungcn ah 
gängig gemad^t tourben. Umgefel^rt ift e« burd^ bie aScr= 
l^ältniffe/ bie JRed^tdanfd^auungcn unb bie ©ebürfniffc ber 
®egentoart geforbert, baf biefer SSermifd^ung ein ffinbe ge^ 
mad^t , ba^ bie ©renje jtoifd^en ©taat. unb Äird^e rid^tlger 



r 



att feine fit((li((en 93ebingun0en gu Cnüpfen. 199 

tttib fd^Srfet gejogen toerbe , bafe ber &taat \iöf t>cn ber 
ftird^e emanci^ire unb feine Sieci^te u>ie feine ^fKid^ten in 
feine eigene $anb nel^nte. Söti mand^en fünften ift bieg 
nnn auöf fd^on je^t gefd^el^en, id anbeten ift bie 9ludeinanber^ 
fe^ung jtDifd^en (Staat unb fiird^e noäf im (Spange unb ed 
iftxx^dft nod^ ©treit barüber, toie bei ber 2^ei(ung be« ®e« 
bietet, bad bidl^er für ii^r gemeinfamed Sigentl^um ga(t, bie 
2:]^eituttg6Knie ju jiel^en fei. 3m SKittelatter tooüte bie 
Sirene felbft bie obrigleitöd^e ©etoalt nur al« einen «u^flug 
il^rer eigenen, bie n>e(t(id^en $errfd^er afe il^re SSafatten be^ 
trad^tet toiffen, bie fie öor il^r (Scrid^t f orbern, unter Um* 
ftättben aud^ tool^I abfegen unb il^r 8anb anbern übertragen 
bürfe. Unter ben l^eutigen S3er^(tniffen unb nad^ ben i)tvi= 
tigen 9ied^td^ unb ©taatdbegriffen ^t biefc S^l^eorie, fo toenig 
man anäf in JRcm auf fie »erjid^tet l^at, feine äudfid^t mel^r, 
in irgenb einem Sanbe, unb toäre e^ nod^ fo gut fatl^olifd^, 
atnerfennung ju flnben. SBeit länger erlieft fid^ ein anberer 
Ueberreft ber frül^eren SSermifd^ung bon ©taat unb Äird^e: 
bie aSerfagung ober Scfd^ränlung ber ftaat^bürgerßd^en 
Üied^te toegen bed refigiöfen Scfenntniffe«. ©elbft bie d^rift^ 
liefen Si>nfeffionen finb einanber in bicfer Sejiel^ung nod^ 
ttid^t überaß geredet getoorben; unb too bieß nid^t ber gaß 
ift, toerben natürlid^ bie 3uben nod^ tocniger al« boöbcred^^ 
tigte, aßen anbern gfeid^ftel^enbe Staatsbürger bel^anbcft. 
aber niemanb bejtocifelt, ba§ biefe Sef darauf ungen, too fie 
nod^ beftel^en, gegen ben ®eift unb bie Sebürfniffe unfcrer 
3eit fid^ nid^t tauge mel^r l^aüen fönnen. 35er ©runbfatj, 
bafe bie bürgcrüd^en JRed^te t>om reßgiöfen Selenntnig unab:^ 
gängig fein muffen, ift ein Slfiom ber l^eutigen SBitbung; 
er ift i)on ber ©efefegebung ber neueren Äulturbößer faft 
einftimmig anerfannt, unb aße Slagen über bie Sntd^rift- 
lid^ung unb bie JReligionSlofigleit unferer Staaten »erben an 



n 



200 2)ie ^rfönltc^en Mett^r^äUniffe. 

btefer S^atfad^e nid^tö änbern. @tto)ad anberd berl^&It e^ 
ftci^ (ei einigen anbeten 'fünften. !&er reci^tlid^e unb bürget- 
lid^e (Sffaxattn ber Sl^e tolrb in ben meiften beutfd^en 8än^ 
bern bon ber ©efe^gebung jur ^üt no6) an getoiffe tivdf^ 
üäfz ©eblngnngen gefnüj)ft, bie Sl^ef d^tiegnng Ift bal^er fircl^^ 
lid^en ©el^örben übertaffen, bei ©l^eftreitigfeiten töirb il^re 
SOtittoirlung in ^nf)>rnd^ genommen, auf bie Sl^egefe^gebung 
fird^Iid^en ®efid^td^>unften ein toefenttid^er @influ§ gemattet 
Sle^Iici^ bcr^äft e6 fid^ mit ber ©eftattung ber 2;obten ; unb 
im 3uf^^^^n^^^9 ^^^^i^ if^ bie^ül^rung ber @tanbedbüd^er 
unb bie Seurfunbung beö ^erfonatflanbe^ ben ®eiftlid^en 
übertragen, ©el^r bebeutenb ift ferner gegenwärtig nod^ ber 
gefefelid^e @influ§ ber Sird^e auf baö Unterrid^t^toef en ; unb 
toenn aud^ bie l^ö^eren unb mittleren Unterrid^t^anftaßen in 
ber SRegel feinen confeffionetten ß^arafter tragen unb bon 
bürgerlid^en Sel^örben felbftänbig gefeitet toerben, fo ift ba« 
gegen mit ber @mancit)ation ber SSoKöfd^uIe au« ii^rer fril= 
^eren Slbpngigfcit bon ber Äird^e nur eben crft ber Anfang 
gemad^t %näf ba« Slrmeniöefen ift enbtid^ einer bon ben 
fünften, auf toefd^en bie Unterfd^eibung be« bürgerttd^n 
unb be« Krd^ßd^en ©ebietö erft unboülommen burd^geflil^rt 
ift. $)lefe gragen bebörfen bal^er nod^ ber eingel^enbcren 
Unterfud^ung. 

©eginnen toir mit ben ©eftimmungen über bie Orb* 
nung ber ^^erfönlid^en 8eben«berpftniffe , fo ift toeit ber 
ttrfd^tigfte bon ben ©egenftfinben, um bie e« fid^ l^ier l^anbett, 
bie &)e. . SBenn einmal anerfannt ift, baf ba« ©taatd^ 
bürgerred^t nid^t bon ber SRetigion abl^ängtg gemad^t Werben 
bürfe, fo l^at felbftberftänböd^ bie SCaufe ober Sefd^netbwig 
unb über]^auj5t bie 2lufnal^me in eine SleKgion^gefeÜfd^aft 
feine bürgerßd^e Sebeutung mel^r. ^ie (Sinjetnen unb bie 
f^amißen mögen ed bamit l^aßen, wie fie Wollen : ber &mt 



Btaribtifmäffüfynm^. Seflattung. 201 

l^at fid^ xAäft bamm ju tämntertt. Sr fann feinen afö fei« 
nen ^tttger IttxaäfUn, bem fein JSürgerreci^t nid^t angeboren 
ober bon ber juftänbigen ©el^ärbe ertl^eift ift; er niu§ ba* 
l^r fftr bic Stt^rung oon ©fltgcrfifien @orgc tragen unb 
intt§ berlangen, baf ju biefem Sel^ufe jeber Siengeborene 
il^m angezeigt n>trb; ob berfetbe aber anci^ in einer JHrci^e 
bad j&ürgerred^t befi^t, f)at er nici^t }n unterfud^en. ^nbe:: 
rerfcitd ift e« ©od^e ber ©emeinbe, baftir jn forgen, bag 
il^re äingel^örigen }u einer anftänbigen unb mit feiner ^efal^r 
für bie ©efunbl^eit ber Ueberlebenben berbunbenen Seftattnng 
i^rer S^obten ©cfegenl^eit flnben; unb e^ ift ©ad^e bee 
&taat^, barüber ju toad^en, bafe biefc Dbliegenl^eit erfüöt, 
unb Jene ©elegenl^eit aBen, bie ii^rer bebürfen, ol^ne Unter« 
fd^ieb ber Sonfeffion, gleid^fel^r eröffnet »erbe. (Sd niäffen 
bol^er t^ebl^öfe bor^nben fein, bie ben ©emeinben gel^ören, 
über bie fie unbeblngt berfügen, für bie fie ol&ne (Sinfi)rad^e 
eine« 35ritten bie öegräbni^orbnung feftfefeen fönnen; ed 
mn^ unmögßd^ fein, ba§ einem S^obten an9 confeffioneQem 
ganatl^mu« bie ©eftattung berloeigert, ober baß biefelbe nur 
an einer ©tette unb in einer SBeife jngefaffen n>lrb, ber 
nad^ ber SKeinung ber ÜÄenfd^en eine Unehre anl^aftet. !Ra^ 
mit ift felbftberftänWid^ nid^t an^efd^loff en , baß ee jebem 
freiftel^en muß, feine 2^obten mit benienigen geierlid^feiten 
ju begraben, bie ber ©raud^ feiner tird^e mit fid^ bringt; 
nur mn^ e« il^m ebenfo aud^ freiftel^en, biefe geiertid^feiten 
JU nnterlaffen ober burd^ anbere mit bem Slnftanb unb ber 
öffentßd^cn Drbnung berträglid^e $anblungen ju erfefeen* 
Ob neben bicfen öffenttid^en ^iebl^öfen an(Sf nod^ abgefon* 
berte für bie elnjelnen SRetigionögefefifd^aften jugclaffen toer« 
ben fotten, ift eine grage ber 3ö>edfmäßigfeit, für berenöe^ 
anttoortnng neben ber SRfidffid^t auf beftel^enbe (ginrid^tungen 
unb 9ted^ m^ bie S![nfid^ten, bie ©etool^ni^eiten, felbft bie 



202 ^ie Familie. 

SSorurtl^eUe biefer SteltgiondgefeQfd^aften in ^etrad^t lom« 
men. ©oferti aber fein txfftUxäft^ $mbcrnl| im SBeg ftel^t, 
ift e^ Keffer ^ toenn bie älngel^Srigen aQer Sonfeff tonen nnb 
Sieligtonen im ®xaU unterfci^iebdto^ neben einanber rnl^en^ 
unb baburci^ bod 3eU)ugtfetn audgebrtt({t nnb lebettbig er« 
l^atten toirb, bag in ben tiefften Seben^bejiel^nngen ber äJ^enfd^ 
mit bem SIRenfd^en unb ber ©ürger mit bem ©ürger troft 
aüer confeffionetten ©cgenfäfee auf bemfelben Soben beö 
yieäft^, ber ©^ittung unb bee tl^eilnel^menben SRitgefül^te 
fte^t 

(&ta>a^ bertoidelter ift bie grage über bie Sl^e. ©ie 
©ränbung einer Familie lourbe bon i^^^^ ttid^t ^^^^ aföein 
bürgerüd^er, fonbern jugleid^ aud^ ate ein religiöfer äft bc* 
trad^tet; um ber (Sfft eine l^dl^ere SEBei^e )u geben unb i^r 
ben ®egen ber (Sottl^eit ju fici^ern, U)urbe bie SSermäl^Iung 
mit gottedbienft(id^en $anb{ungen berfnü))ft; unb ie mel^r 
bie SSorfteQung bon bem SBertl^ unb ben ^flici^ten bed el^e« 
lid^en gebend fid^ bertiefte, um fo größere ^ebeutung getoann 
biefe reUgiöfe ^etrad^tung beffelben. "ändf bad &ftteä)t gieng 
begl^alb iiberaQ nid^t bto^ bon red^ttid^en fonbern jugleid^ 
toefenttid^ bon reßgi&fen @efid^td|)unften an^. üDief toor 
namentlid^ bei ben d^riftßd^en 930(Iem ber ^aU. S)ad (SS)e^ 
red^t tourbe ^icr borgug^toeife bon ber Äird^e audgebitbet, 
über ßl^eftreitigfeiten unb Sßergel^en gegen bie ßl^egefe^e 
n)urbe nirgenbd ol^ne il^re äJUttoirlung , nid^t feiten aM= 
fd^ße^id^ bon geiftßd^en ©erid^ten geurtl^eilt/ bie Sl^efd^Ue^ 
gung tourbe burd^ einen fird^Iid^en 3Kt boüjogen, unb 
ba^ tribentinifd^e Sondt orbnete bieg allgemein an unb 
mad^te bie ©üttigfett ber @i^en babon abl^ängig, bag fie 
t)or bem ^arod^u^ unb gtoei ober brei B^wgcn gefd^Ioffen 
feien, mül^enb in ben ))roteftantifd^en Sfinbern mit ber^ 
fd^toinbenben äiu^nai^men bonSlnfang an bie lird^ßd^ 2:rau< 



2$er^äitnig berfelhn gu Staat unb jtitc^e. 203 

ung ald bte etttitge %oxm ber Si^efd^Hegung anertannt tt)at. 
Srft in ben legten Oal^rl^unbcrten , unb in ber ^au^tfad^c 
erft feft ber franiöflfci^en {Rebotntion, begannen bie Staaten 
il^r S^red^t nnabl^ängig t)on ber ^trd^e audjnbUben/ nnb 
nad^ bent Vorgänge granheid^^ ift in berfd^lebenen Sänbern 
bte (lioiiüit eingef ül^rt tDorben , ipogegen in anberen, nnb f o 
namentlid^ in bent größeren SEl^eife bon JSDentfd^Ianb , bie 
grage über il^re (Sinfül^mng jtoar anf ber S^agedorbnung 
pel^t, aber burd^ bie ©efe^ebung nod^ nid^t entfd^lebcn ift 
@ine gmnbfä^Iid^e Sntfd^eibnng tpirb nnr bon benjienigen 
©eftimmnngen anßgel^en fönnen, n^eld^e fid^ an« bent 53egriff 
nnb bem ffiefen ber Sl^e ergeben. 3ft bie Sl^e nnb ba«, 
toa« bnrd^ fie bcgrünbet n>irb , bie i^öntUie , ein Srjeng^ 
nif be« bürgerftd^en ober bc« religiöfen ®emeinn)efen«, eine 
bcftimmte fjornt be« ftaatüd^en ober be« f ird^Ud^en gebend ? 
ober ift fie an ftd^ felbft bon beiben berfd^ieben, eine fittlid^e 
(Senteinfd^aft bon felbftänbiger (gigentl^ümfid^leit , n>etd^e mit 
bent <Staat toie ntit ber Äird^e jtoar in ein bcftintmte« aSer:^ 
l^äftnif ixxtt, aber nid^t erft au« il^nen entfj^ringt nnb il^re 
®efe|e urf^^rfingtid^ nid^t bon il^nen em^)f8ngt? 5D?it biefer 
grage ift int ®rnnbe aud^ fd^on bie änttoort gegeben. 35ie 
gantilic ift älter ate ber ©taat, ber* erft au« ber erweiterten 
gantilic, ber ©tantmedgenteinfd^af t , berborgieng; bie ^Vi^^ 
«d^e (Sotte«oere^rnng ift «fter al« bie öffentlid^e unb bie i^r 
getoibntete (Sefeüfd^aft, bieÄird^e; unb toenn l^ente ein aWann 
unb ein SBeib in ber ßinöbe jufantntenträfen unb fid^ für 
il^r Seben berbänben, fo toäre biefc il^re SSerbinbung eine 
»al^re unb toirMid^e Sl^e unb bie au« berfelben entf^^roffenen 
^erfo^en bilbeten eine toirfüd^e i^antitie, aud^ loenn fie 
feinem @taat unb {einer Sird^e angel^örten. <Si>toci)l ber 
@taat al« bie ffiird^c fefet getoiffe einfad^ere SSerbinbungen 
ber 9Kenfd^en borau«, bie ii^nen fetbft borangel^enb im ®taat 




204 SHe %<xmm, 

jum Mrgerl^en, in bcr Äird^e jum rettgtöfen (Scmcmtocfett 
jufammcngcfa|t toerbcn; unb bic utfprüngUci^ftc unb toid^:: 
tigftc t>on biefcn SBcrttnbuttgcn ift bie gamitie. Sntftcl^t aber 
bie gamittc nici^t crft biird^ ben ©taat ober bic Svcäf^, fo 
jnu| fic auä) bie ®cfe^e il^re^ 8eben« in fid^ felbft tragen, 
nnb @taat nnb Ätrd^c fönnen nid^t ntel^r tl^un, a(« baf fie 
blcfe in ber Statur be^ gamilientebend tcgrünbeten fittßci^en 
®efet?e anerfennen unb eine beftimmte äuffaffung berfctben 
afö bie in il^rem ^ereici^ gültige an^f)>red^en« @^ berl^ält 
fid^ bantit »ie mit t)ielen anbcren fittfid^n unb red^ßd^en 
©eftimmungen* S)er Staat fd^afft ba^ ßigentl^um nid^t erft, 
fonbcrn er flnbet e« bor, unb aße feine ©efefee barüBer 
tooüen nid^t^ anbere« fein, aW eine äntoenbunfl beö natttr« 
lid^en ßigentl^umöred^t« auf bie SSerl^fiftniffc einer gcflebenen 
®efeüfd^aft. ®ie Äird^e bringt bie {Religion nid^t erft l^er^ 
bor, fonbern fie fefet bicfefbe borau«; i^re Stptigleit beftel^t 
nur barin, ba§ fie eine beftimmtc gorm ie^ retigiöfen Se^ 
benö atö bie il^rige avi^^pxiäft, unb für bie ©rl^aftung, bic 
aiu^breitung, bie SBertoüfonimnung, bie gemeinfame Sludfibung 
biefer ©fauben^toeife ©orge trägt ®o fönnen audf ®taat 
unb Äird^e bem t^ctmilienteben unb ber (SS)c jtoar il^re gür* 
forge jutoenben unb bie*@eftaltung biefer Sebendberl^Ctniffe 
burd^ ©itte unb @efe| orbnen; aber il^ren Urf|)rung l^t 
bie t^cintiUe toeber beut @taat nod^ ber Sird^e ju berbonlen, 
unb il^rem SBefen nadb ift fie toeber ^on biefer uod^ JM>n 
jenem fo abl^ängig, ba| fie il^ren fitttid^en ©el^alt unb Sl^o* 
rafter erft bon ii^nen erl^iefte. 

^agen toir ferner, -tocld^e S^l^Stigfeit einerfeit« ber 
@taat, anbererfeit« bie Äird^e auf bie gamtJie auSjuäben 
l^abe, fo jcigt fid^ gtoifd^en beiben in biefer ©caiel^ung ein 
erl^eblid^er Untcrfd^ieb. Söcibc l^aben aöerbing« bic brln* 
genbften ©rünbe, fid^ um ben 3^ft^^^ ^^ f^amilienlebe«« }it 



^erfiältnig berfelBen }u &aat tinb Stix^. 205 

Icfümmem, bcntt bfe gatniltc ift bie ©runblage ber Wlrger^ 
liäftn tote bcr rcligiöfen (Scfcßfci^aft. ©cibe tocrbcn bal^cr 
anäf uon i|ren ängel^örlacn berlangen muffen, ba| fie fid^ 
in il^em Samilienlcben il^ren Orbttutigcn untcmerfen unb 
il^tcr ©intoirfung nid^t bcrfd^Iie^en. aber biefc Sintoirfung 
fclbft ift berfc^iebener Slrt. 3tt bcn Seretci^ bc« ©taate« 
fäOt aüce ba«, toa« bic rcd^tttti^c ©cite be« gamißcnfebctt« 
betrifft; feine <Saäft ift e^, bie bürgerlid^en ©ebingungen 
fttr bie @(i^Iiegung ober äbiftöfung ber Sl^en feftiuftetten, 
ben fittlid^en (Sl^aralter ber Sl^e burd^ 93erbote gegen (Sl^e 
mit ben ti&df\Un SSerioanbten , gegen ©igamie, el^elici^e Un- 
treue, SD^igl^anblung eined (Sl^egatten burci^ ben anbern ju 
fd^ülen, iiber bie üDaner unb ben Umfang ber elterßd^en 
®tm% über bie {Redete unb ^flid^ten ber (SItem l^infid^tlid^ 
ber Äinbererjiel^ung , über bie au^ bcr fjamüiengemcinfd^aft 
fld^ ergebenben bermögengred^ttid^en S5erbinbHd^!eiten unb 3ln=^ 
f^>rüd^e, über ba« ßrbred^t ber aSertoanbten unb äl^nlid^e 
S)inge ®efe^ ju erfoffen unb burd^ feine Organe ju l^anb^^ 
l^bem. S5ie fiird^e il^rerfelt« l^at barauf l^injutoirf en , ba| 
ba« gamilienleben mit religiöfcm ©eftaft erfüüt unb in 
frommem ®inn gefül^rt toerbe; unb ba bieg nid^t möglid^ 
ift, loenn e« nid^t in &ä)t fitttid^em Reifte geführt toirb, fo 
l^at fie e« frellid^ oud^ nad^ bcr fittOd^en Seite gu förbem 
unb )u überioad^en, ieber 83er(e^ung ber S3er)>flid^tungen, 
toeld^c ben Samitiengliebcm gegen einanber obliegen, tnU 
gegenjutreten, unb fo toeit fie e« bermag bie rid^tige 3luf^ 
faffung biefer a5er^)flld^tungen unb bie i^r entf^red^enbe ®e« 
finnung ju berbreiten* Slbcr fie foö fid^ nid^t aßein mit bcr 
(Sntfd^eibung ber gragen, toeld^c rein red^tlid^er 5Ratur finb, 
nid^t bef äffen, fonbern fie foü fid^ aud^ für il^re fitttld^^re^ 
ligiöfe Sintoirfung anberer SUiittel bebienen, aU ber ®taat 
gär ben festeren l^anbctt e« fid^ um bie SSoüjiel^ung feiner 



206 2>ie Samilie. 

<8eff^ hvxiSf attfere ^onbbrngett ober tbtterloff mtgen ^ nnb 
btefe tarn nnb nml, toetm ^mrfteOiuigen nid^tö l^elfot, 
bitrc^ ©trafen er))i)itttgen iverbeiL SMefiird^e umgetei^rt l^ot 
e^ mit bem SBtQen nsib ber ©efntmmg ja t^tm, mit ben 
(itt^eren ^ttblmtgen bagegen mtr toiefent fte cm» einer be^? 
ftimmten @eftnnnng l^orge^ %&t fte tft bo^ ba^ 
$an)>tmitte( ber £inn>irbtng bod belel^enbe nnb ermol^enbe 
föort, bie @itte nnb bad 9eif)>iet; foQte ft^ aBer ie ©trafen 
ndtl^ig finben^ ]o mtiften boc!^ biefe, u>ie früher gejeigt U)nrbe, 
bon ben bfirgerßd^en f))eciftf(^ berfd^ieben^ fte mfi^ rein 
^äftxäfex 92atnr fein. @o (onge nnn ©taot nnb fiird^ 
nodf bermifd^t ftnb^ U)irb ftci^ bieg and^ in ber ^el^onblnng 
bed t^amilienred^td gettenb mad^n: ber ©taat n>irb in feine 
@efe^e Seftimmungen onfnel^men, bie nid^t auf red^ttid^en 
ober aßgemein fittlid^en, fonbcm Icbiglid^ anf bogwotifd^en 
SKotiben berul^en^ bie ^rd^e toirb fid^ nm ^inge beülmmem^ 
miäft in ber SBirflid^f cit SJeftimntnngen be« bürgerßd^en JRed^t« 
betreffen; bürgcrlid^e SRed^tc tocrben an fird^Iid^e äfte ge^ 
Inä^ft, nnb ed u>erben babnrd^ ben ^rd^enbienem pgleid^ 
bie ©efd^äfte bürgerüd^cr Seamten übertragen tocrbenj an^ 
bererfeitd u>erben aber and^ bie ©taat^bel^örben mit ben 
fragen, tpeld^e bad bürgerßd^e f^amilienred^t angelten, aud^ 
fi&er bie mit i^nen jufammenl^ängenben lird^enred^tlid^en ent^ 
fd^eiben. SBerben bagegen bie ©renjen jtbifd^en ber ©taatd^ 
nnb ber Äird^engetoaft , ben börgerlid^en nnb ben religiöfen 
ängctegenl^eiten, in ber Slrt, toie toir e« berfongten, gejogen^ 
•fo mnf man and^ in Setreff bc« gamiUenfeben« bie red^t^ 
lid^en JBejiel^nngen ben ben re(igii)fen nnterf d^eiben , nnb 
toenn man ed ber tird^e überlädt, für bicfe jn forgen, fo 
toerben iene ber ©efefegebnng nnb ber 9lnffid^t be« ®taaM 
anl^eimfaüen. ©{efe ©d^eibnng beffen, tx>a^ iiSfftv bermifd^t 
mx, boögiel^t fid^ aber natürlid^ and^ in biefem gafl nlc^t 



m Qt^. 207 

ol^ne ©trcit; unb toenn btc übrigen gragcn bc« ijÄWilictt' 
xt(Sft^ babutci^ tocniger "btxäffxt tDurbcn, fo tft btcfer ©trcit 
feit einem SKenfci^enafter über bie Sl^e um fo lebl^after ent* 
brannte unb aud^ jie^t nod^ nid^t böQig junt ^u^trag ge^ 
braci^t, fo toenig auci^ fein f(i^ße|ßd^er Sludgang jtoeifel^aft 
fein lann. 

@d l^anbelt fid^ bei bemfelben im toefentfid^en vm brci 
fünfte: bie (Sl^gcfe^c, bie Sl^egerid^te unb bie Sl^fci^licßung. 
3n aüen biefen Sejiel^ungen t)flegte ba« ältere ©Aftern 
jtoifd^en ber bürgertid^en unb ber fird^tid^en ©eite ber Sl^e 
nid^t fd^ärf er ju unterfd^eiben. 3m Sl^ercd^t toaren Seftim- 
mungen be^ fanonifd^en, ober fiberl^au^t be« f ird^Kd^en 5Red^t«, 
auf »eld^e ber ©taat bon fid^ au« nie gel ommen fein toürbe, 
mit fold^en gcmifd^t, bie er bon feinem ©tanb^junft au« 
ol^ne JRfidtfid^t auf bie ©runbfä^e ber Sird^en gegeben l^atte. 
S)ie ©erid^te über (Sl^efad^en loaren in ber JRegel au« geift^ 
fidlen unb toeftfid^en SDWtgfiebern gemifd^t. Die einjige 
fjorm ber Sl^efd^Iie^ung toar bie fird^fid^e S^rauung. ©iefer 
3uftanb loar aber nur fo lange ol^ne fd^toere Uebetftänbe 
unb eingreif enbe ä^^^ö^^iff^ möglid^, al« ber ©taat einer- 
feit« ben Orunbfafe ber (Stauben«» unb ®etoiffen«fret^eit 
nur unboölommen burd^fül^rte, unb anbererfeit« bie Sird^e 
fid^ ber ftaatfid^en fil^egefefegebung bereittoittig bequemte. SK« 
bagegen bie fatl^olifd^e Äird^e bie ©runbfäfee il^re« Sl^ered^t« 
ol^ne JRüdfid^t auf ba« ©taat«gefe^ geltenb ju mad^cn begann, 
unb aud^ in ber ebangeüfd^en gegen einjetne ©eftimmungen 
be« te^tern fid^ Sebenfen erl^oben, at« gfcid^jeitig bie 3<*^f 
berer immer mel^r junal^m, roeld^e feiner bon ben bi«l^erigen 
8anbe«Iird^en angel^ören ober |fid^ tocnigften« il^ren Sl^ege^ 
feften unb ber neuen ftrengercn Slntoenbung berfetbcn nid^t 
fügen tooötcn, ba tonnten bie Äonflifte nid^t au«Meiben unb 
bie bi«]^erigen Sinrid^tungen jeigfen fid^ gteid^ un^Öbar, ob 



1 



208 t>xt (S^e. 

mm fie nun aud bem lird^Itd^n ober an^ beitt ftaatlU^tt 
ttttb Btirgerßd^cn ®efid^t«^)ttnlt beltad^tete. 25ie Ätrd^ founte 
fid^ fccfd^toercn, toenn il^r nid^t geftattet toitrbc, fici^ in bct 
©cl^anbfang bott Sl^efod^cn in ieber SScjtcl^ung nad^ i^reti 
eigenen ©runbfä^n ju rid^ten; toenn i]^re2)ienet gejtouttgett 
tonrben, S^cn einxufegnen, bcnen fie il^ren ©egcn bcttoeigerti, 
ober bie fie gar j5ofitlb nnterfagett ju muffen gtanbte* SDcr 
©taat lonnte fein (g^ered^t nld^t felbftänbig an^WIben, toenn 
er anf bie fird^üd^en S^el^inbernlff e , ober bie tl^eolo^^ 
gifd^en Sebenfen gegen bie Sl^efd^eibung , ober bie JReberfe 
über fatl^oltfd^c Sinbererjiel^nng 5Rü(ffid^t nel^men foöte; unb 
toenn ben ©taatdbürgcrn bei ber (Sl^efd^Iie^nng bon bcr 
^rd^e JBebingnngen aufgenötl^igt tourben, bon benen bie 
©taat^gcfe^e ntd^t« »u^ten, fo toar ba« anfeilen biefer ®c^ 
fe^e in ber bebenlßd^ftcn aßeife bIo«gcfteßt SDie (ginielncn 
folgen fid^ in il^rcn bürgerlichen Siedeten befd^ränlt unb nid^t 
fetten ouf« fd^toerfte beetnträd^tigt, toenn fie bie (Sl^efd^Iie^ung 
nur burd^ SSermittlung einer Äird^e, mit ber fie bieüeid^t 
innerlid^ jerfatten toaren, unb burd^ einen il^nen aufgejtoun* 
genen Krd^Iid^en äft erreid^en lonnten, ober toenn il^nen bie 
S^rauung au^ fird^Iid^en ©rfinben berfagt tourbe, loietool^I 
nad^ bem bürgerfid^en @efe| t^rer (Sl^e nid^t« im ©eg ftanb, 
ober loenn biefefbe on 83eblngungen gefnü})ft mürbe, bie in 
jenem glcid^faö^ nid^t begrünbet il^rer freien @ntfd^üe|ung 
über loid^tige SRed^te unb ^pid^ten borgriffen. 

JDiefen SWi^ftänben gu begegnen giebt e« nur (Sin SWlttel: 
e« mut jtoifd^en ber religiöfen unb ber bürgerßd^en ©eite 
ber Sl^e flar unterfd^ieben toerben; toad bie le^t^e angelet, 
mn^ ber ©taat fetbftänbig für oBe feine Slngel^&rigen ol^ne 
Unterfd^ieb ber fionfeffion gleid^mägig crbnen; bie einjelncn 
SReKgion^gefeöfd^aften bagegen mögen il^re äuffaffung ber 
Sl^e bei il^ren 2)KtgIiebern jur ©eltung bringen, fo toeit bieg 



aiüite^e. 209 

mit rein fird^Iid^cn üWittefn unb ol^ne SBerfe^ung ber Staat«? 
gcfc^c gcfd^cl^cn laitn. 55ic S^c ntuf mit ßincmSBort bonf 
(Staat aW ein bürgertid^ed 3nftitut, afö Sibirel^e bcl^an^ 
beft toetben ; mit il^rem religiöfen ßl^araßer bagegen l^at feine 
©efefegebung unb bie S^ätigfelt feiner Sel^örben fid^ nid^t ju 
befaffen. 

hieran« folgt nun pnäci^ft fürbie(£l^egefe|gebung, 
bag ber ©taat fein S^ered^t in berfetben ©eife, tt)ie aüe 
anbern ®cf e^e , ol^ne üßittoirfung ber Äird^en f eftjufteßen unb 
bei bemfelben auf fold^e ©eftimmungen , toele^e nid^t in ber 
fittfid^en unb red^tUd^en Statur ber Sl^e, fonbem nur in ben 
bogmatifd^en aSorau^fefeungen einer einjelnen tird^e begrünbet 
finb, feine 9?üdfftd^t ju nel^men tfat SBenn a(fo j. SS. ba« 
mofaifd^e Sl^ered^t unb tl^m folgenb bie fat^otifd^e, bid p 
einem gemiffen ®rab aud^ bie eüangelifd^e Sird^e ba« ß^e« 
^inbernig toegen SSerttjanbtfd^aft bid auf bie entfernteren 
aSertoanbtfd^aftögrabe au^bel^nt, fo toirb bieg ben @taat nid^t 
abl^alten bürfen, e« auf bie näd^ften ju befd^ränfen. ©enn 
bie fatl^olifd^e Äird^e bie Sl^efd&eibung unter feinen Umftäus 
ben julägt, bie ältere j^roteftantifd^e SCl^eorie fie nur für ben 
gaü be« Sl^ebrud^« unb ber böölid^en SSerlaffung jugeben 
tt)oßte, fo ift berStaat baburd^ nid^t gel^inbert, aud^ anbere 
©d^eibungßgrünbe anjuerf ennen ; er toirb aber freitid^ aud^ 
ben fiird^en, fobalb bie bürgerlid^e ©tiftigf eit ber Sl^efd^fiegung 
öon ber fird^Iid^en SErauung unabl^ängig ift, nid^t verbieten 
fönnen, ©efd^iebenen, beren ©d^eibung fie nid^t gutl^eigen, bie 
S:rauung ju berfagen, unb ebentueß mit Sludfd^Iug bon ber 
Sird^e ober fonftigen SÜrd^enftrafen gegen fie borjugel^en. 
Säenn unter ber ^errfd^aft be« f ird^Iid^en Sl^ered^t« bie Sl^en 
jtoifd^en Sl^riften unb 5Rid^td^riften unterfagt toaren, bie fa? 
ti^olifd^e Äird^e felbft bie (Sl^en mit ei^riften anberer ßon* 
feffion migbißigt unb nur unter befonbem in il^rem Ontereffc 

14 



210 2)ie (&f^t. 

liegenben JBebtngungen iuISgt, fo l^ot ber @taat leinen ©ruttb 
)U einer fold^en JBefd^rSnfnng ber ))erf5nlt(j^en t^reil^eit: bor 
feinem ®ef e^ [teilen . aQe feine Bürger einanber gleid^ , er 
tann unb foQ ed bal^er bent Urtl^eil ber Stnjelnen anl^eim- 
geben, ob ber Unterfd^ieb be« religiöfcn ©efenntniffe« il&ncn 
bie fittlid^e Sebendgemeinfd^aft in ber &)t unntdglid^ mad^t; 
toie er bieg ja anäf l^infid^tlid^ anberer Unterf ci^iebe , be^ 
@tanbe^, beö SSermögen^, ber Silbnng, ber gefeKfd^afttid^en 
©tettung, ii^nen anl^imgiebt. Sßenn bie fatl^olifci^e ^rd^e 
bei gemifd^tcn Sl^en ba^ 8Serfi)red^en ber fatl^clifd^en Äinber- 
erjiel^ung »erlangt, fo toirb fid^ ber ©toat jtoar nid^t be^ 
red^tigt flnben tonnen, bad ©egentl^eit ju berlangen unb mit 
frül^eren ©efefegebungen borjufd^reiben, bag bie ©öl^ne in ber 
ßonfeffion bed SBater«, bie 2^öd^ter in ber ber aWutter, ober 
aud^, ba| aüe Äinber in ber be« aSater^ crjogen »erben; 
aber er toirb jenem .93erf^red^en feine red^tUd^e Sebeutung 
beilegen unb fid^ feinerfeitd nur an ben ©runbfa^ l^atten 
bfirfen, bag biejenigen, loeld^en überl^au^t bad (Srjiel^ung^' 
red^t juftel^t, and^ über bie religiöfe (Sriiel^ung )n entfd^iben 
l^ben. !&enn mit bem Srjiel^ungd r e d^ t ift bie ^flid^t 
unabtrennbar berbunben, ben 3«^8ßttgen eine mögßd^ft gute @r- 
jiel^nng ju geben, alfo aud^ bie ^flid^t, fie in ber ßonfeffion 
in erjiel^en, loetd^e nad^ ber Ueberjeugung bed Srjiel^erd am 
l^eilfamften für fie ift 2)icfer ^flid^t loürbe aber ba« a5cr= 
fj)red^en, fie in einer bcftimmten Sonfeffion aud^ bann ju 
erjiel^en, toenn man eine anbere für toal^rer unb l^eilfamer 
ffSii, loibcrftrciten ; ein fold^e« SSerf^jred^en barf bal^er nie^ 
manb geben, unb toenn er ed gegeben ^t, fo ift e^, n>ie 
jebee S5erfj)red^en, ba« einer fittfid^en SJerpfttd^tung toiber^^ 
ftreitet, red^tlid^ nuQ unb nid^tig. 

S8ie ferner ber ©taot fein Sl^ered^t bon bem lird^Iid^en 
unabi^Sngig ju mad^en l^at, fo gi(t baffelbe aud^ Don ber 



dMüft. 211 

<S]^egertd^tdbarIeit. !Die Sudfül^rung ber @taatdgefe^e 
über bie S^e gu übertoaci^cn , SScrlcfeungcn berfeifcen ju t>er^ 
l^mbcrn, Sl^cftreitigfciten ttad^ bcr Sorfd^rtft biefct ®efe|c 
JU entfd^eiben, ift eine S(ufgabe ber Bürgerlid^en Sel^Srbeti. 
<ginc Setl^eifigung ber ©etftftd^cn unb ftird^enbiener an bief en 
<8ef(i^äften fönntc nur ben ^)a>td l^aBen, beut Sfgentl^üms 
üäfen, tDoburd^ fid^ ba^ lird^ßd^e Sl^ered^t unb bie lird^Iid^e Sluf- 
f ftffmtg ber Sl^e i>on ber Börgerlld^cn S^egefe^gefcung unterfd^ei« 
ben, auf bie Sel^anblung bcr S^efad^en @influ§ ju getoä^ren unb 
iifvx bie Unterftfifeung ber ©taaWgetoalt ju i^crfd&affen. 
S3ie§ toäre aber ba^ ©egentl^eil beffen, n>a« bcr ®ta(d Üinn 
ntu§, um ben SSertoidtungen gu entgelten, bie fid^ l^ier toie 
übcratt aM ber SSermifd^ung bc« börgerlid^cn unb be« reli« 
giöfen ©tanbpunlt^ ergeben, ©enn fo toäufd^en^toertl^ e^ 
aud& i% ba6 bie Äird^e mit bem ©taate gufammentoirfe, um 
einem fo toid^tigen 8eben^ber]^ä(tni§ , n>ie bie ßl^e, feinen 
fitttid^en Sl^aralter gu erl^attcn, fo muffen bod^ bie SBcge, 
auf benen fie bieg iffut, t)on benen be8®taat« gefonbert ge^ 
l^alten toerbcn, f obafb beibe tl^eirt in i^ren runbfä^en über 
bie @l^e nid^t burd^au^ übercinftimmcn , tl^eite in il^rer fon^ 
fügen S5erfaffung fid^ fo felbftänbig gegenüberftcl^en , ba§ 
tocber bie fird^tid^en ©cl^örben t)om Staate nod^ bie ftaat^: 
lid^en bon ber Slrd^c SBcifungen unb SSorfd^riften angU:: 
nel^men bcrj)flid^tct ftnb. 

SBirb aber bie &)z Dom ®taat in biefer SBeife aU ein 
bürgerlid^e« Onftitut bcl^anbelt, fo loirb aud^ bie (Sl^e^ 
fd^Hegung, fo »eit ber ©taat bie Slnerlennung ber (&)t 
' Don i^r abl^ängig mad^t , nur burd^ einen bürgerlid^en 3[f t 
erfolgen lönncn: a\x^ ber Sioilel^e folgt bie Sit)i(trauung 
^Benn biefer Sinrid^tung immer nod^ bei bielen ein eingc- 
tourgette« SSorurtl^eil im SBeg ftcl^t, fo liegt bcr ®runb babon 
nid^t am toenigften in ben unrid^tigen SSorfteöungen, bie man 

14» 



212 



^ie @^e. 



fid^ t>on ber Sebeutung bcr S^rouuttg gu tnaäftn ^jflcgt. 
'J)ie fitd^Iid^en gornten ber Sl^efd^Itegung l^abcn ju ber SW^i^ 
nung Slnlaf gegeben, afö ob bic dfft ate fofd^e erft burd^ 
bie Strauung entftel^e, bie SSertittbung ber S3raut(eute erft 
burd^ ben ®egen ber Äird^e il^re füttid^e SBegrünbung cr^ 
l^alteti, erft burci^ fie ju einer ttjirlltd^en &it toerben fönnc- 
SBenn man fic^ bie ©ad^e fo üorfteKt, lann man atterbing^ 
jtt)eifcln, ob bie bürgerlid&c SSeftätignng ber S^e bie gleid^c 
©irfung l^abe, toie ber fird^Iid^e ©egen, ob ber SBürger« 
meiftcr cbenfo gut, tt)ie ber Pfarrer, bem 3«fömmenleben ber 
©Regatten feine SBei^e ertl^eilen, e^ nid^t aüein ju einem 
bürgertid^ erlaubten, fonbern aud^ ju einem fittCid^ bcred^- 
tigten SSerl^äftni^ mad^en fönne; unb toenn man fid^ aud^ 
baju bequemt, [old^en, bie fid^ mit il^rer ßird^e nid^t ju 
ftcßen toiffen , ben Slu^toeg ber bürgerlid^en Strauung ju 
geftatten, fo toirb man bod^ bie fird^Iid^e al« bie regelmäpge 
?form ber Sl^efd^Iießung feftjut^alten, ober toenigften^ aüe bie^ 
toeld^en bie fird^tid^e S^rauung aüein für eine toal^re unb l^eil^* 
Iräftige gilt, toon bem für fie bebeutung^Iofen bürgerlid^en ätft 
in entbtnben geneigt fein, äßein biefe ganje 9Sorfteüung über 
3loedE unb 53ebeutung ber Strauung ift unrid^tig. S)ie ®^e 
ate fofd^e, afö tiefe auf ber gefd^Ied^tlid^en ®runb(age bc* 
rul^enbe fitttid^e 8eben«gemeinfd^aft ber (g^egatten, entfielet 
nic^t burd^ bie 2^rauung, fonbern burd^ baö beiberfeitige 
Sinberftänbnig ber 5Wu^turienten : ba« 3att)ort ber Braut- 
leute, bie (SrHärung, baß fie fid^ fortan ate Sßann unb grau 
bei^anbefn unb alle im Sefen ber @l^e liegcnben ^fHd^ten 
gegen einanber erfüllen tooüen, mad^t fie ju Sl^egatten. J)er 
^riefter nimmt im 5Wamen berÄird^e, ber bürgerüd&c ©tan- 
be«beamte im 5Ramen be^ ©taati^ unb ber ©emeinbe biefe 
(Srltärung entgegen ; jener Inüj)ft baran ben ©egen ber Strd^e,. 
biefer bie Slnerfennung be^ ©taate; aber loeber bcr eine 



j L 



^e^eutung ber Trauung. 213 

ncäf ber anbete ff)nt ettoad anbetet, a(d bag er bie bon ben 
(Sl^vjgatten gef<3^Ioffcne SSerbinbung in bad (Sefammüeben unb 
ben ©(i^u^ ber @emein[d^aft, beren Organ er ift aufnimmt 
!©ie S^e ifl freUtd^ an fid^ fein bloße« 'SSertrag^tJer^äUniß: 
e« fielet ben (Sl^cgatten nfd^t frei, bie Sebingungen il^red 3^' 
fammenleben« beliebig ju beftimmen, fic^ ettoa nur auf 3cit 
ju ber^eiratl^en, ober ftd^ bon ber ^fliöft ber el^eUd^en Streue 
gegenfettig jU entbinben; fonbern fie treten burd^ il^re SSer^^ 
l^eiratl^ung in eine fittüd^e Seben^form ein, beren ®efetje in 
i^r fefbft liegen, unb l^aben fid^ biefen ©efefeen ju unter= 
toerfcn. Slber ber Sin tritt in biefe« SSerl^äftnig ift ein 
freiU)iüiger : niemanb ift nad^ natürüd^em ober bürgere 
lid^em 5Red^t berjjflid^tet, ju l^eiratl^en unb gerabe biefe 
$erfon jn t;eiratl^en; Jebe el^Kd^e SSerbinbung beftimmter 
^erfonen toirb febiglid^ burd^ i^ren freien SBtüen begrünbet, 
fie berul^t auf einem Uebereinf ommen , einem SSertrag, unb 
fie berui^t nur l^icrauf: ttjeber ber ©taat nod^ bie Sird^e 
l^at bad JRed^t, jtoei ?5erfonen, toeld^e fid^ nid^t l^eiratl^en 
tooüen, iur Singel^ung ber 6^e gu jtoingen, ober fold^e, bie 
fid^ l^eiratl^en tootten, baran ju berl^inbern, e« müßte benn 
i^re SSerbinbung mit ben allgemeinen Sebingungen be« fitt« 
lid^en ober bed toirtl^fd^aftlid^en Sebenö unb mit ben l^ierauf 
bcjüglid^en ®efe|en im ©iberf^jrud^ ftel^en. SBcber bie fird^* 
tid^e, nod^ bie bürgerlid^e Sirauung lann bal^er aU Se = 
grünbung, fonbern beibe Knnen nur afö eine feierlid^e 
3lnerlennung ber 6^e betrad^tet toerben, bie bon bem 
®rautj3aar begrünbet unb gcfd^toffen toirb. Sei ber bürgere 
lid^en SErauung läßt ber ©taat burd^ feinen Beamten er= 
Mären, baß er bie SSerbinbung ber ^erfonen, toefd^cfid^ bor 
bemfelben ba« Satoort gegeben l^aben, afö eine ju 9?ed^t be* 
ftel^enbe gl^e anerfenne unb i^r ben ®äfnii feiner ®efe|e 
gctoä^rc; bei ber fird^fid^en S^rauung erlfärt bie betreffenbe 



214 2)ie (5^e. 

9{engton^efet(f(i^aft inxäf ben Wlmh il^red ^Beamten, ba§ fk 
biefe SBerbinbitng a(d eine bor @ott gültige ßi^e anerfenne, 
fie fügt bicfelbe il^rem ©emciiilckn ein unb crflci^t für fic 
ben ©cgen ber ©ottl^cit. tJür bie bürgertid^c ©üftigfcit 
einer (Sf)C tDixb ber bürgerliche , für il^re lird^Iid^e ©eltung 
ber lird^tid^e äft mit JRed^t berlangt; aber nici^t bie Sl^e 
felbft, fonbern nur il^re änerlennung burti^ ba^ bürgerlid^c 
ober religiöf e ©emeintocfen , ift burd^ biefe 5lf te bebingt 
S>iefe SSoraudfe^ung liegt mtif toitlüöf bon 9Uterd l^er bem 
Cl^ered^t ber berfd^iebenften SSölfer ju ®runbe; bie Si^c^ 
fd^tiefung toirb burd^toeg ate ein ^ribataft ber ©etl^eiligtcn 
unb t^rer f^amilien betrad^tet, für ben jtoar ba8 ^erlontntcn 
unb in ber tfolge aud^ ba« ®efefe getoiffe bürgerlid^e^öc^^ 
bingungen unb gotte^bienftlid^e formen feftfefete, ber aber 
bod^ nid^t« toeiter, ate ein bom (Staat anerfannter, burd^ 
religiijfe ©ebräud^e getoeil^ter SSertrag toar* Slnber« fagte 
aud^ bie d^riftüd^e Sird^e biefetbe nid^t auf. ß« ftimmt 
mit bem aßgemein anerlannten mittelafterlid^en (Si^ered^t 
burd^au« überein, Wenn ba« S^ribentinum, unb il^m folgenb 
aud^ nod^ bad l^eutige latl^olifd^e Sird^enred^t^ pm ^bfd^Iu§ 
einer gültigen ßl^e nid^t mel^r bertangt, al« bie ßrflärung 
ber §Ku})turienten bor il^rem ^arod^u« unb jtoei ober brei 
3eugen; [a toenn felbft fotd^e Sl^en, toeld^e bor bem igr(a§ 
be« tribentinifd^en ®e!ret8 ol^ne B^wgen unb ol^ne ^tiii^^nni 
eine« ®eiftlid^en gefd^Ioffen toorben toaren, ate toal^re unb 
redete Sl^en anerfannt mürben, ^t bod^ bie latl^oßfd^e 
©ogmatif in ijolge biefer änfd^auung fcgar, im S35ibcrf:|)rud^ 
mit il^ren fonftigen 93oraudfe^ungen, in ber (Si^e ein ®acca^ 
ment angenommen, toetd^ed nid^t bon bem ^riefter, fonbern 
bon Saien gef))enbet mirb; benn ald bie betoirlenbe Urfad^e 
ber (£fit toirb bon il^r audbrüdHid^ ber @onfen^ ber 9lu|)tu^ 
tienten bejeid^net, eine 2:]^&tig!eit bed ^riefterd ift baju gar 



IBebeutung bet 3^TOUun0. C^iDiltTauung. 215 

viä^t tiötl^tg, ed senügt, ba^ er aK Urfunbd|>erfon zugegen 
ifi (grft in bcr neueren B^i* ^<^* i"<^tt angefangen, bie 
ffard^nci^e 2:rauttng nid^t b(od für ein uner(ä^Iici^ed @rfor^ 
bemi^ ber S^ef d^He^ung , fonbern fogar fflr ba« ju l^aften, 
ioa^ bie &)t M iotdft erft )>erfelt ntaci^e, oi^ne bag bod^ 
biefe SSorfteöung in unfcrcm Sl^ered^t einen Beftimmten 
Än^bmd gefnnben ftätte. 3n ber 5Ratnr ber ®Ciä^^ ift blc^ 
felbe nid^t begrttnbet: ber @taat unb bie ftird^e fönnen eine 
&)z tool^t ate eine t>or il^rent t^oruni ju 9ted^t beftcl^enbe 
anerfennen, aber fte fd^affen fie nid^t erft burd^ il^re Sllte. 
3ft biefe «nfid^t nun rtd^tig, fo liegt junäd^ft am STage, 
ba^ bie fird^Iid^e S^rauung für ben ©taat nur bann eine 
Sebeutung l^aben fann, njenn ber (Seifttid^e, ber fie tooü^ 
jiel^t, bei biefent 38te jugteid^ afö ©taatöbiener l^anbett, ben 
SBeifungen ber ©taat^regierung ebenfo unbebingt, tt>ic aöe 
anberen ©taat^biener, nad^fontmt, in berfelben SBeife, tt)ie fie^ 
bon ber {Regierung beauffid^tigt toirb, unb in t^ofge bcffen 
bie ©firgfd^aft getoäl^rt, baß er fid^ bei ben S^rauungcn, bie 
er bornimntt, nid^t bto« fetbft feine Slbtoeid^ung bon bcr ftaat* 
lid^en (Sl^egefetjgebung erlauben; fonbern aud^ ben 5Ru|)turicnten 
leine geftatten toerbe. SBenn bagegen biefe SSorau^fe^ung 
nid^t ntel^r iutrifft, toenn ber ©ciftlid^e fid^ erlauben barf, 
fflr bie S^rauung einer &fe, toetd^e nad^ ben ©taat^gefe^en 
juläffig ift, feine SWittoirfung ju öertoeigent, ober umgefel^rt 
(benn (inäf bte§ fann borlontmen) einer fofd^en, bie bei 
@taat nad^ feinen ®efe^en nid^t anerfennt, bie lird^Ud&e Seilte 
JU ertl^eilen, fo gebt bie fird^tid^e S^rauung afö fold^e ben 
©taat gar nid^td ntel^r an, unb fann einen befonberen bür^ 
gerlid^en 3llt nid^t entbel^rlid^ ntad^en. !J)ie S^rauung ift \a 
nid^t bie Sl^efd^Iie^ung fetbft, fonbern nur bie Slnerlennung 
berfelben burd^ bie ©enteinfd^aft, in bereu Auftrag fte üerrid^tet 
toirb: bie tird^Iid^e Sirauung ift ber 3[u«f|)rud^ einer fird^ttd^en 



216 2)ie eje. 

©cl^örbe, baß eine &ft bcn 3lnforberungen biefer befttmmteit 
Äird^c.entfjMeci^e, baß fic afö eine d^riftlid^e ober iübifd^e^ 
eine fatl^olifd^e ober pxote\tmti\äft ju bctrad^ten fet; bic 
bürgerlid^e ber äu^fprud^ einer ©taat^bel^i^rbe, baß eine®^c 
ben ®ef e^cn biefe« beftintmtcn ©taatö entf^jred^e , baß fie in 
biefem ©taat für eine toirllici^e Sl^e gelten unb aße red^tüd^c 
tjolgen einer fold^en nac^ fid^ jiel^en foße. üDiefe« beibe« 
faßt afcer in leiner SSJeife jnfammen: eine Sl^e lann bon 
einer Sird^e il^ren Drbnungcn ent[))red^enb befunben loerbcn^ 
unb bod^ mit ben ©taatdgefefeen im SBiberf)>rud^ [teilen; fte 
fann ben k^ttxn entfpred^en, unb bie Äird^e fann bod^ in 
ii^ren tleberjengungen einen Orunb finben, il^r bie 2:rauun3 
ju berfagen. S« ift bieß ja aud^ Je^t fc^on tl^atfäd^Uc^ ber 
gaß (t)gt. (S. 209), unb toirb fic^ bei ber »eiteren dnU 
toldetung ber ftaatfid^en ©efe^gebung über bie (Si)t noöf beut= 
(ic^er l^eraudfteßen. 6« fann bal^er nid^t blöd gefd^el^en^ 
unb e« gefd^iel^t ja oft genug, baß ber ©eiftfid^e eine S^rau^ 
ung bertoeigert, ber bürgcrlid^ nid^td im SSäeg ftel^t, fonbern 
aud^ ber gaß ift benlbar, baß eine bürgerlid^e Söebingung 
ber &)t bon bem ©eiftlid^en ignorirt, ober baß ein fold^er^ 
beffen (Sl^e eine Äird^e nid^t atö gültig anerfennt, bon il^r atö 
unberl^eiratl^et bel^anbett unb mit einer britten ^crfon ge:= 
traut toirb. ©obalb bal^er ber@taat ben Sird^en ba« Siedet 
jugefiel^t, i^re (Sl^egefefegebung felbftänbig jit orbnen, unb barauf 
berjid^tet, bie Äird^enbiener afö ©taatdbiener ju bel^anbeln^ 
fann er bie fird^tid^e 2:rauung nic^t mel^r ate öetoeid bafür 
annel^men, baß eine 6l^e mit ben ©taatdgefetjen überein=^ 
ftimmt ; er muß bieß bietmel^r in jebem cinjelnen %atit burd^ 
feine eigenen Beamten unterfud^en unb feftfteflen laffen. Sbcn 
barin beftel^t aber bie SBebeutung ber bürgerfid^en S^rauung. 
hierin ift nun bereit« aud^ audgef })rod^en , baß biefe 
Sibiltrauung eine obHgatorifd^e fein muß, baß ben ^artl^eien 



O(ltgatonf(&e dtoiltrauung. 217 

Titelt stt)ifd^en % unb ber lix6füäftn Zxaumi bie äSSal^t 
frcigcfteüt, ober bic bürgcrttci^ gar nur bencn geftattct toerben 
barf, »cld^en bic Krd^Iid^c bcrfagt toirb, ober toeld^c feiner 
t)om @taat anerfannten Sird^e angel^ören. ^nx ben ©taat ^at 
jd bie SErauung nur bie Sebeutung, ba§ burd^ biefette 
bie ©efefemäßigfeit einer S^e feftgefteKt unb il^r auf ®runb 
babon bie ftaatUd^e Slnerfeunung ertl^cilt, bag fie für eine 
in aöen Sejiel^ungen be^ bürgerlid^en Seben^ gültige Sl^e 
trHärt toerbe. SBäre bem nid^t fo, toäre bet ©taat ber 
tKcinung^ erft bie fird^fid^e ßinfegnung ntad^e bie Sl^e ju 
finem fiitfid^ erlaubten SSerl^ättnife, fo fönnte er bon beut 
ßrforberniß ber lird^Cid^en 2^rauu«g überl^au^Jt nid^t bif^)ens 
ftren, er bürfte bie ßibitel^e aW facultibe fo toenig, tt)ie ate 
obügatorifd^e, julaffen. ®ei)t er anbererfeitd bon ber SSor^ 
auöfcfeung au^, bag bie S^e il^re füttid^e Sered^tigung unb 
®ebeutung in ftd^ fetbft ffo&t, fteüt er e« bal^er ben Sin- 
jelnen an^eim, ob fie il^rer SSerbinbung burd^ einen fird^s 
Jid^en äft eine befonbere religiöfe SBei^e geben tootten, fo 
muß er unbebingt unb oon aQen o^ne Slu^nal^me berlangen, 
baß fie bie ftaattid^e 5lner!ennung , toeld^e jur bürgerlid^en 
©üttigfeit ber S^e erforberlid^ ift, bei feinem 53eamten 
nad^fud^en, baß fie fid^ bor feiner SSel^örbe über bie ®e= 
fefemäßigfeit il^rer @^e au^toeifen. 5lud^ bie (S^efd^Iießung 
burd^ lird^ttd^e S^rauung, toie fie jur 3^it nod^ in ben mei* 
ften beutfd^en Säubern befielet, ift nur unter ber SSoraud^ 
fe^ung jutäffig, baß ber ©eifttid^e, toeldj^er bie S^rauungbor^ 
nimmt, bei biefer SSerric^tung jugleid^ afö S3eauftragter be« 
@taat«, afö bürgerCid^er ©tanbe^beamter funöionire; ba Ja 
fonft baö, ttjaö er tl^ut, ben Staat gar nid^t^ angienge, unb 
leine ' redjfttid^en ^folgen für bag bürgertid^e Seben nadj> fid^ 
jiel^en Knute. SBenn ber ©taat bie bürgerüd^e (Seltung ber 
6^e an bfe 33ebingung ber fird^^tid^en S^rauung fnüpft, fo 



218 Die (k^t. 

Überträgt er ber ©eifttid^f ett ein bürflerßti^ce «mt, er crKärt^ 
ba| ber tixdflidfe %tt S^St^^^ ^^e Sebeutung eined bürget^ 
ßd^en ^fted l^aben foQe; unb er nötl^igt ebenbatntt aQe bie^ 
ti)e((i^e bed einen bebürfen, fid^ aud^ bem anbent }u untere 
jicl^en. J)leS lann unb barf er aber felbftberftänbüd^ nur 
bann tl^un, toenn' er fidler fein !ann, ba§ bei bicfer Sinrid^^ 
tung U)eber feiner ^uftorit&t unb feinen @efe^en, nod^ ben 
9{ed^ten feiner Bürger ju nal^e getreten u>irb; unb biefe 
©id^erl^eit l^at er nur bann, toenn einerfeitd ade @taat^« 
bäTger }u einer dffentlid^ anerfannten Sird^e in einem fo(d^en 
SSerl^ättnif ftel^en, ba^ bie f^orberung ber Hrd^tid^en iCrauung 
Don !einem atd ein 3^<^^9 ent))funben )Dirb, unb u>enn e^ 
anbererfeit^ in ber ^anb be« ©taat« liegt, bie ©ebingungen 
ber Trauung feftjufe^en unb bie ©eiftßd^en ju il^rer (Sin* 
]^a(tung iu jtoingen. @o lange biefe^ beibee ber ^aU toav, 
ffil^rte e^ {eine großen UebelftSnbe mit fid^, ba§ bie fird^ßd^e 
S^rauung bie einjige bom ©efe^ anerfannte t^orm ber &)e^ 
fd^ßegung mar : bie Sinjelnen fül^ßen fid^ baburd^ nid^t i^ 
(äftigt, unb ber @taat l^atte bon ben Sird^en, U>e(d^ fid^ feine 
Derrfd^aft aud^ in aden anberen Sejiel^ungen gefaßen ße§en,. 
leine äuflel^nung gegen feine (Sl^egefe^e ju bcfürd^ten. ^euU 
jutage trifft aber loeber bie eine ncd^ bie anbere bon biefen 
aSorau^fe^ungen mel^r }u. ^r l^eußge @taat l^at nid^t 
mel^r bie SO'Httel, einen (utl^erifd^en Pfarrer jur j£rauung 
einer ®efd^iebenen , ober einen {atl^oßfd^en jur (Sinfegnung 
einer gemifd^ten (Sf)z ober jur 9(ffiften} bei ber @]^efd^ße^ung 
eined 9[ß{atl§oß{en lu ))oingen ; er l^at bie Wladft baju t^eitö 
freimißig aM ber ^nb gegeben, tl^eitö l^ot fie il^m ber 
®eift ber ^üt a\x^ ber $anb genommen« Sd ftel^t aber 
aud^ nid^t mel^r fo , ba§ er leinem feiner ®firger )ü na^e 
träte, U)enn er ii^n n^tl^igt, bie2:rauung bei einer bom @taat 
anerfannten JHrd^e nad^jufud^en. Unter biefen Umftänben 



lonn eine bfod facuftatii^ Steilere niäft mel^r genügen. !^er 

@toat fann bie Xudffll^rnng feiner ©efe^e niäft ^erfonen 

übertragen, bie ai^ JBeontte einer ftird^e an anbere, mit ber 

bürgerßd^en ®efet^gebung bieKeid^t im Siberf^ud^ ftei^enbe 

Sorf(i^riften gebunben finb. 23em er biefelbe anbertraut, 

bon bem mng er il^re SJottjie^ung unbebingt f orbern; er 

barf il^m nid^t fagen, tt)ie bic| bie metften beutfd^en Siegie« 

rungen bem latl^olifti^en filern« fo lange gcfagt i^aben : ,,35iet- 

finb meine ©efe^e ; betiebt ed bir, btd^ nad^ i^nen )u rid^ten^ 

fo n)erbe id^ beine ^mtdl^anbtungen ate bfirgerlid^ gültig an- 

erfennen; betiebt ed bir nid^t, fo toetbe id^ mid^ nad^ einem 

anbern 8SoÖftred(er für fte unifcl^en/' (Sr ^at fid^ enttocbcr 

feine« toiberfprnd^«tof cn ®el^orfam« iu bcrfid^em, ober il^m bie 

ftaatlid^en ffunftionen au« ber ^anb }u nel^men. 66enfo^ 

n>enig barf aber ber ^taat aud^ ben Sinjelnen für bie 93oK« 

jiel^ttng eine« %fte«, ber bürgerlid^e @ülttgfeit ^aben foQ, 

}tDifd^en tird^Iid^en unb bür^^erltd^en Beamten bieSSal^I frei- 

fteQen. Sr fann e« il^nen mo^t unter Umftänben ani^eim^ 

geben, ob fie fid^ an biefe ober jiene.bürgerlid^e Se^örbe 

loenben tooQen; benn aOe biefe i8el;örben finb gteid^avtig,. 

fie aüe rid^ten fid^ in il^rem SScrfal^ren nad^ benfelben ®e« 

fe^en. aber er lann fie nid^t an fold^e SBcl^örben toeifen,. . 

ober il^nen bie Slnrufung bon ^el^iJrben geftatten, bon benen 

er nid^t fidler ift, baß fie feinen ©efefeen nad^fommen. ®r 

barf feine Sürgcr nid^t ber ®efa^r auöfe^eur baß ber ®cift* 

lid^e, ben er il^nen a(« gefe^Ud^en @tanbe«beamten bejetd^net 

fjüt, fie }nrüdta)eift, ober il^nen unannei^mbare , bem @taat«^ 

gefe^ unbelannte, bie ^erfönltd^e Sreil^eit unb XBürbe ber^^ 

le^enbe JBebingungen fteQt; unb fid^ felbft nidtt ber ©efal^r, 

baß ein %tt, ber )ur bürgerlid^en Slbfd^Iteßung ber (Sf)t, a(fo 

gur aSottiiel^ung eine« @taat«gefe^e« bienen foU, baju be:: ] 

nu^t ti)erbe, ba« SSoR gegen biefe« ©efe^ aufiureijen, ober 



j 



220 



2)te (i^e. 



il^m T^cil^citefccf d^ränf ungen , toetd^c ba« ©cfcfe niäft Unnt, 
aufjubrängen. @d berieft fW^ in bicfcr Scjicl^ung mit ber 
facuttatiben Sibilcl^c ganj anber«, aW mit bcr oMigatorifd^eti. 
©0 blc Ic^tcre cingcfül^rt ifl, fann e« frciüdj^ möf botforn- 
mtn, ba^ pd^ bcr ©ciftlid^c tocigcrt, eine G^c ciniufcgncn^ 

r 

bic bcr ©taot nid^t kanftanbct, ober ba^ er feine ^ittDiv^ 
fang an ^Jebingungcn Inüpft, toetd^c bcm ©taatögcfefe fremb 
finb, toie j. 33. ba« SSerf^red^en ber lat^oCifd^en Äinbercr:= 
giel^ung bei gemifd^ten Sl^en. 5l6er babon toirb in biefem 
gaüe ber ©taat unb ba^ bürge iKd^e Seben nid^t berftl^rt: 
toa^ ber ©taat ju tl^un l^atte, um ben 5Ku)>turienten il^rc 
aSerbinbung ju ermöglid^en, ba^ l^at er getl^an, fie i^abcn 
eine bor bem ©efefee gültige Sl^e gef d^toffcn, unb eö ift il^ncn 
l^iebei feine im ®efefe nid^t begrünbete 3"»^"t]^"i^9 gemad^t 
unb fein ^inbernig in ben SBeg gelegt toorben ; ber SBiber- 
fprud^, bag ber SSeamte, ber ein ®efe| bottjiel^en fott, biefcd 
©efefe in bemfelben Slugenbfidfe beriefet, bag bie Slu^übung 
eine« ftaatdbürgerlid^en 9?ed^t« bon ©ebingungen abl^ängig 
gemad^t loirb, toefd^e fid^ nur auf ba« SSerl^ättniS jur 
Sird^e, nidf^t auf ba« jum ©taate bejiel^en, ift nid^t borl^an- 
ben. SEBoüen bie bürgerfid^ ©etrauten aud^ nod^ firdj^Kd^ gc:= 
traut fein, unb ftoßen fie l^iebei auf ^inberniffe, fo mögen 
fie ba« mit il^rer tirc^e au^mad^en, ben Staat gel^t c« nid^t« 
an, il^re bürgerlid^en 9ted^te unb bie ®üttigfeit il^rer S^c 
bor bem (Sefefe finb babon unabl^ängig. 3ft bagegen bie 
&mkf)z eine Mo« facuftatibe, fo f unftionirt ber ©eiftüc^e bei 
ber S^rauung, f o oft er fie ooöjiel^t, jugfeid^ aW bürgerCid^ 
Beamter ; toeigert er fid^ ba^er au« f ird^Cid^en ©rünben, eine 
ßl^e einjufegnen, ber nad^ bem bürgerlid^en ©efefe nid^t« im 
SBeg ftel^t fo l^aben toir ben oben bejeid^neten 335ibcrfprud^. 
9?un fann frcitid^ ber, toetd^em bie Sird^c bic Sirauung ber* 
toeigert, fie bei ber bürgertid^en ©cl^örbc nad^fud^en. aber 



Db(tgatonf(6e ^imlttauung. 22 t 

bainit toirb bie ©ad^c im ^rinct}> itfd^t beränbcrt. S« bleibt 
babct ba§ ber ©taat ber ©eiftlid^fcit bic SSoBjid^ung feiner 
©efefee anbertraut, unb xifv ßteid^jeitia freifteKt, biefelbe an^ 
©ränbcn, tocfd^e mit bem bürgerttd^en ®efe| nid^t^ ju tl^un 
l^aben, ju berlDeigctn; unb bie^ barf ein ©taat, toeld^er 
etttja« auf feine SBürbe unb feine 5lultorität l^ält, nid&t 
bttiben. Slber aud^ materieü ift ba^ 9?ed^t unb bie ^eil^eit 
bct Staatsbürger burd^ bie facultatibe ßioifel^c tt)eit nid^t fo 
gut gefd^üfet, toic burd^ bie obligatorifd^c. ©ei jener toirb 
immer, toie aud^ ba« ®efe^ laute, ti^atfäd^fid^ bie ürd^Iid^c 
S^rauung bie SReget bilben, bie bürgerlid^c bie SluSnal^me. 
SBer fi^ bal^er berl^eiratl^en »iß, toirb fid^ junäd^ft an ben 
®eiftKd&en toenben, erft in jtr»eiter 3nftanj an ben bürgere 
lid^en ©tanbeSbeamten. 35er ®eift(id^e aber fann il^m an^ 
©rünben, über tüeld^e ber ©taat feine ßognition l^at, bie 
Sirauung bertoeigern. SBirb il^m aud^ baburd^ bie @^e= 
fd^Kc^ung nid^t unmögfid^ gemad^t, fo toirb er bod^ l^inge- 
l^aften unb beläftigt, eS toirb ii^m bie (Sriangung feine«; 
ated^teS, lüietool^t er aßen ftaatögefe^tid^en Srforbemiffen 
genügt ^at, bon bemjenigen, an ben il^n ber Staat felbft 
iDcift, erfd^toert. S« toirb aber arnlfy ber bürgerlid^en S]^e= 
fd^tießung überl^auj^t baburd^, bag nur bie ju il^r greifen, 
toeld^e bie lird^Iid&e S^rauung enttoeber berfd^mäl^en, ober 
nid^t erlangen, in ben 5lugen bcS SSotfeS ein SRafet aufge:= 
bTüdEt. ®ie erfd^eint nur afö ein Stuötoeg für biejenigen,. 
bei benen irgenb zttoa^ nid^t ganj in Drbnung fei. 25ie§ ift 
ein em:()fiublid^er 5Wad^tl^eit für bie, toefd^e fid^ mit il^r be= 
gnügen; eS ift aber anäf fidler fein S5ort^eiI für ba« 5lnfe]^en 
be« ©taatö unb feiner (§efe^e. S^ie Sinrid^tungen , töeld^e 
ber ©taat trifft, bie 9lfte, bie feine SSeamten berrid^ten, um 
ein toid^tige« gebenSber^Itniß iu orbnen, bürfen fid^ nid^t 
al6 ein bloßer Slotpel^elf barfteßen, afö zttoa^, toa^ ci^tnU 



222 2>ie (Sie. 

tidf ber ftitd^e juftel^t, unb bom ©taate nur botm über^ 
nomnten lotrb, ti)enn bie ßird^e baju leine 8uft l^at. ©on^ 
bem n>enn ber ©taat einmal überzeugt ift, ba^ bie d^z M 
ein ' bürger(id(^ ^ red^tlid^ee * Sebendber]^ä(tni§ feiner eigenen 
©pl^Sre ange]^5re unb an teine fird^tid^en SSorau^fe^ungen 
gebnnben fei, fo mu^ er biefer Ueberjeugung aud^ baburd^ 
SCu^brnd geben, bag er bie @]^efd^(ie§ung, fo loeit er ftd^ 
überl^aupt mit berfelben befaßt, ate einen rein bürgerlid^en 
^ft bel^anbelt, unb bor feinen Vertretern, ben bürgerfid^en 
JOeamten, boQjiel^en lägt !^ie {irc^Iid^e Sinfegnung ber 
(Stft tofrb baburd^ niemanb berttjel^rt; bie ftird^e ti>irb nid^t 
einmal berl^inbert, fie bon il^ren SKitgliebern unbebingt ju 
bertangen. 9?ur bon Seiten be« ©taate toirb fte nid^t er« 
jtt)ungen ; er überlädt ed bem (Sinjefnen, ed bamit ju l^alten^ 
toic er eö feinem SSerl^ältnig jur ftird^e gemäß flnbet; ba« 
«injige, toa6 er berlangt, unb toa« er folgerid^tigertoeife bon 
aQen ol^ne ^(udnal^me berlangen muß, ift bie bürgerlid^e 
Trauung. 

3Kan befürd^tet nun freilid^, ober man giebt bod^ oor 
JU befürd^ten, il^re Stnfül^rung toerbe tl^eite bei ber 55ebö(* 
lerung auf ernfte ©d^toierigleiten ftoßen, t^eiö aud^ bem rc- 
Hgiöfen Seben unb ber pttti^en Sluffaffung ber S^e (Sintrag 
i^nn. aber bie bidl^erige Srfal^rung beftätigt toeber bie eine 
itod& bie anbcrc bon biefen ©efürd^tungen. 6« ift ja nid^t 
jum erftenmat, baß mit ber Sibilel^e ber SSerfud^ gemad^t 
toerben f oö : fie beftel^t tl^eiW feit längerer t^eite feit lürnerer 
3eit ate obügatorifd^e in einem bebeutenben 3^eil bon 
<Suro))a: in ^ranfreid^, in ©elgien, in Italien, in bemgan* 
^n linWrl^einifd^en 5>eutf d^Ianb , in ©aben unb f^tautfurt 
<t. 2».; al« Sluei^ülfe für «u^nal^mdfäKe n>urbe fte fd^on 
fcüSftt in ^oüanb, fj)äter in Cnglanb, neuerbing« in Defter* 
Teid^ unb in ben meiften beutfd^en 8änbern jugefaffen. 3ti 



O^IiSatotif^e (Stt»i(tiauung. 223 

Saben ift bie obßgatortfd^e Sibtttrauung erft bor tt>entgen 
dal^ren eingefül^rt u>orben; aber fo laut ba9 ©efd^rei toax, 
totläfc^ ffitt bor ber JBefd^Iugfaffung über ba9 neue @efe^ 
in @cene gefegt ti)itrbe, fo fd^neU berftummte ed nad^ feiner 
SSerfünbignng^ toietool^I bie JBeböderung ju jtoei IDrittl^eilen 
b^r fatl^olifd^en ftird^e angel^ört; nid^t ber geringfte SBiber^ 
ftanb gegen bie neue Sinrid^tung tourbe berfud^t, unb nad^ 
toenigen Wlomtcn l^atte man fid^ fo boQftönbig baran ge^^ 
to'iiint, afö ob fie fc^on feit dal^rjel^enben beftanben ^ätte. 
%ndt in bem äbrigen !Deutfd^Ianb )oirb ed borau^fid^tßd^ 
nid^t anberd gelten, toenn man nur ben Wlutf) Ifat, bad, toad 
frfil^er ober fj)äter [a bod^ gefd^el^cn mu^, entfd^Coffen onju:: 
greifen unb mit feper $anb burd^jufül^ren. (Sbenfotoenig 
l^at man bi^l^er bemcrft, ba§ bie f)eingfeit ber &)t ober 
t>er lird^lid^e @inn bcd 35oKeö unter ber obligatorifc^cn Sibit 
€]^e gelitten ^ättc, toeld^c bod^ j. So. in ben SH^einlanben feit 
me^r aU 70 Salären eingeführt ift ©etbft bie 3a^I ber 
tixäfüäftn S£rauungen ^at fid^ nur an ti>enigen Orten unb 
nm einen im 93erl^ättni^ jum ©anjen uneri^ebßd^en 3rud^^ 
tl^eil berminbert ; tofirc bic^ aber aud^ in bieC l^öl^erem ®rabe 
ber gaß getoefen, fo toürbe fid^ eine Sird^^, bie fid^ il^rer 
SBürbe Utou^t ift, nid^t beMagen, toenn fie feine ©elegen«' 
l^cit l^at, il^ren ©egcn fold^en ju ertl^eiten, bie il^n nur ge^^ 
jtt>ungen über pd^ ergel^en Keßen. Srnftlid^e ^Wadjftl^eife l^at 
bie Sibilel^e bi«^er nirgenb« mit fid^ geführt; tool^I aber ift 
"bm Soüifionen itoifd^cn ©taat unb Äird^e, ju tocld^cn ber 
ftaatlid^e ^roanQ jur fird^Iid^en ©l^efd^Iiegung frül^er 2ln(a§ 
gegeben ]&atte,*baburd^ auf bie einfad^fte unb toirifamfte SBeifc 
begegnet loorben* S« lommt nur barauf an, baß man fid^ 
burd^ bie angebßd^e ©efal^r nid^t bange mad^en (üßt; fobalb 
man il^r rul^ig in'd ^uge fie^t, }eigt e^ fid^, baß ed bamit 
gar nid^t fo tocit l^er u>ar. 



1 



» 



224 S)ie <56e. 

©oßtcn fid^ aBcr je Bei bcr SinfiH^rung bcr ßteiltrauunj 
©d^teicrigletten ergeben^ fo ttjürben blefe baburd^^ ba§ man 
ftatt ber obUgotorifd^cn bie facultatibc tdäf)Üt, getDtS nid^t 
bcrringcrt, fonbern bcrtncl^rt toerbcn. 5Me blod facultatiöe 
Sibtttrauung toürbc, toie jcbe l^atbc SWaßregcI, bcn Sittbrud l^er^ 
vorbringen ^ ba§ e^ ben Url^ebern be^ ®efe^eö ntit bem* 
fetben bod^ fein red^tcr @rnft fei, nnb fte tt)ürbe fd^on ba== 
bur^ ben SBiberftanb e^er ermutl^igen, aW abfd^neiben. ®ie 
toürbe bemfetben aber and^ ganj anbere $anbl^aben bieten, 
afö bie obligatorifd^e. 35urd^ bie le^tere ift btc grage nad^ 
einem ffaren nnb einfad^en ^rinci^j entfd^ieben: bie bürgere 
lid^e Slnerfennnng ber (Sl^e ift an bie bürgertid^e, bie fird^^ 
lid^e an bie f ird^Kd^e 2^raunng gelnü^)ft ; ber ©taat »erlangt 
jene bon aüen feinen S3ürgern, toenn fie tooKen, baJ3 i^re 
@]^e afö eine legitime, feinen ®efe^en entf}>red^enbe, bel^an* 
bctt toerbe, ba§ bie red^tlid^en gofgen einer Sl^e (toie ba^ 
(Srbred^t ber Sl^egatten nnb ber Sinber, bie 'ißcnfionöfäl^ig? 
Icit ber ^ran u. bgl.) anö il^r abgeleitet toerben; er über^: 
lägt cö ber Sird^e, ob "fie bie ürd^Iid^e S:rannng gteid^fato 
oon aüen il^ren Sßitgliebern verlangen, toeld^e S3ebingungen 
fie für biefelbe ftetten, tocfd^e fird^fid^en 9?ed^te fie mit tl^r 
berfnü})fen, mit toefd^en ürd^Iid^en 9ied^t^nad^tl^ei(en ober 
©trafen fie il^re Unterfaffnng bebrol^en toiü, 3ft biefer 
®rnnbfafe einmal jum ®efe^ erl^oben, fo toeig jeber, ba§. 
mit ü)m feine Slnönal^me gemad^t toirb, nnb toenn eine Ste* 
gierung il^re %ai)m nid^t fetbft im ©tid^e Iä§t, toirb fie in 
georbneten ftaattid^en ^i^Pänben bei ber !J)nrc^fü]^rung bc^ 
©efet^e« auf feinen unübertoinblic^en äBiberftanb ftoßen*. 
SSäirb e« bagegen ben Gingeinen überlaffen, ob fie fid^ fird^^ 
tid^ ober bürgerlid^ trauen laffen tooüen, fo l^eißt btc§ aüe 
©egner bcr Sioifel^e, aüe biejenigen, toeld^e beim äWißlinflCtt 
ber neuen äWafregel Intereffirt finb, fiJrmüd^ baju einfoben^ 



taj3 fie it)x möglid^fte^ t^un, um biefc« SDlifelmgen ijtxbti^ 

jufül^rcn. SWan gicbt il^nen ja baju aßc üKittct in btc ^anb. 

3)?an erlaubt bteßtbifcl^c, aber man tl^ut nid^t baö. geringftc, 

um bic ®taat«bürgcv ju bcftimmen, baß fic bon bicfcr @r^ 

Iaubni§ ©ebraud^ macä^en. ^an fäfet il^nen ntc^t einmal 

bie aWögfid^fcit, \\äf i^rer Äird&e ober i^rcm ©eifttid^en gegen« 

über auf bie 3Sorfd^rift be« ©efet^e« ju berufen ; man jtoingt 

fic, burd^ bie bürgerlid^c Ürauung, fattö fie biefelbe borjiel^en, 

ju erltären, ba§ fie ben Segen i^rer Äird^c berfd^mä^en^ 

ober fid^ ben SSebingungen berfelben nid^t unterwerfen tooKcn* 

3a man giebt aud^ ben fiird&en ein 9?ed^t, bie©ad^e fo an« 

äufel^en. SBirb bie bürgertid^e S^rauung bon alten gefor« 

bert, fo fann eö feinem afö ein SSemei« unlird^lid^er ®e« 

finnung aufgelegt tücrbcn, toenn er fid^ i^r unterjiel^t, fon= 

bern nur, roenn er fid^ mit il^r begnügt; toirb fie nid^t ge^; 

fcrbert, fonbern nur geftattet, fo jeigt ber, toeld^er fid^ bür- 

gertid^ trauen td^t, ebenbamit, ba§ er nfd^t fird^lid^ getraut 

fein toiU. 3n jenem %aU fagt ber ®taaU bürgerlid^e 

S^rauung, unb für alte, bie e^ U)ünf d^en, a u d^ lird^tid^e ; in 

I biefem fagt er : bürgcrtid^e ober ürd^lid^e 5Erauung, je nad^ 

I bcm e^ ber Sinjelne n)ünfd^t. 3)ort l^abc: n)ir ein ©otooi^f« 

[ ate^aud^, l^ier ein (Snttoeber^ober. ©ort ftellt fid^ bie Eibll« 

r et)t atö eine bürgerlid^e Sinrid^tung bar, toetd^e fid^ mit ber 

: firc^tid^en bertrcigt; i^ier afö eine fold^e, bie ju tl^r im S3er* 

i^äüm^ gegenfeitiger 3(u«fd^tie§ung ftellt. SKit jener lann 

ftd^ bie Äird^e jufriebengeben, biefe muf fie be!äm^)fen. üKüffen 

aüe @]^en ol^ne Slu^nal^me bor bem bürgerlid^en ©eamten 

i . gef d^loff en toerben , f o toirb ba^ SSorurt^eil gegen biefe Slrt 

'' ber Sl^efd^ließung balb berfd^toinben : man toirb il^r toenig« 

ften« jugcftei^en, baß fie bie df^c al« red^ttid^eö unb fittlid^eö 

I aSerl^ättniß begrünben fann, toenn man fid^ an^ bie religii5f e 

\ SBei^e berfelben an bie fird^lid^c (Sinfegnung gefnäj)ft benft. 

15 



226' ^ie @^e. 

SBerbcn bagcgen nur biejcnigcn Hx^ttliäf getraut, tocld^e 
blc fird^fid^c SCrauung berfd^mäl^en ober nfd^t erhalten, fo 
l^aftet an ber Stbilel^e afö fold^er in ben ^ugen aQer fird^- 
tiäf ©efinnten ein unaustilgbarer ^aUi, unb biefelbe er- 
fd^eint toeit mei^r, ate in beut anberen ^aU, aW eine öom 
(Staat im Sntereffe ber Ungläubigen unb Unlird^Iid^en ge^ 
troffene 2Ra§regeI. ©ic obligalorifd^e ßiöifel^e fci^afft auf 
t)em ®ebiete bed &fext(Sft^ einen gemeinfanten JBoben, auf 
toeld^em bie Oegenfä^e ber ßonfeffionen unb ber Krd^Iid^en 
^artl^eien fid^ enttoidEeln unb befäm})fen lönnen; bie facul- 
tatitoe giebt biefen ©egenfäfeen nur einen fid^tbaren SluöbrudE. 
<g« ift nid^t fd^toer ju feigen, toeld^c bon beiben beut 53ebürf = 
iii§ ber bürgerlid^en ©efeüfd^aft boflftänbiger entf)>rid^t, mit 
toeld^er beut tjricbcn mel^r gebient ift unb ber SBertpidEfung 
be« ©taat« in bie fird&fid^en ©treitigfeiten toirifamer öor^ 
gebeugt loirb. 

JDafe nun mit ber Sitoitel^e aud^ bie SCuffteöung bürgere 
tid^er ©tanbedbeamten öerbunben fein mu|, baß bie gül^rung 
ber ©üd^er unb bie SCu^fteüung ber Urfunben, toeld^e bie 
^>erfönfid^en SSerl^äÖniffe ber Staatsbürger betreffen, ben 
Äird^enbel^örben ai^ fold^en nid^t überlaffen »erben fann, 
JDenn jene SSerl^ättniffe felbft an feine lird^tid^en SBebingun= 
gen mel^r gebunben finb, üerftel^t fid^ öon felbft. JDie Äird^e 
mag nad^ tt)ie öor über bie SfteSud^ fül^ren, ju benenil^rc 
SKittoirfung öerlangt toirb; aber toaS bie bürgerlid^en SRed^te 
unb bie bürgerßd^e ©teöung ber ©taatSangel^örigen angelet, 
lann nur t>on bürgerlid^cn ©ererben beurfunbet toerbcn, 
benn nur fie erl^atten baöon amtlid^e Äenntniß unb nur aa 
fie lann man jebcm gleid^fel^r jumut^en fid^ ju tDenben. 



J 



r 



t>it @<^ule. 227 



19. 

©ine bcr toid^tlgftcn unter bcn Sragcn, bie für ba« 
"SSerl^äftntß be« ©taate unb bcr Sird^c inöctrad^t fommen, 
ift bic nad^ bcm Äntl^cif, toctci^cr jenem unb biefer an ber 
Leitung beö Unterrici^t^toefcnS unb bcr öffentltd^ch Srjicl^ung 
■juftel^t. ®er bie öitbung bc^ l^crantoad^fcnbcn ©cfd^Icd^tö 
in bcr ^anb f^at, bem gel^ört bie 3"l"ttft- <5^ Begreift fid^ 
ballet boßfommen, toenn ber ©treit xmifd^en bcn jtDci nm^ 
faffenben gornten be« ntenfd&üc^en ®cmcinle6en« fid^ auf 
btcfcn ?unft ganj befonbcr^ geworfen ffat ©otool^I ber 
<Staat ate bie Äird^e l^at an ber 3ugcnbbifbung ein tocfcnt^^ 
lid^c^ 3ntercffe; jener tote biefe l^at bal^er aud^ ein ^tdSft, 
Bei i^r mitjufpred^en. 5Die ^ta^t ift nur, toie njeit biefe^ 
^eä)t gel^t, unb toa^ au« bentfetben für bie Sinrid^tung bcr 
©d^ulc, ber (Srjicl^ung unb be« Untcrrid^t« folgt 

3unäd^ft ift nun bie (Sriie^ung unbeftreitbar @ad^c bcr 
f^amiUc. SDie Sttern unb biejenigen, toeld^e Slternfteüe bcr= 
treten, ftnb bie erften unb natürtid^en (Srjicl^er ber fiinber. 
^le finb eö, benen bie Srjic^ung^ijflid^t urf})rüngfid^ obliegt, 
bie fid^ bal^er aud^ urfprüngtid^ im SSefig aöer ber Siedete 
■befinben, toetd^e mit biefer 'ißflid^t al^ eine Söebingung i^rer 
^Srfüüung bcrbunben finb. 9lud^ h)enn bie ^J^mifie in ein 
itmfaffenbcrc« ©emeintoefen eintritt, bleibt fie bcr urfprüng- 
Jid^ftc. Drt ber crjiel^enben 5C^ätig!eit, unb je cinfad^er ber 
.3uftanb bcr ©efcüfd^aft unb ber ©eiftcöbilbung nod^ ift, um 
fo mel^r toirb biefe 2:§ätig!eit auf bie i^öutifie -befd^ränft 
treiben, o^ne ba§ baS ©emeintoefen fid^ il^rer annäi^me ober 
fid^ in fie cinmifd^te. 5lber in bemfetben ü)ia§e, \m einer^ 
:feit« bie Snf^jrüd^c an bie 3ugenbbi(bung unb bcn Unterrid^t 
fteigen, anbererfeit« bie (Sefeßfd^aft i^rer ^flid^ten gegen ii^re 

15* 



228 



^ic «Schule. 



STOttfllicber fid^ Umx^t tpiib, ntu^ fie auäf ii)xenUnÜiM an 
bcr 55ürforgc für bie Srjiei^ung übcrnel^men, mufe ble ^a- 
tnitiencrjiel^ung burd^ bie öffenttid^e ergänjt tperben. Denn 
bte (Sefettfd^aft aßciii fann bie Slnftaften fd^affen unb für 
bie ^ülfömtttet ®orge tragen, beten afier l^öl^ere Unterricht 
um fo me^r bebarf, je weiter bie Siffenfd^aft fortfd^reitet 
unb ftd^ in eine SWannigfaltigfeit einjetner ^ää)tx ausbreitet 
aSon il^r allein fann eine jtoecEmäBigc jufammen^ängenbe Or^ 
ganifation unb Leitung beS Unterrid^tStoefenS au6gef;en. 
3^re SÄad^t atJein ift im Staube, bie §inberniffe ju ü6er:= 
minben, toefd^e bie ®(eid^gü(tigfeit, ber Unberftanb, ber 
Sigennu^ bieter Sftern einer allgemeinen unb tüd^tigen SdiU 
bung ber Sugenb in ben SBeg fegen. SSon biefer SWad^t 
©ebraud^ ju mad^en, i?er))flid^tet unb bered^tigt fie ebenfo bie 
atüdfi^t auf fic^ felbft, tt>ie bie md]\ä)t auf i^rc 3lnge^ö=: 
rigen. @ie ift eS i^ren ermad^fenen SWitgfiebern fd^ufbig^ 
il^nen für bie SrfüHung ber Srjiel^ungS^jflid^ten burd^ imed- 
mäjsige 5tnftatten unb ®efe|e unter bie Slrme jif greifen. 
©ie ift eö ben erjie^ungSbebttrftigen fd^utbig, fie gegen bie 
geiftige unb fitttid^e SSertüal^rlofung ju fd^ü^en, mit ber fie 
burd^ bie S^I}orl^eit unb ®ett)iffenIofigfeit i^rer Slnge^örigeit 
nur jn oft bebro^t tijerben. ®ie ift eö fi^ fetbft fd^ulbig^ 
für il^re 3"^w^^ft i^ f^tgen, bie tiefften ©runbfagen i^re^ 
S9eftel^enS unb ©ebei^enS burd^ Unterrid^t unb Srjiel^una 
fid^erjufteßen. ®p toeit fid^ biefe Slufgabe in ben ©renjen 
unb mit ben SKitteln einer DrtSgemeinbc töfen läfet, fäöt 
fie biefer, fo toeit biefe ni^t ber gatt iftrfaßt fie bem (Staat 
ju. SSom ©taat muffen aKe allgemeine ®efe(ge über ben 
©d^ulbefud^ unb über baS SWag ber bon jebem ©taatsbfirger 
iu forbernben ©d^ulbitbung , bon il^m mu§ bie ein^eitlid^e 
ßinrid^tung unb Seitung be« l^iJ^ercn ö>ic be6 niebcren ©d^uf« 
JoefenS auSgei^en ; feine ©ad^c ift e« , für eine bem borl^an« 



I 



^nt^eil bed ©taatd an ber ^rjie^ung. 229 

bcncn ©cbütfniß cntf^>rcd^enbc 3lu^bi(bung ber Se^rer iu 
forgcn unb bicjenigcn Unterridj^töanftdftcn ju grünben unb 
ju crl^altcn, toeld^e cinerfcit« nid^t b(o« einem i?rt(id^en S3c^ 
i)ürfni6 bicnen foHen, unb toefd^c anbererfett^ größerer aWittet 
^cbürfen, ofd fic einer Sinjefgemeinbe ju ®ebote [teilen; 
unb lönnen aud^ frcitoifiige SJcreine bie 2i^ätig!ett be^ ©taat« 
in aücn bicfen Söejiel^ungcn unterftütjcn, fo fönnen fie bie- 
fctbc bod^ niemat^ entbel^rlid^ mad^en ober erfe(jen, toeil 
i^ttcn allen bie gcfe^jlid^c äuftorität fel^tt, o^nc bie feine 
fefte 8eitung bed Unterrid^tdteefen^ unb feine allgemeine 
SDurd^fül^rung ber notl^toenbigen (Sinrid^tungen unb ^U^^ 
regeln niJtl^ig ift. 2öie berl^ätt e« fid^ mm aber in biefer 
SÖejiel^ung mit ber ^ird^e? $at fie bieöeid^t an bie ©d^ufe 
ein ]^%re« unb ältere^ 9lnred^t, M ber «Staat unb bie 
bürgcrlid^c ©emeinbe? Ober toenn bieg nidfi ber %aU fein 
foßte, gel^ört uld^t 'n)enigftend ein 5E^eit be« Unterrid^t^« 
fotfcnd i^rent ©ereid^ an? unb toie finb bann i^re iöefug^ 
itiffe benen ber bürgerlid^en ©efeöfd^aft gegenüber ju be- 
ftimmen ? 

Wz biefe t^tagen fönnen aßerbingö nur bann auftreten, 
tt?entt ^taat unb Äird^e HAzt^anpi anfangen, il^r^^ Unter- 
fd^iebö fid^ belangt ju toerben unb i^ren SBirfung^freiö gegen 
■einanber abjugrenjen. ®o fange beibe ned^ t^atfäd^tid^ ivl^ 
fammenfaüen, n)irb je nad^ ben Umftänben unb bem beiber^ 
feittgen a»a(^tber^äftnig bafb bie tir^e bdfb ber ©taat in 
@ad^en beö Unterrid^t«, toie auf aßen anbern Seben^gebieten, 
ba^ entfd^eibenbe SBort f}3red^en. 3n ben atten orientafifd^en 
Sieid^en lag bie 35off^bi(bung, fo h)eit fie über bie l^äu^Iid^e 
(Srjie^ung unb bieUebung in f riegerifd;en r?ertigfeiten l^inau^- 
^ieng, au6fd^fie§fid^ in ben ^änben ber ^rieftcr, ö>eil aße^ 
SSSiffen, baö man über!^au}3t befag, mit btn ®Iauben«bor= 
fteßungen unb bem Guttue berfniH>ft, fein« ©etpal^rung unb 



230 2)ie @«ule. 

gcrt<)f[Qniuna fccr ^ricftcrfd^oft ate aWono^ot ü6etlaffcn toar; 
uttb ctcttfo Deri^iclt eö fid^ im toefcnttid^cn au^ beut %kiäftn 
®ntnbc int SKittelaftcr, ttcnn aud^ ciitjefnc Iräfttgc unb bont 
SOBcrtl^ totffcnfd^aftüci^er ©Übung burd^brungcne gürften, tote 
bor allem Äart ber ©roße, auf bte ©d&ule toie auf bie 
Äird^e bcn tool^ftl^ätigften (Stnfluß ausübten. ^Dagegen toäre 
c6 in ©ricd^enfanb ober in SJont ntentanb in ben ©inn gc^^ 
lontnten^ ju (e})ceife(n^ bag aUe öffenttid^e Srjiel^ung nur 
Dom Staat audgel^en fönne; ed ift bietoel^r ganj im (iin^ 
Kang mit ben Sinrid^tungen unb ®ilten il^re^ ^offed, toenn 
ein ^(ato unb Slriftotete« gerabe in ber ©ifbung unb Sr« 
}ie]^ung ber dugenb bie l^i^d^fte 9lufga(e bed ®taat^ feigen. 
®6enfotoenig beitocifeften bie abfotuten SKonard^iecn ber ?Reu« 
itit, bag baö ©d^ultoefen feinem ganjen Umfang nad^ unter 
ber Settung be^ ©taat^ ftel^e; unb fie l&atten um fo toeniger 
%nia^, bieg ju bejtoeifefn, je mel^r fie fid^ getoöl^ntcn, aud^ 
rein fird^tid^e ®inge bon fid^ au« ju orbnen. ä[f« bagegeif 
<Staat unb Äird^e fid^ bon einanber abjußfen begannen^. 
tt)urbe e« notl^ioenbig, fid^ über ben Slntl^eil eine« jieben an 
bem bi^l^er gemeinfamen Sigentl^um au^einanbcrjufe^en, unb» 
tt)ie l^ätte e« ba anber« gelten fönnen, af« ba§ auf einen fo 
»ertl^boßen ©eftanbtl^eil beöfelben, »ie bie ©d^ule, beibcr=^ 
feit« Slnftjrud^ gemad^t tourbe? Die Äird^e be^au})tcte^ 
fie fei ni6)t aöein t^atfäd^Hd^ bie SWutter ber ©^ule, bie 
fid^ il^rer SSerfid^erung nad^ niematt fo tool^t befunben l^atte^ 
a(« ba fie fid^ il^rer J^ül^rung nod^ boßftänbig übertie^t fon^^ 
bem fie fönne aud^ auf il^re elterßd^e ®ett)aft über biefelbe 
nid^t berjid^tcn, unb biefe bürfc il^r nad^ natürtid^cm 5Red^t 
nid^t genommen ober befd^ränft werben; benn aller Unter* 
rid^t unb aße (Srjiel^ung muffe auf bem @runbc ber SRe^? 
ligion rul^en, unb nur unter biefcr ©ebingung lönne er f)dU 
fam toirfen; bie Leitung be« religiöfen Sebeij« aber ftel^e 



f 



ISnfVrü^e ber jtirc^e unb M Gtaatö. 231 

il^r 8«, utib toad tnxöf ba^ rcfigiöfc Stttereffc geforbcrt toerbe^ 
Kntte nur fic fccurtl^ctlcn. Diefc 2lnf^)rü(i^c ftnb nid^t 6(0^ 
tl^cotctifii^ gdtcnb gemad^t tocrbcn, fonbern fie ]^o6en aud^ 
ba itnb bort in Soncorbaten einen f^rägnanten 3(u^brud ge^ 
funben unb auf bic ©eftattung bc« ©d^utoefcn^ einen ber^ 
i^ängnißboüeh Sinflu^ gewonnen. S^nen gegenüfcer tourbe 
t>on ftaatfid^ci? ©eitc jtoar in ber 9tegel fcereittoißig elnge^^ 
räumt, baf bie Srtl^eitung be« $RcIigion«unterrid^t6 bcn Äir^? 
d^cn unb ber ©eifttid^feit anl^eimjugeben fei; um fo mel^r 
beftritt man bagcgen, baj3 auc^ aßer übrige Unterrid^t mit 
ber Siefigion in einem 3wfammen]^ang fte^e, ber e6 notl^^ 
ttcnbig ober gered^tfertigt erfd^einen tie^e, feine Seitung gteid^^^ 
faü3 ber Äird^e ju ütertragen. @« h)urbe bal^er bon biefer 
®eitc eine fofd^e Sl^eilung be« ftreitigen ®ebiete« -beantragt, 
bei ti)e(d^er ber ßötoentl^eit aßerbing« bem ®tCLatt juflef: 
aüe toeftlid^e Srjiel^ung unb ©ilbung foßte bem ©taat unb 
feinen Organen überlaffen, bie Äird^e foßte mit i^rer S^^ätig- 
feit unb il^renf Sinfluß auf ben 9te(igion^unterrid^t befd^ränf t 
fein; unb im ^n^ammtnfimi bamit xourbe, bod^ bi6 je^jt 
tDeit nid^t fo einftimmig, bie confeffion^fofe ßommunalfd^ule^ 
bie Srtl^eilung be« ©c^ulunterrid^tö burd^ Saien, bie Slu«- 
fd^Hi^^ung ber SReligion bon bem aßgemeinen Sei^r^^Ian ber 
©deuten berlangt 

©ud^en ti>ir nun jxoifd^en f entgegengefe(§ten Slnfid^ten unb 
9lnfprüd^en eine (Sntfd^eibung ju finben, fo toirb e« l^iefür nid^t 
genügen, auf bie SSergangenl^eit jurüdE jugel^en unb ju fragen,, 
toa« bie ©d^ute t^atfäd^fid^ bem ^Staat unb ioaö fie ber Äird^c 
gu berbanfen l^abe. 3D?an liebt e« auf f ferifafer ©eite, fid^ in 
folc^en JRüdtblirfen ju ergel^en; man fefet un^ au^einanber, 
bie Sird^e fei bie Cueße aßer unferer Sifbung, aße nieberen 
unb l^öl^eren Unterrid^t^anftalten feien il^re ©d^öj^fung ober 
eö fei bod^ berSlnfto^ ju i^rer ßntftel^ung toenigftend mittel 



232 m ©ci)Ule.d 

bar üon i^x ausgegangen; unb man fd^tlc^t baraus, einer 
fiorj)oratlon, toefd^c fid^ um baö ©d^utoefen fo l^öl^e aSerbienfte 
ertoorfcen l^abe, bürfe il^r ßinflugauf baSfelbeaud^fürbie^w* 
fünft nid^t gefd^mSfert, er foütc biefmcl^r in feinem ganjen frü^ 
leeren Umfang toieberl^ergefteßt h^erben. SSom gefd^id^tfid^en 
©tanbfunft lägt fid^ nun frejüd^ gegen biefe ibcaüftifd^e ©d^Ube« 
rung bietet eintoenben: nad^ bem B^^gniß ber ©efd^id^te be? 
fanb fid^ ber l^öl^evc h)ie ber nicbere Unterrid^t bei ben d^rifts 
lid^en aSiJßern nie in einem f o traurigen 3"f^öwb, ^i^ SSoff Sbif* 
bung toar nie fo bertt>al^rfoft bie aSBiffenfd^aft nie fo unfrei^ 
aßeS umfaffenben unb grünbfid^en SBiffenS, aller genauen %ox^ 
fd^ung, atfeS ©inn« für Sritif, aßeS Streben« nad^ einer na* 
türfid^cn unb bernunftgcmägcn Srflärung ber ßrfd^cinungen nie* 
maf0 fo bar, atö fo lange bie mittelaltertid^e Sird^e fie in 
il^rem Slüeinbefi^ l^attc ; unb aud^ in ber i^ofge gieng überaß, 
in ber fatl^olifd^en loie in ber ^)roteftantifd^en tird^e, bie SBif- 
fenfd^aft unb ber SSoffSunterrid^t in bcmfclben SDJaße jurüdt^ 
in bem i^re Slbl^ängigfeit bon bem tferu« uiib feiner !Dog= 
matil gunal^m, unb ju einer l^öl^eren iötütl^e gelangten beibe 
nur ba, ti>o bie ^Regierungen unb bie ©emeinben fid^ il^rer 
annal^men ; *) ja bie Sirene fetbft ift nur unter bem ©influg 
ber freien toeltlid^en ffiiffenfd^aft im 16. unb bann koiebcr 
im 18. Sal^rl^unbert au« ii^rer bogmatifd^en ßrftarrung unb 
jeiftigen aSerfumj)fung aufgerüttelt hjorben. aber loenn e« 
fid^ bamit aud^ ganj anber« berl^iette, fo toären bod^ bie 
rjotgcrungen , bie man au« jenem angeblid^en Sl^atbeftanb 
ableitet, in l^ol^em ®rab übereilt. SRan fann trotj aßer 
aWängel be« mittelalterüdben Unterrid^t«n>efcn« bie SE^atfad^c 
inräumen, bag bie SBiege unferer l^eutigen ©Übung in ber 



*) Tl. »gl. I;ictübcr auger anbercm bie verbienflli^en ißacbmeifungcii 
t>on 3- ©• SWepcr, IHeligion unb 6cftule. fPonn 1873. 



«nfpriicfie ber Äit*e unb M Staat«. 233 

Sird^c gcftanbcn l^at, baf bic abenbtänbtfd^cn SSößcr bieSln? 
fange i^rer ßiöiüfatibn bcr Ätrd^e ju öcrbanfcn l^attcn, baß 
fic bon il^r aud bcr crftcn JRol^eit l^crau^gcfü^rt tpurben; 
man tann gcreii^t genug fein, um bte SJerbienftc in boücm 
aWafe anjuerfennen, toeld^e fid& SC^eoIogen unb fird^üd^e (5on= 
grcgartonen um bte SBiffenfd^aft emorben l^afcen; man fann 
narmnüiäf bcr ebangelifd^en Äird^c unb il^ren üDicnern ba^, 
\oa^ fie im öunbc mit bem ©taatc für ben S5oIf6unterrtd^t 
unb bie SSoIföfd^ufe gct^an l^aben, jum J^öd^ften 9iu^m an= 
ted^nen; ja man fönnte in aßen biefen Söejiel^ungen bcr 
Äitd^e ttod^ toeit mel^r jufd^reiben, ate i^r in SBal^rt^eit gc^ 
iüfjxt, unb man toäre bod^ nld^t gcnötl^tgt, baraud ju fd^liefeen, 
ba§ baö Unterrid^tdiDcfen im ganjen nnb großen i^rcr 8eie 
tung ju üb'criaffen fei ÜDie t^^age ift ja ntd^t.bie, »ad 
cl^cmaU, unter ben SSerl^äßniffen unb nad^ ben ©cbürf- 
nlffcn ber SSorjeit l^cilfam unb jn)edEmäßig getoefen ift, fon- 
bem toaa ble§ jc^t ift ^cutjutage ift aber nid^t aöein 
bcr l^ö^ere tt)iffenfd^aftfid^e Unterrid^t ber Leitung ber Sird^c 
cnttoad^fen, fonbern baö glcid^c gilt bereit« aud^ bon ber 
SSoKöf^uIc. Unfere heutige SSSiffenfd^aft ift nid^t Mo« nic^t 
burd^ bic tlrd^e, fonbern fie ift faft auf aüzn ©ebieten im 
Äam^)f mit bcr Sird^e ba« gett)orben, toa« fie ift; erft feit 
fic fid^ bon il^rcr 35ormunbfd^aft Io«rtJ3, loar il^r eine un^ 
abi^ängige gorfd^ung möglid^. Unfere Uniberfitäten unb po^ 
Il;ted^nifd^en Änftaltcn, unfere ®^)mnafien unb SRcalf deuten 
fird^Iid^en iöel^örben ju unterfteüen, toirb niemanb in ben 
<Sinn lommen, tpcld^er bon bem gegenwärtigen ©tanbc ber 
SBiffenfd^aft unb ben «cbürfniffen be« loiffenfd^aftHd^en Un^ 
ferrid^t« einen «egriff l^at. ©elbft bie SBott^fc^ute l^at e« 
aber, abgcfel^en bon bem 9ic(igion«untcrrid^t, burd^au« mit 
fotd^en ©egenftänben ju tl^un, toetd^e t^eifö übcr]^au^)t feinen 
rettgiöfcn, tl^eif« ioenigften« feinen confeffioneöcn ßl^araftcr 




234 2)ie @((u(e. 

l^afccn, fficbcr ba^ 8efcn noii^ ba^ @(j^rci6cn, tocbcr bic 
3}{atl^emati! no(i^ bie iRaturfunbe, toeber bie ®eograt)]^te no(l^ 
bic ©cfd^id^c, tt)cbcr bo^ ©itigcn nod^ ba« 3^'^«^« forbcrt 
für Äatl^olifen einen anbeten Unterrid^t, atö für ^roteftanten^ 
für Sl^riften einen anbern aK für 3uben* Slud^ bie fitt^ 
lid^c Sintoirtnng bcö Seigrer« auf feine ®^üfer ift fotoenift 
an ein bogntatifd^ed ^e{enntni^ gebunben, bag ed bie(me^r 
gerabel^in afö eine ^äbagogifd^e gorberung ber l^entigen SdxU 
bung fcejeid^net toerben niu§, ba^ fittüd^e Oefül^l, ba« SRed^t«*^ 
bettjußtfein unb ben ©inn einer aögemeinen 3Dlenfd^entie6e 
nnabl^öngig bon aßen bogntatifd^en aSoraudfe<}ungen, unb eben^ 
beß^att aud^ unabhängig bon confefponeöer ©efd^ränftl^eit 
unb Unbi.fbfamfeit in il^nen ju ^jflanjen; unb tocnn bie^ 
aßerbing« gerabe in ber SSolföfd^uIe am beften unb mit ber 
nad^i^attigften ©irfung auf refigiöfer ©runblage gefd^cl^en 
toirb, fo finb bcd^ bie religiöfen Ueberjeugungen, bcren c^ 
l^iefür bebarf, nur biejenigen, in bereu änerlennung gebil« 
bete SWenfd^n ter berfd^iebenften ßonfeffbnen übereinftimmen* 
Die Unterfd^eibung^fel^ren bagegen, um toetd^e ber©treit ber 
Sonfeffionen fic^ betoegt, tpetdj^e aber an fid^ fd^on in ber 
SReget über bie gaffung«fraft ber Äinber l^inau^gel^en , ftub 
l^iefür nid^t nctl^toenbig ; Je me^r biefelben bietmel^r nid^t 
fetten in bem fird^lid^en SReligion^unterrid^t betont toerben^ 
um fo »Id^tiger ift ed, ba^ bie ©d^ute fd^on in ben Sinbem 
gegen ben trennenben Sinflu^ ber bogmatifd^en ©egenfä^e in 
bem ©efül^f ber fitttid^en ©emeinfd^aft, ber natlonafen 3«- 
fammengel^örigleit, ber gteid^artigen SWenfd^enred^te unb 
aWenf^en»)fßd^ten ein fräftige« ©egengetoid^t fd^affc^ 3jl 
aber ber Unterrid^t unb bic ßrjiel^ung, toeld^e bie SSottefd^ufe 
ertl^eift, abgefel^en bom 9tefigion^unterrid^t an feine con« 
feffioneßen SSeraudfefeungen gefnü^)fr, fo bürfen biefelben oud^ 
ni^t ber Seitung lird^Iid^er Sel^örben übertaffen »erben. 



2)ie ^oitmvilt. 235 

tCenn biefc l^afcen »ermögc il^rer SlufgaBc unb ©teffung nur 
ba^ rcitgtöfc 8cbcn, unb btcfcd felbft nnr in ber gorm ju 
^jflegcn , bie i^m in biefcr fccftimnttcn Äird^c aufgebrüdt ift 
3Ja^ Ontercffc unb bie ©ad^fenntnlß/ tDc(d^c jur Leitung bed 
©d^utocfcn« erforbcrlid^ finb, fann man 6ci il^ncn nid^t 
o^ne »citereß borauaf e^en ; unb e« toärc ein Qrrtl^um, toenn 
mon meinte^ bie^ geöe nur bon ben gefeierten unb ted^nifd^cn 
Unterrid^t^anftalten ; benn andf ber Slementarunterrid^t l^at 
feine SWetl^obe unb feine Sunftregeln, mit benen biejcnlgeit 
bertraut fein muffen, bie il^n beauffid^tigen fotten, aud^ feine 
Seitung erforbert Sigcnfd^af ten , toelc^e mit benen, bie jur 
S3e!(eibung eine« Sird^enamt^ befähigen, gar nid^t notl^* 
toenbig gegeben finb, !!Da ferner jebe tird^e burd^ il^re ©e? 
antten bod^ immer nur bie ©d^ulen il^re^ SelenntniffeÄ 
beauffid^tigen fann, unb aud^ l^ier ber 9?atur ber ®adft nad^ 
nur bie SSoIfefd^uIen , fo wirb jebe einl^eitlid^e Seitung be^ 
Unterrid^t^totfen^ unmöglid^ gemad^t, »enn man e^ ben Äird^en 
unterfteüt. Unb bod^ ift biefe Sinl^eit ber oberften Seitung 
fctoo^l burd^ ba6 ^)äbagcgifd^c ate burd^ ba^ nationofe 3ns 
tereffe unbebingt geforbert: in ber Drganifation unb S5e« 
l^anblung beö SSoff^unterrid^t^ mu§ auf ben l^öi^eren, bem er 
jur ©runblage bienen foß, 5Rüd£fid^t genommen toerben, alle 
SSilbung^anftaÜen muffen in etnanber eingreifen; unb ebenfo 
ift e« für bie innere Sin^eit be^ SSoIf^feben^ feine ffeine 
©efal^r, toenn bie Seitung beö Unterrid^t^toefen^ an eine 
ganje SRei^e berfd^iebener, möglid^ertoeife bon ipeit au«ein= 
anbergel^enben 3ntereffen geleiteter, unter feiner l^öl^eren ©in« 
l^eit jufammengefaßter S3e^örben bertl^eift ift. Darf enbCid^ 
ber <Staat überl^au^jt eine fo wichtige ©ad^e, toie ber 
SSoIföunterrid^t unb bie aSotf^erjiel^ung, an^ feiner $anb 
geben? Der ©taat foö aße gemeinfamen Slngefegenl^eiten 
be« SSoIfe« orbnen, aßen feinen gemeinfamen 3ntereffett 



23G S>ie @4u(e. 

(eine gürfotge jutoenben. 3ft benn aber bte \xttixiSft unb 
intetteftueöe Grjiel^ung ber l^erantoad^fenben ©encration feine 
fotd^e gemeinfame Slngefegcnl^eit ? 3ft fie ettoa nur @ad^e 
ber @tttjetnen, ber gamiften ober ber Äird^en? ©erul^t nicf^t 
ba« SBd^I unb bie ©Übung beö SSoffe^ barauf, ba§ fie in 
ber redeten SBclfe geleitet toerbe^ ber ©eftanb unb 3i*f<^i^' 
men^olt be^ ©enteintoefenö barauf, bag aöe feine 2i^eHe in 
einem ®eifte gebilbet, mit einer ©efinnung erfüüt toerben ? 
S33ie bürfte ba ber ©taat fxä) freitoitttg ber Oefal^r auöfefeen, 
ba^ in bem 8e6en6alter, in bem aHe Sinbrüde, Ueberjeu^ 
gungen unb ©etoöl^nungen bie aüerfcfteften ffiurjeln fd^tagen^ 
bie iDenftoeife feiner ©ürger in eine bon bcn ^k{en feine« 
©emcinleben« abi^eid^cnbe , il^nen bieüeid^t feinbfetige Sdaffxt 
gelenft ti>erbe? bag fie mit ^a^, aKigtrauen unb SSorur^ 
titelten gegen il^re anberdglaubenben 2Wltbürger erfüllt^ ba§ 
fie eine frembe Sluftorität über bie be« ©taat« unb feiner 
Oefelje ju fteßen gettjöl^nt toerben? ©leg aber unb nid^t« 
anbere« »ürbe er tl^un, »enn er bie oberfte Leitung bed 
Unterrid^t« aM ber ^anb gäbe, unb fie ben Äird^en über^ 
tieße. Denn fo möglid^ eö immerl^in ift, ba§ eine Slrd^e 
in ber Sel^anblung be« Unterrid^tötoefen« mit bem ®taat 
fibereinftimme, fo ift bieg bod^ immer nur möglid^, aber 
c« giebt bafür nid^t allein feine au^reid^enbc ®m^x, fon^ 
bern e« ift aud^ nid^t »al^rfd^einlic^ , ba§ bie^ jematö bott^ 
ftönbig ber %ati fein »erbe. Slud^ »enn eine Slrd^e nad^ 
il^rem ganjen (Seift unb ßl^arafter feine ftaat^feinbfld^e 
JRid^tung berfofgt, fo toirb bod^ ll^re änfid^t unb ©el^anb^ 
fung ber 5luf gaben, bie i^rer gürforgc anbertraut ftnb, ju^ 
näd^ft burd^ ii^ren ©tanb^>unft bebingt fein: bie fird^id^en 
Qntereffen ioerben ii^r mel^r am ^erjen (legen, ate bie pe^ 
tltlfd^en, bie SRed^tgläublgfelt tolrb ll^r told^tlger fd^elnen, ofö 
bie tolffenfd^aftüd^e (ginfld^t, bie Senntniß ber reüglöfen 



£)ie fßoif^fc^ule. 237 

UcBcriicfcrung notl^töcnbigcr, afö bic ber batcrlänbifd^cn ®c- 
fd^id^tc «nb bc^ übrigen Bio« ..tocltlid^cn'' SBtffcn«* SBcnn 
fic bälget bem Untcrrid^t^tocfen feine S^^U borjufd^reiben 
unb feinen ®ang jn beftimmen fjat, toirb anäf im beften 
gaC jene Sinfeitigfcit ber 3ugenbbi(bUttg nid^t ju bermetben 
fein^ bie nod^ fiberaü l^crborgetreten x% iDo bic ©d^nle bon 
blo^ fird^lid^en Sei^örben abl^ängig toar. §at man e3 gar 
mit einer fiird^e jn ti^nn, toefd^e ber Unabl^ängigfeit ber 
(Staaten, bem i^rieben ber ßonfef fionen , ber grctl^eit beö- 
Dentenö nnb ®ett)iffen« in fo an«gef})rcd^ener J^einbfd^aft 
entgegentritt, auf bad 3^^^ ^^^ Slöeinl^errfd^aft fo überlegt 
unb f^ftematifd^ lodfteuert, tote bie gegentoärtige lömifd^e 
^ird^e, fo ift e« bie än^ex\U turjfi^tigfeit, ö>enn bie genfer 
ber ©taaten einer fold^en Sürd^e bie Wlad)t in bie §anb 
geben, burd^ Se^errfd^ung ber ^äfViU einen großen 2^ei( 
be« Sollet ju gefügigen SBerfjengen i^rer $fane ju mad^en. 
9lud^ »enn ber ^taat* fird^lid^c S3eamte al^ Se^rer ober 
©d^nlauf feiger bertoenbet, l^at er bod6 ftreng barauf ju l^altcn,. 
ba§ bie i^nnftionen, bie er il^nen anbertraut, nid^t aü ein 
Sinkflug il^rer lird^Iid^en ©teüung, fonbern atö ein il^nen 
bom ©taat übertragene^ 3Cmt bel^anbelt toerben, baö fie 
lebiglid^ nad^ ben il^nen burd^ bie ©taat^gefe^e nnb ©taat^* 
bel^örben gegebenen S^iormen ju bertoaüen, unb für baö fie 
i^m i^re Sefäl^ignng barjutl^un l^aben. Sr ift bal^er aud^ 
boüfommen in feinem ^täfte, toenn er (mit ber neneften 
babifd^en ©efefegebung) bie SRitgtieber fotd^er Drben nnb 
Kongregationen, beren gefeöfd^aftlid^e Sinrid^tungen unb ®t^ 
lübbe fid^ mit ben bom ©taat an feine Selber ju ftettenben 
9lnforberungen nid^t bertragen, bon ber Sel^rtl^ätigfeit an ben 
öffenttid^en ©deuten unb an ^ribatfd^ufen, tocfd^e bie öffents 
lid^en ju erfe^en beftimmt finb, audfd^Cieft 



I 



"«. 



238 5E>ie €*ule. 

SBtc nun mit ber Slb^änäiglcit bcr ©d^ufe öon bcr 
Äird^c il^rc ©cfd^ränfung auf eine ciniclnc ßonfcffion t>on 
felbft gegeben toar, fo folgt an^ bcr Stuf Hebung biefer 916^ 
l^ängigfcit, baß btefclbc ii^ren confeffioneöen Straftet ber* 
tieren, baf fie eine confefjtonötofe ober J)aritätifd^e toerbcn 
muß. 9lud^ l&iebei l^anbelt e6 fid^ aber nid^t bIo6 um bte 
unabtoeiMid^cn r^olgefä^je eine« ^rincit>«, bem fid^ unfere 
3eit nid^t berf daließen fann, fonbem jugteid^ unb ebenfofel^r 
um eine in ben tl^atfäd^lid^en SSerl^äftniffen begrünbete pxah 
ti]6)t 5ßot]^h)enbigfeit. SBenn bie ©orge für ben l^ö^eren 
unb nieberen SSoIf^unterrid^t unter bie toid^tigften attge* 
meinen Slufgaben be« bürgcrüd^cn ©emeintoefen« gel^ört^ 
fo muß ftd^ biefc t^ürforge auf aöe feine SRitglieber gleid^« 
mäfeig erftreden, feine Untcrrid^t^anftaften muffen ba^er 
aüen in gleid^em SKaße, ol^ne Unterfd^ieb be0 retigiöfen S3e= 
fenntniffe«, geöffnet fein; unb e6 barf toeber ba« ^täft ju 
il^rem ©cfud^e auf eine beftimmte ßonfeffton ober SRefigion 
befd^ränft fein, nod^ barf ber Unterrid^t, abgefel^en bom 9ie== 
Clgion^unterrid^t, fo audfd^Iießlid^ im ®inn einer beftimmten 
€onfeffion ertl^eift loerben, baß fid^ bie Slngel^örigen ber an^ 
bern baburd^ in il^rcr (Sfauben^toeife gel^emmt unb gcfrän!t 
fänben. Dieß h)irb aud^ l^eutjutage in Setreff be« l^ö^eren 
Unterrid^t« laum nod^ beftritten. Unfere SBiffenfd^aft ift mit 
^uÄnal^me ber S^^eologie nid^t mel^r confeffioneü. @ie fann 
Jool^t bon ben SBefennern einer ©laubenöform mel^r, bon 
benen einer anbern weniger gepflegt n)erben, aber an fid^ 
felbft ift fie unabhängig bon bem religiöfen SSefenntniß^ 
benn fie l^at fid^ nid^t auf bie Ueberlieferungen ju ftü^jen^ 
fonbem auf ©rünbe, bie für attc gteid^fel^r gelten. @« giebt 
bal^er auf bem h)iffenfd^aftfid^en @tanb^)unft fo toenig eine 
)>roteftantifd^e $^ifofo^)l^ie ober eine f atl^olifd^e SBeftge^d^id^te^ 
afö e« eine d^rifttid^e Sritl^meti! ober ßf;emie giebt SBenn 



S)ie parttatif^e 6(^u(e. 239 

«ber btcfc«, fo barf auci^ bic ©efugnlg unb bic ©dcgcnl^ctt, 

«in tDtffenfi^afttid^ed f^ad^ {u leieren ober }u lernen, auf leine 1 

4£onfeffiott befd^ränft fein; jebe berartige SBefd^ränlung fielet 

Dietmcl^r im SßJiberf^jrud^ mit ber aufgäbe ber SBiffenfd^aft 

atnb be6 toiffenfd^aftttd^en Unterrid^td , tDe(d^er neben adem \ 

«anbern toefenttid^ aud^ baju beftimmt ift, bie @d^ä(er über 

bie ©d^rönten il^rer confeffioneßen ©efonberl^eit gu erl^eben 

itnb il^nen bie f$reil^eit bed ©eifted, bie Unabl^ängigtett Don 

Ueberlieferungen unb ^ultoritäten )u terfd^affen, ol^ne bie 

Jeln fetbftänbige« toiffenfd^aftfldj^e^ ©enlen möglid^ ift. (S« 

tft bal^er nid^t aöein bie gorbcrung befonberer lati^oßfd^er 

Unibcrfitäten ein änad^roni^mu^, ein 9iü(lfaß in mlttefafters 

tid^e älnfd^auungen, ben ber @taat niemals gutl^eigen bürf te ; 

fonbcm auc^ bei ®^mnafien unb äl^nlid^en Slnftatten ift bie 

Söefd^ränfung auf eine beftimmte ßonfeffion mit ii^rem toiffen- 

f d^aftlid^en 3^^* ^«b Sl^araf ter unberträgtid^ ; unb mag man 

aud^ ba, tt)o biefe iöcfd^ränlung einmal beftel^t, ertoorbenen 

9ted^ten unb verbreiteten SBfinfd^en eine fd^onenbe 9itt(f{id^t 

iingcbeil^en laffen, fo l^at man bod^ aßen ®runb, bie ^ttiäf^ 

tung neuer ©^mnafien ober 8teaff deuten, bie auf eine be? 

ftimmte Sonfeffion befd^ränft ftnb, nid^t ju bulben unb bei 

ben beftel^enben auf bie Sefeitigung il^re^ confeffionetten (Si)a^ 

Tafter« l^injuarbeiten. 

5Da« gtcid^e gi(t aber aud^ Don ber SBoIfi^fd^uIe. 2lud^ 
jie ift, Ä)ie loir gefeiten l^aben, für bie Srfüßung il^rcr Sluf:^ 
gäbe an feine Sonfeffion gcbunben, aud^ fie l^at einen Untere 
rid^t JU ertl^eifen, toeld^er bie attgemeine, für aHe Sonfeffio- 
neu gleich notl^toenbige fittüd^e unb inteüeftueße ©itbung be=: 
jtoedft. ß« ift bal^er burd^au« nid^t abjufcl^en, toeg^alb fie 
fid^ confeffioneü abf^)erren, nur Setjrern unb ©d^ülern eine« 
beftimmten öefenntniffe« offenftei^cn foötc. ©crabc für bic 
SSoIfefd^ufe erfd^eint Dietmel^r bie Sefeitigung biefer ©d^ranfe 



l 



240 



^ie 6^ule. 



befonbcr« notl^toenbtg. 3e njcniger bic meiften bon bencn^ 
bte fie befud^cn, in bev J^ofge burd^ eine l^ö^erc ©ilbung, 
über bicfclbc erl^obcn ti>crbcn, um fo nötl^iger ift e^, bag fie 
fd^on in bcr ®d^n(e fid^ o,ttoii>f)nm , mit Slnbcrdglaubenbea 
im iJricben jufammenjulcbcn unb bcr fittüd^cn ©eraeinfd^aft 
mit grcunben unb Sßitbürgern ein größeres ®eti)id^t beiju^ 
legen, aU ben bogmatifd^cn ©egcnfätjen; unb e« ift burc^^ 
au^ berfel^It, toenn man meint, für bie unteren SSoIfdllaffea 
fei ein confeffioneB befd^ränfter Unterrid^t gut genug, toälj^ 
renb er für bie l^öl^eren freilid^ nid^t mel^r <>affe. ®erabe 
bte minber gebifbeten, bereu ®efid^t«freiö in ttjeit geringerem 
(Srabe burd^ bie Äunft unb bic SBiffenfd^aft, burd^ Sebcnö^ 
erfa^rung unb SBeltfenntniB ertoeitert ,toirb, l^aben c^ ja 
ioppdt nötl^ig, ba§ nid^t^ bcrfäumt n^erbe, ti)aß fie m^ il^rer 
SSefd^ränltl^eit l^erau^jufül^ren, il^r J^ül^ten unb ÜDenfen ju 
freier Humanität ju erjiel^en geeignet ift; unb baju geprt 
bor aöem, ba§ fie ben äRenfd^en atö fotd^en ad^tcn unb lic^ 
ben lernen/ ba§ fie e« fid^ abgetpöl^nen, bie ©renjen tl^rer 
Äird^e für bie bcr 2Wenfd^]^cit ju l^aften. 

SBaö aber bon ben ©d^ttlern gilt, bad giCt felbftbers 
ftänblic^ nod^ borl^er bon ben Sel^rern. ^mn bie ©d^üfer 
jur Dutbung unb Humanität angeleitet toerben foüen, fo 
barf biefc ben Scl^rern nid^t fremb fein, unb toenn btefe 
SBirfung bei Jenen bon bem 3ufammenfein ber berfd^iebcneti 
ßonfeffionen unb bem gemeinfd^aftlid^en Unterrid^t ju l^offert 
ift, tt)irb man aud^ biefe nic^t in confeffionett getrennten Sln- 
ftalten erjiel^en bürfen. $)ier gerabe mu§ man bielmel^r mit 
ber Rarität ben Slnfang mad^en unb fid^ fo einen gel^rftanb 
l^eranbitben, ber bie l^umanen 3tt>edCc ber ©d^ufc gu förberit 
geeignet unb bereit ift Unb bamit c3 il^m an ber nötl^ige» 
©etbftänbigfeit l^lefür aud^ in ber golge nid^t feilte, muffen 
bte Se^rer, toetd^e bi^l^er fotool^t amtfid^ aU öfonomifd^ bon 



^ 



1t>\t paritätifc^e Sc^uk. 241 



bcr ©ciftlid^tcit abl^ängig in fein Jjflcgtcn, in bclbcn ©cjic^ 

-jungen fo gcfteßt tocrben, ba^ fic nld^t ben ©etfungcn be« 

fiferu« ntcl^r afö benen bc6 ©taatd ju folgen bcrfud^t finb. 

Slüc^ btcfcö finb ober, tt>ic gcfagt, nld^t 6Io« tl^eorctifti^c 

Folgerungen ou6 ben ®rnnbfä|en, bie voix ix^tx ju red^t^ 

fettigen berfud^t l^aben, fonbcrn e^ finb gorberungen, benen 

fid^ unfere 3^'* f^^« <^w^ ^^i« ^)ra!tifd^en ©rtinben nid^t 

auf bic Dauer, »irb entjiei^en fönnen. Sie bie SWifd^ung 

bcr Sctjölfcrung ben confeffionetten ©taat unmögfid^ gentad^t 

f)ai, fo toirb fie aud^ bie confeffioneße ©d^ule jie länger Je 

ntel^r unmöglid^ mad^en. 3)tefe S^rennung ber Unterrid^td^ 

anftalten nad^ bem religiöfen ©efenntni^ ntod^te ertragen 

toerben^ fo fange bie Sonfeffionen fetbft im aßgemeinen nad^ 

Säubern ober loenigften^ nad^ ©enteinbcn getrennt loaren 

unb nur in größeren ©tobten jal^Ireid^er jufamntentool^nten. 

3e tue^r fid^ biefe^ SSerl^ältni^ burd^ bieSetoegung berSe^^ 

böHerung önbert, bie in unferer 3cit eine fo ungemein rafd^e 

unb utaffen^afte genjorben ift, je l^öl^er anbererfeit« bie Sin- 

forberungen fteigen, ttjeld^e an ben Unterrid^t, aud^ fd^on 

auf ben tieferen ©tufen be^felben, gefteßt »erben muffen, 

f um f ffarer loirb fid^ aud^ bie Unmögtid^feit l^erau^fteßen, 

für bie Söefenner ber berfd^iebenen ßonfeffionen getrennte 

I ©d^ulen ju errid^ten unb ju erl^alten, um fo cinleud&tenber 

toirb e^ aud^ bem ftumpferen Sluge loerben, ba^ e6 eine un= 

I beranttoortlid^e SSerfd^ioenbung bon SWitteln unb Sel^rMften 

I ift, menn eine ©emeinbe jtoei ober brei ßonfeffion^fdbulen 

l^at, bie fid^ aßefammt nur notl^bürftig über SBaffer l^alten, 

ober bod^ nur mittefmäfeige« feiften, ftatt burd^ i^re SSereini* 

gung fid^ eine Slnftalt ju berfd^affen, toeld^c mit bem gleid^en 

2luftt)anb bem Sebürfnijs in au^gejeic^neter SBeife ju ent- 

f^red^en bermag. Unb toeit bie realen SSerl^äftnlffc baju 

^inbrfingen, fo ift auc^ ju l^offen, ba^ bie aßgemeine Sin- 

16 



242 2)ie ©*ule. 

fül^rung ber ))arttätifd^en (Sommunalfd^ule nur eitte ^age 
bcr ^tit ift unb gar leinet gctoaltfamcn Sfaigrcifcn« üon 
©ettcn bed ©taate« bebarf. @« genügt ba§ er bcn gcfe|^ 
fiiä^n®obctt für [ic fd^affe; ob unb toann fie in beneinjct 
ncn ®cntetnbcn tn'^ Scbtn ju treten ^abe, bieg totrb er, toic 
bte^ in Saben gefd^cl^en ift, il^rer eigenen ßntfd^eibung unb 
bem tl^atfäd^Iid^ borl^anbenen ©cbürfni^ anl^eiwgcben lönnen^ 
tocld^c« ftarl genug ift, um feine Slnerfennung burd^ fid^ felbft 
in immer weiteren ©reifen ju erjtoingen. Saffen aber bie 
Umftänbe bie fofortige aßgemeine Sinfül^rung ber confeffion^^ 
lofen ©d^ute jtoedt mäßiger erfd^eincn, fo ift ber ®taot anöf baju 
bered^tigt. 5Kur übernimmt er, toenn er biefcn ©cg cinfd^tägt, 
bamit aud^ bie SBerpflic^tung, feine confeffion^lofe ©d^ute auf 
einer fc(d^en ^ö^t ju galten, bag biejienigen, metd^en man il^re 
confeffioneßen ©d^ulen genommen l^at, baburd^ feine ßinbu^e 
crfeibcn, unb bcr an fid^ rid^tige ©runbfa^ ber |)arit8tifd^en 
©d^ute nid^t burd^ eine falfd^e äntoenbung felbft n)icbcr jur 
Ungered^tigfeit ftil^re. 3m übrigen berftel^t e« fid^ ja bon 
felbft, ba^ eine einfid^tige Siegierung aud^ l^ier auf bie ge^ 
gebenen SSerl^'äftniffe JRütffid^t nel^men toirb, unb ba| ba^ 
too eine ©cmetnbe ganj ober übertoiegenb einer beftimmten 
ßonfeffion angel^Brt, biefer Umftanb bei ber %ßa^ ber 2tff^ 
rer, ber Seftcßung ber ©d^uIauffid^t^bcl^iJrbe, bcr geftfteffung 
beö itifxplan^ unb ber ©d^ulorbnung angcmeffene SBcrüdt* 
fid^tigung berbient. 

SBie foK e6 nun aber in ber ))aritStifd^en ©d^ule mit 
bem S^l^eife bc6 Unterridj^t^ , bei toefd^cm bie ßonfcffioncn 
fid^ fd^eiben, bem Siettgion^unterrid^t, gcl^aften tocrben? Cd 
laffen fid^ ^iefür brei SBcge einfd^Iagen. IJDie ©d^ule fann 
bie ^Religion ebenfo, toie anbere f^äd^er, att einen obligato* 
rifd^en Unterrid^tögegenftanb bel^anbctn unb bie ©d^üler ieber 
ßonfeffion Don einem i^r angel^örigen Seigrer barin untere 



^er 9leUgtonduntern^t. 243 

r^ten taffen; too6ci e^ fid^ aber öon felbft ücrftcl^t, ba^ 
cincrfciW biefcr Seigrer üon feiner Ätrd^e aU bcfäl^lgt aner=^ 
lannt fein muß, anbererfeit^ bie SItern ba« SRed^t l^aBen 
muffen, t^rc ftinber bon bem SReligion^unterrid^t ju entbin^^ 
bcn, toenn biefer il^ren Slnfid^ten unb ©runbfä^en nid^t ent=^ 
f^prid^t. Sin jtoeiter ntöglid^er SQJeg ift ber entgegengcf et^te : 
bie ©d^ufe fümmert fic^ gar nid^t \xm ben JReligion^unter* 
rid^t unb überlädt bie ©orge für benfefben ganj ber iJamilie 
iinb ber Äird^e. Sine britte jtoifc^en biefen beibcn in ber 
aWltte ftel^enbc ginrid^tung toäre bie, ti>eCd&e anci) fd^on bor^ 
gefd^fagen toorben ift: baß in ber ©d^ule unb bon .il^ren 
Seigrem nur in benjenigen Üieligion^toal^rl^eiten Unterrid^t er* 
ifftiit ipürbe, toetd^e bon aücn fionfeffionen anerfannt toer^ 
ben, bafe e« bagcgen ben einjetnen Äird^en überfaffen bliebe, 
ben ©diätem burd^ il^re ÜDiener ntittl^eilen ju laffen, toa« 
fic JU ienem gemeinfanten nod^ toeiter l^injujufügen nötl^ig fln:= 
ben. 5)iefe^ festere ©Aftern toürbe ftd^ aber freilid^ ol^ne 
3toeifet unaudfül^rbar jeigen, fobatb ntan bie ^robe mit il^m 
tnad^te. !J)ie erjiel^enbe @inti)irfung be^ Seigrer« ift atterbing« 
nid^t'in ber 3lrt an ba^ !Dogma gebunben, baß fie nid^t 
©d^ülern berfd^iebenen Söefenntniffeö gegenüber bie gleid^e 
fein fönnte. aber in bem eigentlid^en 9Jeligion^untcrrid^t, 
ber SRetigion^fel^re , läßt fid^ ba^ gemeinfame bon bem con- 
feffioneöen nid^t ebenfo trennen, unb l^ier ti)ürben aud^ bie 
SKitglieber ber berfd^iebenen 9Jeligbn6gefeßfd^aften il^r aKiß= 
trauen gegen ben einer anbern ßonfeffion angel^örigen 2t^^ 
rer, toenn er il^re ffiinber aud^ nur in ben allgemeinen Ste^^ 
Ugion^toal^rl^eiten unterrid^ten foüte, nid^t ju übertoinben ber^ 
mögen, ja fie toürben baju ol^ne 3^^^!^^ in ber 5Regef eini- 
gen ®runb l^aben; biefe ginrid^tung toäre bal^er, ftatt f^rie^ 
ben ju ftiften, boraudfid^ttid^ nur eine Ouette forttoäl^renber 
Snfd^utbigungen, 5lufregungen unb ©treitigfeiten. SSon ben 

16* 



244 ' 3)ie @*ufe. 

jtoci anbcrn mögltd^cti Slu^toegcti fte^t bcrjienigc, beffen id^ 
jucrft crtDäl^nt l^abe, bag bie ®ci^u(e ben SReHgion^unterrtd^t 
für icbe Sotifeffion bon fird^fici^ gebitffgten Sel^rctti ber[c(6cn 
ertl^ettcn läßt, aber bte ©d^üfer nidft nötl^tgt, t^n ju Bc- 
fuci^cn, ber 6iö^crigcn Ueßung am näd^ften; unb toenn ber 
Staat bic SReßglon in il^rcr Scbcutung für ba^ SSoH^Ieben 
ancrfemtt, tft c^ ba^ natürttd^ftc, baf er bicfcr Ucbcrjcugung 
aud^ in feiner ©d^utgefe^gebung einen Slu^bwtd giebt, tnbem 
er ben SReligion^unterrid^t in ben itf^xpian feiner ©deuten 
mit aufnimmt. 3Rag bie§ aber üom ®taat auäf in berbe^ 
ften äbfid^t gefd^el^en, fo ift e^ bod^ immer nod^ mögtid^^ 
ba§ biefe äbfid^t burd^ bie Äird^e i>ereitelt toirb. SBenn bie 
fird^tid^en Sebörben fid^ toeigern, fid^ mit benen beS ©taatc« 
über bie (Sinrid^tnng be^ SReligionöunterrid^t^ ju J)erftänbigen> 
toenn fie bem üom ©taat getDäl^Iten SReligion^tel^rer bie fird^^^ 
lid^e SKiffion berfagen ober toieber entjiel^en, toenn fte ü)n 
tnxäf Sird^enftrafen nöt^igen, ii^nen mel^r ju ge^ord^en , . att 
feinen SSorgefe^ten in ber ©d^ute, toenn fie ben 9tetigion^- 
unterrid^t jn (Sinmifd^ungen in ben ®ang unb bie Drbnung 
ber ©d^ute ober ju Kerilafen Slgitationen mißbraud^en, fo 
bleibt bem ©taat am Snbe nid^ta übrig, aU bag er biefe« 
^ad^ toenigften« für bie Slngel^örigen ber tird^e, toefd^efid^ 
fo unberträglid^ benimmt, au^ feinem ©d^utjjfan ganj ftreid^e 
nnb e^ ben (SItern ber ©d^üter überlaffe, in ti>eld^er Sßcifc 
fie bcnfelben bie nöt^ige religiöfe Untertoeifung jutommcn 
(äffen tooöen. !Da^. rid^tigfte ift l^ier, baß er jkoar bereit . 
fei, mit ben Äird^en für ben gemeinfamen ^toti ber ffir- 
jiel^ung jufammenjuipirten, baß er fid^ aber in ber ©elb=: 
ftänbig!eit feiner SSertDattung unb in ber fotgerid^tigen 35urd^* 
fül^rung feiner ^)äbagogifd^en ©runbfä^e burd^ bie JRüdEfid^t 
auf biefelben nid^t irre mad^en taffe. 



^ie t^eologife^en t^acultdten. . 245 

35offcI6e Ontercffe an bcr JReltgton, njcld^c^ bcn ©töat 
^cflunmt^ an feinen unteren unb mxttkxm Sel^ranftaften für 
ben {Reügtonöunterrid^t ju forgen, mug ifjn aud^ beftlmmcn, 
burd^ bte (Srünbung tl^eofogtfd^er j^acnlt&kn für bie toiffen^ 
fd^aftH^c 5lu«6tlbung ber ©etftltd^cn beforgt ju fein. 9luci^ 
i^ter fanti e^ nun freißd^ gefd^el^en, ba§ tl^m eine Äird^e ober 
Strd^enbcl^örbe btefe« ge(b feiner 2^^ätig!eit ftreitig mad^t 
S3ir f)ahtn e« ja erlebt, ba§ bon römifd^ geftnnten beutfd^en 
SJtfd^öfen Seigrer ber Ziftotoik, toenn fie fid^ nur irgenb 
ettoa^ üon freier ijorfd^ung retten ipottten, ejcommunicirt, 
bag i'^re äJortefungen ben !ünfttgen Äird^enbienern berboten, 
bag ganje tl^eologifd^e f^acuttäten trotten gelegt mürben, um 
bie fünftigen ^riefter au«fd^Iieg(id^ in bifd^öflid^en ©emina« 
rien junt 5)ienft ber Äird^e l^eranjubitben. (So ift aber aud^ 
fd^on frül^er gejeigt toorben, bafe ber Staat burd^au« in fei* 
nem 3?ed^t ift, toenn er fid^ toeigert, bie 3Rad^t unb ben 
SlnfluB, roefd^en ber Äteru« grogent^eif^ ben i)on i^m ber 
Äird^c ertl^eitten ^riuitegien jU üerban!en f)at, in bie §änbe 
t>t>n ^erfonen ju fegen, bie gerabe in ber entfd^eibenbpen ^c« 
rtobe i^re^ gebend fljftematifd^ gegen bie freie Setoegung bed 
!üenfend abgef^^errt, jn ipittentofen SBerfjeugen eine^ ftaat^:? 
feinblid^en l^ierard^ifd^en ®^ftem^ gentad^t tourben. !Der 
©taat muf barauf l^atten, ba§ bie tl^eotogifc^en i^öcuttäten 
in feiner $anb bleiben, unb bag aöe SE^eofogen, bie in fei- 
nem ®ebiet angeftettt fein motten, i^re ©tubien an feinen 
^od^fd^ulen mad^en. SEBiß ftd^ eine ftifd^e biefer Sebingung 
nid^t untertoerfen, fo mag fie berfud^en, toie toeit fie ol^ne 
bie Unterftü^ung be^ ^Btaat^ lommt. ®ie mag fid^ afö eine 
reine ^ribatgefettfd^aft ol^ne !or]5oratibe Siedete unb lorjjora- 
tibe« SSermiJgen, ol^ne eine bom^ ®tCLat i^x gemalerte SSei^üIfe, 
ol^ne einen öffenttid^en ßi^aralter i^rer Beamten unb ol^ne 
öffentlid^e ©üttigfeit ber bon ii^nen bottjogenen 5l!te, auf bem 



246 ^ic 5(rmenpf[efle. 

®runb blof er ^riJ)atoerträgc conftttuircn. aber ioenn btefer 
SScrfud^ gcmad^t totirbe, fo toürbe ed fid^ tiJDl^I balb jetgen, 
ba§ bte S^ittn borkt finb, in benen bie fttrd^c mit rein 
f irci^Kd^en SRittetn fid^ ju einem bölferbel^errfd^enben Drgani«* 
ntn« au^bifben unb. ben il^r feinblid^en Staat fd^Iießlici^ ju 
fid^ l^erüberjicl^en fonntc. SBa^ beint Untergang ber alten 
Snttnr in bem ntorfd^ gctoorbenen nnb jerfattenben SRömer* 
reid^ ntögtid^ »ar, giebt nid^t ba« 3Jiag für unfere ^tit nnb 
für nnfern bon freier öitbnng nnb fräftig treibenbem Sebcu 
getragenen ®tciat ab. 



20: 

©d^Iiefetid^ ift l&ier nod^ ein $nnft jn bertil^ren, an toet 
d^em bä^ SSerl^äftnife be« @taat« nnb ber Äird^e gfeid^faB* 
ber gefe^fid^en SRegetnng bebarf, toenn and^ bie (Sefal^r eine« 
Äonflift^ l^ier im ganjen geringer ift, ate bei mand^er an== 
bem ?5rage, bie 5lrmen^)flege !J)ie gürforge für bie armen 
nnb $ülf«bebürftigen toirb üom Sl^riftetttl^nm toie bom 3u;= 
bentl^um atö eine SRcUgionö^jflid^t betrachtet, nnb bie ©erlc 
ber JiBarml^eriigfeit nnb ber anfo^)fernbcn SKenfd^enliebe,. 
toefdjfe bie d^rififid^e Sird^e aöer 53efenntniffe in'« Seben gc* 
rnfen l^at, füllen eine« bon ben fd^önften ®(ättern ii^rer ®e* 
fd^id^te. J)ie Sird^e ift in ber 8öfnng biefer ti>ie anberer 
Äntturanfgaben bem Staate lange nnb toeit oorangeeilt 
3Kit ber 3^^* erinnerte fid^ aber and^ bie bürgcriid&c ®efett« 
fd^aft ber SSer^jflid^tnngen, xoeld^e i^r in biefer öejiel^ttng 
nid^t allein ba« ©efül^I ber ^nmanität, fonbern aud^ ba« 



5J>ie 5(rmenpflcge. 247 

• 

3ntercffc il^rcr eigenen @cI6fter]^aftung auferlegt; mit ben 
Äird^en unb ben ©njelnen Wetteiferten bie ©emeinben unb 
bie Staaten in ber ©rünbung tool^ft^ätigcr 3ln(tatten unb 
ber ©orge für bie Slrmen; unb l^eutjutage toirb faum nod^ 
iemanb bejtoeifefn, bafe bie 9lrmen^)fl[cge eine öffenttid^e %n^ 
gelegenl^eit ift, vod^e in il^ren aügemeinen ©runblagen burd^ 
©taatögefe^e georbnet toerben muß, ba§ e« fid^ l^ier um 
eine bon ben toefentlid^en 5lufga6en bed bürgerfid^en ®emein= 
toefen« l^anbelt, eine aufgäbe, xoeld^e junäd^ft ben ®emein= 
ben, toeiterl^in ben größeren :()0litifd^en SSerbänben, unb in 
fester ^ejiel^ung. fo toeit eö fidb um allgemeine ßinrid^tun^ 
gen l^anbelt ober bie SIßittel ber ©efammtl^cit in 3lnf<)rudjf 
genommen toerben muffen, bem ©taat obliegt J)ie fird^- 
Iid|>e 5lrmen:>)flege !ann l^eute an^ jtoei Orünben nid^t mel^r 
genügen, gür'ö erfte nämlid^ ift bie Äird^e nid^t mel^r bie- 
fee ein^citlid^e ®anje, ba^ fie frül^er getoefen ift. ®eit fid^ 
bie 6ine Äird^e be« 3KitteIaIterd in mel^rere Sonfeffionen ge= 
f})aßen l^at, feit aud^ ben SBefennern einer außerd^viftlid^en 
JReligion bie ftaatdbürgerlid^en äied^tc unoetfümmert einge« 
räumt toerben, feit niemanb mel^r oom ©taate gejhjungen 
toirb, üUxf)Cinpt einer Sird^e aupgel^ören , giebt e« feinen 
©taat mel^r, beffen Bürger aöe bon einer beftimmten Sird^e 
umfägt toürben; feifcft bie 53etDo]^ner berfetben ©tabt finb 
f aft immer , felbft bie eine« 35orfeö fel^r l^äufig an berfd^ie- 
bene JReligionögefcßfd^aften bertl^eilt, unb an fel^r bieten Drten 
toerben fid^ fold^e finben, bie feiner in berfelben beftel^cnben 
religiöfen Sor^)oration angehören. Sincr Sird^e fann aber nid^t 
bie SSerjjflid^tung auferlegt toerben, fid^ anberer, aU il^rer eige* 
neu 3lnge]^örigen , anjunel^men. Unb bod^ fann unb barf 
ed ber ©taat nid^t iugeben, ba^ in irgenb einem SEl^eile fei^ 
ne« ©ebiete« bie ^ülfÄbebürftigen niemanb finben, ber für 
fie ju forgen ber})flid^tet toäve. 6r mn^ bie öffcntUd^e 



248 S)ie Armenpflege. 

• 

S93o]^(t^ttgfeit ald ettt>ad betrad^ten, n)orauf aße im Söt^ 
bürfttigfaü Sln^rud^ l^abeit, unb tt>ofür aüe mitjutoirfen t>er^ 
jjpicl^tet finb, bal^cr andf aW ettoa^, bcffen 8cttung, tote bte 
aöer gcmcinfamcn ängctcgenl^citen, il^m jufommt. ©ic ^^ 
d^en finb aber bicfcr 3lufgabc andSf nodf au^ einem »eiteren 
®runbe nld^t getoad^fen. ADenn i^re Organe »erben bte 
8rmen|)fl[ege übertoicgenb im Iird^Iid^en 3ntcreffe unb t)om 
fir(i^Itd|>en ©tanb))unft au6 bel^anbeln. @te »erben biefelbe 
bal^er einerfeit^ ju rettgiöfer ßinmirlung, unb tool^t aud^ jur 
5ltt^breitung tl^re^ bogmatifd^en 53efenntntffe^ bcnü^en, n>äl^' 
rcnb biefeö confeffionette 3ntercffe ber bürgertid^en ärmen^ 
^)flege fremb ift unb fremD fein mufe; unb anbererfeit« fann 
öon i^nen al^ fird^tid^en Scl^örben nid^t .berlangt »erben, 
ba6 fie mit ben mand^erlei fonftigen SSerl^äßmffen , »eld^c 
bte armcnfürforge ju bierüdtfid^tigen l^at, mit boH^toirtl^^ 
fd^aftfid^en , gefunb]^eit«})otijettid^en unb / ä^nfid^en fragen 
tjertraut feien ffienn bottenb^ eine Sird^e in ber frei»it(i^ 
gen Slrmutl^ einen Se»ei« l^iJl^erer religiöfer ffioßfommenl^eit 
unb im «Imofengeben ein^berbienftlid^e« SSJer! fielet, foift 
nid^t JU er»artcn, ba^ bie Semül^ungen jur äbftettung be$ 
JSBettefö bei i^r eine fel^r »arme Unterftü^ung finben »er* 
ben, unb ba§ über^u))t eine ratioueße SSel^anblung be§ 
Slrmen»efen^ ii^ren $)ättben anbertraut »erben fönne; unb 
fo jetgt ja aud^ bie (Srfal^rung, ba§ In ben meiften l^änbern 
ber üßü^iggang, bie äJerarmung unb ber SBettel in gerabem 
aSer^ättniß mit ber 3a^I ber ÄWfter, biefer üon ber Sird^c pxU 
bifegirten Slmofengeber unb 9ltmof(jnem))fänger, geftiegen ift 
3ft aber aud^ bie ?5ürforge für bie Armen in erftcr 
JReil^e eine ^flid^t ber ©emeinben unb be^ (Staate«, bie üon 
il^nen nid^t auf bie Äird^e abge»ä(jt »erben f ann, fo ift e« bod^ 
fel^r »ünfd^en«»ert]^ , ba| bie Äird^en unb il^re ©iener bei 
bcrfetben mit ben bürgerlid^en ©el^Drben xufammen»irfen. 



3)ie 5irmcn<)flefle. 249 

S)cnn il^rc müxdft ©tettung unb ^l^ätigfeit fefet bic ®ctft^ 

üäf^n in bcn ©tanb, bie SSerl^äftntffe unb ©cbürfitiffc bcr 

Smjctncn "oft genauer ate anbete fennen ju (crnen, unb eine 

fitttid^c einiptrfung auf fie au^juüBen, bie an^ iffum äuße^ 

ren Öctcn nur jugutelommen fann. SBic ballet bie öffent^ 

lid^e Slrtnen|)fl[egc ü6er]^au^)t ber ßrgänjung unb Unterftüfeung 

burd^ btc ^rtbattool^ftl^ätigleit ©injelner unb freiwilliger 35er^ 

eine tebarf , fo. fott fie anäf biejenige Unterftü^ung, bie il^r 

bie Äird^e getoäl^rcn fann, nid^t »erfd^ntä^en. ' S)er ©taat 

barf eö bal^er ber Sird^e nid^t 'erf d^toeren , fid^ in il^rer 

SBcifc unb mit i^ren 3Rittetn an bcr öffentlid^en SQSo^ttl&ätig* 

feit ju bctl^eiligen, Stiftungen für biefen ^totd anjunel^men 

unb äBol^Itl^ätigfeitdanftaften ju errid^ten. Sr ntug aüer* 

btng« fold^e ätnftalten c6enfo, toie atte anbern, beauf fid^tigen ; 

er tttu§ barauf l^alten, ba^ fie koirfßd^ ba^ feien, toa« fie 

fein tooflen, unb baß nid^t unter bem Spanten ber äBol^It^ä- 

tlgfeit anbere ^tozd^ berfotgt koerben. @r ift aud^ bered^* 

tigt, tpol^It^tige Stiftungen, toeld^e bi^l^er jtoar ber 35er:= 

toaltung ber Sird^e anvertraut iparen, U)eld^e aber il^rer5lb^ 

jtocdtung nad^ feinen f))eciflfd^ fird^Iid^en ßl^arafter tragen 

unb nid^t auf bie Slngel^iJrigen einer beftimmten ßonfeffion 

befd^ränft finb, in feine eigene SSerlpattung ju nel^men ober 

ber bürgertid^en ©enteinbe ju übergeben» 9lber er l^at nid^t 

aCein feinen Slnlafe/ bie Unterftü^ung ber Sird^en unb il^rer 

©icner für bie ärmen^jftege jurücfjutoeifen, fonbern bietmel^r 

bringenbe ©rünbe, fie ju fud^en. S^iur ti>enn einetird^e fie 

il^m bertoelgerte, ober fie an Sebingungen fnüjjfte, bie ber 

Unabl^ängigfeit feiner ®efe|gebung unb SSertoattung ober 

ber 9ied^t^g(eld^i^eit feiner Bürger ju nai^e träten, ntüfte er 

fid^ aud^ auf biefent ©ebiete auf fid^ felbft xurütfjiel^en unb 

fein aSerl^äftniß ju einer tird^e, bie i^nt ben JRüden tDen- 

bete, nad^ rein red^tfid^en ®efid^t^^)unften orbnen. 



260 "SAt ^tnien))fle0e. 

5l6er eine fad^Iid^e g^otl^toenbigfeit baju liegt glüÄid^er^ 
toetfe nid^t üor. ©tc 3ti)e(fe bcr SBol^tt^ätiglctt unb bcr 
aKenfd^enlicBe finb btejentgcn, in benen fid^ aüt, tote toctt 
aud^ ii^re fonftlgcn 5lnfid^ten au^cinanbcrgel^en, am fcid^teften 
ju gcmeittfamcm SBirleti xufammenflnben fötincn. 3n bcr- 
aSerfoIgung biefer ^md^ totrb ftd^ auci^ ber ®cgcnfa^ be^ 
©taated unb ber Sird^e am el^eften au«gletd^en, unb bie gemein- 
fame ®runb(agc jtttlid^er Ueberieugungen unb ©ebürfntffe, 
auf ber treibe rul^en , am tebenbigften in'^ JBctougtfeln treten. 
S)ie frül^ere ginl^eit be^ ©taat^ unb ber Äird^e ^at fid^ gc^ 
Wft; bie fortfd^reitenbe ßnttolcfiung unb 53efreiung be« potU 
tifd^en toie be« reftgiöfen Seben^ ^at bie Siotl^tocnbigfeit l^er? 
beigefül^rt, xtt)tfd^en treiben ju unterfd^eiben unb bie ©renjc 
il^rer ^^d)ie unb 5lufgaBen genauer ate bi^l^er ju beftimmen. 
35er .®ang ber ©efd^id^te, bie tl^atfäd^Itd^en ^wftänbe unb 
©ebürfniffe, nid^t btoge S^eorieen, l^aBen ben ©taat in btc 
5Wot]^ti)enbigfeit berfe^t, mand^e Siedete, bie er frül^er Befaf, 
an bie Sird^en abjutreten, anbere bon il^nen iurfidtjuforbem, 
unb [o tange ber ©treit um bie beiberfeitigen 3lnft)rüd^e 
bauert, tft e« nid^t ju bermeiben, baß bie ^kk, benen beibc 
gemeinfam jufteuern foflen, fid^ bem 53fi(fe nid^t fetten ber* 
bunletn. 5l6er je genauer unb aßfeitiger bad mnt JRed^t 
beftimmt ift, toefd^e^ au^ biefem Äam})fe l^erborgel^en toirb^ 
je feftere gefe^Iid^e %oxmm e« annimmt unb je un|)art]^eifd^cr 
e^ aütn Sll^eUen getoäl^rt, toa« tl^nen geBül^rt, um fo fidlerer 
läßt fid^ hoffen, baj3 bie l^od^gel^enben ©ogen, tocnn aud^ 
bietteld^t erft nad^ Sal^rjel^enben, fid^ toieber Berul^igen, unb 
bafe auf bem neugewonnenen ©oben bie j|et5t fid^ beftreitenbcn 
^Siiiftz iur gemeinfamen «rbeit im SDienfte ber ©ittOd^feit 
unb ber $)umanität fid^ bie $)anb reid^en. 



)Deffan, ^. ^e^^ntd^, $ofbu(^bTU(fer((.